Hope is so much stronger than fear.

Am Samstag habe ich erst mal verschlafen. Mein Handy wollte mich nicht wecken, in letzter Zeit hat es leider öfter solche Anwandlungen. Also begann mein Tag schon wunderbar. Bus verpasst, noch 4 Stunden warten bis zum nächsten. Ich war innerlich unglaublich geladen und hätte am liebsten die Station zerlegt. Oder mich. Neuer Weg: ich habe es nicht getan. Ich habe mir gesagt, dass es nichts bringt, dass der Bus davon auch nicht schneller kommt oder die Uhr sich zurückdreht. „Früher“ wäre mein kompletter Tag gelaufen gewesen, ich wäre unglaublich schlecht gelaunt durch die Gegend gelaufen und hätte definitiv irgendwas (vorzugsweise mich) zerstört. 

Aber natürlich hat es seine Spuren hinterlassen, ich war verwundbarer. So saß ich mit Gefühlsprotokoll im Bus, damit ich den Busfahrer nicht ermorde, der trotz Verspätung einfach mal in Seelenruhe noch Kaffee trinken ging. 

Zuhause habe ich dann vor dem Einkauf einen kleinen Umweg zur Klinik gemacht. Und dort zu meiner Freude Nathalie angetroffen und Pfleger Manuel. Es war einerseits merkwürdig nach so vielen Wochen wieder diesen Weg zu gehen, durch die Klinik und auf die Station. Andererseits war es einfach schön zu sehen, dass dort alles immernoch den gewohnten Gang nimmt, dass die Klinik immer noch da ist als Rettung im Hintergrund. Es war schön von der DBT zu erzählen, einfach zu reden und zu lachen. 

Als ich wieder zuhause ankam machte ich mich an die Post. Und schwupps hing ich abspannungsmäßig unter der Decke, denn da war ein Brief von der Rentenversicherung, der mir verkündete dass ich einen Platz in irgend einer Klinik in Hessen zur Reha habe und von der Klinik bald einen Termin zur Aufnahme kriege. Waaaaaaah! Hilfe! Bedrohung! Flucht! Aaaaaaah! Ich rief dann erst mal in der Klinik hier an („Machen Sie erst mal Stresstoleranzskills und melden Sie sich dann nochmal!), skillte und rief nochmal an. Herr E. beruhigte mich, verwies mich auf die Sozialarbeiterin, die ich montags um einen Termin bitten könnte und fragte, wie ich mich nun noch weiter runter kriege. „Und übrigens ist das doch eine super Möglichkeit um morgen mal ein Gefühlsprotokoll zu schreiben…“ – „Ich hab Wochenende! Ich schreibe kein Gefühlsprotokoll!!!“ – „Moooooment mal! Patienten haben kein Wochenende!“. Und so schrieb ich dann am Sonntag eins, brachte nochmals ein wenig Abstand rein, war am Montag bei der Sozialarbeiterin und werde mit ihr zusammen nun Anfang November einen Widerspruch schreiben, dass ich derzeit in Akutbehandlung bin und gerne in einer anderen Klinik bei mir in der Nähe (eventuell) tagesklinisch in die Reha möchte. Erstmal gewaltige Erleichterung. 

Aber mein Wochenende war damit eben ganz und gar nicht entspannt, dabei hätte ich es so dringend nötig gehabt. Dementsprechend erledigt kam ich dann sonntags auch wieder hier an, denn obwohl ich halbwegs gut umgehen konnte mit der Situation hat es eben doch Kraft und Nerven gekostet. 
Heute ist es besser. Das Gefühlsprotokoll gestern hat da einiges gelöst und auch wenn es super merkwürdig war sich während einer Phase des Selbsthasses dann etwas Gutes zu tun, Waffenstillstand mit mir zu schließen und entgegengesetzt zu denken, so hat es doch geholfen und ich bin heute wieder größtenteils auf den Beinen. Wa fühlt sich neu und merkwürdig an sowas zu tun statt in alte Verhaltensweisen zu rutschen, aber es fühlt sich eben auch gut an. Schon gestern sagte Herr N., dass ich mich belohnen soll und das werde ich dann heute auch tun. Genau auf der gleichen Schiene wie gestern, mir eben was Gutes tun. Ich werde mich in die Wanne legen, ganz bewusst genießen, das Leben atmen. 

Gleich habe ich noch Basisgruppe und ein Körpereinzel im Anschluss. Dann ist mein Tag für heute größtenteils vorbei und ich werde nicht mehr allzu viel tun. Morgen mittag muss ich dann dafür zu drei Terminen hintereinander, ohne Pause dazwischen. Aber das kriege ich auch hin, wenn es so bleibt mit meiner Stimmung und Energie. 

This is worth fighting for,
You know we’ve all got battle scars.
You’ve had enough,
But just don’t give up.
Stick to your guns,
You are worth fighting for.
You know we’ve all got battle scars.
Keep marching on.

