Ich sitze zitternd und heulend auf meinem Wohnzimmerboden. Irgendwann schnappe ich mir das Telefon und rufe in der Klinik an. Und lande letztendlich bei Schwester Nathalie. „Aufgeben is nich“ sagt sie, während in meinem Kopf alles danach schreit zu gehen. „Ich schaff das nicht“ –  „Eijo schaffen Sie das!“
Sie sagt mir, dass es nicht real ist, dass er hier vor der Türe stehen wird. Sie meint, dass ich mir sie im Cheerleader-Outfit vorstellen soll, mit Pompons, wie sie mich anfeuert. Dass es ein Teil meines Lebens ist, aber nicht mein Leben. Und am Ende ist dann da doch ein wenig Platz für ihre Worte zwischen als den Gedanken ans aufgeben. Als ich ihr sage, dass es bald 100 Tage ohne schneiden sind und sie meint, dass ich mir lauter Smileys tätowieren lassen soll. Und Pfleger Arschkeks bekommt dann die Rechnung.
Es tut gut, dass sie an mich glaubt, auch wenn ich es gerade selber nicht tue. „Es ist ein Teil Ihres Lebens, nicht Ihr Leben.“ tut gut.
Ich muss an den Februar letztes Jahr denken. Schon allein deswegen kann ich doch jetzt keinen Mist bauen. Immerhin habe ich angerufen, hatte sie am Telefon und will jetzt nicht danach im Krankenhaus landen und danach sowas von geputzt werden vom bösen N. Selbst nicht, wenn sie mit Cheerleader-Outfit und Pompons kommt. Und es bringt mich grade tatsächlich zum Lächeln, wenn ich mir das vorstelle. So ein kleines tobendes Comicmännchen, dass aussieht wie Nathalie, mit einem Cheerleader-Outfit (auf dem natürlich ein Blitz in Form eines Ns prangt) und Pompons, dass vor mir steht und schimpft.

Mit diesem Bild im Kopf krabbel ich nun in mein Bett. Morgen ist ein neuer Tag und es geht weiter. Schritt für Schritt und Tag für Tag.

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