Wer zu nah zur Sonne fliegt, muss verstehen, dass manchmal das Feuer siegt

Dbt-Stadt. ❤️ Es ist ein Gefühl von „nach Hause kommen“, denn im letzten Jahr wuchs mir die Stadt ans Herz in den 3,5 Monaten, die ich hier verbrachte. Ich mag die Stadt mit der Fußgängerzone und dem vielen Grün überall, die Cafés und Plätze. Und nicht zuletzt liebe ich diese Stadt, weil hier einige wunderbare Menschen leben, die in den letzten Monaten mein Leben unglaublich bereichert und bunter gemacht haben. Ich mag den Dialekt hier, weil er mich an meine Kindheit erinnert und mittlerweile auch keine negativen Dinge mehr triggert, sondern mich schmunzeln lässt, weil ich den Dialekt mit dem ich so viele Jahre lang aufwuchs immer noch nicht ganz los bin, meinen Heimatdialekt oft noch damit ergänze und hier schnell wieder meinen Dialekt „vergesse“. Ich mag die Stadt, weil sie mein Leben verändert hat, nicht als Stadt selbst, sondern durch die dbt und die Menschen, die ich kennen lernen durfte.

Das Klinikgelände, die Klinik und letztendlich die Station zu betreten, die für 14 Wochen mein „Zuhause“ war fühlt sich nach wie vor seltsam an. Eine Mischung aus Gewohnheit und fremdem, aus Sicherheit und Wehmut. Kein schlechtes Gefühl, aber immer noch merkwürdig und neu.

Es ist schön die bekannten Gesichter im Dienst auf Station zu treffen, Hände zu schütteln und die Freude zu spüren, dass man mal vorbei kommt und Positives berichtet.

Und am wertvollsten sind die Menschen, die ich drücke und umarme und knutsche und bei mir habe. Und dabei auch die beiden Mädels im Herzen dabei zu haben, die leider nicht hier sein können.

Am Donnerstagmorgen bin ich mehr aus der Wohnung und Richtung Hauptstadt getorkelt als gegangen und gefahren. Die Nacht war mit 1 ½ Stunden Schlaf viel zu kurz. Mit Mühe schaffe ich den Weg vom daheim zum Bus, zum Bahnhof, zur Straßenbahn und zum Psychiater. Als ich aus dem Aufzug trete renne ich in eine Menschenmasse. Ich möchte in Tränen ausbrechen, umdrehen und fliehen. Doch auf die letzten Meter des Dauerkrankenscheins nun eine Lücke haben ist blöd, also bahne ich mir meinen Weg in die Praxis und ziehe eine Nummer. 035. Die Arzthelferin, die schon kurz vorm Nervenzusammenbruch steht, weil sie die Flut an Patienten allein bewältigen muss, ruft nach der Nummer 8. Und ich muss wieder die Tränen nieder kämpfen, denn es überfordert mich völlig zwischen diesen ganzen Menschen zu sein, warten zu müssen.

„Ich hab ein wenig Mist gebaut“ murmle ich, als ich meinem Psychiater gegenüber sitze. Sein Blick fällt automatisch auf meine Arme, er zieht skeptisch eine Augenbraue hoch, als ihm auffällt, dass ich lange Ärmel trage.

„Nee. Nicht diesen Mist.“ Und dann erzähle ich ihm von den vergessenen Medis, von den Symptomen und von der Krisenintervention. Er schüttelt immer wieder den Kopf, fragt nach, ob ich tatsächlich von der Dosis komplett auf 0 bin, fragt mehrfach nach ob die in der Klinik wirklich so schnell wieder hoch gegangen sind. Ich soll mir Zeit lassen mit der letzten Dosissteigerung meint er, wenn ich merke, dass mein Körper nicht mit macht.

Danach zu meiner Mutter zu kommen stellt sich als große Herausforderung dar. WM-Rallye. Der deutsche Lauf findet bei uns statt, die Stadtautobahn ist gesperrt, die Innenstadt auch teilweise. Über eine Stunde warte ich auf einen Bus, der eigentlich alle 10 Minuten fährt.

Um 16.30 Uhr bin ich verabredet mit dem Mann einer Mitpatientin aus der dbt. Doch auch er muss mit der gesperrten Stadt kämpfen und bis wir endlich mit dem Auto raus sind aus der Stadt vergehen gefühlt mehrere Stunden.

Abends kann ich dann endlich die Muddi an mich drücken und quietschen und mit ihr draußen sitzen und reden und lachen und mich einfach gut fühlen.

Am Freitagmorgen fahren wir gemeinsam in die Dbt-Stadt, überraschen Puffi und treffen auf A. und B., sagen der Station Hallo und verbringen einen tollen Tag gemeinsam, rennen durch den Regen und verstecken uns im Raucherpavillon vor dem Unwetter, dass über die Stadt fegt.

Bei A. und Puffi schlafe ich dann auch, wir machen uns schöne Stunden daheim und in der Stadt und beim Kartenspielen draußen in der Sonne. Es tut gut tolle Menschen um mich zu haben, einfach ich sein zu können, nichts erklären zu müssen.

