Plötzlich hält die Welt an

Es gibt diese Tage, an denen die Welt plötzlich stehen bleibt und sich genauso plötzlich wieder weiter dreht. Ähnlich dem Gefühl auf einer Achterbahn, wenn es plötzlich abwärts geht und man einen kurzen Moment schwebt, bevor man wieder in den Sitz gepresst wird. Ein Ruck, der bis ins tiefste Innere geht und alles zum wanken bringt.

„Heute kam die Erkenntnis, dass mein Vater doch mehr getan hat…“ schreibt Frau Schatz und ich bin für einige Momente nicht mehr im Hier und Jetzt, sondern ein paar Jahre zurück geworfen, an meinem eigenen Punkt der Erkenntnis, der Bilderflut ausgeliefert, die über mich herein bricht.

In J.s Büro sammelt mich eine Dozentin auf, weil ich die Tränenflut nicht mehr zurück halten kann und J. gerade nicht da ist. Sie lässt mich weinen und erzählen, lenkt mich ab, bis ich den Halt in der Welt wieder habe, bis J. da ist, mir ihren Schlüssel gibt.

Mit dem Krisenmensch hatte ich eh einen Termin vereinbart, er holt mich ab, wir gehen in den Park, schauen dem Krisenhund zu, reden. Es wird besser und der Schmerz über meine eigene Vergangenheit fängt an kleiner zu werden. Was bleibt ist der Schmerz, dass sie sowas erleben musste. Die Wut. Die Hilflosigkeit.

Für mich ist es schwer damit umzugehen. Denn bisher war unsere Geschichte zwar ähnlich, aber anders. Da gibt es Worte, die man sagen kann, Trost und Zuversicht, dass es besser wird. Doch was tut man mit dem eigenen Trauma, das immer noch so oft verschlossen in einer Kiste im Keller steht, was tut man mit dem eigenen Schmerz, für den es viel zu oft keinen Weg gibt.

Ich weiß nur, dass es anders wird. Besser klingt irgendwie falsch in diesem Kontext. Aber es wird anders. Irgendwann wirft es einen nicht mehr mehrmals am Tag aus der Bahn, trifft einen nicht ständig mit voller Wucht. Irgendwann tut es nicht mehr ständig weh.

Bis dahin bleibt nicht viel. Dasein, halten, mit tragen.

Passenderweise ist gerade irgendwie der ungünstigste Zeitpunkt um Medikamente runter zu dosieren, doch was läuft schon nach Plan? Und so hänge ich körperlich in den Seilen, kämpfe mit Schwindel und Übelkeit und dem Gefühl, dass ich nicht ganz da bin. Ich kenne die Symptome von meinem unfreiwilligen Absetzen der Medis vor zwei Jahren, als ich sie einfach mal mehrere Tage vergessen habe. Doch mit der Zeit verblasst der Schrecken und es war ja gar nicht so schlimm. Dass es das doch war merke ich gerade wieder, obwohl ich nur um die kleinste Dosis reduziert habe. Hallo SSRI-Absetzsyndrom, du bist ein Arsch.

Alles auf Anfang klingt wie Aufbruch doch hier bewegt sich überhaupt nichts mehr.
Manchmal tut’s gar nicht weh, manchmal ’n bisschen und manchmal sehr.

~ Jupiter Jones

#welcometomidnight

Ein weiteres Jahr geht zuende. Ich möchte die geliebte Tradition aus „meinem Forum“ fortführen und das Jahr mit dem Jahresrückblick beenden.

Was hast du in diesem Jahr gelernt? Woran bist du gewachsen?

Ich habe gelernt, dass Aufgeben keine Option ist. Dass es immer weiter geht. Ich bin an meinem Studium gewachsen, an den verschiedenen Aufgaben als Vertretung der Studierenden in Gremien, an den kleinen und großen Katastrophen des Jahres.

Womit hast du angefangen?

Wieder zu genießen, kleine und große Momente achtsam wahrzunehmen. Positives zu akzeptieren und mich auch daran oder darüber zu freuen. Mir selbst ein wenig mehr zu vertrauen.

Worauf bist du stolz?

Auf mich. Auf meine Leistungen im Studium, auf ein weiteres Jahr ohne Selbstverletzung, auf die Krisen, die ich gemeistert habe.

Womit hast du aufgehört/abgeschlossen?

Ein wenig damit mich immer an „normalen“ Menschen zu messen, ein weiteres Stück mit der Selbstverletzung und der Suizidalität.

Schönster Moment des Jahres?

Der Abend nach dem Fakultätsrat, mit viel Alkohol und zwei tollen Menschen auf dem Balkon, die Nachricht mit „ich glaub wir müssen reden“ die ich irgendwann schrieb. Die Antwort darauf, die vielen Freudentränen und dieser wunderbare Mensch, der seitdem an meiner Seite ist. ❤️

Schlimmster Moment? (Und evtl. Erkenntnisse daraus?)

