Two lovers stand together now.

Es ist ein wenig still geworden hier.

Weil plötzlich andere Dinge viel mehr Raum einnehmen als all die schlimmen Sachen.

Weil plötzlich so wenig Zeit ist für alles, was mit Krankheit und Krisen zu tun hat.

Weil plötzlich jede freie Sekunde anders genutzt wird.

Weil da plötzlich dieser Mensch ist, der so viel Liebe und Wärme in mein Leben bringt, dass ich es immer noch kaum glauben kann.

Weil da plötzlich dieser Mensch ist, der mein Herz zum hüpfen bringt.

Weil da plötzlich dieser Mensch ist, mit dem alles so leicht erscheint, mit dem alles möglich scheint, mit dem so viel Geborgenheit und Angekommen-Fühlen Einzug in mein Leben hält.

Barefoot through the sinking sand.
You and me just hand in hand.
Say we’ve got the strength to fight.
Come walk with me…

2 Jahre.

und plötzlich sind es 730 Tage. 2 Jahre. Noch so unvorstellbar damals, heute trotzdem noch unwirklich.

Ich kann mich nicht mehr an die letzte Selbstverletzung erinnern. Ich weiß nicht mal mehr, ob ich damals überhaupt im Kopf hatte, dass es eventuell die letzte sein könnte. Ich wusste nur, dass es so nicht weiter gehen kann. Dass ich nicht will, dass es so weiter geht. Ohne Kontrolle darüber, ohne die Möglichkeit etwas zu steuern. Mit Chirurgie nach Chirurgie nach Chirurgie, ständigen Wunden und Fäden, mit einem Leben zwischen Wunden versorgen, Verband wechseln und dem Gedanken an den nächsten Schnitt.

2 Jahre. 730 Tage. Unwirklich, ja. Aber ich bin stolz. Unglaublich stolz auf jeden Tag, an dem ich gekämpft und nicht nachgegeben habe.

Kurzurlaub

Draußen lassen der Schnee und die Lichter der Großstadt die Nacht nicht dunkel erscheinen. Ich betrachte die vorbeiziehenden Häuser und Tramhaltestellen und bin froh, dass ich im Warmen bin.

Etwas mehr als 7 Stunden trennen mich von meiner Hauptstadt. 450 km sind es von München bis Zuhause.

Am Freitag bin ich losgefahren, in strahlendem Sonnenschein. Nun liegt Schnee, sowohl hier als auch daheim. Hinter mir liegt ein tolles Wochenende, dass einfach nur gut tat. Liebe Menschen, mich einfach nur willkommen und okay fühlen, so wie ich bin. Lachen, trinken, quatschen. Und schlafen, ich konnte endlich wieder schlafen! Die Tage haben mir viel Kraft zurück gegeben, die mir in den Wochen vorher abhanden gekommen ist. Es war genau der richtige Zeitpunkt zum Wegfahren. Genau der richtige Zeitpunkt für liebe Menschen.

Am Sonntag habe ich mich auch mit meiner Tante getroffen, wir waren frühstücken und haben viel geredet. Über meinen Vater, mich, sie, meine Familie. Auch über meine Oma und ich kann in dem Moment die Tränen nicht mehr zurück halten. Es schmerzt, dass da kein Kontakt mehr ist. Ich verstehe, dass sie nicht vergessen kann, dass ich es über einige Jahre hinweg einfach nicht geschafft habe mich zu melden. Und ich kann auch verstehen, dass es zuviel ist, was ich da mitbringe. Immerhin ist es ihr Sohn, der all diese Dinge getan hat. Ich verstehe es und akzeptiere es, aber es schmerzt dennoch, denn sie bedeutet mir viel.

Umso mehr freue ich mich, dass es zwischen mir und meiner Tante wieder sowas wie Kontakt gibt. Es tut gut sie zu sehen und mit ihr zu reden, denn auch sie bedeutet mir viel und hat gerade in den letzten Horrorjahren bei meinem Vater vieles für mich getan und mich unterstützt.

Es waren gute Tage in München. Eine gute Zeit, die mich ein Stück gestärkter heim fahren lässt. Gestärkter und froh, um die Menschen, die ich in meinem Leben habe.

Danke Nc und Rauschkugel und Zwerg fürs Obdach gewähren und feines Essen und die gemeinsame Zeit. Und an Bimsi für den schönen gemeinsamen Abend. ❤️

Nie zurück, nur nach vorne gehen

Diesen Blumenstrauß bekam ich vor zwei Jahren und 4 Tagen von meiner besten Freundin. Nein, sie hat damals nicht schon früher zum Geburtstag gratuliert. Wobei? Eigentlich ja schon.