Walking over glass

Ich kämpfe. Wieder. Immer noch. Gegen den Drang mich selbst zu verletzen, gegen den Drang alles hinzuwerfen, gegen den Drang auch mein Leben wegzuwerfen. 

Seit gestern ist es extrem. Ich habe Selbstverletzungsdruck, ich habe Suizidgedanken. Ich fühle mich müde, erledigt und Matsch, ich fühle mich kraftlos und angeschlagen. Ich kämpfe mit vielen alten Glaubenssätzen. „Sie hängen wohl im Heimatfilm?“ fragt Herr N. heute. Ich rede lange mit ihm. Heute fühle ich mich ein wenig weniger kraftlos als gestern. Gestern ging nichts mehr, außer irgendwann Bedarf. 

Wir reden und ich beginne drüber nachzudenken ein Gefühlsprotokoll zu schreiben. So ganz kriege ich nämlich nicht klar, was gerade abläuft in mir. Das tue ich dann auch irgendwann und es wird klar, dass sich ganz viel gerade um Selbstverachtung dreht. Ich habe das Gefühl ich bin nichts wert, ich bestehe nur aus negativen Dingen, ich habe keine Lebensberechtigung, ich muss mich verletzen. Was darauf folgt ist klar: entgegengesetzt handeln. Mir Gutes tun, mir sagen, dass es nicht so ist, mich auf andere Dinge konzentrieren. Und tatsächlich wird es besser. Ich bekomme ein wenig Abstand rein, kriege klar, dass gerade Heimatfilm anstatt Tagesschau läuft, kriege es hin anders zu handeln als mein Gefühl es mir vorschlägt. Und dann stehe ich ein paar Stunden später wieder im Pflegestützpunkt und lächle ein wenig und habe einen erstaunen Herrn N. da sitzen, der begeistert ist und meint, dass das ganze doch eine Belohnung wert wäre. Und ich denke es wird auch in Richtung „Gutes tun“ gehen, denn das brauche ich gerade sehr. Auch wenn es sich falsch und merkwürdig anfühlt, weil die Gefühle etwas völlig anderes vorschlagen. Aber genau das ist trotzdem der richtige Weg. 

I rise up to the sky
You threw me down but
I’m gonna fly

It’s never too late

Ich sitze bei Frau K. in der Einzeltherapie. Thema ist die Achtsamkeit vom Dienstag, in der mich das schmecken so getriggert hat, dass ich von einer Sekunde auf die andere in Flashbacks hing. Ich habe es raus geschafft aus der Hochspannung, aus den Flashbacks und aus der Dissoziation. Ich hab den Tag überstanden ohne mich zu verletzen. 

„Sie kämpfen ganz schön.“ sagt sie zu mir und ich nicke. „Können Sie das auch so sehen?“ fragt sie und wir sind mitten in einem heiklen Thema. Ich erkläre ihr, dass alle anderen das doch auch schaffen. Die „normalen“ Menschen. Die verletzen sich auch nicht, überleben auch den Tag und gehen nicht in die Luft wegen einer Kleinigkeit. Wieso soll ich mich dann belohnen, wenn ich das schaffe? „Ja. Wenn wir jetzt unsere Dienstage vergleichen. Ich habe mich nicht selbst verletzt. Ich dachte nicht mal daran. Und ich hatte auch keine Flashbacks.“ antwortet sie mir. „Aber das war einfach. Sie haben gekämpft, richtig gekämpft.“ Ich nicke wieder. Sie hat Recht. Es ist ein schweres Thema für mich. „Gerade hätte ich Sie noch um eine Belohnung rum kommen lassen… Aber nach diesem Satz…“ sagt sie zu mir und schreibt sich auf, dass sie mich am Montag nochmal danach fragen will. Also darf ich mir übers Wochenende etwas einfallen lassen. 

Wir schwenken zu einem anderen Thema. Dass ich nach außen hin immer so stark wirke. Als ob wenig mich umhauen könnte, als ob alles okay wäre. Und wie es innerlich aussieht. Ich antworte ihr, dass ich da mittlerweile schon meist ran komme, an Gefühle. Und beginne zu weinen. 

Ich erzähle ihr, dass es nötig war um zu überleben. Keine Gefühle haben, kein eigenständig denkendes und atmendes Wesen sein. Bloß nicht auffallen. Sie fragt, was ich fühle. „Traurigkeit. Und ein wenig Wut.“ antworte ich ihr. Sie findet das gut. Und findet auch gut, dass es okay ist für mich das grade zu fühlen und zuzulassen. 

Das Ziel in nächster Zeit wird es sein genauer hinzuspüren. Zu schauen, was ich fühle, besonders in den Momenten in denen ich eigentlich denke, dass da nichts ist. Wenn die Gefühle noch nicht so intensiv sind. Und auch angemessene Gefühle anzuschauen. „Wie ich Sie kenne würden Sie die Gefühlsprotokolle hauptsächlich über Gefühle schreiben, die nicht angemessen oder zu intensiv sind.“ meint sie und ich muss lächeln, weil sie mich schon so gut einschätzen kann. „Und dann stehen Sie hinterher da und denken, dass Sie jedes Gefühl abschwächen müssen.“ Sie hat Recht. Also werde ich in der nächsten Zeit wohl Gefühlsprotokoll um Gefühlsprotokoll schreiben. 