Nun sitze ich im Bus auf der altbekannten Linie in Richtung nach Hause. Bald werden wir über die Grenze fahren und mit jeder Minute bin ich weiter weg von der Dbt-Stadt und näher an meiner Heimat. Die Tage taten unglaublich gut, haben mich auftanken und durchatmen lassen, grade nach dem Chaos der letzten Woche. Lange habe ich mich nicht mehr so lebendig gefühlt wie in diesen Tagen hier. Wenn ich wieder komme, dann werde ich offiziell Studentin sein.

Und so lasse ich mit der Stadt auch ein Stück Vergangenheit hinter mir und starte in die letzten Wochen „krank sein“.

Und die Zeit fängt wieder an das zu tun, was sie am besten kann

Im Vorbeigehen heilt sie meine Narben

Und ich kann nur darauf warten, dass sie sich beeilt und irgendwann wird im Vorbeigehen

Schwarz-Weiß wieder Farbe

and more, much more than this

Liebe Rita,

Es ist gut 2 ½ Jahre her, dass wir uns zum ersten Mal begegneten. Damals kam ich zum aller ersten Mal auf die Station und du warst auf Krawall gebürstet, gingst uns allen auf die Nerven.

Manchmal reden wir heute noch darüber, wie es beim Abendessen zum Streit um das scharfe Messer kam, weil du darauf bestanden hast, dass es dir gehört. Dann lachen wir und erinnern uns, wie du schimpfend und fluchend über die Station gezogen bist.

Oftmals bist du im Tagesraum einfach eingeschlafen, sitzend auf dem Stuhl. Es dauerte manchmal ewig bis dich wieder jemand wach bekam. Und manchmal bist du ein paar Augenblicke später einfach genau dort nochmal eingeschlafen.

Auch darüber reden wir noch manchmal, wenn sich welche von der „alten Truppe“ treffen. Und wir lachen und schmunzeln, weil du uns irgendwie doch allen ans Herz gewachsen bist mit deiner Art, die abseits deiner Krawallphasen einfach auch liebenswert sein konnte.

Wir sitzen da und denken an dich. Doch etwas ist anders.

Es wird nie wieder einer von uns im Tagesraum sitzen und dich schlafen sehen. Niemand wird dir mehr vor der Klinik beim Rauchen begegnen oder dir zuhören, wenn du im Raucherraum bei alten Schlagern aus deinem Leben erzählst.

Liebe Rita, du warst ein besonderer Mensch. Und einer der ersten Verrückten, der mir damals in der Klinik begegnete, mich zur Weißglut brachte und doch mein Herz eroberte.

Sobald ich wieder zuhause bin werde ich nach dem Seidentuch suchen, dass du damals in der Ergo gemalt und mir geschenkt hast. Ich werde es in Ehren halten und immer an dich denken wenn ich es sehe.

Du hast mein Leben ein kleines Stück bereichert und bunter gemacht mit deiner Art.

Mach’s gut liebe Rita. Bis wir uns wiedersehen…

I’ve lived a life that’s full I’ve travelled each and every highway and more, much more than this I did it my way

Medikamente und so.

Man landet in der Klinik, wenn man was anstellt. Versucht sich umzubringen. Sich extrem selbst verletzt. Aber man kann auch dort landen, wenn man nichts tut.

Die letzte Woche war anstrengend. Termine, erkältet, Stress, Schlafprobleme. Und was passiert? Die Zitrone vergisst ihre Medikamente.

Am Freitag ging es mir seltsam. Ich hab es auf die Erkältung geschoben, war in der Hauptstadt und wieder heim. Alles war wattig, die Welt hat gewackelt und unterwegs wollte ich plötzlich nur noch heulen, mir die Arme aufschneiden, mir was antun.

Ich rief in der Klinik an, sprach mit der Ärztin. Entzug sagt sie. Ich soll vorbei kommen sagt sie, sie gibt mir die Medis in geringer Dosierung, damit ich wieder hoch dosieren kann. Ein paar Stunden später ging nichts mehr. Also tippe ich auf mein Telefon, rede mit Pfleger Kai, dann mit dem Arzt vom Dienst und bin wenig später wieder da, stehe auf dem Flur und bekomme ein Zimmer.

„Warum haben Sie die Tabletten denn abgesetzt?!“ fragt mich der Pfleger. Ich möchte platzen, denn die Ärztin hat es so an ihn weiter gegeben. Ich wiederhole also mal wieder, dass es wirklich ein Versehen war, Unachtsamkeit und Verpeiltheit und definitiv keine Absicht. Ich bin froh um meine aktuelle (Naja, nun nicht mehr so aktuelle) Stabilität. Absichtlich würde ich sie nicht riskieren.

Heute morgen bin ich wieder aus der Kliniktüre spaziert. Körperlich ist es deutlich besser. Psychisch auch. Ich merke zwar, dass ich momentan nicht so stabil bin wie „im Normalzustand“, aber ich bin nicht mehr akut suizidal und will mir auch nicht mehr die nächste Rasierklinge in den Arm rammen.

