Und wenn alles zuviel wird, dann zieht mein Körper die Notbremse. Mal wieder.

Montag nach der Klausur bin ich zu Mama und wollte von dort aus eigentlich nur kurz nach Hause, das Katerkind und die Quietschnasen füttern, ein paar Sachen holen und wieder zurück. Pustekuchen. Bis in die Hauptstadt schaffe ich es, dann wirft mich die Panik um. Nichts geht mehr, kein Zentimeter vor, kein Zentimeter zurück. Welle um Welle, bis die Übelkeit kommt, sich mit der Panik abwechselt, bis der Kreislauf anfängt zu streiken. Bis ich irgendwann dann doch zu Tavor greife, atme, bis D. mich per WhatsApp begleitet zum Gleis und im Zug und letztendlich bis vor meine Haustür. An nochmal raus gehen oder zu Mama zu fahren ist absolut nicht zu denken. Und zwischen Kotzen und Zittern und Heulen steht irgendwann fest, dass es nicht geht. Dass ich nicht Lernen kann und auch beim besten Willen keine Klausur schreiben. Selbstfürsorge. Auch wenn meine Gefühle eskalieren, mir tausend wenn und aber durch den Kopf schießen, mein Pflichtgefühl mit Leuchtreklame durch die Gegend hüpft – es geht nicht. Die Panik ist zwar irgendwann weg, doch den Abend und die Nacht verbringe ich hauptsächlich auf meinem Badezimmerboden.

Und so schreibe ich gestern keine Klausur. Stattdessen fahre ich zu meiner Ärztin, die mir sagt, dass ich ziemlich beschissen aussehe. Doch sie strahlt, als ich ihr sage, dass es im Großen und Ganzen seit der dbt wirklich okay ist, dass da keine Selbstverletzung mehr ist, dass ich studiere. Sie freut sich ehrlich und ich muss lächeln, denn ich erinnere mich noch zu gut an die Gespräche in der Praxis, während sie mir Fäden aus dem Arm zieht oder entzündete Wunden versorgt.

Ich hasse es, wenn mein Körper aufhört zu funktionieren. Wenn schon die Psyche ein so völlig labiles Konstrukt ist, dann mag ich wenigstens einen Körper, der tut was er soll.

Heute noch. In 4 ½ Stunden schreibe ich Recht, dann ist es vorbei erstmal. Termin bei der Krisenbetreuung, meine Krankmeldung in den Attestbriefkasten schmeißen, meinen Kram bei Mama einsammeln und heim zum Zitronenkater und den Quietschis. Ausschlafen.

Am Freitag kommt die liebe fylgja zu mir, ich freue mich unglaublich darauf. Ich weiß, dass ich ihr nicht viel erklären muss, dass sie mich und mein Chaos versteht. Einfach fallen lassen können und ich sein, nach dem ganzen Durchhalten und Lächeln und den Schein wahren.

Atmen. Plan und Ziel für heute. Das irgendwie hin kriegen, dann ist es vorbei.

Und jetzt dreh ich mich nochmal ’ne Stunde um und versuche ein wenig Schlaf zu kriegen. Klausuren um 8 Uhr sind echt fürn Popo, da bin ich absolut noch kein Mensch.

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