Sie schaut mich auch erstaunt an, als sie erfährt, dass ich gestern schon eins geschrieben habe. Ich hätte die doch gerade erst einen Tag zuvor erklärt bekommen und eigentlich waren die nächsten zwei Einzel dafür gedacht die zu besprechen und zu üben. Tja. Hochbegabung sei Dank, mein Hirn verarbeitet einfach zu schnell zu viel. Besonders wenn es mich interessiert. Das ist vielleicht auch ein großer Vorteil, dass ich auf der kognitiven Ebene sehr vieles sehr schnell klar kriege für mich. Und damit vielleicht auf der Gefühlsebene auch weiter komme und mich so unterstützen kann. 

Nun habe ich für heute alles erledigt an Therapie. Gleich geht es noch ein wenig in die Stadt und dann mal sehen. Morgen fahre ich heim zu meinen Tierchen, ich freue mich unglaublich. Auch auf Mama und Schwesterherz und N. und einfach daheim sein. 

Even if I say

It’ll be alright

Still I hear you say

You want to end your life

Now and again we try

To just stay alive

Maybe we’ll turn it all around

‚Cause it’s not too late

It’s never too late

Hier geht’s zum Rest des Lebens

Endlich finde ich die Zeit und Kraft zu schreiben von den letzten Tagen, es ist so vieles passiert, dass ich schon das Gefühl hatte bald zu platzen. 

Zuerst mal der Samstag. Im Vorfeld war da sehr viel Angst und Unsicherheit. Auch in Bezug auf Frau S., denn immerhin habe ich sie 8 Jahre nicht gesehen. Und eben die Angst vor der Fahrt, die Angst vor der Nähe und vor alten Gefühlen. 

Die Hinfahrt verlief dann doch ganz okay. Die Angst und Nervosität ließ sich ganz gut aushalten, ich habe viel Emotionssurfing probiert und mich viel abgelenkt. Als ich dann durch den Landkreis fuhr, als die Autokennzeichen plötzlich das so bekannte Kürzel zeigten, da wurde mir für einen Moment schon anders, aber es ging. Und es war gut einen Umweg zu fahren, dem Ort nicht ganz nah zu kommen. Und es war auch ein wenig Wehmut dabei, als ich dann wirklich den Rand des Schwarzwalds erreicht hatte, als es immer weiter hinein ging und einmal quer durch. Immerhin habe ich dort so viele Jahre gelebt und auch wenn es für mich nie wirklich Heimat war, so war es doch ein Stück Zuhause. Als ich dann zum letzten Teil meiner Reise kam, als die Orte vertraut wurden und die Dinge vor den Fenstern, da stieg die Nervosität unglaublich. Ich habe dann dort angekommen noch mit der kleinen Hexe telefoniert, war in dem Supermarkt, der immer noch dort steht wo er früher war und saß dann auf einer der Bänke, auf der ich auch früher saß. 

Und dann kam Frau S. und es fühlte sich nach wenigen Minuten wieder unglaublich vertraut und gut an. Wir haben viel geredet, ich habe viel erzählt. Von jetzt und wie es mir geht, von damals und von der Zeit zwischen damals und jetzt. Und ich habe auch über den Missbrauch geredet, zum ersten Mal völlig offen mit einem Menschen, über meine Gefühle, über die Angst die es immer noch macht, über die Zerrissenheit zwischen Wut und Liebe, über die Scham, über all den Kram der damit zusammenhängt. Und sie sagt wieder, dass es ihr schon damals eigentlich klar war, dass ich aber auf ihre Nachfragen hin so geblockt habe, dass sie merkte es ist gerade einfach besser so. „Es hätte ja auch niemand auffangen können“ sagt sie und sie hat Recht. Damals war ich so sehr am Kämpfen, so sehr am Überleben, dass dafür kein Platz gewesen ist, dass ich es einfach auch nicht überlebt hätte. Und ich bin froh und dankbar, dass sie mich damals so geschützt hat. Wir laufen lange durch die Natur, reden, reden,  reden. Sie zeigt mir ihre neuen Praxisräume, ich zeige ihr Bilder von meinen Tieren. Ich erzähle von meiner Schwester, Frau S. meint „Ja, sie war dir damals schon unglaublich wichtig.“ und ich nicke und lächle. Sie findet es toll, dass ich meine Ausbildung abgeschlossen habe, einen Schulabschluss habe, in meinem Beruf gearbeitet habe. Trotz allem. Wir sitzen im Café und trinken und essen und reden und reden. Sie findet es schön, dass ich meinen Humor nicht verloren habe, ich finde es schön, dass sie meinen Humor immer noch versteht.