Gestern Abend flog mir meine Psyche gewaltig um die Ohren. Ausgelöst hat das ganze die Tatsache, dass eine ehemalige Zimmernachbarin kam und in mein Zimmer sollte. Es ist schon gut 2 Jahre her, seit ich mit ihr im Zimmer lag, doch es hat mir gereicht damals. Sie wusch sich nicht. Eigentlich schon genug. Aber nein, sie befriedigte sich auch jede Nacht selbst.

Gestern triggerte mich das Ganze dann so extrem, dass ich weg war. Eine gute Stunde meinte Pfleger Kai später. Wirklich zu mir kam ich irgendwann auf dem Boden des Bads. Ich weiß noch, dass ich aufs Klo musste und plötzlich das Waschbecken auf mich zu kam. Bei der Landung auf dem Boden habe ich den Hocker umgeschmissen und dieses Geräusch rief Kai auf den Plan. Dann gerieten wir erst mal aneinander, weil es bei mir ankam, als ob er mir unterstelle, dass ich das absichtlich mache. Im Nachhinein haben wir es geklärt. Inklusive einem „Sie Arschloch!“ von mir, dass ich mit einem „nehmen Sie mir das nun nicht übel“ angekündigt hatte.

Später im Bett wird mir bewusst, warum es mich so getriggert hat. In der Therapie wird immer mehr klar, wie viel eigentlich Missbrauch war, wie viel Grenzüberschreitung. Auch so viele Dinge, die für mich irgendwie noch okay waren, weil nicht aktiv. Beispielsweise wenn eine Selbstbefriedigung stattfand. Und die Mitpatientin triggert die Erinnerung an ihr damaliges Verhalten und die Erinnerungen triggern die Erinnerungen an die Kindheit, an eben solche Situationen.

Und so föhnt es mich eben gestern weg. Völlig. Ich schlafe irgendwann ein, mit brennendem Arm von der Finalgon, mit Kopfschmerzen und dem Gefühl einen Marathon gelaufen zu sein.

Dementsprechend matschig bin ich heute morgen auf aufgewachsen und dennoch guter Dinge aus der Tür hinaus und Richtung nach Hause.

Doch nun liege ich hier. Schlaflos. Mein Kopf ist voller fieser Gedanken und Erinnerungen. Mein Körper schmerzt und es sind keine aktuellen Schmerzen, sondern Erinnerungen an damals. Mein Kopf weiß das. Dennoch triggern die Schmerzen ohne Ende.

Ich will schlafen. Dazu bleiben mir noch ungefähr 3 Stunden. Ich will einfach nur in den Schlaf fliehen und die Schmerzen und die Bilder für ein paar Momente los sein…

Wer hätte das gedacht…

„Wer hätte das vor 492 Tagen gedacht?“ meint Pfleger Kai heute lächelnd, als ich am Pflegestützpunkt lehne und ihm von den 491 Tagen ohne Selbstverletzung berichte. „Und wer hätte das vor 2 ½ Jahren gedacht, dass ich nun studieren gehe…“ antworte ich, ebenfalls lächelnd.

Er meint, dass ich mir was drauf einbilden kann, dass ich einen der Studienplätze habe, auf den sich über 10 Menschen beworben haben. Über 1000 Bewerber auf ungefähr 100 Plätze, ich fasse es immer noch nicht wirklich.

Und so stehe ich auf der Station, die so lange quasi Mittelpunkt meines Lebens war, werde ein kleines bisschen sentimental und bin stolz auf mich.

„Vielleicht haben wir dann ja doch irgendwas richtig gemacht“ meint Pfleger Kai. Und das haben sie. Auch wenn es manchmal heute noch beschissen ist und ich alles hinwerfen mag, so ist es doch so sehr anders als damals. Ich bin dem Team unglaublich dankbar. Für all die Momente, in denen ich sie gehasst habe. Und natürlich für all die Momente, in denen sie einfach da waren. Vielleicht schreibe ich ihnen das. Wenn das Studium beginnt, wenn ich tatsächlich in der Uni sitze, wenn mein Leben tatsächlich weiter geht.

Es wird immer wieder Abstürze geben. Tiefpunkte. Doch da ist nun ein neuer Halt. Ein neues Ziel. Etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt. Kämpfen für meinen Traum, für mein Ziel. Es geht weiter und ich bin froh darüber.

Ich habe diese Zeit gebraucht. Ich habe Zeit gebraucht um wieder auf die Beine zu kommen, um klar zu kommen, um mich selbst zu finden und einen Weg mit dem Trauma umzugehen, es zu akzeptieren, anfangen es zu verarbeiten. So scheiße es war so komplett abzustürzen, so hatte es nicht nur negative Seiten. Ich habe unglaublich viel gekämpft in diesen ganzen Monaten, unglaublich viel gelernt und wundervolle Menschen kennen gelernt. Ich bin stärker geworden und ich weiß, welchen Weg ich gehen möchte.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass alles nur ein Traum ist. Dass ich aufwache und feststelle, dass ich doch nicht studieren gehe, dass ich doch immer noch in so einem Loch hänge. Es wird noch dauern, bis ich das wirklich realisiert habe. Vermutlich werde ich es erst richtig fassen können, wenn ich dann tatsächlich auf dem Campus stehe, wenn ich in meiner ersten Vorlesung sitze.

