Der Tag heute war lang. Letzte Nacht habe ich nicht geschlafen, bin nur immer mal wieder einige Minuten eingedöst. So habe ich die Nacht eben mit Dr. House verbracht und bin heute morgen entsprechend fertig unter die Dusche, in meine Klamotten und Richtung Mama.

Die Beerdigung war schön. Wenn eine Beerdigung sowas sein kann.
Die Blumen waren bunt und fröhlich und nicht so furchtbar Richtung Beerdigung. Bunt und fröhlich, so wie Maria war. Wir haben dekoriert, eine Collage mit Bildern von ihr aufgestellt und 80 Kerzen angezündet, für jedes Lebensjahr eine.
Ich habe in der Einsegnungshalle irgendwann angefangen zu weinen und erst wieder aufgehört, als wir in der Gaststätte ankamen und alles vorbei war.
Es tat gut zu weinen. Und es tat gut zu sehen, wie vielen Leuten sie nahe stand und wichtig war.

Am Abend waren wir noch essen, nur die Familie. Mama, ich, Marias Bruder und Huang mit seiner Frau. Huang, oder auch Michel, ist Marias Cousin, meine Uroma und seine Mutter waren Geschwister. Meine  Familie ist groß und chaotisch, aber es ist immer wieder schön sie zu sehen. Seine Brüder leben in Rom, Tokyo und Paris, er in Ulm. Sein Vater war Vietnamese und Botschafter in Rom.
Und einen Asiaten beim asiatischen Essen dabei zu haben finde ich immer lustig, denn ihre Sitten sind einfach ganz anders. Aber auch sowieso die meiner ganzen Familie, teils durch den französischen Einfluss, teils einfach auch weil meine Familie eben bekloppt ist. So gab es nicht für jeden etwas zu essen, sondern einmal quer die Karte durchbestellt und jeder hat von allem was er wollte gegessen. Es war schön, manchmal lustig, manchmal auch traurig. Meine Uroma war oft Thema, einfach die Art, die sie an sich hatte, genau wie ihre Schwestern, ihre Töchter, und ja, auch wie ich. Das impulsive hat meine Mutter völlig übersprungen und landete bei mir, ich kann genauso aufbrausend sein wie meine Oma und meine Uroma. Meine Uroma, übrigens auch Maria, hat sich einmal so über ihren Mann aufgeregt, weil er Fußball schaute, dass sie den Fernseher nahm und auf den Boden pfefferte.

Nun fummel ich mir noch meine Haarnadeln raus, stelle meinen Wecker für morgen früh und versuche den Schlaf der letzten Nacht ein wenig nachzuholen.

Liebe Maria, vor 80 Jahren begann deine Reise in Paris und endete heute hier, zumindest in dieser Welt. Du warst eine wunderbare Frau und ich bin unendlich stolz, dass du ein Teil meiner Familie und meiner Geschichte bist. Ich werde dich immer bei mir tragen, tief in meinem Herzen.
Bis wir uns wiedersehen…

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