Angst. Panik. Horror. 

Ich packe meinen Koffer und nehme mit… 

Den Herrn Kater. 

 

Zumindest würde ich gerne. Leider muss ich ihn zurücklassen. 

Stattdessen suche ich Klamotten zusammen, schmeiße noch eine Ladung Wäsche an, plünder mein Bad, rolle meine Kuscheldecke zusammen, schmeiße Block und Stifte in den Koffer und packe noch Briefumschläge drauf. Zwischendurch sinke ich immer wieder mit Zigarette aufs Sofa. Drücke mich davor die Wohnung aufzuräumen, das Geschirr zu spülen. Drücke mich vor den letzten Vorbereitungen. Fülle immerhin den Befreiungsantrag für die Krankenkasse aus. Schmeiße die Finalgon in den Kulturbeutel, man weiß ja nie ob die sowas haben, packe ein paar Migränetabletten in das Döschen am Schlüsselbund, man weiß ja nie wie lange ich dort fragen muss, bis ich welche kriege. Meine Klinikberichte müssen noch mit. Habe ich Shampoo eingepackt? Wo ist eigentlich meine Wimperntusche? Welche Bücher nehme ich eigentlich mit? Und welche Kuscheltiere? Und wo zum Teufel ist meine Powerbank? Reichen zwei Tüten Heu für die nächsten 14 Tage? Und soll ich nicht sicherheitshalber für den absoluten Notfall ein paar Rasierklingen mitnehmen? 

Ich möchte mich verkriechen. Ich will nicht packen, ich will nicht vorbereiten und ich will schon gar nicht morgen fahren. Ich will dort anrufen und absagen. Brauche ich das überhaupt? Bin ich wirklich so krank? Krank genug um so viele Wochen stationär behandelt werden zu müssen? Nehme ich nicht jemandem einen Platz weg, der es viel nötiger braucht? Schaffe ich das alles überhaupt? Kriege ich das hin? Wenn ich doch nun am liebsten schon absagen will, macht es dann überhaupt einen Sinn? 

Ich weiß, dass diese Gedanken völliger Müll sind. Mein Kopf weiß, dass diese Gedanken nur entstehen, weil ich wahnsinnige Angst vor diesem Schritt habe. Vor dem Unbekannten. Vor der langen Zeit. Vor dem ganzen Neuen und der ganzen Konfrontation mit mir und meiner Krankheit. Vor der Nähe zu den Orten meiner Kindheit. Vor fremden Menschen. Vor so quasi allem was mich dort erwartet. 

Ich sitze auf meinem Sofa. Zitternd. Ich kann nicht aufhören. Ich fühle mich, als würde ich gleich zusammenbrechen. Ich schlucke eine Seroquel. Ich muss runter kommen, sonst drehe ich hier durch. Vielleicht hilft es. Hoffentlich hilft es. Packen. Aufräumen. Weiter machen. Handeln. Nicht durchdrehen, nicht zusammenbrechen. Einatmen und ausatmen. Ich schaffe das. Ich schaffe das. Ich schaffe das. Aber was wenn nicht? 

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