In Zeiten wie diesen fängt alles bei mir an

Die Therapie heute war gut. Auch wenn ich nicht unbedingt das loswerden konnte was ich wollte, trotzdem war es produktiv.
Es ging wieder viel um meine Mutter. Darum, dass sie gar nicht versteht, dass ich krank bin und Hilfe will/brauche. Meine Therapeutin meinte, dass es vielleicht einen Versuch wert wäre ihr bei einer passenden Gelegenheit zu sagen, dass ich froh bin, dass sie da ist, dass sie mich aber akzeptieren soll wie ich bin und ich mich nicht ständig erklären und rechtfertigen will. Sie soll nicht verstehen warum ich so bin, nicht hinterfragen was ich tue, sondern einfach akzeptieren, dass ich so bin. Vielleicht versuche ich das bei der zwangsweise nächsten Konfrontation. Die wird entweder kommen, wenn sie das nächste mal mich inklusive Arme sieht (seit dem letzten T-Shirt-Besuch war ich einige Male in der Notfallambulanz…) oder wenn ich ihr eröffne, dass ich nach Freiburg gehen werde.
Thema war auch Freiburg. Warum es sinnvoller ist erst die DBT zu machen. Sie sagt auch, dass ich erst Strategien erlernen soll mit dem Käse umzugehen.
Und sie sagt, dass die Kraft das zu schaffen, dass auszuhalten, einfach alles hin zu kriegen kommen wird. Mit der Zeit, mit der Therapie, mit dem weitergehen. Es wird besser werden, das sagt sie immer und immer wieder.
Und das schreibt auch H. in den letzten PNs immer und immer wieder. Und vielleicht schaffe ich es daran zu glauben, wenn ich es von verschiedenen Seiten immer und immer wieder höre. Vielleicht hilft das einfach durch die Zeit, in der ich noch nicht daran glauben kann.

Ein paar Mal musste ich heute wirklich auch über diese ganze Scheiße der Krankheit lachen. Zum einen, als einer der Herzmenschen heute morgen sagte, dass meine Arme schon viel besser aussehen. Und eine Weile später kam von der Therapeutin die Aussage, dass meine Arme ja immer schlimmer werden. Da musste ich tatsächlich erstmal lachen.
Und auch, als ich vorhin beim aufräumen alles kommentiert habe. „Tempo, Müll, Medis, oh, mein Schlüssel, Kaugummi, Rasierklingen, Schraubenzieher, Rasierklingen, oh und Rasierklingen…“. Vom kleinen Bruder kam dann nur „das nächste mal suche ich keine halbe Stunde im Bad, bei dir sind ja wirklich sonst ÜBERALL Rasierklingen, nur nicht dort wo normale Menschen sie haben!“. Ich werde ihn vermissen, wenn er wieder weg ist. Ziemlich.
Andererseits freue ich mich auf nur Zeit für mich, denn Menschen sind derzeit immer wieder ziemlich anstrengend für mich.

Nächste Woche geht es in die Klinik. Mit einem Haufen verschiedener Themen. Mit Angst und Verzweiflung, aber auch mit ein wenig Zuversicht.

In Zeiten wie diesen ist es Zeit neu anzufangen
Denn aus Zeiten wie diesen gibt es keinen Notausgang

Es muss nur immer Musik da sein… 

Für mich ist es noch Nacht. Mitten drin. Jede einstellige Uhrzeit ist definitiv zu früh zum aufstehen und wird es auch immer sein. Trotzdem bin ich wach (wenn man die Tatsache, dass ich die Augen auf habe, angezogen bin und im Zug sitze so nennen kann), hab laute Musik auf den Ohren und bin auf dem Weg in die Hauptstadt. Erst einen Herzmenschen treffen, dann Therapie.

Ganz egal ob ich Blut schwitz, bittere Tränen wein, 
alles erträglich, es muss nur immer Musik da sein.

Das kommt aus meinen Kopfhörern, ist in meinem Kopf, am liebsten würde ich laut mitsingen. Ich liebe das Lied, und es ist einfach so wahr.
Meine Medis hab ich heute morgen natürlich vergessen. Sie wieder an den Schlüssel zu hängen wäre wohl die beste Idee, die ganze Zeit hatte ich sie nicht dort wegen der Klinik.

Mein Kopf ist heute morgen voll und gleichzeitig so leer. In der Therapie will ich die Suizidgedanken ansprechen, es einfach los werden. Vielleicht einen Weg finden. Es ist anstrengend den ganzen Tag aufzupassen, ständig zu schauen, dass nichts passiert. Bahnhöfe sind ganz schlimm. Genau wie Brücken. Aber im Prinzip genauso schlimm wie Klingen und Tabletten. Das alles macht mich wahnsinnig im Moment, weckt direkt kaputte Gedanken, den Wunsch zu gehen.

Die DBT macht mir nicht mehr so viel Angst. Ich kann mich damit anfreunden, auch wenn die Zeit definitiv hart werden wird. Die weltbeste Chrissie wird vermutlich mit mir zum Vorgespräch fahren, meine Meerchen werden in den Monaten bei ihr sein. Ich werde sie furchtbar vermissen, ohne meine Fellnasen für so lange Zeit, seit ich Meerchen habe gab es das noch nicht.
Es gibt ein paar Dinge, die ich dann regeln muss. Post, Pflanzen, all so Dinge. Aber nichts davon ist unmöglich zu klären. Für das danach werde ich nächste Woche mit meinem Psychologen in der Klinik reden. Es wird weiter gehen, es wird schon werden. Die größte Angst ist nur, dass sie nein sagen. Dass sie sagen, es wäre erst eine Traumatherapie nötig, dass sie sagen eine DBT wäre sinnlos, ich bräuchte eher eine Therapie wegen der ptbs als wegen bps. Aber auch in dem Fall wird es irgend eine Lösung geben. Denn:

Ganz egal ob ich Blut schwitz, bittere Tränen wein, 
alles erträglich, es muss nur immer Musik da sein.