Nach fast 6 Stunden begleitet sie mich noch zum Zug und winkt mir. Wir haben beschlossen, dass bis zum nächsten Treffen keine 8 Jahre mehr vergehen werden.

Die Rückfahrt hat mich dann doch noch ein wenig gestresst, denn es ist Wasen. Betrunkene Menschen in Massen, die sich alle in einen Zug quetschen… es stresst mich einfach. Aber dank Musik und Augen zu hat es irgendwie funktioniert und ich bin mit einer tiefen Zufriedenheit wieder in der Klinik angekommen. Zum einen, weil es so unglaublich gut tat Frau S. zu sehen und zu reden, zum anderen, weil ich es geschafft – und zwar gut geschafft – habe dort hin zu fahren.

Der Sonntag war dann ein wenig anstrengend. Wir wollten in den Tierpark fahren und haben das auch gemacht, trotz Regen. Aber irgendwann war es einfach nur noch kalt und nass und bäh und ich habe auch die Erschöpfung von Samstag deutlich gemerkt. Zurück in der Klinik brauchte ich erst mal eine heiße Dusche und eine Mütze Schlaf. Trotzdem war es schön dort und wir hatten eine gute Zeit, abgesehen vom Regen und der Kälte.
Heute ging es dann in der Einzeltherapie los mit dem großen bösen Thema „Gefühle“… Frau Psychologin erklärte mir wie angemessene Gefühle in einer Situation durch die Glaubenssätze zu Gefühlen werden, die einfach nicht mehr passen. So wie es oft im Vorfeld einer Selbstverletzung kippt und ich von etwas angemessenem wie Ärger zu Selbsthass schwanke, oder auch teilweise von Freude ins andere Extrem kippe. In meinem Kopf läuft automatisch so viel ab, dass mir das ganze oft passiert. 

Ich bin nicht in Ordnung. Ich bin falsch. Meine Gefühle sind falsch. Ich darf keine Gefühle haben. Ich darf keine Meinung haben. Ich bin Schuld. Ich habe es verdient. All das sind Dinge, die so tief in mir verwurzelt sind, dass ich ihnen kaum etwas entgegensetzen kann. Dass ich automatisch so handle, so denke, so fühle. Doch ich habe momentan das Gefühl, dass ich auf einem guten Weg bin um auch da etwas zu ändern.

Es geht voran und es geht weiter. Manchmal tut es weh und mag ich aufgeben. Doch es geht weiter. Und manchmal kann ich auch akzeptieren, dass es nun okay ist. Dass hier und jetzt der richtige Zeitpunkt ist um weiter zu gehen. Es ist okay, dass manche Dinge nun erst kommen und nun erst Platz und Raum finden um da zu sein. Es hätte ja auch niemand auffangen können. Hier und jetzt ist es okay auch mal nicht okay zu sein. Zeit zu brauchen. Es ist okay zu stolpern und hinzufallen. Aber es ist auch okay wieder aufzustehen und weitet zu machen. 

Ich bin der Typ, der nach den guten Zeiten schürft
Und wenn ich merk, dass meine Jugend Falten wirft
Such ich mein Yukon, wo die Reise einst begann
Und hier fang ich, hier fang ich an
Hier geht’s zum Rest des Lebens
Und danach such ich eben
Und ich grab, so tief ich kann

Diagnosekram

Es ist ja ziemlich langweilig in eine Klinik zu gehen und mit den gleichen Diagnosen wieder entlassen zu werden. So wird sich nun neben den anderen wohl eine neue in die Liste einreihen: ad(h)s. Meine Psychologin kam heute in unserem Einzel darauf. Und dann haben wir eben einen kurzen Diagnostiktest gemacht. „Also da nehmen Sie ja ganz schön viele Punkte mit.“ meinte sie am Ende zu mir. Und ich muss an Frau S. und ihre Reaktion damals auf meine BPS-Diagnostik denken. „Wenn schon, dann richtig. Du lebst nach dem Motto: entweder ganz oder gar nicht!“ 

Insgesamt war es ein gutes Einzel. Und ich bin froh, dass ich bei ihr bleiben kann und nicht wieder wechseln muss, wenn die Ärztin nächste Woche aus dem Urlaub zurück kommt. Ich werde zwar von ärztlicher Seite dann wieder von ihr betreut und auch die morgendliche Visite mit ihr machen, psychologisch aber bei der Psychologin bleiben. 

Gestern habe ich dann tatsächlich auch meine Teamvorstellung überlebt. Es war schwer für mich vor so vielen Menschen über meine intimsten Gefühle und Gedanken zu sprechen (denn nichts anderes sind die Gefühle und Gedanken vor, während und nach einem Suizidversuch), aber ich habe es überstanden und bin nun in Stufe 2. Zur Belohnung gab es dann heute erst mal einen neuen Stapel Blätter, die ich dann nun ab heute ausfüllen muss. Ab nächster Woche werden dann auch 5 neue Termine in meinem Plan stehen und ich vermisse nun schon die freie Zeit, die ich die ganze Zeit immer zwischendurch mal hatte. 

