come out fighting 

Es geht dem Ende zu. Unaufhaltsam. Gestern Abend habe ich mich von Frau S. verabschiedet, weil sie ihren letzten Nachtdienst vor meiner Entlassung hatte. Übermorgen geht eine Mitpatientin. Den Tag drauf auch eine. Am Mittwoch habe ich wohl meine letzte Basisgruppe. Nur noch zwei Einzel mit meiner Psychologin liegen vor mir. Nur noch eine Oberarztvisite. Der Abschied rückt näher und näher. Und was so ganz nebenbei alles in meinem Leben derzeit Chaos verursacht ist eben auch noch da, neben den Gefühlen, die dieser Abschied nun auslöst. 

Im Einzel heute schaut die Psychologin mich an. „Von Fortschritten darf ich ja eigentlich nicht reden, sowas wollen sie ja nicht hören, oder?“ „Mittlerweile ist es manchmal halbwegs okay.“ antworte ich ihr und sie sagt, wie erstaunlich sie es findet, was wir in den letzten Minuten produziert haben. Es geht um die Protokolle, die ich weiter führen will. Zum Beispiel die diary card. Und was wir da raus schmeißen und vielleicht mit aufnehmen. Und ich sage von mir aus, dass sowas wie Gutes tun da eigentlich rein müsste. Vor 3 Monaten wäre ich schreiend weggelaufen, wenn sie sowas irgendwo in der diary card hätte unterbringen wollen. 

Alles dreht sich nun unweigerlich um den Abschied. Ums weitergehen zuhause. Es macht mir Angst. Und ich freue mich. Und es macht Angst. Und es macht traurig, denn die Zeit hier war schön. Ich habe viele Menschen hier lieb gewonnen, von denen ich mich nun auch unweigerlich verabschieden muss. In letzter Zeit hatte ich immer öfter das Gefühl einer großen WG hier, zusammen sitzen, lachen, Spaß haben. 

Es wird mir fehlen. Einfach in den Aufenthaltsraum gehen, an der Tür nebenan klopfen. Alle hier haben. Zuhause wird es so anders. Dort sind auch Menschen, die ich unglaublich gerne habe, aber eben nicht auf dem selben Flur, ein paar Meter entfernt. 

Es wird schwer werden zuhause. Die erste Zeit. Vielleicht auch zwischendurch immer wieder. Aber ich glaube, dass ich ein wenig stärker geworden bin. Ein wenig mehr Dinge kann. Handlungsfähiger bin. Ich darf zuhause nur nicht aufgeben und in alte Muster verfallen. Weiter machen. Weiter kämpfen. Ich hoffe ich schaffe es. 

Die Angst ist da. Und sie wird wohl noch eine Weile da bleiben. Vielleicht auch immer irgendwie ein wenig. 

Das hier war ein Anfang. Der Beginn eines neuen Weges. Vielleicht werde ich nach einem Jahr wiederkommen oder nach 1 ½ oder 2 und lächeln, weil so vieles anders geworden ist. 

Well I know there are times when you’re feeling close to the ground 

and there’s times when you may feel there’s no place to call home 

and there’s times when the only end in sight is the end 

you got to 

Come out fighting…

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