Da gab es zwei.

Der Abend im Januar, an dem am Bahnhof eine Frau von einem Mann festgehalten wurde und um Hilfe schrie. Die Panikattacken, die seitdem wieder da sind. Erkenntnis daraus, dass ich wohl doch eine Traumatherapie brauche, um endlich abschließen zu können.

Und die Tage und Nächte, in denen mein Katerkind verschwunden war, die Angst und Panik, bis er endlich wieder Zuhause war. Erkenntnis daraus, dass ich selbst diese grausamen Momente, in denen alles schwarz ist und es nur Schmerz und Dunkelheit gibt, irgendwie überstehen kann und ich nicht alleine bin.

Wem sagst du danke – und wofür?

Frau Schatz. Dafür, dass sie in meinem Leben ist und gemeinsam mit mir durch die schönen und weniger schönen Momente geht.

Der Fee J. für ihre Freundschaft, den denkwürdigen Abend auf dem Balkon, die Zigarettchen an stressigen Tagen, für Umarmungen und Liebe Worte.

Meinen dbt-Mädels für die Freundschaft, für die Nähe zwischen uns trotz der Entfernung und für das Gefühl verstanden zu werden.

Bavaria, vor allem dem Weiberhaufen, fürs jederzeit ein offenes Ohr haben, fürs lustige Momente teilen und in schweren Momenten da sein.

Dem Herrn Krisenmensch (und dem Team). Für Gespräche und das Mittragen von Krisen und für die Unterstützung in guten und schlechten Phasen.

Fylgja fürs Schreiben und Telefonieren und die süße Post immer wieder.

Und all den anderen tollen Menschen, die mein Leben ein wenig bunter machen.

Was bringt 2019/ Was wünschst du dir für 2019?

Ich wünsche mir endlich die dbt-Mädels wieder zu treffen. Mehr Gelassenheit und Selbstvertrauen bei den Klausuren. Etwas mehr Achtsamkeit und weniger Panik. Viele tolle Momente mit Frau Schatz. Sommerabende auf J.s Balkon, mit Alkohol und Lachen. Die Kraft für ein weiteres Jahr ohne Selbstverletzung.

Unvergessenswertes?

Das Katerkind zu hören, wie er plötzlich in die Küche springt nachdem er so lange verschwunden war.

Mein Geburtstag, den ich auf der Semesterparty gefeiert habe.

Der Moment nach der letzten Klausur, wenn die ganze Anspannung abfällt. Gemeinsam mit den Kommilitonen feiern.

1000 Tage ohne Selbstverletzung.

Weihnachten mit Frau Schatz.

#into19

Es ist halb 5, als ich zum ersten Mal vor der Tür stehe und rauche. Die Stadt ist noch nicht ganz wach, gelegentlich fährt ein Auto vorbei, es sind kaum Menschen auf der Straße. Ich bin kein Morgenmensch, aber wenn ich mal wach bin, dann mag ich diese Zeit in großen Städten, wenn der alltägliche Trubel sich nur erahnen lässt, wenn die sonst so vollen und lauten Straßen noch nicht erwacht sind, wenn die meisten Menschen noch nicht ihre Häuser verlassen haben.

Gestern habe ich ein paar Dinge gepackt und bin in die Krisenpension gegangen. Aktuell ist es schwer, chaotisch, anstrengend. Ich schlafe zu wenig und denke zu viel, ich kämpfe mit der Dunkelheit und den bevorstehenden Weihnachtstagen, mit Selbstverletzungsdruck und Suizidgedanken, mit den Anforderungen des Studiums, mit den Anforderungen des Alltags. Alles fällt schwer und ist anstrengend, alles erfordert Kraft, die ich eigentlich nicht habe.

Es fühlt sich ein Stück weit nach Versagen an. Schon wieder schaffe ich es nicht alleine. Schon wieder brauche ich Unterstützung. Mein Kopf weiß, dass es anders ist. Zuletzt war ich vor ca. einem Jahr hier. Das ist ein Jahr, dass ich gemeistert habe. Vor 2 Jahren erst endete mein Klinikmarathon, die Zeit, in der ich nicht mal mehrere Monate am Stück ohne Krisenintervention geschafft habe. Ich habe gemerkt, dass es nicht funktioniert aktuell, habe mir Hilfe gesucht und bin nicht akut in der Psychiatrie gelandet. Ich habe viel geschafft seit damals, schaffe es neben dem ganzen Chaos zu studieren, dennoch ist es für mich schwer zu akzeptieren, dass ich aktuell nicht so funktioniere wie ich es möchte. Ich weiß, dass es besser wird, wenn ich es schaffe den Schritt zur Akzeptanz zu gehen. Wenn ich es schaffe damit klar zu kommen, dass es so ist wie es ist, dass der Selbstverletzungsdruck seine Berechtigung hat und auch die Suizidalität, dass es okay ist mir Hilfe und Unterstützung zu holen, dass es okay ist nicht okay zu sein. Doch es fällt schwer. Ich will so gerne einfach mehr leisten können.