In der Oberarztvisite ist die Oberärztin alles andere als begeistert, dass ich morgen zu Frau S. fahren will. Sie würde es mir am liebsten ausreden, doch ich bin eben nun mal trotzig und stur und habe auch meinen Plan für die Fahrt und alles, weil mir durchaus bewusst ist, dass das ganze kein Spaziergang werden wird. Meine Gedanken und Pläne bespreche ich mit der Psychologin im Einzel und ich glaube dass wir beide uns nun besser fühlen bei dem Gedanken an morgen. 

Also steht nun wieder ein Wochenende vor der Tür. Die Zeit vergeht wahnsinnig schnell. Ich weiß gar nicht wohin die Tage verschwinden, weiß gar nicht wie so schnell aus den Tagen nun schon mehrere Wochen werden konnten. Aber erst mal ist nun Wochenende, therapiefreie Zeit, Zeit für mich und für Schönes. 

Neuer Weg 

Wieder hier anzukommen fiel mir ein wenig schwer. Da sind die Haare meines Katers auf meinem Pulli und ein paar Meerihaare, ich sitze über 200 Kilometer entfernt von ihnen und habe furchtbar Sehnsucht. Aber es war dann irgendwann okay. Gestern mit D. ein wenig unterwegs zu sein war schön und hat mich abgelenkt, auch wenn ich mich seit gestern sehr zombiemäßig fühle. Ich werde (wieder krank). Vermutlich durch die Klimaanlage im Bus. Auch heute war es wieder heftig. Mittags bin ich total abgestürzt, inklusive unglaublichem Selbstverletzungsdruck, weil mein Körper nicht tut was er soll, weil alles schmerzt, weil ich genervt bin von mir und allem, weil einfach bäh. Ich habe dann zwischen Einzelgespräch und Achtsamkeit einfach geschlafen, war noch kurz einkaufen als ich wach wurde (Erkältungsbad, Schokolade, Schokolade, Schokolade und Schokolade, und ein wenig Zeug für aufs Brot, so zur Abwechslung). Nach dem Schlafen war es auf jeden Fall besser. Sowohl körperlich, als auch psychisch. 

Am Donnerstag steht meine Teamvorstellung an. Ich muss meine Kurz-VA vorstellen (Panik!) und meine Therapieziele (Panik!). Wobei ich die Kurz-VA als schlimmer empfinde. Ich kann erzählen was passiert ist, gar kein so sonderlich großes Thema. Aber meine innersten Gefühle, Gedanken und die Glaubenssätze, die mich mein Leben lang schon begleiten, vor anderen preisgeben… Vor vielen Menschen preisgeben… Vor vielen Menschen preisgeben, von denen nur ein oder zwei so weit mein Vertrauen genießen, dass ich es ihnen mehr oder weniger ohne Probleme erzählen könnte… Ich habe Panik. Ich fühle mich furchtbar bei dem Gedanken. 

Dann komme ich aber endlich in Stufe 2. Zusammen mit F., die einen Tag nach mir kam, nächste Woche folgt dann noch eine Mitpatientin, sodass wir in den meisten Gruppen dann zu fünft, in einer immerhin zu dritt sein werden. 

Ich bin froh, wenn der Donnerstagmorgen vorbei ist. Wenn ich das hinter mir habe und den Raum verlassen kann. Wenn ich nicht mehr so vielen Menschen so furchtbar intime Dinge erzählen muss. 

Heute schon meinte die Psychologin, dass ich überlegen soll was ich mir dann gönne. Und genau das ist ja ein schweres Thema. Manchmal funktioniert es. Und manchmal überhaupt nicht. Dann schaffe ich es noch nicht mal genügend zu essen und zu trinken um für mich zu sorgen. Und nun soll ich auf mich achten wegen der Erkältung, soll mir überlegen, mit was ich mich dann belohne. 

Auch gestern mit D. habe ich darüber geredet. Dass es sich merkwürdig anfühlt sich für etwas zu belohnen, dass eigentlich für den Rest der Menschheit selbstverständlich ist. Selbstfürsorge. Sich nicht verletzen. Einen Tag überleben. Es ist einfach merkwürdig und zeigt auch wieder, wie schwer es einfach ist so ein psychisches Päckchen mit sich rum zu tragen. 

Und so kämpfe ich mich nun eben grade ziemlich durch. Manchmal mag ich am liebsten in alte Verhaltensweisen und Muster zurückfallen, aber ich habe mich ja entschieden einen anderen Weg zu gehen. Einen neuen Weg. 

Wake me up when september ends

Als mein Wecker klingelt bin ich kurz verwirrt. Und dann hellwach, weil ich das Handy unter dem Kopfkissen raus angle um den Wecker auszuschalten, damit meine Zimmernachbarin weiter schlafen kann. Es ist kurz nach 6. Es ist Samstag. Und in ca. 5 Stunden werde ich zuhause sein! 