3 Jahre sind vergangen seit dem Suizidversuch. 3 Jahre und 4 Tage. Vor 3 Jahren und 4 Tagen lag ich auf der Intensivstation und wollte so sehr endlich ’ne Zigarette rauchen nach den merkwürdigen Stunden, die seit meinem Aufwachen zwischen Kabeln und Schläuchen vergangen waren.

Ein „ich bin froh, dass du lebst“ – Blumenstrauß.

Letzte Woche war ich kurz auf der Station. Denn die Verlängerung meines Lebensvertrags rückt langsam aber sicher näher und ich überlege schon, wer als Zeuge unterschreiben darf. Und zu meinem Glück ist auch genau die Person, die ich treffen wollte, im Dienst. Schwester Nathalie beantwortet meine Frage mit einem „Gerne“, fragt wie das Studium ist, wie es so läuft. Ich erzähle, dass es nur noch ungefähr 1,5 Monate sind bis zum 2. Jahr ohne Selbstverletzung.

„Hätten Sie das gedacht?“ Ich schüttel den Kopf und muss lächeln. „Frau Zitrone, ich kriege Gänsehaut!“ meint sie und schiebt „Es ist schön zu sehen, dass das was wir hier auf Station tun auch mal Früchte trägt!“ hinterher. Ihr bestelle bei Pfleger Arschkeks noch 682 Smileys to go und gehe zum ersten Mal seit langem wieder zur Achtsamkeit.

Es ist gut momentan. Da ist wieder Zeit für mich, Zeit für zwischenmenschlichen Kram wie mal Kaffee trinken, Zeit einfach daheim krank im Bett zu hängen (wobei ich das krank auch gerne los wäre), Zeit das Katerkind nach dem Aufwachen ausgiebig zu bekuscheln. Eigentlich sollte da auch Zeit zum lernen sein, doch in meinem aktuellen Fieberkopf ist dafür kein Platz.

Und trotzdem ist es manchmal einfach gar nicht gut. Trotzdem ist da manchmal kein Platz mehr in meinem Kopf vor lauter Suizidgedanken und Selbstverletzungsdruck. Aber vielleicht ist das okay. Vielleicht ist es okay, dass auch diese Dinge ihren Platz brauchen, immer noch und immer wieder. So oft sehe ich, wie viel sich in den letzten Jahren getan hat und sehe in solchen Momenten dann doch nur das negative, nämlich dass der Druck immer noch kommt, die Gedanken immer noch manchmal tagelang meinen Kopf beschäftigen. Und trotzdem ist es so viel besser, schon allein die Tatsache, dass der Druck nicht zu Selbstverletzung wird und die Suizidgedanken nicht zu einer Impulshandlung.

29 Jahre Leben. Und 3 Jahre Leben. Irgendwie wirklich eine Art doppelter Geburtstag.

Niemand kann mir diktieren, wohin es für mich geht
Niemand über den Wolken und niemand der hier unten lebt

Ich wollte nie wie all die Ander’n sein
Ich weiß besser, was ich will
Das entscheide ich allein
Wer ich bin und was mit mir passieren wird, entscheide ich alleine
Lass Brücken brennen und Herzen glühen
Nie zurück, nur nach vorne gehen

und irgendwann wird im Vorbeigehen Schwarzweiß wieder Farbe

Und so wie es anfing hört es auch wieder auf. Plötzlich kommt da dieser Tag, an dem es besser ist. An dem das Aufstehen kein stundenlanger Kampf ist, an dem nicht direkt Selbstverletzungsdruck in meinen Kopf springt, noch bevor ich überhaupt aus dem Schlafzimmer bin, an dem nicht spätestens im Bad die ersten Suizidgedanken präsent sind.

Ich fühle mich anders. Es ist, als ob eine zähe und klebrige Masse, ähnlich wie Teer, an einem klebt und nach langer Zeit endlich beginnt an einem hinunter zu fließen. Es ist, als ob man gerade stundenlang einen schweren Gegenstand geschleppt hätte und ihn endlich abstellen kann. Ein wenig vergleichen kann ich es mit dem Gefühl vergleichen, welches ich habe, wenn ich im Flugzeug sitze und es startet. Die Schwere, die das Flugzeug und einen selbst auf dem Boden hält, verschwindet plötzlich und weicht einer unglaublichen Leichtigkeit. Oder dem Gefühl das mich durchströmt, wenn die ersten Blumenknospen aus der Erde schauen, wenn der Winter endlich dem Frühling weicht. Ja. Ungefähr so fühlt es sich an, wenn ich aus einer depressiven Phase wieder auftauche.