Trotz allem Chaos, trotz der Sehnsucht nach Frau Schatz und meinen Viechern, es ist gut hier zu sein. Weil ich weiß, dass es zuhause gerade nicht besser wird. Ein wenig Abstand tut gut, zu wissen, dass jemand professionelles da ist und vieles mit auffangen kann, ein wenig mehr Sicherheit vor mir selbst und ein wenig mehr Halt in dem Chaos in meinem Kopf. Es tut gut ein Stück näher an der Fakultät zu sein und mir die langen Strecken zu ersparen, nicht in der Wohnung zu sein und zu sehen, dass ich gerne hier und da und dort etwas tun würde, es aber nicht schaffe.

Mein Ziel sind ein paar Nächte hier und dann wieder nach Hause. Kraft finden und weiter machen. Die nächste Nacht noch und vielleicht die Nacht drauf, je nachdem wie es ist.

Noch diese Woche und die nächsten beiden. Dann steht ein wenig vorlesungsfreie Zeit an, dann fällt der Druck des Studiums für ein paar Tage weg. Dann ist Weihnachten auch nicht mehr dieses große bedrohliche Ungeheuer, dass vor mir schwebt, sondern fast da und konkreter, dann kann ich damit ein wenig besser umgehen.

Just don’t ask me what it was

Wie war das bei Ihnen? Wie sind Sie aufgewachsen, was hat Ihre Sprachbiografie beeinflusst? Gab es in der Familie Dinge, über die man nicht geredet hat, schwarze Löcher…“

Ich höre schon nicht mehr zu. Mich katapultiert es aus dem Seminar zurück in die Vergangenheit, zu den unzähligen Momenten in denen ich so gerne gesprochen hätte, erzählt hätte. Meine Kindheit und Jugend war gefüllt mit diesen schwarzen Löchern, über die man nicht reden durfte. Über die ich nicht reden durfte. Eigene Probleme, meine Mutter, meine Sorgen, meine Schwester, über das erste Verliebtsein, über meine Tante, über Gefühle, über meine komplette Familie mütterlicherseits und fast die komplette Familie väterlicherseits, an manchen Tagen nicht mal über das Wetter, weil er bei jedem Thema einfach nur explodierte. Eigentlich habe ich meine Kindheit und Jugend größtenteils damit verbracht schwarze Löcher zu umgehen, irgendwie einen Weg dazwischen zu finden, zu nicken, still zu sein und zu versuchen zu verstehen welches System hinter der tickenden Zeitbombe mit Zufallsgenerator steckte, die mein Vater war. Schweigen, Lügen, Belanglosigkeiten. Das ist meine Sprachbiografie. Eine Erklärung finden, warum ich nicht da war. Referatsarbeit statt dem tatsächlichen Treffen mit einer Freundin. Nachmittagsunterricht statt der tatsächlichen Therapiestunde. Kein Wort über die Telefonate mit meiner Mutter. Kein Wort über meine Oma, die im Sterben lag und die ich so gerne besucht hätte. Kein Wort über die Sehnsucht nach meiner Schwester. „An den Feiertagen soll es schneien“ statt „ich will zu meiner Familie!“

Diese Zeit des Jahres ist regelmäßig einfach schwer für mich. Auch wenn ich seit 10 Jahren die Feiertage so verbringen kann wie ich es möchte, so ist es dennoch nicht leichter geworden. Zu tief sitzen die Jahre, in denen mein Vater schon im Herbst darüber klagte, dass ich schon wieder zu meiner Mutter fahre an Weihnachten. Schon wieder. Wenn ich Glück hatte, dann alle zwei Jahre. Manchmal auch alle drei, mit der Begründung, ich hätte sie ja an Ostern gesehen. In seiner wortgewandten Art erzählte er mir wie einsam und alleine er sein würde, wie schrecklich es wäre alleine zu sein an den Feiertagen, an denen andere Menschen Zeit mit ihrer Familie verbringen. Dabei wollte ich doch nur genau das auch. Zeit mit meiner Familie, mit meiner Mutter und meiner Schwester und damals noch meiner Großtante und meinem Großonkel. Zeit mit den Menschen, die ich liebe und die mich lieben. Stattdessen konnte ich diese seltenen Momente kaum genießen, weil mein Kopf voller Schuldgefühle war.

Und auch heute noch fühle ich mich schuldig ihn alleine zu lassen. Ich weiß, dass ich ihm nichts schulde, dass ich nicht für ihn und sein verkorkstes Leben zuständig bin und auch niemals die Ansprüche als sein Lebensmittelpunkt erfüllen könnte oder möchte. Und trotzdem sind diese eingeimpften Gefühle so sehr Teil von mir, dass ich sie nicht abschütteln kann.

