Ich schlafe gestern erst gegen 3 Uhr ein. Mit Suizidgedanken und Selbstverletzungsdruck. Als ich heute morgen die Augen öffnen, ist es zwar nicht mehr ganz so schlimm, aber auch alles andere als gut. 

Als es an der Tür klingelt, schrillen die Alarmglocken in mir synchron mit. Mein Großonkel steht im Flur, prima. 

Ich weiß nicht, was anstrengender ist. Seine Fragen nach meinem Vater oder meinen Narben, die Tatsache, dass er ständig absichtlich meinen Kater erschreckt, sein Meckern über Moslems oder die andere ganze Grütze, die er von sich gibt. Nach gefühlt endlos langen Stunden, mindestens 5 Gefühlsprotokollen im Kopf, einem Haufen möglicher Mordmethoden und tonnenweise ablenken und skillen verlässt er endlich wieder die Wohnung. Uff. Durchatmen. 

Danach ist es unspektakulär. Wir essen, irgendwann packe ich meinen Kram und Mama bringt mich nach Hause. Als sie nach der obligatorischen Zigarette dann meine Wohnung verlässt, sinke ich erschöpft auf mein Sofa. Die letzten 3 Tage haben an meinen Kräften gezehrt. Die kurzen Nächte (vor 2 Uhr habe ich nie geschlafen), die vielen Geräusche, die Erinnerungen und Gedanken und dann zu allem Übel heute noch mein Großonkel… Es war anstrengend. Wenn auch nicht ganz so furchtbar wie sonst. Wobei auch mein Umgang und meine Einstellung anders sind seit der dbt. 

Jedenfalls war ich unglaublich froh endlichendlichendlich wieder in meinen eigenen vier Wänden zu sein. Ohne Menschen. Und so habe ich den Rest meines Tages auf dem Sofa verbracht. Mit AoE, TV, Katerkind und skypen mit L. und F., anschließen bin ich einfach nur ins Bett gekippt. Und dort liege ich nun seit einer ganzen Weile und komme nicht zur Ruhe. In meinem Kopf reiht sich ein mögliches Selbstverletzungsszenario an das nächste. Mir fehlt es so, so unglaublich sehr. Manchmal wünsche ich mir ein „richtiges“ letztes Mal. Noch einmal verletzen, als Abschluss, so richtig viel und schlimm. Aber es ist totaler Quark. Es ist einfach nichts, bei dem man einen Abschied feiern kann, ein letztes Mal, und schon gar nicht so. Es wäre eher ein Anfang als ein Ende. Und ich weiß auch, dass ich nie ganz ohne Selbstverletzung sein werde, denn sie wird mich immer begleiten, auch wenn es vielleicht irgendwann nur noch die Narben und ein gelegentlicher Gedanke daran sein werden. Ich weiß, dass es jederzeit wieder passieren kann, auch wenn ich es nicht hoffe und nicht möchte. Aber es macht auch so viel Angst zu wissen, dass es vielleicht nie mehr passieren wird. Und, ja, es tut weh. Denn ich lasse damit (mal wieder) etwas los, das so lange Teil von mir war, mehr als mein halbes Leben schneide ich schon. Es tut weh, genauso weh wie etwas anderes loszulassen, das einen so lange begleitet hat. Und ich versuche nicht allzu sehr über das alles nachzudenken, auch wenn es mir in diesen sentimentalen Tagen mit Weihnachten und Silvester vor der Türe um einiges schwerer fällt als es sonst eh schon ist. 

Morgen werde ich erstmal ausschlafen. Und dann irgendwann in den Supermarkt purzeln und ein paar Kleinigkeiten für die nächsten Tage einkaufen. Und ich muss anfangen meine Wohnung besuchs- und silvestertauglich zu machen. Also: aufräumen! 

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