Rückblickend kann ich mir dann oftmals gar nicht mehr vorstellen, wie unglaublich schwer es war mich nicht zu verletzen. Wie unglaublich schwer es war weiter zu leben. Ich habe eine Ahnung davon, ein Gefühl, dass mich daran erinnert… Aber in der nächsten Phase oder Krise kann ich mir wieder nicht vorstellen, wie es jemals leichter sein konnte. Es ist besser geworden, nicht mehr ganz so aussichtslos und dunkel.

Meine erste so heftige Krise, bei der ich nicht in die Klinik musste, weil ich nicht mehr garantieren konnte mich an den Lebensvertrag zu halten. Das wird mir gerade erst beim Schreiben bewusst und ich muss lächeln. Und dann noch mehr, weil ich spüre, dass ich stolz auf mich bin, dass ich es auch schaffe stolz zu sein und das Gefühl so zu akzeptieren (und auch zu genießen!) wie es nun da ist, ohne es selbst direkt wieder klein reden zu wollen. Und dann sind es solche Dinge an denen ich sehen kann, dass ich mich weiter entwickle, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Und wenn ich doch grade bei dem positiven Kram bin… Ich kann länger garantieren, dass nichts passiert. Ich kann mich trotz einer 5, trotz nichts anderem im Kopf außer dem eigenen Tod, von Skill zu Skill, von Moment zu Moment hangeln, bis es wieder zu einer 4 wird, bis Atmen wieder ein wenig leichter fällt, bis da wieder ein Zentimeter weniger offene Notausgangstür möglich ist.

Gut sechs Wochen sind vergangen, seit es anfing schlechter zu werden. Vier Wochen davon war es eine ordentliche Krise. Vier Wochen hatte ich dauerhaft die Hand auf der Türklinke zum Notausgang Suizid, die Tür mal mehr, mal weniger geöffnet. Vier Wochen lang fast durchgehend Selbstverletzungsdruck. Doch es ist vorbei und wird hoffentlich nicht allzu schnell wieder so dunkel in mir.

Ein weiteres Mal gekämpft. Ein weiteres Mal eine Krise gemeistert. Ein weiteres Mal überlebt. Überlebende. Ein Wort, dass ich viel schöner und treffender finde als Opfer. Ich bin kein Opfer von Missbrauch. Ich habe Missbrauch überlebt. Ich lebe, trotz Missbrauch. Trotz allem, trotz dem ganzen Horror meiner Kindheit, trotz all dem Schmerz. Und mit alle dem.

Und die Zeit fängt wieder an
Das zu tun, was sie am besten kann
Im Vorbeigehen heilt sie meine Narben
Und ich kann nur darauf warten
Dass sie sich beeilt und irgendwann
Wird im Vorbeigehen Schwarzweiß wieder Farbe

weil dir nie jemand erklären konnte, wie man Vergangenheit in „Sonst“ verstaut

Vor einigen Jahren habe ich mit dem Linchen mal Narben angemalt. Es ging um die verquere Selbstwahrnehmung. Und weil sie aktuell mehr als verquer ist, weil ich mich so sehr nach neuen Wunden sehne, weil die Narben doch gar nicht schlimm sind und doch eh nur ein paar wenige, weil ich es so gar nicht sehen kann…

… hab ich mir vorhin Farbe geschnappt.

Und jede Narbe zahlt sich aus,
ist in schlechten Tagen Mahnmal
und in guter Zeit Applaus.

Es löst vieles aus. Es zeigt mir auf eine erschreckende Art und Weise, dass es vielleicht doch nicht so „wenig“ und so „harmlos“ ist. Es gibt mir ein wenig Bestätigung, dass die Vergangenheit wirklich schlimm war. Dass ich wirklich diesen Weg gehen musste um zu überleben. Und es macht mich traurig, weil es nötig war diesen Weg zu gehen um zu überleben. Es zeigt mir aber auch, dass ich stolz sein kann, denn seit langer Zeit sind dort keine frischen Wunden mehr.

Es sind viele Gefühle. Aber es hilft, es tut gut. Es bringt die Realität und meine Wahrnehmung ein wenig mehr in Einklang, es hilft dem Körpergefühl, es lenkt ab.

Im Anschluss schnappe ich mir im Bad die kleine Dose mit dem Peeling, das Frau S. mir damals in der dbt gemixt und in die Hand gedrückt hat. Ich rubbele mir damit und mit einer ordentlich kalten Ladung Wasser die Farbe von den Armen, spüre mich dabei so intensiv wie lange nicht mehr.