Jahr für Jahr für Jahr das selbe Chaos. Ich hoffe immer noch, dass es irgendwann leichter wird. Doch was sind 10 Jahre Erwachsenenleben gegen 14 Jahre prägende Kindheit und Jugend? Wie wird man solche Dinge wieder los, mit denen man aufwuchs, die so sehr Normalität waren, dass der Wahnsinn dahinter gar nicht auffiel, die so sehr die eigene Entwicklung geprägt haben?

In vielen Dingen funktioniert es. Rationalität, alles was der Kopf leisten kann, ist seltener ein Problem. Doch diese Sache mit den Gefühlen, die ist verflixt.

Und dann haut es mich mitten aus einem Seminar in die Vergangenheit. Weil diese Jahreszeit so schwer ist und Kraft kostet, weil Gefühle scheiße sind, weil ich so unglaublich schlecht schlafe in den letzten Wochen. Mir fehlen die Kraftreserven um mit den Triggern des Alltags aktuell umgehen zu können.

Und so rettet mich eine Tavor auf dem Weg nach Hause aus dem Strudel von Selbstverletzungsdruck und Suizidgedanken, füllt meinen Kopf einfach nur mit Watte und dämpft das Chaos in mir drin auf ein erträgliches Maß.

Und trotz Tavor, immer wieder zufallenden Augen und allumfassender Müdigkeit komme ich trotzdem nicht zur Ruhe.

Von mir aus könnte jetzt der Frühling beginnen.

I think it’s because I’m clumsy
I try not to talk too loud
Maybe it’s because I’m crazy
I try not to act too proud
They only hit until you cry
After that you don’t ask why
You just don’t argue anymore
You just don’t argue anymore
You just don’t argue anymore

~ Luka – Suzanne Vega

Schwarz und Weiß.

Gestern zeigt mir timehop ein Foto meines Plans vom ersten Semester. Ein Wischen weiter taucht der Therapieplan aus der dbt auf, genau ein Jahr älter als der Plan vom ersten Semester. Krasser könnte der Unterschied wohl kaum sein. Und irgendwie ist es absurd, dass zwischen diesen zwei Bildern wirklich nur ein Jahr liegt und schon wieder ein Jahr vergangen ist. Seit einem Jahr bin ich nicht mehr „hauptberuflich krank“. Noch vor 2 Jahren habe ich mitten in der dbt gesteckt, voller Zweifel und zwar mit dem Wunsch etwas zu tun, wieder in irgend einer Art und Weise nicht mehr krank zu sein. Doch dass ich schon im Jahr drauf in Vorlesungen sitzen werde, fast täglich aus dem Haus gehe, mein Leben (meist) auf die Reihe kriege, das war nicht vorstellbar.

Es zeigt mir, dass ich viel geschafft habe in dieser Zeit. Ich habe mich nun über 2 ½ Jahre nicht verletzt, habe seit über einem Jahr keine stationäre Krisenintervention mehr gebraucht, ich nehme weniger Medis, ich studiere im dritten Semester.

Auf der anderen Seite fühlt es sich besonders heute nicht so an. Es fühlt sich nach Versagen und Hoffnungslosigkeit an. Seit zwei Tagen habe ich wieder Vorlesungen und Seminare und bin jetzt schon so genervt, dass ich gefühlt 3 Wochen Freizeit brauche. Ich bin dauerhaft angespannt (zwar anders als früher, aus Anspannung folgt nicht mehr direkt Selbstverletzungsdruck, aber dennoch ist sie da). Ich habe das Gefühl bei dem nächsten doofen Kommentar von Kommilitonen, bei der nächsten unsinnigen Regelung eines Dozenten, bei der nächsten Mail, das dies und das und jenes ausfällt oder verschoben wird, einfach zu explodieren. Es strengt an, weil ich permanent dabei bin nicht die Beherrschung zu verlieren. Und ich weiß noch nicht mal wieso. Ich weiß nicht was mich derzeit auf ein so hohes Level bringt.

Vielleicht ist es das Gefühl aktuell zu versagen. Meine Wohnung ist ein Chaos, nicht zuletzt weil der Abbau meines alten Kleiderschrank und der Aufbau des neuen einfach Chaos im Schlafzimmer hinterlassen haben und es auch vorher nicht ordentlich war. Ich habe das Gefühl gegenüber meiner Freundin zu versagen, weil sie dann spült oder die Wäsche macht, bevor ich nach Hause komme. Weil ich ihr so gern einfach ein ordentliches und hübsches Zuhause geben würde, aber mir die Kraft fehlt aktuell etwas zu tun. Vielleicht weil meine Erwartungen an mich selbst einfach zu hoch sind. Weil ich gerne einfach gesund wäre, wie so viele meiner Kommilitonen einfach studieren und danach nach Hause kommen, den Haushalt erledigen und Zeit mit dem Partner verbringen. Weil die Antriebslosigkeit und die Nachwirkungen der Erkältung und das daraus resultierende Chaos zeigt, dass ich eben nicht gesund bin. Dass ich zwar das Studieren hin kriege, aber das Drumherum aktuell nicht. Weil es eben nichts gibt zwischen schwarz und weiß, zwischen gesund und krank, zwischen „ich kann das alles“ und „ich kann nix“.

