abends 

Es ist Abend und ich stürze ab. Wie so oft. Schon im Abendkontakt habe ich es gesagt, schon da hatte ich im Gefühl, dass da heute nicht gut geht. Warum genau es so ist weiß ich immer noch nicht. Ich habe versucht etwas dagegen zu tun. Ich habe mit der kleinen Hexe telefoniert, kurz noch mit meiner Schwester, ich habe eine Katze geflauscht und trotz allem kippt es. 

Ich bin es nicht wert, dass es mir gut geht. 

Ich stelle mich doch nur an. Ich muss mich doch nur zusammen reißen. Schließlich habe ich schon so lange nicht mehr geschnitten. Also kann es mir ja nicht schlecht gehen. 

Ohne Wunden darf es mir nicht schlecht gehen. Ich habe kein Recht hier zu sein. 

Und während ich so drüber nachdenke kommt mir in den Sinn, dass es eigentlich immer so war. Die Abende sind schlecht. Da kommt er von der Arbeit, da darf ich nicht mehr sein, da darf ich keine eigenständige Person mehr sein mit Gefühlen und Gedanken und einer eigenen Meinung. Vielleicht hat es damit zu tun. Es darf keinen guten Tag geben, kein gutes Ende. So viele Jahre. 

Ich denke an Schwester Nathalies Zettel. Der Tag war gut und bleibt auch gut. Auch ein Stück Selbstwert. Ich bin mir selbst genug wert um einen guten Tag zu haben, um nicht abzustürzen, um einfach okay zu sein. Schweres Thema. Sehr. 

Ich nehme ein wenig Anspannung raus, indem ich meinen Arm mit dem Gummiband quäle. Mir Finalgon drauf schmiere. Mir immer und immer wieder sage, dass es gut sein darf. Dass es okay ist. Ich okay bin. Einfach einatme und ausatme und aushalte und schreibe. 

Ich habe mit der Krankenpflegerin, die gerade noch Dienst hat, ein wenig geredet. Über die Gedanken im Kopf und alten Kram, der da mitschwingt, über Gefühle und übers Bloggen. Das tat gut und hat mich abgelenkt. Ich habe meine Medis schon genommen, werde bald wohl auch endgültig ins Bett krabbeln. 

Morgen Abend wollen wir „Bordis“ zusammen weg gehen. Ein wenig raus kommen, was trinken (leider ja ohne Alkohol…), zusammen sitzen, quatschen. Ich versuche daran zu denken, versuche an mein Wochenende daheim und meinen Kater zu denken, freue mich darauf, dass meine Schwester mich besuchen kommen will. Positives sehen, an die schönen und lebenswerten Dinge denken. 

Der Tag war gut und bleibt auch gut. Schritt für Schritt, Tag für Tag, Skill für Skill. 

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