Vorhin hat es nicht funktioniert mit dem Schlafen. Aber nun bin ich deutlich weniger angespannt, deutlich mehr im Hier und Jetzt und in meinem Körper. So und mit einer Portion Bedarfsmedis klappt es nun hoffentlich.

Du kommst so selten oben an
und wenn dann nur an schlechten Tagen,
wenn man vom Leben gar nichts sehen kann.
Sind deine Taschen voller Staub,
weil dir nie jemand erklären konnt‘,
wie man Vergangenheit in „Sonst“ verstaut.
Mädchen, selbst wenn du verbrennst,
solang’s noch schimmert.
Bleibt hier alles halb so schlimm,
solang’s noch schimmert.
Nichts ist wichtig, nichts egal,
solang’s noch schimmert.
Solang du schimmerst!

Won’t forget these days – And I never thought I would 

#into18. Da ist es nun also, das neue Jahr. Wenige Stunden alt und mit jedem Moment, jedem Atemzug doch wieder ein wenig kürzer, so neu und doch wieder vergänglich.

Manche Momente haben etwas magisches. So oft der Jahreswechsel, doch mein Highlight in den letzten Stunden fand noch in 2017 statt.

Auf dem Weg zur besten Freundin, mit 200 Sachen über die heimische Autobahn fliegen und im Radio singen Fury in the Slaughterhouse Won’t forget these days. Ein Lied, welches nicht treffender sein könnte in solch einem Moment, begleitet es mich doch nun ins 12. Jahr. Damals war es Sommer, es war WM in Deutschland und ich war in der Klapse. Zum ersten Mal in meinem Leben, damals noch in der KiJu. Abseits davon war es der erste Sommer meines Lebens in Freiheit, der erste Sommer außerhalb des Lebens, dass ich in den Jahren davor führte, der erste Sommer weg von meinem Vater. Es war eine gute Zeit. Eine schmerzhafte, anstrengende und extreme, aber eben auch gute Zeit. Und damals sangen Fury in the Slaughterhouse Won’t forget these days, wurden damit zu meinem Hit des Sommers, wurden Teil meines Lebens und bis heute höre ich dieses Lied immer mal wieder und es bringt ein wenig Sommer, Sonnenschein und das Gefühl endlich ich sein zu können mit sich.

I close my eyes and wait
Till the wind blows round the corner
Bringing back the memories to me

Mit den Erinnerungen fliege ich also über die Autobahn, weg vom alten Jahr und in Richtung des neuen Jahres. Ein besonderer Moment auf den letzten Metern in 2017.

The choice made new each morning. Will you fight?

Ein neues Jahr mit vielen neuen Tagen, an denen es jedes Mal eine Wahl geben wird. Werde ich kämpfen? Kämpfen gesund zu sein, kämpfen frei zu sein, kämpfen für meine Geschichte, kämpfen um die Hilfe, die ich brauche. Und eigentlich ist es selten eine Frage, denn in den meisten Momenten ist klar, dass Aufgeben keine Option ist, vielleicht im Kopf manchmal, aber nicht in der Realität. Für die anderen Momente ist es jeden Tag, manchmal auch jede Minute aufs Neue ein Kampf, eine Entscheidung. Im letzten Jahr wurden diese Kämpfe weniger, aber sie sind dennoch da. Auch im neuen Jahr werden sie da sein. Aber vielleicht werden sie auch in diesem neuen Jahr ein wenig weniger werden.

Ich hoffe, dass ihr alle gut im neuen Jahr angekommen seid. Ich wünsche euch ein fantastisches neues Jahr voller Abenteuer, voller Mut und Stärke und gewonnener Kämpfe.

Es ist geschafft. Aus #welcometomidnight wird #into18. Ein weiteres Jahr, eine weitere Chance. Macht was draus! ♥️

this is where the healing begins

Es ist 3.23 Uhr, als ich leise die Wohnungstür aufschließe und die Wohnung betrete. Ich schlüpfe ins Schlafzimmer meiner Mutter, drücke ihr einen Kuss auf die Wange und sage leise „ich bin daheim“.

Wie gerne hätte ich solche Erinnerungen an meine Jugend. Tatsächlich habe ich bis zur Volljährigkeit nur zwei Mal gefeiert. Kein einziges Mal betrat ich danach die Wohnung und sagte diese Worte zu meiner Mutter. Stattdessen bin ich seit 10 Jahren volljährig und sage diese Worte zum ersten Mal, nachdem ich vom Feiern heimkomme.