Zwischendurch blitzt immer wieder der Gedanke auf, dass es nicht sein kann. Dass es nicht sein darf. Dass es mir nicht gut gehen darf, dass ich das nicht aushalte. Ich kämpfe dagegen, versuche diese Gedanken auszuhalten und mir zu sagen, dass die Gefühle da nicht hin gehören. Früher wäre das nicht möglich gewesen. Früher hätte ich mich verletzen müssen, weil ich das nicht aushalte. Weil es nicht sein kann, dass es gut läuft. Dass es funktioniert.

Ich habe so viel gelernt in dieser ganzen Zeit.

„Wer hätte das vor 492 Tagen gedacht?“

Es endet. Es beginnt neu.

Seit Januar 2015 bin ich krank geschrieben.

Im Februar 2015 versuchte ich mir das Leben zu nehmen.

Im März 2015 bekam ich die Kündigung.

Ich war unzählige Male zur stationären Krisenintervention.

Ich war unzählige Male in der Notfallchirurgie zum Nähen und habe mich noch öfter selbst verletzt.

Ich habe keine Zukunft gesehen, keine Hoffnung gehabt.

Ich habe 14 Wochen DBT gemacht.

Ich habe 7 Wochen Reha mit Traumatherapieschwerpunkt gemacht.

Über 2 Jahre sind vergangen. Über 2 Jahre, in denen ich „hauptberuflich krank“ war. Über 2 Jahre, in denen meine Krankheit mein Leben bestimmte.

Es endet. Es beginnt neu.

Ich werde studieren gehen. Ich habe tatsächlich eine Zusage bekommen. Ich habe einen Studienplatz und kann mich immatrikulieren.

Neuanfang. Fortschritt. Weiter gehen.

Es endet.

Es beginnt neu.

Lebenszeichen

Ja, ich weiß. Es ist ein wenig still geworden um mich, aber in den letzten Tagen weiß ich nicht, wohin die Stunden eigentlich verschwinden. 

Gestern fiel mein Blick auf das Datum und ein kurzer Schmerz durchfuhr mich. Ich frage mich, seit wieviel Jahren ich ihm nun nicht mehr gratuliert habe. 5? Oder doch schon mehr? Ich stelle mir vor wie das ist. Wenn das eigene Kind einem nicht gratuliert. Und dann denke ich daran, wie sehr er mich verletzt hat. Es ist okay, dass ich keinen Kontakt mehr zu ihm habe. Es ist okay und es war und ist die richtige Entscheidung. Für mich, denn allein um mich geht es dabei, nicht darum, dass ich dafür sorge, dass es ihm besser geht. Und auch wenn meine Gefühle dagegen anbrüllen, immer wieder und speziell an solchen Tagen, so weiß ich, dass es richtig ist. 
Ich habe übrigens, Wunder über Wunder, nun tatsächlich meine Fachhochschule in Händen. Dienstags rief ich die Schulleiter an und fragte nach, sie erklärte mir, dass sie eine Bescheid der alten Schule brauchen, dass ich da keine Fachhochschulreife gemacht hab. Prima. Also rief ich direkt dort an, aber die Schulleitung war nicht da. Nachdem ich schonmal auf der Homepage der Schule war wegen der Nummer, habe ich mich ein wenig durch meine alten Lehrer geklickt. Viele sind nicht mehr da. Aber Frau B. noch, deren erste Klasse als Referendarin wir waren in Geschichte. Und meine ehemihe Tutorin aus der Oberstufe ist auch noch da. Froh bin ich darüber, dass die Schulleitung gewechselt hat. Aber die Dame im Sekretariat ist immer noch die selbe. Und während ich die Namen so lese und die Fotos sehe bin ich plötzlich wieder 17 und am Ende, spüre Wunden auf meinen Armen brennen und in mir zieht sich alles zusammen. Ich brauche einige Momente um dagegen anzukommen, um wieder in die Realität zu finden. 

Am Mittwoch erreiche ich endlich die Schulleitung der alten Schule, am Donnerstag gehe ich mit der Bescheinigung von dort hier zur Schule und hole dann am Freitag endlich mein Zeugnis ab. Es fühlt sich gut an es in den Händen zu halten. Der Abschluss der Ausbildung ist zwar schon 3 Jahre her, aber das Zeugnis mit dem Vermerk nach dem ganzen Drama endlich in den Händen zu halten, fühlt sich mindestens nochmal genauso gut an. 

Den Kram für die Uni habe ich noch am selben Tag fertig gemacht. Nun heißt es warten, ob ich einen Platz kriege und Daumen drücken. 

