Das Glück hat keine Formel 

Gestern kamen irgendwann dann noch Flashbacks. Schwester Laura hat mich aus dem Bad geholt, wo ich saß und nicht mehr aufhören konnte zu zittern und zu weinen, mit ins Schwesternzimmer geholt, war mit mir rauchen und hat mich abgelenkt, mir Bedarf gegeben und verboten ins Zimmer zu gehen. So saß ich also an die 5 Stunden im Tagesraum mit 2 Mal Bedarf intus am Ende, mit Stiften und Block und habe versucht an etwas anderes zu denken als „ich will in mein Zimmer, ich will schneiden“. Irgendwann ging die Anspannung auch minimal runter, ich habe mit Schwester Sabine noch meine diary card und die Spannungskurve besprochen und bin ins Bett gekippt.
Heute ist es bisher ganz okay. So niedrig wie gerade war meine Anspannung länger nicht mehr, ich liege entspannt in der Badewanne, genieße es nicht dauernd ans schneiden zu denken und muss mich davon abhalten einfach einzuschlafen, den Bedarf merke ich immer noch.
Selbstfürsorge und Gutes tun. Das war heute viel Thema und es half mir auch die Spannung unten zu halten, wenn ich gemerkt habe, dass sie beginnt zu steigen. Seit langem war die Anspannung nicht mehr so niedrig, wirklich mal bei nur noch 30%. Das erleichtert ungemein.

Der Psychologe kam heute nochmal fürs Abschlussgespräch zu mir, obwohl er seit Montag ja nicht mehr auf der Station ist. Das fand ich sehr lieb von ihm und es macht es für mich auch einfacher, weil ich so praktisch einen glatten Abschluss habe. Wenn ich zum nächsten Intervall hier antrete kann ich mit dem neuen Psychologen einen neuen Anfang finden.
Im Gespräch haben wir meine VA besprochen (die er sehr gut fand, weil ich beim schreiben ziemlich reflektiert war) und meine Spannungskurve plus die Skills, die ich da angewandt habe.
Nach diesem Aufenthalt habe ich wieder mehr Vertrauen in mich im Bezug auf die Selbstverletzung, ich habe (mal wieder) gelernt, dass ich es auch in furchtbaren Momenten schaffen kann ohne mich zu verletzen. Auch wenn es anstrengend ist und ein unglaublicher Kampf um jede Sekunde.
Und ich habe gelernt, dass ich mir einfach Gutes tun muss. Vielleicht gerade dann am meisten, wenn ich es eigentlich vermeiden will, damit es danach nicht kippt. Graadselääds, wie man hier sagt.
Nun vertreibe ich mir den letzten Abend auf der Sprudelranch mit malen und quatschen. Wir waren wirklich eine schöne Clique dieses Mal.

Ich wünsche mir, dass ich mehr das Zwischendrin fühlen kann. Mehr das okay zwischen super und beschissen, mehr die mittlere Anspannung zwischen nichts und Hochspannung, mehr grau zwischen schwarz und weiß.

Einmal vor Freude weinen 
Mal mit mehr Herz als Verstand dabei 
Denn die schönsten Momente 
machen Sekunden unendlich 
Zwischen alles oder nichts 
ist scheinbar noch viel mehr 

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