Braucht man eigentlich das was man vergessen kann

Ich bin erledigt. Ich war bis 3 Uhr wach, dann fiel mir ein, dass ich meine Medis vergessen habe. Um 3 Uhr nehmen wenn man um 9 Uhr spätestens aufstehen muss ist dann auch sinnfrei. Also habe ich relativ unruhig geschlafen und eher vor mich hin gedöst. Das Katerkind schlief an meinen Rücken gekuschelt bis ich aufstand und ließ sich auch nicht von meiner Unruhe stören.
Dennoch bin ich relativ fit. Ich war in der Achtsamkeit, obwohl ich wenig Lust hatte, und es tat wie fast immer ziemlich gut. Danach bin ich kurz auf der Station vorbei und habe einem Freund dort eine Ladung von meinem Kuchen mitgebracht. Pfleger Arschkeks hatte Dienst und sagte mir, dass er sich sehr über meine Karte gefreut hat.
Nun bin ich wieder Zuhause und werde ein wenig auf meinem Sofa hängen, dann die Überreste der Feier gestern mal etwas beseitigen und meine neue schicke Lampe aufhängen. Eine Freundin will vorbei schauen, später kommen noch K. und ihre Freundin, weil sie es gestern nicht geschafft haben. Ansonsten werde ich heute nur rum hängen, nicht viel tun und mich von gestern erholen. So viele Menschen auf einmal strengen mich immer noch an, auch wenn es wirklich schön war.
Am Samstag werde ich den Herrn V aufsammeln in der Hauptstadt und mit hier her nehmen, Chrissie wird eventuell vorbei schauen. Sonst habe ich nicht wirklich etwas geplant, werde mir einfach erstmal viel Gutes tun und mir Zeit für mich nehmen und meine Tierchen.
Morgen werde ich in der Klinik anrufen und einen Termin für die Aufnahme machen für in zwei Wochen. Die werde ich so wie es aktuell aussieht noch schaffen. Statt mittwochs werde ich dienstags gehen, da ich an dem Dienstag darauf auf ein Konzert gehe, für das Schwesterherzchen und Schwesterherzchens Freund mir eine Karte geschenkt haben. Ich freue mich schon.
Katerkind schlummert friedlich auf meinem Schoß, es läuft Dr. House. Ich fühle mich erledigt, aber gut.
Die Gedanken an meinen Vater sind immer noch da, aber ich kann sie etwas mehr von außen betrachten und akzeptieren, dass sie da sind. Am Tag ist es meistens gut auszuhalten, die Abende und Nächte sind schwerer. Aber auch die werde ich schaffen.
Heute morgen beim Aufwachen hatte ich das unglaubliche Bedürfnis mich zu verletzen. Zu schneiden, meine Haut bluten zu sehen, den feinen Schmerz zu spüren, der da und doch nicht da ist. Dieses Gefühl war so stark, dass ich im ersten Moment einfach nachgeben wollte, einfach ins Bad gehen und eine Klinge suchen und sie in die Haut drücken. Dann kam der Rest an Gefühlen, der Kopf ging an, mein Verstand hat eingesetzt. Es wird nicht mit ein paar Schnitten getan sein. Dadurch wird der Wunsch danach zwar für eine Weile verschwinden, aber die Dinge, die dahinter liegen, werden nicht verschwinden. Und so sehr ich es mir auch wünsche, so sehr ich die Schmerzen vermisse und die Linien auf meinem Arm, gerade schaffe ich es noch mich davon abzuhalten.
In der Achtsamkeit habe ich meinen Arm betrachtet, die Narben darauf, die tiefe Furchen bilden, wenn ich den Arm drehe und die Haut sich spannt. Ich habe daran gedacht, wie er vor 13 Monaten noch aussah. Ohne diese Narben. Und ich weiß dann nie, ob ich mich hassen soll oder nicht. Es bringt nichts, das weiß ich. Davon werden die Narben nicht verschwinden.
Also einatmen, ausatmen. Radikale Akzeptanz. Es ist nun eben so und wird nicht anders werden, nur weil ich es will oder mich selbst hasse.
Und nun werde ich meinen Tag weiter gestalten, positiv denken und atmen. Minute für Minute.

Hinter der Maske gibt’s wenig zu atmen
Und ohne sie zu viel zu sehen
Hinter der Masken gibt’s viel zu verraten
Das würden die Leute nicht verstehen

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