Aber es liegt nicht in ihrer Macht, das zu entscheiden.

Was macht man mit so halben Tagen, die eigentlich schon vorbei sind bevor man aus dem Bett kommt?
Ich habe 2 Stunden gekämpft um aus dem Bett zu kommen. Habe mich angezogen, bin vor die Türe gefallen und zum Dönermann getappt. Durch die Baustelle (die in 2 Wochen endlich mal (vorläufig) fertig sein soll!) musste ich dabei am Weihnachtsmarkt vorbei. Uaaarg. Laute Weihnachtsmusik, Menschen und der Geruch nach Glühwein waren echt zuviel für mich. Dazu hat es auch noch angefangen zu regnen. Juhu.
Aber immerhin habe ich nun was gegessen und getrunken, war ein wenig an der Luft und fühle mich wieder wie eine Zitrone, zumindest halbwegs.
Gleich werde ich zumindest mal im Wohnzimmer ein wenig Ordnung machen, meine Adventskerzen anzünden, meine Lichterkette anmachen und dann wohl auf dem Sofa versacken. Vielleicht kriege ich es trotz dem langen schlafen ja irgendwie hin einigermaßen zu einer normalen Uhrzeit ins Bett zu gehen.

Der Druck mich zu verletzen ist heute enorm. Ich habe heute „Nacht“ davon geträumt, beim aufwachen musste ich nachschauen, ob meine Arme noch heil sind. Wenn schon die Rasierklingen durch die Träume geistern fällt es schwer sie über den Tag zu ignorieren. „Wenn ich wüsste, dass ich es schaffe oberflächlich zu schneiden, dann würde ich es tun“ sage ich. „Aber wenn ich Sie so höre gerade, Sie haben die Kontrolle nicht. Also müssen Sie auch nicht weiter darüber nachdenken“ sagt Schwester Tina.
Und sie sagt, dass es ein so gewaltiger Schritt ist, dass ich nun hier sitzen kann und überlege, ob ich schneide oder nicht und es nicht einfach tue. Und das es so viel wert ist, dass die Skills mich runter holen, wenn auch nur minimal. Es sind alles kleine Fortschritte, die mir so schwer fallen in Kopf zu bleiben. Ich will alles und zwar jetzt. Ich will Skills, die mich aus der Hochsprung auf 0 holen, ich will von jetzt auf gleich nie mehr schneiden, ich will einfach zu viel, erwarte von mir auch viel zu viel. „Sie sind eine kleine Perfektionistin“ sagt Tina, „Sie wollen alles zu 100 Prozent und  zwar direkt. Und Sie setzen sich selbst viel zu sehr unter Druck.“ Ja. Voll ins Schwarze getroffen.
Also mache ich eben weiter. Skills, Skills, Skills. Aushalten, weiter atmen, durchhalten. Vielleicht einfach meinen Anspruch ein wenig runter schrauben. Es muss nicht von Hochsprung auf 0 gehen, es muss noch nicht mal riesen Sprünge machen. Es muss nur ein wenig helfen. Es soll, es muss nicht. Ich muss nicht von jetzt auf gleich in ein Leben ohne Selbstverletzung springen. Ich darf es auch ohne schaffen, ich darf mich auch okay fühlen, es gibt mehr zwischen total gut und richtig miserabel. Ich schnappe mir wohl gleich mal einen Zettel und schreibe das alles auf. Für das nächste Mal Klinik, als Anhaltspunkt für die Dinge, an denen ich arbeiten will.

Und heute mal kein Lied. Sondern ein wunderbares Zitat.

„Ich wünschte, all das wäre nie passiert.” – “Das tun alle, die solche Zeiten erleben. Aber es liegt nicht in ihrer Macht, das zu entscheiden. Du musst nur entscheiden, was du mit der Zeit anfangen willst, die dir gegeben ist.”

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