Nachdem ich erst mal in Klamotten gehüpft und runter getapst bin um eine zu rauchen hole ich mir meine Medis ab bei der Nachtschwester, stopfe Tablet, Handy, Geldbeutel und Zigaretten in die Tasche (und vergesse meinen Haustürschlüssel, das fällt mir allerdings erst auf als ich schon im Bus sitze…) und ziehe los. Ich laufe durch die dunkle und verschlafene Stadt. Nur ein paar Autos sind unterwegs. Die Einkaufsstraße ist leer bis auf ein paar Reinigungsfahrzeuge. Am Bahnhof ist dann ein wenig mehr los und der Bus kommt gerade um die Ecke. 

Unterwegs fängt es irgendwann an zu regnen. Es fühlt sich ganz und gar nach Herbst an. Ich lächle, als wir auf die Route de l’Est fahren und lächle, als wir sie wieder verlassen um in Richtung des Ortes zu fahren, der kurz vor Deutschland liegt und den Grenzübergang beherbergt. Ich lächle, als das Schild verkündet, dass ich wieder im schönsten Bundesland der Welt angekommen bin, als die Straßenschilder anzeigen, dass es nur noch 12 Kilometer bis zur Hauptstadt sind. 

Wie oft bin ich diese Strecke gefahren mit meiner Lehrerin, die mich mitnahm hier her, weil es ihre und meine Heimat ist. So oft habe ich die Schilder betrachtet und mich gefreut. 

Nun fahre ich diese Strecke und bin frei. Ich weiß, dass ich nach Hause fahre, dass hier nun mein Zuhause ist, dass ich nicht nach ein paar Tagen wieder zurückkehren muss zu meinem Vater. Ich atme frei und ich lächle ohne die dunklen Schatten im Hintergrund, die diese Strecke so oft begleitet haben. Und ich werde immer nervöser und aufgeregter, als die Hauptstadt näher und näher rückt, ich will den Bus abschieben, den Busfahrer antreiben, denn es geht mir nicht schnell genug. Ich will ankommen und dann weiter fahren nach Hause. Nach Hause zu meinen Tieren, zu meinen kleinen Quietschnasen und zu meinem Katerkind. Ich habe sie so unglaublich vermisst, so sehr in den letzten 3 ½ Wochen. 

Zuhause wirft das Katerkind sich auf den Boden, schnurrt unglaublich laut, will gekrault werden, reibt sich an mir und weiß gar nicht wohin mit seiner Begeisterung. Und mein Herz schmerzt, denn ich muss daran denken, dass ich ihn bald wieder verlassen muss. 

Es wird ein schöner Tag. J. kommt vorbei und N. und meine Schwester mit ihrem Freund. Ich kuschel viel mit dem Katerkind, beobachte meine Schweinchen. Die zwei kleinen sind so unglaublich schnell gewachsen. Nur noch 3 Quietschnasen sind nun da, ich bin traurig, weil ich die anderen vermisse, weil ich nicht richtig Abschied nehmen konnte, weil sie mir so fehlen. 


Ich rufe in der Klinik an und habe Pfleger Kai am anderen Ende, ich erzähle ihm von der Therapie und wie es mir geht und er freut sich über meinen Anruf. „Melden Sie sich in ein paar Wochen mal wieder!“ sagt er zum Abschied. 

Abends wird es ein wenig schwer. Wie so oft. Wie so oft zuhause. Doch ich versuche damit umzugehen, lenke mich ab, mit Katerkind auf dem Schoß und Tatort und widerstehe dem Drang mich so lange selbst zu triggern, bis ich es nicht mehr aushalte, bis ich so angespannt bin, dass nur noch schneiden hilft. 

Heute morgen wecken mich dann kitzelnde Schnurrhaare in meinem Gesicht und ein lautes Schnurren, als der Herr Kater es sich auf meiner Brust bequem macht um noch ein paar Minuten mit mir im Bett zu kuscheln. 

Ich genieße den Morgen, werde langsam wach, komme an in der Welt. Ein paar Dinge stehen auf dem Plan, die Tiere sauber machen und hier ein wenig kehren und putzen, meine Sachen zusammen suchen, die ich mitnehmen will. Und dann geht es in 7 Stunden wieder in die Hauptstadt und dann zurück in die Klinik. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. 

In zwei Wochen werde ich zurückkommen. Wieder ein Wochenende mit meinen Tierchen verbringen. Ich freue mich schon drauf. Und genauso freue ich mich auf die zwei Wochen, denn ich bin gespannt was kommt, was ich lerne, wie es weiter geht. 