Es ist ein grausames Gefühl, dieses Festhängen zwischen dem Wissen, dass ich so viel erreicht habe und stolz sein kann und dem Gefühl völlig zu versagen.

*t* Vom Kinderspiel zum Albtraum

Mädchen fangen. Ich weiß nicht, ob es ein typisches Spiel einer Kindheit der 90er war, ob Kinder es heute noch spielen oder ob es vielleicht nur örtlich begrenzt gespielt wurde. Jedenfalls erinnere ich mich noch gut daran, es wurde auf dem Pausenhof gespielt, bei der Stadtranderholung (warum die so hieß, wo ich doch auf dem Land groß wurde, ohne etwas drumrum dass den Namen Stadt verdient hat, frage ich mich auch gerade…), bei allen möglichen Anlässen mit einem Haufen gelangweilter Kinder.

Die Jungs fangen die Mädchen. Und „sperren“ sie bevorzugt irgendwo ein, ein abgetrennter oder vorher definierter Bereich, aus dem man erst wieder raus darf wenn ein anderes Mädchen einen abklatscht.

In einem Sommer meiner Kindheit wurde aus dem Kinderspiel für mich ein Albtraum. Denn da war D., der Sohn meiner Tagesmutter, der mich fing und zum abgesperrten Bereich brachte und mich dabei anfasste. An Stellen, an denen ich nicht angefasst werden wollte.

Bei der Stadtranderholung war das Gefängnis ein riesiges schwarzes Zelt, dass dort hinterm Haus auf der Wiese stand. Darin dunkel und perfekt, um einen in eine Ecke zu ziehen, festzuhalten, anzufassen. Schreien war sinnlos, schließlich quietschen und brüllten überall Mädels, die von Jungs geschnappt wurden.

Für mich war schlimm, dass man sich dem Ganzen nicht entziehen konnte. Ein „Ich will nicht mitspielen“ war eine Ausrede, weil man nicht gefangen werden wollte. Wehren und weglaufen und schreien ein Teil des Spiels und somit ein Zeichen, dass man mitspielt. Und Stillhalten und nichts tun gleichzeitig auch wieder ein Zeichen, dass man nichts dagegen hatte. Es war also furchtbar egal was ich tat, alles war eine Zustimmung.

So wie es damals begann ging es weiter. Mich wehren war für ihn ein Zeichen, dass ich Spaß an seinem kranken Spiel hatte. Dass ich wollte, dass er mich festhält, festbindet. Schreien natürlich auch. Ein Zeichen wie toll ich es finde, später ein Grund mir irgendwas in den Mund zu stecken. Und wenn ich nichts tat, dann war es natürlich das stillschweigende Einverständnis, dass es okay ist was er macht.

Was mit einem Kinderspiel begann (und für mich in meinem Kopf lange unter „war doch nicht so schlimm“ abgespeichert war) wurde irgendwann zu kranken Sexspielchen. Bis heute fällt es mir unglaublich schwer die Gedanken daran überhaupt zuzulassen, weil ich mich so sehr schäme für die Dinge, die passiert sind. Weil ich das Gefühl habe, dass ich es eben „erlaubt“ habe. Weil er immer gesagt hat, dass ich durch mein Handeln (egal welches) zeige, dass ich es auch will. Und weil ich in meiner Kindheit und Jugend gelernt habe, dass „solche Dinge“ pervers sind. Dass man sie irgendwo in einer dunklen Kammer macht, wenn man irre ist.

Über D. spreche ich deshalb nicht gerne. Und auch nicht, weil er nur wenige Jahre älter war als ich, selbst noch eigentlich ein Kind, ein Teenager, und ich mich frage, wieviel er damals überhaupt davon verstand, was er mit mir tat. Und auch, weil ich ihn gerne mochte. Weil da zwar nicht unbedingt sowas wie Verliebtheit war, aber Zuneigung. Er war älter, damit gleichzeitig cooler, er mochte mich, er nahm mich mit zum heimlichen Rauchen unter der Brücke, er war mit den (für mich damals) coolen Leuten befreundet, die alle älter und mehrfach sitzen geblieben waren, die taten was sie wollten ohne sich drum zu kümmern was ihre Eltern sagten. So wollte ich auch sein. Frei. Einfach frei.

D. war der mittlere Sohn einer dominanten Mutter und eines „unterdrückten“ Vaters. Seine Mutter hatte zuhause die Hosen an, verprügelte gerne mal ihre Söhne, wenn diese etwas ausgefressen hatten. Ihr Mann hatte wenig zu melden. Im elterlichen Schlafzimmer lief das ganze allerdings wohl andersrum. Und so fand D. Irgendwann nach jenem Sommer Heftchen mit Bildern und später auch Videokassetten und diverses Spielzeug im Schlafzimmer seiner Eltern. Fesseln. Knebel. Peitschen. Kerzen. So viele Sachen, die manchen gut sortierten Sexshop hätten neidisch werden lassen. Und natürlich wollte er das ausprobieren.

