And you can tell her it’s been a crazy ride

Ich bin extrem angespannt. Aber seltsamerweise sonst relativ ruhig. Vielleicht wegen dem Bedarf. Vielleicht weil ich einfach müde bin, vielleicht weil mein Körper mir grade das Gefühl gibt gleich einfach umzufallen. Ich habe in der Klinik angerufen. Schwester Nathalie sagte, dass ich schreiben soll. Und die Skills nochmal durchgehen. (wenn ich eins langsam aber sicher hasse, dann sind es Skills. Direkt hinter Verhaltensanalysen.) Schreiben hilft so oft. Gedanken sortieren, diese ganze Grütze im Kopf auf „Papier“ bringen.

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Ich bin auf der einen Seite vollgepflastert, auf der anderen Seite gibt es Finalgon. Auf meinem Schoß liegt das schnurrende Katerkind. Eigentlich die perfekte Voraussetzung dafür, dass es bald besser wird. Auch wenn ich gleich aufstehe und in Richtung Bett tapse. Nochmal versuche zu schlafen. Trotz dem Sturm draußen, trotz dem Regen. Kuscheldecke, Katerkind, um die Schlafbanane wickeln, 5 bis 8 Kuscheltiere um mich packen. Meine Lichtkugeln anschalten und anlassen. Mir immer wieder sagen, dass alles okay ist. Dass ich in Sicherheit bin. Ich fühle mich furchtbar in meinem Körper, ich fühle mich widerlich und eklig. Ich habe seinen Geruch in der Nase und einen fruchtbaren Geschmack im Mund, ich würde mir so unglaublich gerne einfach den Finger in den Hals stecken und all das auskotzen. Den Ekel, den Hass, den Geruch und den Geschmack, die Erinnerungen.
Ich bin froh wenn Weihnachten rum ist. Wenn Silvester rum ist. Alles dreht sich um Familie, heimkommen (beim neuen Edeka-Werbespot kriege ich jedesmal Druck!), Friede, Freude, Weihnachtsplätzchen. Bah. Weihnachten, Silvester, Geburtstag. Das sind die schlimmen Tage. Letztes Jahr habe ich kurz vor Weihnachten wieder angefangen mich zu verletzen. Mich dieses Jahr  kurz vor meinem Geburtstag auf die Intensivstation gebracht. Beim nächsten Mal suche ich mir doch besser eine hohe Brücke.

Seltsamerweise triggern mich viele Dinge, die mich früher total umgehauen haben, gar nicht mehr so extrem. Gestern habe ich einen Film geschaut, bei dem ein Mädchen von ihrem Stiefvater sex. mbt wurde. War okay, schauspielerisch von dem Mädel echt top, aber getriggert hat es nicht. Und im Gegensatz dazu schaue ich heute den Tatort, bäm, selbstverständlich, getriggert wie blöde. Herrlich. Vielleicht lag es auch daran, dass ich bei dem Film wusste, was mich erwartet. Beim Tatort rechne ich nicht damit, dass eine Frau mit zerschnittenen Armen dasteht.

Die Anspannung, die während dem Gespräch gesunken ist, ist wieder oben. Das Finalgon brennt, die Pflaster hab ich abgezogen, die Spannung verändert sich nicht. Vielleicht sollte ich doch kotzen gehen. Vielleicht sollte ich doch, so ein ganz kleines mini bisschen schneiden. (ja, Zitrone, genau. Weil das ja auch total gut geklappt hat bisher immer und auch sowas von sinnvoll ist.)
Am Liebsten würde ich jetzt auf meinen Stuhl steigen, meine Kiste vom Küchenschrank holen, und eine Tablettenparty feiern. Das Gefühl genießen, wenn der Kopf so schön wattig wird, wenn alles drumrum so schön weit weg rückt. (das Herzrasen, die ganzen Schläuche, die Übelkeit, die darauf folgten, kann man ja mal gekonnt vergessen). Stattdessen bin ich konstruktiv. Und ich habe auch keine Lust erst mal auf den Stuhl klettern zu müssen.
Finalgon nachschmieren. Vielleicht noch nen Eiswürfel dabei packen. Nochmal bepflastern. Katerkind kraulen. Wenn es nicht besser wird, dann einfach anziehen und eine Runde raus. Musik laut aufdrehen. Einatmen und ausatmen. Und zur Not das ganze eben nochmal von vorne. Nicht kotzen, nicht schneiden. Es geht vorbei. (seit die knuffige AvD das gesagt hat, geht es mir nicht mehr aus dem Kopf. Es gibt Halt.)

I was locked up in a crazy place
They found me on the streets begging for grace
I don’t remember but they say I lost my mind

(3 Beiträge mit dem selben Lied. Ich habe es heute den ganzen Tag im Kopf. Und die dragonfly wings ja sowieso auf meinem Arm, jeden Tag.)

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