A different line every night

Abgesehen vom Panik schieben ist heute eigentlich okay. Ich war und bin viel draußen, versuche die Sonne zu genießen und auf mich zu achten.

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Die Nacht war sehr unruhig. Nur mit Medis bin ich letztendlich zur Ruhe gekommen und konnte ein paar Stunden schlafen. Am liebsten würde ich in der Klinik anrufen und mich dorthin flüchten, weil es grade einfach furchtbar ist. Ich mag mir was antun, will am liebsten zur nächsten Brücke. Oder einfach die Luft anhalten bis es vorbei ist.
In mir ist nur Chaos, Angst, Schmerz, Panik. Am liebsten würde ich einfach fest dran glauben, dass es mir hilft. Dass es danach einfacher ist, besser ist, dass es mir gut geht und ich wieder mein Leben führen kann, wieder arbeiten kann. Aber ich habe so große Angst vor dem danach, so große Angst, dass es eben nicht gut ist aber alle das erwarten. Ich weiß einfach wirklich nicht, wie es weiter gehen soll.
Aber alles Kopfzerbrechen hilft mir jetzt auch nicht weiter. Ich würde das ganze am liebsten beiseite schieben bis ich in der Klinik bin, bis ich dort ein Gespräch mit dem Therapeuten habe. Nur funktioniert das einfach nicht. Vielleicht kann ich morgen mit Tina reden. Noch lange kann ich das nicht mit mir rum tragen. Ich werde sonst bekloppt, noch mehr als eh schon. Und mit meinem Psychologen in der Klinik dann hoffentlich eine Lösung finden, die mir gut tut und Sicherheit gibt.
Am liebsten hätte ich jetzt Nathalie am Telefon, ihr vertraue ich dort am meisten und fühle mich auch am besten verstanden.
Irgendwie ist doch alles verkorkst. Ohne Hilfe geht es mir scheiße, mit der Aussicht auf die Hilfe geht es mir scheiße. Nein, ganz so stimmt es nicht. Es geht mir mit der Aussicht auf das Ende der Hilfe scheiße. Davor habe ich Angst. Große Angst. Thema für die Klinik. Am meisten würde mir von dort aus eine Hilfe über die DBT hinaus wohl Sicherheit geben. Aber ewig kann es ja so auch nicht weiter gehen. Alles einfach scheiße. Hmpf.

No one heard a single word you said
They should have seen it in your eyes
What was going around your head

und den Wunsch nicht auszuflippen

Ich werde verrückt vor lauter Angst. Was genau mir so viel Angst macht kann ich überhaupt nicht sagen. Ein wenig die Angst, dass es nicht klappt mit der DBT.
Aber am meisten einfach die Angst vor dem danach. Was nach der DBT folgt. Direkt wieder funktionieren? Aufstehen, arbeiten, Haushalt, Freizeit, schlafen gehen?
Fällt dann alles an Unterstützung einfach weg? Geht es dann weiter wie zuvor?
Ich weiß nicht wohin mit meinem Chaos. Wohin mit meiner Angst. Ich will mich einfach nur verkriechen, schneiden, heulen.
Im Prinzip weiß ich, dass es keinen Sinn macht jetzt völlig Amok zu laufen deswegen. Denn es ändert nichts. Aber ich komme nicht dagegen an. Ich komme nicht los und nicht weiter, ich habe das Gefühl ich renne schreiend im Kreis.
Angst. Vor der Zukunft. Vor mir. Vor allem.

Hallo Angst du Arschloch!
Hallo Angst du Arschloch!

 so much pain is coming 

Ab heute gibt es eine neue Kategorie hier. DBT. Für mich beginnt damit offiziell der Weg in diese Richtung. Auch wenn ich es mir noch gar nicht vorstellen kann, auch wenn ich unglaubliche Angst vor dem danach habe. Danach ist so unglaublich weit weg noch. So neblig und verschwommen. Mein Ziel derzeit ist einfach die DBT. Vielleicht muss ich auch noch gar nicht weiter denken. Vielleicht ist es okay erstmal bis dahin weiter zu machen, durch zu kommen.

Das telefonische Vorgespräch hatte ich heute. Ein persönliches ist für Juli angedacht. Geklärt werden muss noch, ob es sinnvoll ist jetzt eine DBT zu machen, oder ob eine stationäre Traumatherapie nicht angedacht wäre. Ich für meinen Teil tendiere eher zur DBT, letztendlich ist es aber eine Entscheidung der Ärzte dort.
Die Warteliste ist erstaunlich kurz, 3 Monate ungefähr.
Teilweise macht mir das enorm Angst, weil ich im Prinzip dann in einem halben Jahr einfach erstmal da stehe und noch keine Perspektive habe. Für das danach muss ich unbedingt vorher schon etwas finden, dass mir Halt gibt.
4 Wochen müssen zwischen der Aufnahme dort und meinem letzten Aufenthalt in der Klinik liegen. Benzos und Alkohol sind ab jetzt tabu. Der Klinik muss ich unbedingt Bescheid sagen wegen den Benzos.
Ja. Das Gespräch lässt mich irgendwie leer zurück. Ich muss schauen, wie es weiter geht heute. Am Besten gehe ich erstmal kochen und schaue dann weiter.

All these words rushing round inside my head 
All these thoughts we held so close and still we never said