Ich könnte jetzt lang und breit spekulieren warum er das tat. Sein Vorbild, der Vater, hatte scheinbar nur dabei was zu melden. Sein großer Bruder war auf dem Gymnasium und wurde gelobt, der jüngere war das Nesthäkchen. Für ihn blieb kaum Liebe und noch mehr Gewalt als für die anderen beiden. Doch all das rechtfertigt die Dinge nicht, die er mit mir tat.

Bis heute wird mir übel, wenn ich diese blauen Nylonseile sehe, mit denen dort damals die Heuballen festgebunden wurden. Bis heute wache ich manchmal auf und kriege keine Luft, weil ich gerade geträumt habe, dass mir jemand ein Kissen aufs Gesicht drückt. Bis heute verzweifle ich, wenn es in einer Situation kein klares ja oder nein gibt.

Und auch heute noch triggert es mich, wenn am Bahnhof ein paar Jungs unbeschwert hinter Mädchen her rennen und sie einfangen, so wie vor ein paar Stunden.

Druck – Klappe, die trölfzigste

Es war okay, so viele Tage und Wochen. Die Selbstverletzung hat so wenig Raum in meinem Leben eingenommen, dass ich sie an manchen Tagen sogar ganz vergessen habe. Wenn der Druck mal kam, dann war er immer unterschwellig, nie so hoch, dass ich hätte skillen müssen.

Und dann wache ich auf, gerade in dem Moment als ich fertig bin mir im Traum beide Pulsadern aufzuschneiden. Ich sehe meine unverletzten Arme und gleichzeitig das Blut und die Wunden. Es dauert, bis ich sicher bin, dass ich noch lebe, dass es nur ein Traum war.

Was bleibt ist der Druck und die Suizidgedanken. Mit letzteren kann ich umgehen. Sie sind ein leises Hintergrundrauschen, ein geflüstertes „Es wäre so viel leichter“, dem ich aber nichts entgegen setzen muss, weil es okay ist. Die Gedanken dürfen da sein, denn ich bin mir momentan sicher, dass ich sie nicht umsetzen werde und sie sind auch nicht so drängenden, dass ich handeln müsste.

Der Druck hingegen flüstert nicht, er brüllt und tobt. Ich habe seit dem Aufwachen das Gefühl nur noch aus meinen beiden Armen zu bestehen. Alles Körpergefühl sammelt sich dort und ich habe das Gefühl es nur los zu werden, indem ich mir eine Klinge durch die Haut ziehe. Den ganzen Tag über ist der Druck da, manchmal stärker, in manchen Momenten schwächer, aber nie verschwindet der Gedanke an Selbstverletzung aus meinem Kopf. Welle um Welle rollt heute über mich, manchmal sanft und manchmal tosend und brausend. Früher bin ich in solchen Momenten direkt eskaliert. Konnte es nicht aushalten, keinen einzigen Augenblick. In der Klinik waren es die Momente, in denen ich heulend und zitternd am liebsten zusammengebrochen wäre, wenn es keine Möglichkeit gab mich zu verletzen.

Mittlerweile halte ich es aus. Ich halte es aus, weil ich weiß, dass es mich nicht umbringt. Dass ich weder explodieren noch implodieren werde. Und weil ich Mittel und Wege habe es aushalten zu können. Es funktioniert, doch nicht unbegrenzt. Ein Tag dem Druck standhalten kostet unglaublich viel Kraft. Ich will eine Pause, ich will durchatmen können, weil ich momentan eigentlich meine Energie für andere Dinge bräuchte.

Ich weiß nicht warum es nun plötzlich wieder so viel Raum einnimmt. Vielleicht, weil die letzten Wochen stressmäßig ein Balanceakt waren. Vielleicht weil ich die letzten Wochen eh schon angespannt und antriebslos war. Vielleicht weil ich nicht gut schlafe. Vielleicht, weil es einfach wie eine Welle mal mehr, mal weniger ist. Eigentlich ist es auch egal. Wichtig ist gerade durchzuhalten.

Weil ich es schon so lange geschafft habe.

Weil ich meine Postkarte von den Bahamas bei Pfleger Arschkeks abholen will ohne frische Narben.

Weil ich einen Menschen an meiner Seite habe, der mit mir kämpft.

Weil ich Notaufnahmen und Wunden nähen lassen so satt habe.

Weil ich die letzten warmen Sommertage nicht mit Verband verbringen, sondern die Sonne auf meiner Haut spüren will.

Weil es nichts ändert, besser macht oder heilt.

Weil ich es einfach satt habe mein Leben davon so bestimmen zu lassen.

