Angst

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal vor Sorge und Angst nicht schlafen konnte, wann ich zum letzten Mal mein Handy laut neben mir im Bett liegen hatte, wann ich zum letzten Mal so sehr hoffte, dass kein Anruf kommt.

Ich bin mit meinem kleinen Babymeeri in die Tierklinik gefahren und musste sie dort lassen. Ich musste fahren, voller Angst und Tränen, voller Ungewissheit.

Ich weiß nicht was die kleine Maus angestellt hat. Sie fraß, verschluckte sich wohl und schluckaufte dann vor sich hin. Eine Weile später lag sie schwach an Caramell gepresst, schnappte nach Luft.

Wasser in der Lunge sagt das Röntgenbild. Der Herzschlag viel zu langsam sagt das Abhören. Versuchen, alles, alles mögliche, sagt mein Mund. Und unter Tränen folgt ein „Sobald sie leidet, sobald sie sich zu sehr quält, erlösen.“

Sauerstoff und Entwässerung und hoffen sagt die Ärztin. Sie drückt meine Hand und meint, dass sie das gut findet. Dass ich mein kleines Meeri retten will, auch nachdem sie von den Kosten gesprochen hat. Doch mir ist es egal, ob dieses Wesen in eine Hand passt oder mich um 3 Meter überragt. Sie ist mein Tierchen, ob mit 300 Gramm oder 300 Kilo, sie ist ein Lebewesen, sie ist es wert um sie zu kämpfen.

Und so schlafe ich unruhig, nur leicht und erwache oft, neben mir mein Katerkind, schnurrend und immer wieder nass von meinen Tränen.

„Wenn sie die nächsten zwei Stunden überhaupt schafft…“ sagt die Ärztin und gute 3 Stunden später dann „stabilisiert und Kot und Urin, aber abwarten, immer noch nach Luft schnappend“ und ich habe ein wenig mehr Hoffnung, dass das kleine Kämpferherz es schafft, dass sie durchhält, dass sie zu mir zurück kehren kann.

Und so fließt Träne um Träne, rauche ich Zigarette um Zigarette, vergeht Sekunde um Minute um Stunde in der Hoffnung, dass alles gut wird.

Lange war ich nicht mehr so nah dran an Selbstverletzung und gleichzeitig so weit entfernt.

Es hilft nur hoffen und beten und die Daumen drücken und an das kleine Leben glauben, dass so tapfer kämpft.

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