Achtsamkeit, Katerkind, Schwesterherz und Steine 

Am Donnerstag saß ich wieder in dem Raum auf einer Matte, aus dem ich mich vor ungefähr einem Jahr verabschiedet habe. Damals braungebrannt, voller Panik vor der bevorstehenden dbt, bei über 15 Grad weniger und ein wenig wehmütig, weil es das letzte Mal für längere Zeit sein würde, dass ich die Klinik betrete. 

Vieles ist anders an diesem Tag. Nicht nur die Temperatur, denn am bisher heißesten Tag des Jahres sind schon am Vormittag 33 Grad, ich trage statt rötlichen Narben nun Tinte über verblassenden Narben, ich bin innerlich ruhiger und komme nicht nur in diesen kurzen Momenten in der Achtsamkeit zur Ruhe, ich klebe nicht ständig in Hochanspannung, ich habe schon seit einer Weile keinen ganzen Tag mehr damit verbracht gegen den Druck und die Anspannung zu kämpfen. Ich bin die selbe und doch eine andere. 

Die Achtsamkeit tut mir gut, wie so oft in der Vergangenheit. Ich lasse mich von der Stimme des Therapeuten leiten, atme ein und aus, kann die Qi Gong-Übungen immer noch auswendig. 

Seit Dienstag weiß ich, dass die ganze Sache mit meinem Zeugnis klappt. Ich hoffe nun darauf, dass es auch vor Bewerbungsfrist klappt, der Kram liegt beim Ministerium und muss da bearbeitet werden. Aber ich bin schon einen Schritt weiter und das beruhigt ein wenig. 

Und genauso bin ich seit Dienstag die stolze große Schwester einer frisch gebackenen Erzieherin. Als ich den Zwerg in die Arme schloss mit dem Wissen, dass sie die Jahre der Ausbildung hinter sich hat, wollte ich vor Stolz und Liebe fast platzen. Auf dem Weg zu Mama sah ich die Freude in ihren Augen, den Stolz, die Erleichterung, das Glück. Und ich muss an diesen Moment vor 3 Jahren zurück denken, als ich die Schule verließ, berauscht von Glück und Sekt und Erleichterung. Ich bin unglaublich stolz auf diese erwachsene junge Frau, die nun ihren Weg geht. Und ich bin froh, dass ich da sein kann mittlerweile, dass ich die letzten Jahre an ihrer Seite sein konnte, mit ihr lernen, bangen, feiern. Nun ist es geschafft und es ist ein weiterer Schritt, der aus dem kleinen blonden Teufelchen mit Tobsuchtsanfällen eine junge Erwachsene werden lässt. 

Es ist bald halb 4. Nachts. Mein Zitronenkater schlummert friedlich auf seinem Kissen auf der Fensterbank am offenen Fenster. Ich bin weit entfernt von Schlaf, auch wenn ich körperlich völlig erledigt bin. Am Mittag hat mich eine Welle von Selbstverletzungsdruck überflutet, von Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Zuerst habe ich mich auf mein Bett geworfen, versucht mich abzulenken, doch dann habe ich begonnen aufzuräumen. Ein wenig wollte ich tun, doch letztendlich habe ich (bis auf den Schreibtisch) mein komplettes Schlafzimmer aufgeräumt und mein Bett frisch bezogen, die Schweinenasen sauber gemacht und das Wohnzimmer gekehrt und ein wenig entchaotisiert und letztendlich angefangen in der Küche für Ordnung zu sorgen. Als ich zwischendurch das Schweinestreu draußen in die Tonne befördert habe, traf ich den Herrn Kater, der sich neuerdings nicht davon abhalten lässt auch die Welt vor dem Haus zu erkunden. Dabei beschränkt er sich aber auf die Vorgärten, zum Glück, denn ich habe immer noch eine Straße vor der Türe. Und so passiert es auch mal, dass er auf der falschen Seite des Mückennetzes am Schlafzimmerfenster sitzt und schreit, weil er dort nicht rein kommt. Und da der Weg ums Haus ihm heute wohl zu weit erschien, rannte er durch die geöffnete Haustüre und wartete vor der Wohnungstür auf mich, mampfte zwei Portionen Futter und schläft seitdem mit kurzen Unterbrechungen irgendwo in der Wohnung. Ich möchte den Fellhaufen am liebsten jedes Mal vor lauter Liebe knuddeln, wenn er wieder in irgend einer seltsamen Verdrehung irgendwo liegt und vor sich hin träumt. 

Und mit Ordnung machen, zwischendurch immer mal wieder eine rauchen, Kater beobachten und Hörbuch habe ich den Tag dann doch tatsächlich irgendwie überstanden. Doch der Schlaf lässt sich nicht blicken, mein Kopf kommt nicht zur Ruhe, auch wenn ich nicht wirklich weiß, was da in meinem Kopf kreist. Dabei bräuchte ich wirklich Schlaf, denn heute muss ich noch zu Mama und in den Garten, das Gras, dass ich am Wochenende gemäht habe, zusammen sammeln und den Schweinchen mitbringen, den Bambus schneiden (und auch den Schweinchen mitbringen) und das ganze Grünzeug dort gießen. 4 der 6 Wochen, die Mama nicht selbst im Garten alles tun kann, sind schon vorbei. Zum Glück. Denn obwohl es mir unglaublich gut tut, so ist die Fahrerei doch einfach stressig und vor allem meine Mutter, die natürlich gerne hätte, dass ich den ganzen Tag bei ihr bin. 