Ich pfeife mir jetzt Bedarf ein, denn für heute ist meine Kraft aufgebraucht. Ich mag nicht mehr kämpfen und stark sein, sondern mich nur noch in meine Decke wickeln, an meinen Schatz kuscheln, das Katerkind auf meinen Füßen liegen haben und mich fallen lassen.

Pflegekräfte – die wahren Helden.

Immer wieder lese ich im Gruppen oder Foren die Frage, wie man eigentlich gesund wird. Wie es besser wird. Und natürlich sind es immer wieder die gleichen Ratschläge. Therapie. Medikamente. Klinik.

Wenn ich gefragt werde, was mir von professioneller Seite am meisten geholfen hat in den letzten Jahren, dann ist das mittlerweile für mich einfach zu beantworten: die Menschen, die mich nicht mit Fachbuchtexten versucht haben zu therapieren, die nicht nur wöchentlich eine Stunde Zeit mit mir verbracht haben.

Zu 95% waren das die Pflegekräfte. Die Menschen, die meine täglichen Kämpfe gegen mich mit mir ausgefochten haben und durchaus auch meine Kämpfe gegen sie selbst. Die Menschen, die nachts mit mir auf dem Balkon saßen, die Runde um Runde mit mir über die Station liefen, wenn der Druck kaum aushaltbar war, die sich immer und immer wieder die Diskussion mit mir über das für und wieder angetan haben, die mich vom Badboden aufkratzten und für die zerschnittenen Arme und mein Versagen nicht verurteilten, die mir nachgingen, wenn ich versuchte abzuhauen, die stundenlang mit mir Kniffel spielten, mit mir Runden ums Haus drehten wenn ich nicht alleine raus durfte, die mit mir auf den Balkon zum rauchen gingen, die mir abends noch einen Tee kochten, die mir Smileys auf die Arme malten, mich beim Nähen mit geocaching-Geschichten ablenkten. Es gibt so unendlich viele Situationen, so viele Momente, Erinnerungen und Geschichten, gerade aus meiner Zeit in der Akutpsychiatrie.

Ich war sicherlich nicht einfach. Ich kann bockig und stur sein, ich war oft suizidal, anti alles, wollte keine konstruktiven Dinge annehmen. Und doch haben die Pfleger und Schwestern mich als Menschen akzeptiert und auch so behandelt, haben nicht aufgegeben und mir die Möglichkeit gegeben mich an ihnen zu reiben, meine Kämpfe auszufechten und ihre Unterstützung immer angeboten und mir die Zeit gegeben sie dann anzunehmen als ich es konnte. Es waren keine Psychologen oder Ärzte, keine wissenschaftlich fundierte Methoden, sondern Menschlichkeit, der Kontakt und Geduld, Akzeptanz und Grenzen, die mir in dieser Zeit so viel Halt gegeben haben. Es waren „Sie können jederzeit anrufen!“ und „Wir sind hier.“, „Sie schaffen das!“ und „ich glaube an Sie“. An Punkten, an denen ich mich selber aufgegeben hatte, mit mir selbst kein Wort mehr geredet hätte, mich abgrundtief gehasst habe – sie waren da.

Auch heute sind es die Worte der Pflegekräfte, die mir so oft zeigen was ich erreicht habe. Die Momente, in denen ich auf Station am Pflegestützpunkt lehne und erzähle. Vom Studium, vom Leben, von der Zeit ohne Selbstverletzung. Die Geschichten von „damals“, über die wir heute teilweise lachen. Pfleger Arschkeks, der mir einfach so einen Smiley auf den Arm malt. Schwester Nathalie, die immer wieder „Hätten Sie das damals gedacht?!“ fragt, Tina, die mich mit „Gott sei Dank sieht man dich nicht mehr ständig!“ begrüßt, Pfleger Pascal, von dem ich vor ein paar Tagen „Du bist ein Grund warum ich das Gefühl hab, was gutes zu tun. ich freue mich unheimlich für dich. endlich lebst du frei und kannst der wunderbare Mensch sein, der du bist!“ geschrieben kriege. Es sind die Schwestern und Pfleger, die mir in der haltlosen Zeit meinen Halt wieder zurück gegeben haben. Dafür verdienen sie viel mehr Anerkennung, eine viel bessere Bezahlung und vor allem einen unglaublichen Dank. Denn sie sind es, die mir wieder auf die Beine geholfen haben, sie sind es, die tagtäglich mit (oder auch manchmal gegen) die Patienten kämpfen, viel mehr leisten als jeder Psychologe oder Psychiater dort, die für alltägliche Katastrophen und große Dramen ein offenes Ohr haben, die so viel mehr tun als 0815-Arbeit und so großen Anteil am Weg der Patienten haben. Mit ihnen steht und fällt das Gesundheitssystem.