Ring out the bells again
Like we did when spring began
Wake me up when September ends

Here comes the rain again
Falling from the stars
Drenched in my pain again
Becoming who we are

But I survived 

Gestern war ein guter Tag. Eigentlich bin ich schon nach dem Aufstehen relativ gut gelaunt, nach der Visite aber ein wenig knatschig, da ich gerne direkt das Okay bekommen hätte die Quetiapin morgens weg zu lassen. Denn ich merke immer mehr, dass sie mich morgens einfach nochmal wegföhnen, unglaublich müde machen und ich oftmals dann einfach schlafen muss. Ich bin ja noch gar nicht so lange mit den Seroquel am Abend runter, dadurch ist auch der Überhang morgens weg und vielleicht merke ich daher auch morgens nun mehr. Und Zuhause war es ja meistens egal, da konnte ich mich nochmal hinlegen, wenn keine Verabredungen oder Termine waren. 

Hier stehe ich allerdings schon meistens kurz nach 7 auf, habe Therapien und hänge dann so gegen 9 sowas von in den Seilen, dass ich wirklich manchmal überlege mir Streichhölzer unter die Augenlider zu klemmen um wach zu bleiben. 

Das Ganze muss nun erst mal in der Oberarztvisite morgen besprochen werden. Vielleicht weiß ich dann ja mehr. 

Morgens  saß ich eine ganze Weile noch mit Mitpatienten draußen, bevor ich mich gegen 9 nochmal für ’ne Stunde ins Bett verkrochen habe. Um 10 bin ich dann aus dem Bett geschossen und zur Studie geflitzt. Die Vortermine sind rum, seit gestern morgen bekomme ich nun das Spray mit Oxytocin oder einem Placebo, wissen tu ich es natürlich nicht. 

Abends sind wir zu sieht los gezogen in ein Café, es tat so unglaublich gut raus zu kommen mit Menschen, die ich mag. Einfach draußen sitzen, einen alkoholfreien Cocktail trinken, rauchen, reden, lachen. Ich habe es richtig genossen. 

Der Tag heute begann dann eigentlich auch ganz gut, die Oberarztvisite war irgendwann dann endlich auch bei mir angekommen und vorbei und ich wollte mich eigentlich grade wieder ins Bettchen trollen (ohne Quetiapin, das ist nun nämlich morgens raus), da habe ich erfahren, dass mein Struppi gestorben ist. Mein alter Herr, mein Uraltschwein. Mein Morgen war dann erst mal gelaufen, ich hab mich ins Bett verkrochen, geheult, geschlafen. Nachmittags bin ich mit F. los gezogen und es gab einen Berg an „ich belohne mich für die ganzen Verhaltensanalysen, ausgehaltene Situationen, anstrengende Gespräche und das ganze skillen“, quasi für die letzten 3 ½ Wochen. Schon gestern habe ich ein Buch bestellt, das war ich abholen, dann ein paar Klamotten shoppen und Schuhe und den Spielzeugladen plündern, im Mecces was essen und während der ganzen Zeit unglaublich viel lachen und einfach alles Blöde für eine Weile vergessen. Erledigt und mit der gefühlt halben Innenstadt in Tüten kamen wir dann wieder auf der Station an. 

Ich hab noch ein wenig Kram zusammen gesucht für morgen. Dreckige Klamotten in die Tüte gestopft, meinen Ordner mit Unterlagen und das Manual eingepackt. Um 6 wird mein Wecker klingeln, ich werde meine Medis einpacken und langsam los ziehen in Richtung Bahnhof um von dort den Bus zu nehmen in die Hauptstadt. Ich freue mich unglaublich auf daheim, vor allem auf meine Tierchen, auch wenn es nun eben nur noch 4 sind. Leider. 

Und eine positive Sache gibt es auch noch, denn meine ehemalige Therapeutin schrieb mir vor ein paar Tagen zurück. Wir werden uns nächste Woche Samstag treffen. Ich freue mich total, ich bin unglaublich nervös und hibbelig wenn ich dran denke. Sie war in über 5 unglaublich anstrengenden und fruchtbaren Jahren an meiner Seite und hat mich oftmals durch die Zeit getragen und mit ihren eingeforderten Versprechen daran gehindert mir das Leben zu nehmen, sie war ein so unglaublich wichtiger Mensch in all dieser Zeit. Und sie ist es manchmal immer noch. Ich weiß nicht, wo ich nun ohne sie stehen würde. Ob ich überhaupt noch irgendwo stehen könnte. Ich freue mich einfach sehr darauf sie zu treffen. 


I had a one-way ticket to a place where all the demons go
Where the wind don’t change
And nothing in the ground can ever grow
No hope, just lies
And you’re taught to cry in your pillow
But I’ll survive

abends 

Es ist Abend und ich stürze ab. Wie so oft. Schon im Abendkontakt habe ich es gesagt, schon da hatte ich im Gefühl, dass da heute nicht gut geht. Warum genau es so ist weiß ich immer noch nicht. Ich habe versucht etwas dagegen zu tun. Ich habe mit der kleinen Hexe telefoniert, kurz noch mit meiner Schwester, ich habe eine Katze geflauscht und trotz allem kippt es. 

Ich bin es nicht wert, dass es mir gut geht. 