Mein eigener Garten hinterm Haus ist momentan leider nicht betretbar, denn dort wo einmal die Mauer stand ist nun ein Loch. 

Und dort, wo die Steine liegen, ist irgendwo die Treppe drunter. Also ist der Garten eben nicht verfügbar momentan, die Meeris sind nicht so begeistert, aber ich kann es nicht ändern. Den Herrn Kater stört es wenig, er braucht ja keine Treppe und die paar Steine hindern ihn auch nicht daran in den Garten und den Wald dahinter zu gelangen. Doch ich sehne mich in den letzten Tagen nach ein paar Stunden im Gras neben den Meeris mit einem Buch, einfach in der Sonne liegen und die Wärme genießen. 

Und vielleicht klappt es nach dem Schreiben nun auch endlich mit schlafen. 

Dies und das und jenes

Vor einigen Tagen habe ich meine Mutter zum Arzt begleitet. Zum Arzt braucht sie mit dem gebrochenen Knöchel 30 Minuten, ich musste vorher noch bis zu ihr kommen, also purzelte ich schon um halb 7 aus meiner Türe, quasi noch halb schlafend. Unterwegs stellte ich fest, dass ich vergessen habe meine Tabletten zu nehmen. In der Notfallbox befand sich nur noch mein Antidepressivum, also ohne Methylphenidat durch den größten Teil des Tages. Der Morgen war in Ordnung, mittags verbrachte ich einige Zeit im Garten, bevor ich mich auf den Rückweg machte. Und die wurde zum Albtraum. Menschen, Reize, ungefiltert, alles prasselte auf mich ein. Netterweise ging der Akku meiner Kopfhörer dann auch noch zur Neige. 

Hinter mir im Bus schlug der metallenen Schlüsselanhänger immer und immer wieder gegen den Reißverschluss des Rucksacks. Vor und neben mir piepste ständig ein Handy. Jemand schmatze laut auf dem Kaugummi. Ein junger Mann trommelte nervös mit den Fingern gegen die Fensterscheibe. Der Busfahrer unterhielt sich mit einer Passagierin. Die Türen quietschen. Der Bus knarrte. 

Zuhause war ich einfach nur durch. Komplett. Ich war ein nervliches Wrack, fühlte mich wie nach 5 Tagen Schlafentzug und Dauerbeschallung. Ich habe seit dem Beginn mit dem Methylphenidat solche Zustände nicht mehr erlebt und völlig vergessen, wie anstrengend es sein kann so von Reizen überflutet zu werden. Klar, manchmal vergesse ich es auch und merke dann, dass es anstrengend ist, aber nach einem stressigen Vormittag voller Menschen und Reize dann noch über eine Stunde mit den Öffis fahren, uff. Da bin ich schon so durch, dass selbst das kleine bisschen an Abschalten und Filtern, dass ich sonst noch hin kriege, nicht mehr funktioniert. 

Mein Geld von der Rentenversicherung ist immer noch nicht da. Sind ja auch nur fast 5 Monate vergangen seit Ende Januar. Die RV sagt, sie brauchen den Brief von der Arbeitsagentur. Die Arbeitsagentur sagt, dass der schon längst bei der RV vorliegt. Und ich stehe kopfschüttelnd da und frage mich wirklich, wann wir an dieser Bürokratie zugrunde gehen. Niemand fühlt sich nun natürlich dafür zuständig mal zu schauen woran es liegt. Ich soll doch den Brief von der Arbeitsagentur faxen. Ähm, ja, dazu bräuchte ich den Brief aber erst. Ja, wir geben es an die Leistungsabteilung weiter, dass der Brief nicht bei der RV ist. Die melden sich. Ob das dieses Jahr noch was wird, ich bezweifle es. Und von meinem Zeugnis habe ich auch noch nichts gehört. 

In den letzten Tagen habe ich oft darüber nachgedacht einfach dieses Leben hinzuwerfen. Doch dann schreit der Zitronenkater ein paar Sekunden ganz jämmerlich und springt mir auf den Schoß, reibt sich miauend an mir und lässt sich dann schnurrend auf meinen Schoß fallen, damit ich ihn kraulen kann. Und ich denke an das verängstigte Häufchen Fell und Augen, dass ich vor fast zwei Jahren aufgenommen habe, dass damals so schnell Vertrauen in mich fasste und heute ein großer Kater mit viel zu viel Energie ist, ich denke an die vielen Nächte, in denen er zusammengerollt auf meinen Füßen schlief und die vielen Nächte, in denen er mich wach hielt, ich denke an das so vertraute Schnurren und den Geruch seines Fells, an den Stolz, mit dem er mir in letzter Zeit ständig Beute anschleppt… Ich kann ihn nicht verlassen. Ich kann diese Liebe nicht zerstören, ich kann mir nicht vorstellen, dass er irgendwo anders lebt und mich sucht und nachts irgendwo anders schlafen muss oder irgendwo landet, wo er vielleicht nicht mehr raus gehen kann. 

