Man nehme eine Zitrone. Gebe eine Prise Selbsthass hinzu, einen Esslöffel Flashbacks, eine Messerspitze Ekelgefühl, einen Teelöffel Panik und 100 ml Anspannungskonzentrat, mische das ganze gut mit einer Rasierklinge et voilà: fertig ist der Abend in der Notfallambulanz. Zeit, die man eigentlich sinnvoll hätte verbringen können, einfach mal sinnlos mit rumsitzen und warten verbringen.
Aber es bringt wenig, wenn ich jetzt in Selbsthass versinke. Das macht es nicht ungeschehen und führt eher zu noch mehr Destruktivität. Also Kopf hoch, wieder aufstehen und weiter machen. Und vielleicht eher stolz sein, dass ich schon länger nicht mehr hier saß, dass ich es geschafft habe selbst in der Destruktivität noch so beherrscht zu bleiben und es nicht eskalieren zu lassen. So wie heute. Ich habe den Schmerz so vermisst, der Schmerz, der bei tieferen Wunden beginnt, wenn der Körper wieder zur Ruhe kommt. Das ziehen und pochen. Und die Erleichterung. Ich bin da. Ich bin wieder da und wieder in meinem Körper, ich bin nicht mehr angespannt und die Gedanken haben aufgehört zu kreisen. Einatmen, ausatmen. Es geht weiter. Ein neuer Anfang, wieder neu kämpfen, wieder weitermachen. Radikale Akzeptanz, aufhören mich deswegen selbst fertig zu machen. Es war eben das, was es war. Ein Rückfall, kein Untergang, kein Ende. Atmen. Einfach weiter atmen.

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