2 Jahre – 10 Wochen 

Sonntagmorgen zuhause. Um halb 7 beißt der Zitronenkater mir beherzt in den großen Zeh, weil ich auf sein Mauzen und auf-mir-spazieren-gehen bisher nicht reagiert habe. Er krabbelt unter meine Decke und bekommt eine Ladung Streicheleinheiten, bevor ich mich aus dem Bett kippe und überlege was ich frühstücken soll, damit meine Medis nicht im leeren Magen landen. 

Gestern habe ich einen Abstecher zur Klinik gemacht. Es fühlt sich merkwürdig an durch die Vorhalle zu gehen, in den Aufzug und dann den Flur entlang bis zur Stationstür und dann bis zum Tagesraum. So lange war dieser Ort Halt und Auffangsort für mich, so vertraut und doch in den letzten Wochen fremd geworden. Ich rede ein wenig mit Pfleger Andreas und Schwester Angelika bevor ich mich meinem Besuch und einem Latte widme. Und es stimmt mich ein wenig traurig, dass so viele bekannte Gesichter dort sind, so viele immer und immer wiederkehrende Geschichten und Probleme. Zum Mittagsdienst tauchen dann Laura und Kai auf und ich freue mich auch ihnen ein wenig etwas erzählen zu können. Letztendlich stehe ich am Pflegestützpunkt, genau wie so unzählige Male davor und rede lange mit Laura. Und es tut gut, denn sie kennt so viele der Kämpfe, die ich seit Anfang 2015 auf dieser Station gekämpft habe. Gegen die Dämonen, gegen mich selbst, manchmal auch gegen das Personal. „Wie viele Verbände haben wir gemacht, wie viele Tuben Finalgon verbraucht?!“ sagt sie lächelnd zu mir. Wie viele Stunden habe ich dort gekämpft, manchmal gewonnen, manchmal verloren, doch immer irgendwie weiter gemacht. Sie erinnert mich daran, dass es von Aufenthalt zu Aufenthalt besser wurde, stabiler. Und das es nun so sehr anders ist, ich so sehr anders. Und es tut so gut das alles zu hören, denn sie sieht es nochmal ein wenig anders als die Menschen auf Station nun. Sie sieht fast 2 Jahre. Und selbst in den letzten 10 Wochen ist so unglaublich viel passiert. 

Es wird weiter gehen. Auch wenn ich an diesem Wochenende viel zweifel. In meiner Wohnung, in der ich so viele Kämpfe ausgefochten habe. Ein Ziel zwischen nach-Hause-kommen und Weihnachten wird für mich werden, dass ich hier etwas tue. In dann bald über 3 Monaten hat sich hier vieles gesammelt (vor allem Staub), ich will von Grund auf mal sauber machen, umräumen, aufräumen. Mir irgendwo ganz groß „neuer Weg“ an die Wand schreiben, Monster aufhängen und Sprüche und Erinnerungen an die Dinge, die ich schaffen will. Ich will so viel wie möglich tun, damit ich hier einen sicheren und positiven Ort habe der mir Halt gibt. 

Und während mein kleines Fellmonster friedlich auf meinem Schoß schlummert und nach Katzenfutter riecht und aus dem Meerizuhause das zufriedene Schmatzen der drei Fellnäschen zu hören ist, sitze ich mit Zigarette und Kaffee auf dem Sofa, atme ein und aus, habe Angst vor dem was kommt aber auch Zuversicht und Hoffnung. Ich kann das schaffen. Und ich will es schaffen. Schritt für Schritt, Tag für Tag, manchmal auch Skill für Skill und Minute für Minute. Aber es wird weitergehen. Chakka! 

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