Ich stelle mich doch nur an. Ich muss mich doch nur zusammen reißen. Schließlich habe ich schon so lange nicht mehr geschnitten. Also kann es mir ja nicht schlecht gehen. 

Ohne Wunden darf es mir nicht schlecht gehen. Ich habe kein Recht hier zu sein. 

Und während ich so drüber nachdenke kommt mir in den Sinn, dass es eigentlich immer so war. Die Abende sind schlecht. Da kommt er von der Arbeit, da darf ich nicht mehr sein, da darf ich keine eigenständige Person mehr sein mit Gefühlen und Gedanken und einer eigenen Meinung. Vielleicht hat es damit zu tun. Es darf keinen guten Tag geben, kein gutes Ende. So viele Jahre. 

Ich denke an Schwester Nathalies Zettel. Der Tag war gut und bleibt auch gut. Auch ein Stück Selbstwert. Ich bin mir selbst genug wert um einen guten Tag zu haben, um nicht abzustürzen, um einfach okay zu sein. Schweres Thema. Sehr. 

Ich nehme ein wenig Anspannung raus, indem ich meinen Arm mit dem Gummiband quäle. Mir Finalgon drauf schmiere. Mir immer und immer wieder sage, dass es gut sein darf. Dass es okay ist. Ich okay bin. Einfach einatme und ausatme und aushalte und schreibe. 

Ich habe mit der Krankenpflegerin, die gerade noch Dienst hat, ein wenig geredet. Über die Gedanken im Kopf und alten Kram, der da mitschwingt, über Gefühle und übers Bloggen. Das tat gut und hat mich abgelenkt. Ich habe meine Medis schon genommen, werde bald wohl auch endgültig ins Bett krabbeln. 

Morgen Abend wollen wir „Bordis“ zusammen weg gehen. Ein wenig raus kommen, was trinken (leider ja ohne Alkohol…), zusammen sitzen, quatschen. Ich versuche daran zu denken, versuche an mein Wochenende daheim und meinen Kater zu denken, freue mich darauf, dass meine Schwester mich besuchen kommen will. Positives sehen, an die schönen und lebenswerten Dinge denken. 

Der Tag war gut und bleibt auch gut. Schritt für Schritt, Tag für Tag, Skill für Skill. 

5

Ich stehe in der Türe zum Pflegestützpunkt. „Ich bräuchte Sie mal eben…“ sage ich zum Pfleger und verschwinde mit ihm im Nebenraum. Es fällt mir schwer die Worte auszusprechen, es fällt mir schwer zu sagen, was los ist. 

„Ich habe Suizidgedanken. Ziemlich heftige Suizidgedanken.“ Dann folgt das Prozedere, dass eben bei einer 5 im Bezug auf Suizidgedanken folgt. Ich muss auf Station bleiben, bis die Ärztin kommt, die der Pfleger direkt angerufen hat. Natürlich hat er sich vorher versichert, dass er die Türe nicht Absperren muss, dass ich nicht einfach abhaue. Und dass ich nichts anstelle in der Zeit. 

Die Ärztin kommt und ich sitze wieder im Nebenraum mit ihr und dem Pfleger. Es wird geklärt, ob der Therapievertrag noch steht. Ob ich versichern kann, dass ich noch in der Lage bin nichts anzustellen. Ich nicke. „Ja. Der Therapievertrag steht.“

Die  Ärztin drückt mir trotzdem begleiteten Ausgang aufs Auge, meine nächste Zigarette rauche ich also in Pfleger-Begleitung. Davor hab ich noch eine Dipi genommen und beim Hochgehen merke ich schon, dass die Wirkung einsetzt. Auf der Station kippe ich dann ins Bett und bin erstmal weg. Wach werde ich, als die Oberärztin neben meinem Bett steht und meinen Namen sagt. Ich versuche die Augen offen zu halten und folge ihr, dann sitze ich wieder auf einem Stuhl. Mit Ärztin, Oberärztin und Pfleger. Die Oberärztin möchte, dass ich eine VA schreibe. 

Das tue ich dann auch. Und verbringe den Rest des gestrigen Tages damit mich irgendwie wach zu halten, die Augen nicht zufallen zu lassen. 

Heute ist es deutlich besser. Ich habe eigentlich kaum Anspannung, fühle mich zwar noch ziemlich matschig wegen der Dipi, aber es geht mir gut. Bis zum Einzel. Die gestrigen Suizidgedanken sind Thema, die Psychologin will zusammen mit der Oberärztin und meiner Bezugspflegerin ein Gespräch führen. Prima. Die Anspannung schießt hoch, ich mag mich verstecken vor der Welt und allem. Trotzdem schaffe ich es zur Ruhe zu kommen, ein wenig zu schlafen. Und nun sitze ich nervös auf dem Flur rum. Warte, dass wir das Gespräch beginnen. Eigentlich hätte es vor 8 Minuten schon anfangen sollen. Ich bin angespannt, unglaublich. Ich mag mich verkriechen. Verstecken. Weglaufen.