Also ist Aufgeben auch weiterhin keine Option. Einatmen, ausatmen, schlafen gehen, aufstehen. Und dazwischen irgendwo leben, meinen Kram regeln, meine Mutter unterstützen, den Garten versorgen. Und bangen, denn meine Schwester hat heute Kolloquium. Die Entscheidung über den Rest ihres Lebens, die Entscheidung, ob sie die Ausbildung bestanden hat. Ich werde sie mittags nach der Verkündung abholen, werde erfahren, ob sie es geschafft hat. Werde sie in den Arm nehmen, entweder mit Freudentränen oder Tränen des Mitleids. Ich werde einfach da sein in diesem entscheidenden Moment und ich bin froh, denn diese ganzen anderen großen Momente in ihrem Leben, die ersten Schritte, das erste Wort, die Einschulung, all diese Dinge habe ich verpasst weil mein Vater den Kontakt so gering wie möglich hielt. 

Vor einer Weile öffne ich die blaue socia und sehe als erste Meldung, dass meine ‚erste Freundin‘ ihren Freund geheiratet hat. Es macht mich irgendwie ein wenig sentimental. Mit ihr hatte ich meine erste ernsthafte Beziehung zu einer Frau. Wir kannten uns schon lange aus einem Forum für Selbstverletzung. Waren gute Freunde und dann kam da eben mehr. Es war klar, dass die Freundschaft danach nie wieder die selbe sein wird. Leider. Es war eine schöne Zeit. Und eine schwere Zeit. Ich habe viel gelitten, denn ihre Eltern durften nichts von uns wissen. Wir sahen uns trotz der Nähe nur selten. Und daran zerbrach ich und dann die Beziehung.  8 Jahre sind seitdem vergangen. In der Zeit haben wir uns nicht mal eine Hand voll Male gesehen. Die Freundschaft, die zuvor existierte, zerbrach genau so wie die Beziehung. Manchmal tut es noch weh. Nicht, dass wir nicht mehr ein Paar sind, sondern der Verlust des Menschen in meinem Leben. 

Ich hoffe, dass sie nun glücklich ist und ihren Weg geht. 

Den Morgen werde ich noch nutzen und ein wenig in meiner Wohnung rumwuseln, bevor ich mich auf den Weg in die Hauptstadt mache zu meiner Schwester. 

Unaussprechliches aussprechen 

Es gibt Dinge, die ich jemandem sagen wollte, über die ich dann oft tage-/wochen-/monatelang nachgedacht habe. Wie erkläre ich meiner Mutter, dass ich mit einer Frau in einer Beziehung bin? Wie beichte ich meiner Hausärztin die neue Selbstverletzung? Wie sage ich dies oder jenes? 

Und dann gibt es Momente, in denen wichtige Dinge plötzlich einfach ihren Raum brauchen, in denen wichtige Worte plötzlich einfach gesprochen werden müssen. 

Am Freitag saß ich in der Therapie. Erzählte von dem Klinikaufenthalt und von meiner Mutter. Erzählte, dass ich keine Kraft mehr habe dieses Geheimnis zu tragen, mich zu verstellen, ganz besonders nicht, wenn ich noch 5 Wochen halbwegs vernünftig und regelmäßig zu meiner Mutter fahren soll, solange sie immer noch mit dem Gips durch die Gegend hüpft. 

Und so sitze ich da heulend und wir reden darüber. Und ich fasse den Entschluss es ihr zu sagen. Gegen alles in meinem Kopf, das dagegen anschreit. Gegen die Zweifel und die Angst. 

Also erzähle ich meiner Mutter davon. Ich fasse in Worte was immer noch so unfassbar ist für mich. Zu dem Gespräch selber kann ich nicht mehr viel sagen. Es ist verschwommen, es hat getriggert und mich immer wieder in die Dissoziation katapultiert. Und ich will auch gar nicht viel dazu sagen. Es war schmerzhaft und anstrengend. Wegen der Thematik und wegen meiner Mutter, die nun mal so ist wie sie ist. Aber sie hat mir zugehört, sie hat mich in den Arm genommen, sie hat gesagt, dass sie mir glaubt. Es ist raus, endlich, es ist ausgesprochen. 

Ich kann noch nicht sagen, wie es mir nun damit geht. Ja, natürlich bin ich auf irgend eine Art erleichtert. Doch sonst? Ich muss wohl einfach abwarten, was die Zeit noch so bringt. 

