Meine Nacht war furchtbar. Ich habe unglaublich unruhig geschlafen, bin ständig wach geworden, nur um dann wieder in wirre Träume zu versinken. Ich habe von ehemaligen Lehrern vom Gymnasium geträumt, von meinem Vater. Ich bin klatschnass geschwitzt und erholt fühle ich mich auch nicht. Katerkind hat vor ungefähr einer Stunde angefangen die Lichter der Autos an meiner Wand zu jagen, dabei veranstaltet er so einen Lärm, dass man definitiv nicht tief und fest und friedlich schlafen kann. Und so sitze ich nun auf meinem Sofa mit einem Cappuccino und einer Zigarette, die paprikamampfenden Meeris als Hintergrundgeräusch und den schnurrenden Zitronenkater auf dem Schoß und versuche meine Augen offen zu halten. Ich muss die Klamotten noch in irgendwas rein stopfen, muss mein Zeug aus dem Bad dazu packen, meine Medis und ein paar Skillutensilien dazu werfen und dann in Kleider hüpfen und in die Hauptstadt zur Ärztin fahren. Ich habe schon jetzt ihr „Ach Frau Zitrone…“ in den Ohren, wenn sie meine Arme sieht. Am allerliebsten wäre es mir ja, wenn das niemand sehen würde, wenn ich es selbst versorgen könnte. Ich klebe es demnächst einfach mit Sekundenkleber zusammen. Und dann meldet sich mein schlechtes Gewissen, denn schon meiner ersten Therapeutin habe ich damals versprochen, dass ich tiefere Wunden versorgen lasse. Mein Psychiater würde mir vermutlich verbal den Hals umdrehen, wenn ich aufhöre sowas versorgen zu lassen. Doofe und müde Borderlinegedanken am frühen Morgen.
Ich muss in die Gänge kommen und mein Zeug erledigen. Muss mich anziehen und los, zur Bank, einkaufen, mich von meinen 5 Fellhaufen verabschieden, in D.s Auto steigen und in den Norden fahren. Ich muss lächeln, denn langsam kommt die Freude auf die nächsten Tage. Auf den Ösi und H. und die kleine Hexe und M. und auf Hannover und Hamburg. Am Samstag werde ich wieder Zuhause eintrudeln, Katerkind knuddeln, Meeris streicheln, mein Sofa belagern und hoffentlich aus dem aktuellen Tief wieder raus sein. Und langsam beginnt die Unruhe und die Vorfreude. Und in ca. 3 Stunden heißt es dann: mach’s gut du schönstes Bundesland der Welt, auf in den Norden!

Heute weißt du was verloren ging
In deinen Kindheitstagen
Nur du allein,
Nur du allein weißt was das beste für dich ist.

Kommentar verfassen