Ich wache auf. Öffne und schließe die Augen, immer wieder, damit ich mir sicher bin, dass ich wirklich wach bin und die Augen auf sind. Und selbst mit offenen Augen fühlt es sich nicht wirklich an. Ich habe mal wieder sinnlosen wirren Kram geträumt. Dafür gibt es ein paar untrügliche Zeichen. Ich bin klatschnass, als käme ich aus der Dusche. Mein Bett ist zerwühlt. Meine Haare stehen in alle Richtungen. Und ich hab Fetzen von merkwürdigen Traumdingen im Kopf.
Ich stehe auf und lande wieder im Bett. Der Kreislauf spielt nicht mit, er steht nicht mit mir auf, sondern bleibt einfach liegen. Ein paar Versuche später stehe ich dann wackelig auf meinen Beinen, gehe in die Küche und trinke erstmal. Dann knabber ich an einem Schokoriegel um meinen Kreislauf irgendwie zu ermutigen. Ich werfe meine Bettwäsche in die Maschine, werfe mich unter die Dusche. Es wird schwarz und ich sitze nass und zitternd auf dem Boden der Dusche. Ich schaffe es mich fertig zu machen, in Kleider zu schlüpfen und die Nummer der Tierärztin zu wählen, weil ich eine Impferinnerung mit einem anderen Datum als dem Termin bekommen habe. Ich mache die Post fertig, ziehe Schuhe an, werfe meine Pfandflaschentüte in die Einkaufstasche, stopfe Schlüssel und Geldbeutel in meine Jacke und gehe aus der Tür. Die Welt schwankt. Sie ist unwirklich, ich gehe wie durch Watte. Ohne Unfall schaffe ich es zum Briefkasten, werfe meine Post ein und gehe weiter zum Supermarkt. Nur noch in Bruchstücken erinnere ich mich an die Dinge, die ich kaufen wollte. Katerfutter. Meerikram. Zitronenessen. Ich kriege schwarze Punkte vor den Augen, mir wird übel, kalt. Also suche ich mir den schnellsten Weg zur Kasse, schnappe mir noch eine Dose Cola. Meine Pin gebe ich erst mal falsch ein. Ich stehe neben mir. Will weg, nur weg. Draußen trinke ich erstmal einen Schluck Cola. Atme tief ein und aus. Die Welt hört nicht auf sich zu drehen. Ich überlege, was ich gestern genommen habe. Und bin mir sicher, dass es nur meine normalen Medis waren. Kein Bedarf. Keine Drogen. Doch genauso fühle ich mich. Wie nach einer großen Flasche Alkohol und einem Joint. Ich laufe den Weg nach Hause und werde fast von dem Klinikmensch überfahren, der immer mit seinem Miniauto rumdüst und sich vom Klinikgelände zur angrenzenden Kita verirrt hat. Ich laufe weiter, den Weg lang, über die Straße, die Stufen hoch, durch den Flur, in meine Wohnung. Zitronenkater maunzt mich laut an. Ich lasse die Tasche fallen und sinke auf meinen Fußboden. Den Kopf in den Händen, die  Augen geschlossen. Ich atme, spüre Katerkind um mich streifen und sich dann auf meinen Schoß quetschen. Und ich sitze einfach nur da, die Augen geschlossen. Minute um Minute. Irgendwann trinke ich den Rest der Cola, räume meinen Einkauf weg, fütter die Meeris mit frischem Salat. Die Welt dreht sich immer noch und schwankt und ist unwirklich. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Kann es mir nicht erklären. Ich suche meine Tropfen gegen zu niedrigen Blutdruck und Kreislaufstörungen. Sie schmecken ein wenig nach Erdnuss. Vielleicht wird es nun bald besser. Vielleicht hört die Welt endlich auf zu schwanken und wird real.

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