And everything is understood 

Meinen Sonntag habe ich bisher hauptsächlich faul in der Horizontalen unter meiner Kuscheldecke verbracht. Langsam bin ich dabei mich unter ihr heraus zu winden, denn ich habe das Bedürfnis doch noch ein wenig konstruktiv zu sein. Wäsche aufhängen, ein wenig aufräumen, durch die Wohnung fliegendes Meeristreu zusammenkehren, all solche Dinge. In gut zwei Stunden werde ich dann die 2 Stockwerke zu meiner Nachbarin hoch tapsen und eine Weile auf den Stöpsel aufpassen, bis sie wieder Zuhause ist. Da ja eh kein Tatort kommt verpasse ich ihn immerhin auch nicht.
Mal sehen, was ich dann noch so treibe mit dem Abend. Vielleicht ein wenig Bewegung mit der Wii. In den nächsten Tagen will ich mich nochmal an das Projekt Socken stricken machen. Bündchen und rund stricken kriege ich schon hin, mal sehen ob ich den Rest vom Socken auch irgendwie schaffe. Eine Herausforderung wird es auf jeden Fall das Knäuel Wolle vor dem Zitronenkater zu verteidigen. Er hat in den letzten Tagen mehrfach meine Dekoschale wieder ausgeräumt, ich glaube ich gebe es nun auf, die Kugeln immer wieder in der Wohnung einzusammeln und dort rein zu packen, sondern überlege mir etwas neues für in die Schale.
Die Möhris haben gestern Abend und heute Nachmittag noch gewaltig Krach veranstaltet, sie beginnen langsam die Rangordnung zu klären. Allzu lange dürfte es nicht dauern, Cookie ist noch sehr zurückhaltend, traut sich aber schon an den Fressnapf und läuft manchmal ganz mutig durch die Gegend. Man sieht aber, dass ihr das laufen teilweise schwer fällt, ich habe an ihren Füßchen nachgeschaut und gesehen, dass die Krallen viel zu kurz geschnitten wurden, bis fast auf das Nagelbett. Es muss gewaltig geblutet haben. Armes Meerli. Ich hoffe, dass sich das mit dem Laufen gibt, wenn die Krallen wieder länger sind.
Ansonsten kämpfe ich weiter vor mich hin. Ich bin immer noch ohne Selbstverletzung und habe es auch heute wieder geschafft anständig zu essen, sogar mit Frühstück. Auch sonst bin ich nicht mehr ganz so furchtbar destruktiv und gehe mit mir besser um. Wenn ich an meinen Geburtstag denke, dann wird mir allerdings immer noch übel. Aber ich sage mir, dass ich das schaffen kann. Zur Not ist die Klinik da. Zur Not kann ich mich mit Medis außer Gefecht setzen. Ich kriege das hin, ganz bestimmt.
Ich frage mich, ob solche Tage irgendwann ihren Beigeschmack verlieren. Ob irgendwann Weihnachten, Silvester und mein Geburtstag einfach okay und schön sein können, ohne das alte Erinnerungen mich einholen und ich nicht mehr hadere mit der Tatsache, dass ich lebe. Dabei kommt mir der Gedanke, dass mein 17. Geburtstag der letzte war, an dem mein Vater wirklich dabei war. Meinen 18. habe ich mit einem kleinen Teil meiner Familie und Freunden gefeiert, da Oma, Tante und Mama da waren, hat mein Vater nur ein Geschenk vor die Tür gestellt und ist wieder verschwunden. Seitdem habe ich jeden Geburtstag hier in meiner Heimat verbracht. 10 Jahre ist das bald her, mein 17. Geburtstag. In den zehn Jahren ist manches einfacher geworden. Ich habe nur noch sehr selten Gewissensbisse, dass ich ihn alleine gelassen habe. Ich denke selten an seinen Geburtstag, habe seltener das Bedürfnis zum Telefon zu greifen und ihn anzurufen. Vieles ist gleich geblieben, manches ist schwerer geworden. Der Entschluss, nach der DBT den Weg Richtung Traumatherapie zu gehen, wird in mir immer stärker. Ich glaube, dass ich das brauche um einigermaßen damit leben zu können. Damit gut leben zu können.
Und nun mache ich mich ein bisschen ans produktiv sein.

She says, „Don’t let go 
Never give up, it’s such a wonderful life 
Don’t let go 
Never give up, it’s such a wonderful life“ 

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