Die Welt außerhalb der Klinik

Nun liegt der letzte Aufenthalt zur Krisenintervention auch schon ein Jahr zurück. Vor ein paar Tagen lehne ich am Pflegestützpunkt der Haus- und Hofklinik, plaudere mit Pfleger Arschkeks und er lächelt, als ich ihm sage, dass ich es nun wirklich ein Jahr ohne Klinik geschafft habe. „Zwischenzeitlich dachten wir ja, dass Sie sich bald die Post hier her schicken lassen!“ Ich muss grinsen, denn auch wenn diese Worte wieder einmal zeigen, wie viel Zeit ich dort verbracht habe, so zeigen sie auch, dass es nun ganz anders ist. Die Station ist ein Ort, den ich gerne besuche. Nicht zuletzt wegen der Menschen dort, die mich so lange und intensiv begleitet haben. Aber sie ist eben nur noch das: ein Ort, den ich besuche. Ich schließe nicht völlig aus, dass ich vielleicht irgendwann in einer schweren Phase nochmals dort Hilfe suche, doch ich kann auch ganz gut mit dem Gedanken leben dort keine Nacht mehr zu verbringen. Ein Gedanke, der noch vor zwei Jahren so viel Angst gemacht hat.

Ich bin größtenteils stabil. Auch wenn es immer wieder Momente gibt, die mir ein wenig den Boden unter den Füßen wegziehen.

Als mein Katerkind verschwunden war hätte ich mir unglaublich gerne einfach nur wehgetan um den Schmerz auszuhalten.

Als mir die verdammten 2 Jahre Zwangstherapiepause einen Strich durch meine Traumatherapiepläne gemacht haben hätte ich vor lauter Wut und Enttäuschung und Verzweiflung gerne alles hingeworfen.

Als die Prüfungsphase mich wieder mal aus der Bahn warf hätte ich unglaublich gerne dem ganzen Selbsthass eine destruktive Plattform zum austoben geboten.

Doch ich habe weiter gemacht. Zwei Jahre und fünf Monate bin ich nun ohne Selbstverletzung. Und außer in den seltenen Momenten, in denen meine Welt wegen verschwundenem Katerkind, blöden Krankenkassenregelungen oder Prüfungen grade mal unter geht, habe ich auch kaum das Verlangen danach mich zu verletzen. Ich bin stabiler, nicht zuletzt weil ich einen wundervollen Menschen an meiner Seite habe, der mit mir durch all diese Weltuntergänge geht und die Stürme durchsteht.

Vor einer Weile habe ich es endlich geschafft den letzten Rest Quetiapin abzusetzen. Vor ungefähr 4 Jahren habe ich damit angefangen, weil die Anspannung so unerträglich war, dass ich den ganzen Tag wie ein zum platzen gefüllter Ballon durch die Gegend rannte. Nachdem ich vor 2 Jahren anfing die Dosis während der dbt zu reduzieren bin ich nun endlich völlig auf 0. Ich schlafe seitdem zwar manchmal nicht ein und bin oft noch einige Stunden wach, wache auch ab und an mal auf, aber mittlerweile schlafe ich gut, wenn ich dann mal eingeschlafen bin und ich fühle mich morgens auch nicht mehr wie überfahren, wenn ich die abendliche Dosis sonst eigentlich noch nicht ausgeschlafen hatte. Ich gehe mal davon aus, dass auch das Einschlafen mit der Zeit besser werden wird.

Auch wenn es noch einige Baustellen gibt, die bearbeitet werden müssen, da noch viele Dinge sind, die mich stören und beeinträchtigen, so hab ich im letzten Jahr doch auch unglaublich viel Lebensqualität zurück gewonnen. Auch wenn da immer noch die guten und die schlechten Tage sind, so ist es insgesamt doch um einiges besser geworden.

Happy end.

120 Stunden voller Angst und Schmerz und Tränen liegen hinter mir.

Das Küchenfenster ist zu, nachdem es seit Dienstag aufstand. Seit Dienstag, seit Janosch wie so oft aus dem Fenster sprang und in den Garten verschwand… Aber nicht mehr heim kam.

Vorhin hört man 4 Pfoten auf dem Küchenboden landen und wie selbstverständlich steht mein Katerkind da und brüllt nach Futter. Er hat Hunger, er hat Durst, eine dreckige Nase, aber sonst geht es ihm gut. Er hat wie immer nur Blödsinn im Kopf, lässt sich kraulen zwischen den Ausflügen zum Trinkbrunnen, erzählt fleißig und jagt Bällchen hinterher.

Vermutlich war er irgendwo eingesperrt. Er ist nicht dreckig, hat keine Zecken, ist nicht müde. Nicht verletzt, nicht verstört. Nur Futter und Wasser und Kraulen haben ihm gefehlt.

Er ist wieder da. Der schnurrende Haufen Fell, der mir so unendlich viel bedeutet. Die endlosen Stunden sind vergessen mit einem Miauen. Die Tränen der Angst und des Schmerzes sind zu Freudentränen geworden und ich kann nicht mehr aufhören in sein Fell zu weinen.

Er ist zuhause. ❤️