Nachdem ich mittags nochmal für zwei Stunden ins Bett verschwunden bin ist es endlich besser. Die Welt fühlt sich nicht mehr so schrecklich falsch an.
Dafür werde ich die Gedanken an meinen Vater einfach nicht los. Bei Mama habe ich alte Jugendamtsunterlagen gelesen. Er erzählte mir ja immer, dass er mich vor ihr gerettet hat. Sie wollte mich und sich umbringen, deswegen hat er mich mitgenommen und ist mit mir weg gezogen. Wirklich geglaubt habe ich ihm nie. Auch die alten Unterlagen erzählen von anderen Dingen. Von einer einstweiligen Verfügung, weil er mich einfach mitgenommen hat, obwohl das Aufenthaltsbestimmungsrecht bei meiner Mutter lag. Von Anwälten, die nicht wissen, wo er steckt und wo ich bin.
Ich werde es nicht los. Ich will einfach alles, was mit ihm in Zusammenhang steht, aus meinem Kopf haben.
Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen. Weil ich ihn ja alleine gelassen habe. Aber dann kommt die Wut und der Hass. Ich frage mich so oft, wie ich reagieren würde, wenn ich erfahre, dass er nicht mehr lebt. Und dann frage ich mich, ob ich mich nicht mit ihm aussöhnen sollte. Bevor es soweit kommt. Schwester Tina sagte mal zu mir, dass ich keinerlei Verpflichtungen ihm gegenüber habe. Dass er kein Recht auf irgendwas hat. Und dass ich kein schlechtes Gewissen zu haben brauche, wenn ich so handle, dass es mir damit gut geht. Manchmal mag ich ihm schreiben. All die Dinge, die er mir angetan hat, in Worte fassen und ihm schicken. Doch mit welchem Sinn dahinter? Ich habe schon so oft seine Entschuldigungen gehört. Nachdem er mich geschlagen hat. Nie wieder würde es passieren. Und das hielt genau bis zum nächsten Mal. Ich kann nicht mehr daran glauben, schon lange nicht mehr.
Morgen will ich einkaufen, die Dinge, die mein wattiger Kopf heute nicht geschafft hat. Ich muss meinen Kleiderschrank weiter ausmisten, muss mit Mama und Schwesterherz planen, wann wir uns treffen und am Samstag bin ich zum Kino verabredet. Donnerstag wird anstrengend, erst Achtsamkeit und dann Therapie. Und hoffentlich klappt das mit dem Geld diesmal einigermaßen pünktlich, sonst muss ich verzweifeln.
Morgen wird ein besserer Tag. Daran glaube ich fest.

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