Auf Anfang. 

Gestern schaffe es tatsächlich gegen halb 7 aus dem Bett am Morgen, hüpfe in meine Klamotten, purzel einmal durchs Bad und mache mich auf den Weg in die Hauptstadt. 

Die Nacht davor war unruhig. Der Zitronenkater konnte sich vor lauter Begeisterung über meine Anwesenheit in (seinem) Bett gar nicht entscheiden, auf welcher Körperstelle von mir er nun schlafen soll und wanderte dann je nach meiner Schlaflage von den Kniekehlen auf die Hüfte, in meinen Arm, auf meinen Bauch, mal neben mich aufs Kopfkissen und auch mal mitten aufs Gesicht. Das Ganze natürlich begleitet von lautem Schnurren und Milchtritt. Aber böse kann ich ihm nicht sein, ich habe es so genossen wieder bei ihm zu sein, dass mir auch das ständige Aufwachen egal war. 

Der Busfahrer, bei dem ich mir eine Fahrkarte in die Hauptstadt kaufen wollte, war unglaublich schlecht gelaunt und völlig empört, dass ich mit einem Fünfziger bezahlen wollte. Nach viel Geschimpfe hat er dann widerwillig rausgegeben und fiel fast vom Sitz, als ich mit „Dankeschön. Schönen Tag wünsche ich Ihnen.“ und einem Lächeln weiter nach hinten ging. Der arme Kerl konnte sich nun gar nicht über unfreundliche Fahrgäste beschweren und weiter Rummeckern. 

Durch das ziemlich lange Geschimpfe habe ich dann auch meinen Zug verpasst. Hat mich allerdings nicht wirklich aufgeregt, ich hab es als Möglichkeit zum Rauchen genutzt. Von schlechter Laune und Aufregen wäre der Zug schließlich auch nicht zurück gekommen. 

In der Hauptstadt bin ich erst mal zum Psychiater, habe den kurzen Arztbrief abgegeben und wollte ein Rezept für meine alten und neuen Medis. Der Herr Psychiater schnappte mich allerdings und verschwand mit mir kurz im Nebenraum, er wollte wenigstens ein kurzes Update wie es nun ist und erfahren wie es in der Klinik war. 

Danach habe ich mich auf den Weg gemacht meine Fahrkarte wieder abzuholen und dann zu meiner Hausärztin bzw. deren Vertreter. Die Arzthelferinnen haben mich freudig begrüßt, wollten alle wissen wie es mir geht und wie es war. Und mit einem Krankenschein im Gepäck ging es dann noch kurz einkaufen, damit ich erstmal ein paar Sachen daheim habe für die nächsten paar Tage. 

Es ist merkwürdig die alten Wege zu gehen, die alten Strecken zu fahren. Gewohnt und doch ungewohnt. Manches hat sich verändert in den letzten Monaten. Manches ist gleich geblieben. 

Die Baustelle vor der Tür meiner Hausärztin ist verschwunden. Dafür steht im Hauptbahnhof nun eine Bankfiliale. Mein Psychiater hat neue Bilder an den Wänden hängen. Bei meiner Hausärztin riecht es immer noch gleich. Der kleine Kiosk am Bahnhof sieht immer noch so aus wie vor 3 Monaten und sie haben endlich wieder meine Lieblingssorte Energy. 

Alles ist fremd und doch vertraut. Es ist ein merkwürdiges Gefühl. Ich frage mich, wie lange es wohl dauern wird wieder voll und ganz hier anzukommen. 

Weihnachten steht vor der Türe und bis auf einige Momente zwischendrin, bin ich noch gar nicht in Weihnachtsstimmung. Es ist unglaublich mild heute in der Hauptstadt gewesen, bei mir zuhause weht ein etwas kühlerer Wind, aber es ist gefühlt immer noch kein Wetter für bald Weihnachten. 

Ich will meine Wohnung ja eh aufräumen und putzen, vielleicht dekoriere ich wenigstens ein klein wenig weihnachtlich. Und vielleicht funktioniert aufräumen und bei einer Sache bleiben mit dem Methylphenidat nun auch besser. 

Heute habe ich erst mal ausgeschlafen. Danach angefangen Ordnung zu schaffen, meine Taschen auszupacken, im Wohnzimmer sauber zu machen. N. war da, ich habe viel mit der kleinen Hexe telefoniert, zwischendurch mal mit Puffpuff und Mama. Und eine Weile einfach nur rumgegammelt, das Katerkind gekrault, im Internet gesurft. 

Vielleicht sollte ich mir einen Plan machen für die nächsten Tage. Chaos durch Planung vorbeugen. Mit genügend Leerraum für mich, mit Zeit um mir Gutes zu tun, einfach ein wenig rumzuhängen und es zu genießen mal rumzuhängen. 

Ich bin gespannt auf die nächsten Tage. Darauf wie es wird und es mir gehen wird. Heute bin ich erstaunlich entspannt und ruhig und es geht mir relativ gut. Ich bin gespannt wie sich die Traurigkeit über den Abschied entwickelt, ob das Vermissen der tollen Menschen sich so hält oder besser oder schlimmer wird, ob der Schmerz über den Abschied sich verändern wird. Ob ich zuhause ankommen und bestehen kann. Ob ich Weihnachten so schaffe wie geplant. Es wird viel Ausprobieren sein in der nächsten Zeit. Viel Auseinandersetzung mit den ganzen unterschiedlichen Gefühlen, die gerade in mir toben. 

Ein Neustart. 

Neuanfang. 

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