Mein Leben läuft so dahin momentan. Ich soll die Erwerbsminderungsrente beantragen, habe aber die 5 Jahre Wartezeit nicht erfüllt. Interessiert aber das Arbeitsamt nicht. Und die Rentenversicherung auch nicht. Von meinen Zeugnis habe ich noch nichts gehört. Ich musste Geld ans Arbeitsamt zurück zahlen, dass sie mir über bezahlt haben. Das Geld für diesen Zeitraum sollte ich eigentlich von der Rentenversicherung kriegen. Darauf warte ich seit Januar. Es ist Chaos und es sind viele Baustellen und ich würde zu gerne einfach mal einen Tag nur im Bett verbringen. Doch dann ist da ein Theratermin, dort einer beim Psychiater, dazwischen noch Alltag und Mama mit Gipsbein. Ich würde mir zu gerne ein Loch graben und abwarten bis der Sturm um mich rum sich gelegt hat. Ich tue zu wenig für mich und ich merke es. Ich muss gegensteuern, sonst ist meine (kaum noch vorhandene) Stabilität bald wieder weg. 

Der Wunsch nach Selbstverletzung wird immer größer. Noch ist es erträglich. Der Druck ist selten so groß, dass ich deswegen skillen muss. Auch die Anspannung gipfelt nicht so oft in Selbstverletzungsdruck wie früher. Doch der Hintergrund momentan ist ein anderer. Ich will mich nicht verletzen um die Anspannung los zu werden. Ich will mich nicht verletzen um mich zu spüren. Ich will den Schmerz und das Gefühl. Zum runter kommen. Um Kraft zu sammeln. Um es durchzuhalten. Um mir eine Ladung Endorphine durch den Körper zu jagen. Um es einfach erträglich zu machen. 

Ich überlege mich zu verletzen und es für mich zu behalten. Einfach nicht zu sagen, so zu tun, als ob es nicht passiert wäre. Doch ich würde damit nur mich selbst belügen. Und es gibt schon genügend Menschen bei denen ich nicht ich selbst sein kann, genügend Orte, an denen ich nicht sein kann wie ich bin. 

Und so versuche ich mein Bestes. Ich skille, ich versuche mein Leben auf die Reihe zu kriegen, ich versuche den Kram zu erledigen, der erledigt werden muss. Und auch wenn es manchmal eher schlecht als recht klappt, so klappt es eben doch irgendwie. 

Heute steht Wohnung an. Endlich mal. Ich werde mir in den Hintern treten und anfangen damit, denn es muss endlich voran gehen, es muss endlich etwas passieren hier. Ich muss wieder zu mir selbst finden und mich hier wohl fühlen, ich muss produktiv sein, sonst gehe ich unter. 

Löffel-Liste 

Manchmal werfe ich einen Blick in die Statistik und klicke dann Beiträge an, die von anderen gelesen wurden, lese sie auch nochmal, erinnere mich zurück, was zu diesem oder jenem Zeitpunkt grade aktuell war in meinem Leben. Manchmal sind es schmerzhafte Erinnerungen, manchmal aber auch Dinge, die mich lächeln lassen. 

Und so lese ich einen Beitrag vom letzten Frühling. Lese, dass ich mich seit 3 Wochen nicht mehr verletzt habe, dass sie letzte ’schlimmere‘ Selbstverletzung nun 6 Wochen zurück liegt. Ich lese, dass ich so gerne den Sommer ohne frische Wunden und Verbände und Nähte erleben möchte. Und ich lächle, denn ich habe den Sommer unverletzt verbracht, den Herbst, den Winter und wieder einen Frühling. Und wieder wünsche ich mir einen Sommer ohne frische Wunden, aber im Gegensatz zum letzten Jahr bin ich zuversichtlicher, dass ich es schaffen kann. 

Auch wenn gerade so viel chaotisch ist. Auch wenn ich eigentlich nicht weiß wo mir wirklich der Kopf steht. Aber es wird weiter gehen, das tat es bisher immer. Ich muss nur darauf achten, dass ich selbst nicht unter gehe dabei. 

Mit der Gänseblümchenmama schreibe ich also gestern eine Liste mit nur 5 Punkten. 5 Dinge, die es zu erledigen gilt. Nachdem mein Körper einen Haufen Schlaf einforderte stapfe ich heute also zur Apotheke und einkaufen, hüpfe unter die Dusche, mache mir etwas zu essen, schreibe den Brief an die Rentenversicherung und kraule das Katerkind. Zwischendurch kommt N. noch zu Besuch und bringt mir meinen Zweitschlüssel wieder. Und ich bringe noch meine Küchentheke in Ordnung. Es gibt noch ein wenig telefonieren, ein wenig zocken und dabei ein wenig Dokus schauen und dann ist es auch schon halb 2 und ich trolle mich in mein Bett. Müde bin ich nicht. Aber ich muss schlafen. Für morgen gibt es schon eine neue Liste. Ich werde zu Mama fahren und in den Garten. Und dann den restlichen Kram auf der Liste erledigen. 

Es hilft mich auf 5 Dinge zu beschränken, es hilft mit den Spoons zu haushalten und es hilft einen kleinen Überblick über das Chaos zu haben, eine Anleitung, einen Plan. In den kommenden Tagen werde ich mich also daran entlang hangeln. Meine eigene kleine Löffel-Liste zum Durchhalten. Vielleicht ergänze ich sie noch um ein wenig Ausgleich, um Dinge, die mir gut tun und im Idealfall keinerlei spoons erfordern.