Ankommen. 

Mein Wohnzimmer ist tatsächlich (fast) komplett aufgeräumt. Es fehlen noch ein paar Kleinigkeiten, beispielsweise die Ecke Regal neben dem Fernseher und all die Unterlagen aus der Klinikzeit, die sich momentan auf meinem Sofa stapeln und sortiert werden müssen, denn der Rentenversicherungskram ist dort noch dabei, die Unterlagen, die die Reha-Klinik mir gesendet hat und sonstiger Kram, ganz abgesehen vom dbt-Zeug. Aber ich habe alle Regale ausgeräumt, gewischt und wieder eingeräumt, die Regale vorgezogen und sauber gemacht, auch hinter und unter dem Sofa (und dabei 3 Katzenspielzeugmäuse, einen Hundeball und 4 Dekokugeln gefunden), unter dem Meerizuhause und noch meinen Glastisch geschrubbt. Ab morgen werde ich mich wohl dem Schlafzimmer widmen, danach folgen noch Küche und Bad. Mal sehen ob ich es schaffe vor Weihnachten. 

Ansonsten genieße ich die Dinge, die mir 14 Wochen gefehlt haben. Das Katerkind auf meinem Schoß, das Mampfen der Meeris als Hintergrundgeräusch, mein Sofa und Filme/Serie schauen, selber kochen (bzw. gestern und heute was in die Mikro schmeißen weil zu faul), aufzustehen wann ich will (wobei ich mir als Limit 9.30 gesetzt habe, außer Freitag, da habe ich erstmal 12 Stunden geschlafen), ins Bett gehen wann mir danach ist, rauchen wann ich will. 

Und gleichzeitig vermisse ich die Klinik und die Menschen furchtbar. Heute habe ich beim Blick auf die Uhr entsetzt festgestellt, dass ich noch zum Abendkontakt muss bevor mein Besuch kommt… Möp. 

Es fehlt mir einfach aus der Tür zu gehen, an der Tür nebenan zu klopfen und mit F. einfach in den Aufenthaltsraum zu gehen und dort was zu machen, es fehlt mir L. zu necken, weil sie im Bett rum trollt, es fehlt mir mit Puffpuff rauchen zu gehen, es fehlt mir über M. zu lachen, weil sie wieder etwas herrlich verpeiltes gemacht hat, es fehlt mir C. beim ausmalen von Malbüchern zuzusehen, es fehlt mir, dass A. mal vorbei kommt und mit ihr eine zu rauchen. 

Es fehlt mir über die Station zu hüpfen und mich auf Flamenco zu freuen, oder völlig entspannt von einer Massage beim Körper-Einzel zu kommen oder einfach mal ein blödes Gespräch mit jemandem von der Pflege zu halten. 

Es fällt in manchen Momenten unglaublich schwer hier wieder anzukommen nach den 14 Wochen. 

Deswegen habe ich mich umso mehr gefreut heute mit L. und F. zu skypen. Frau S. schaute auf ihrer abendlichen „Ich bin der Nachtdienst“-Runde dann auch mal in L.s Handy, fragte wie es F. und mir geht. C. und Puffpuff und M. hatten dann auch noch das Vergnügen, denn L. hat mit uns dann eine Runde gedreht um alle mal zu sehen. Es war so schön sie zu sehen und quasi fast bei mir zu haben, mit geschlossenen Augen und ein wenig Fantasie hätte man meinen können, dass wir zusammen im Aufenthaltsraum sitzen und uns unterhalten. Wenn ich könnte, dann würde ich mit den ganzen Mädels einfach in eine WG ziehen, sofort. 

Und so geht ein weiterer Tag zuende. Vielleicht wird es ein wenig einfacher, wenn es nicht mehr Tage, sondern Wochen werden. Obwohl es eigentlich nicht ganz so schlimm ist wie befürchtet. Meine Stimmung ist bisher stabil, der Selbstverletzungsdruck pendelt im unteren Bereich vor sich hin, die Suizidgedanken melden sich nur sporadisch und lassen sich auch mit einem „Nö, is nich weil Lebensvertrag.“ schnell wieder abwimmeln. Ich beschäftige mich größtenteils produktiv und sinnvoll, nehme mir Zeit für mich und meine Bedürfnisse, es läuft eigentlich wirklich gut. 

In der nächsten Woche will ich mit Schwesterherz und Mama auf den Weihnachtsmarkt, den ersten Glühwein (oder ein anderes heißes alkoholisches Getränk) des Jahres trinken und den ersten Alkohol seit Kreta. Und vor allem meine Schwester drücken, ich habe sie nun wirklich lange nicht gesehen. Ansonsten steht viel Wohnung auf dem Plan, ich will irgendwann vielleicht noch Fotos ausdrucken von meinen verstorbenen Meeris, damit sie hier im Bilderrahmen endlich einen Platz finden, ich muss die 9 GB an Fotos, die momentan mein Handy belagern, mal auf den PC ziehen und sortieren, in meinem Kopf sind genug Pläne um damit mindestens 4 Wochen zu füllen. 

Außerdem warte ich gespannt auf den Brief von der Rentenversicherung, in dem sie mir hoffentlich mitteilen, dass sie meinem erneuten Widerspruch stattgeben und ich endlich die Reha teilstationär machen kann. Mal sehen, ob das vor Weihnachten noch was wird mit der Entscheidung. 

Morgen kann ich das Haus vermutlich nicht verlassen, ich warte auf ganze vier Pakete. Zwei von zooplus (ich hab mal wieder soviel bestellt, dass es nicht in eins gepasst hat. Der arme Paketbote!), dass von dem einen Unternehmen gebracht wird, eins von emp und eins von Amazon, die vom anderen Unternehmen geliefert werden. Vor allem zooplus will ich nicht von der Filiale nach Hause schleppen, bzw. ich könnte es vermutlich gar nicht tragen. Aber danach sind Katerkind und Schweinenasen wieder für eine Weile mit dem meisten Zeug versorgt. 

Und da der Zitronenkater schon seit einer ganzen Weile im Land der Träume ist vor lauter Müdigkeit werde ich es ihm nun gleichtun und auch in Richtung Traumland ziehen. Natürlich nicht ohne den Herrn mit ins Bettchen zu nehmen, wo er hoffentlich schnell friedlich weiter schlummern wird. 

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