Es macht mich traurig, dass ich solche Erlebnisse in meiner Jugend verpasst habe. Zum einen das Feiern, zum anderen heim zu kommen und zu wissen, dass meine Mutter zwar schläft, aber erst in den beruhigten Tiefschlaf fallen wird, wenn ich wirklich zuhause bin.

Auf der anderen Seite ist es schön. Ich habe es jetzt. Lange war es schwierig für mich hier zu sein, hier zu schlafen. Doch seit ich meiner Mutter erzählt habe, was damals alles passiert ist, seit sie Details kennt und seit ich bei ihr weinen kann, weil ich nicht den Vater habe, den ich mir so sehr wünsche, seitdem fühlt es sich so viel besser an hier zu sein. Es ist ein Stück Geborgenheit und Heimkommen. Mehr als früher, mehr als jemals seit meiner Kindheit, als meine Mutter nur Zuflucht für den Moment war und ich jeden Moment in mich aufgesaugt habe um die nächsten Monate zu überstehen.

Auch wenn es so viele Jahre zu spät kommt, nun ist es da. Und es heilt ein klein wenig die tiefen Wunden der ganzen Jahre.

So vieles ist immer noch in Bewegung, auch wenn mein altes Leben nun schon so viele Jahre und Kilometer weit weg liegt. Doch in manchen Momenten spüre ich die Heilung, die nun passiert. Ein Stück ganz werden, ein Stück Klebestreifen, dass die kaputten Teile wieder zusammenhält.

So you thought you had to keep this up
All the work that you do
So we think that you’re good
And you can’t believe it’s not enough
All the walls you built up
Are just glass on the outside

So let ‚em fall down
There’s freedom waiting in the sound
When you let your walls fall to the ground
We’re here now

This is where the healing begins, oh
This is where the healing starts
When you come to where you’re broken within
The light meets the dark

Wunder

Mein kleines Wunder. Meine kleine Kämpferin.

Heute Mittag kam der erlösende Anruf. Sie hat es geschafft, tatsächlich, und trotz nur 30%iger Chance zu Überleben ist sie heute wieder so fit und munter, dass ich sie zu mir holen konnte.

Ein Wunder. Mein Wunder. ❤️

hier & jetzt

Studium (lateinisch studere „[nach etwas] streben, sich [um etwas] bemühen“)

Und so fühlt es sich auch an. Ich bemühe mich um einen geregelten Tagesablauf, um Kommunikation mit meinen Mitmenschen, um aktives Zuhören. Ich bemühe mich nicht durchzudrehen angesichts der Masse an Menschen, darum nicht einfach abzuschalten und zu dissoziieren.

Und ich muss oft an die Oberärztin aus der dbt denken, die von einem neuen Programm sprach im Bezug auf Borderlinetherapie. ACES – Accepting the Challenges of Exiting the System. Raus aus dem „System Krankheit“, so tun als ob man einfach gesund wäre. Denn genau das tue ich, ich tue so, als ob ich ein völlig normaler Student sei. Und vielleicht bin ich gar nicht so unnormal, also von der Norm abweichend, denn gerade im sozialen Bereich studieren viele mit der ein oder anderen Macke, bei einigen meiner Kommilitonen fielen mir auch schon eindeutige Narben auf. Vielleicht nicht so offensichtlich wie meine, da dezenter und weniger und nur an einer Stelle, aber dennoch.

Abseits vom ganzen Theoriekram, der einfach noch keinen Bezug zu meiner Lebenswirklichkeit und der sozialen Arbeit hat, ist es auch interessant und spannend. Es gefällt mir zu beobachten, wie wir über Gerechtigkeit diskutieren, wie die vielen verschiedenen Charaktere ihre Meinungen vertreten. Es macht Spaß mit verschiedenen Menschen die Raucherpause zu verbringen oder zu essen, mit Leuten die gerade erst von der Schulbank gefallen sind und mit welchen, die schon seit über 20 Jahren im Berufsleben stehen (oder standen), mit welchen die vorher etwas anderes studiert haben oder welchen, die nebenbei noch ihre Kinder großziehen.

Es fühlt sich gut und richtig an momentan. Vielleicht waren die drei Jahre „Umweg“ genau deswegen sinnvoll, weil hier und jetzt der richtige Zeitpunkt für das ist, was ich tue.

Ich war schon lange nicht mehr so fertig und an meinen Grenzen. Aber ich war auch schon lange nicht mehr so zufrieden und glücklich und habe mich schon lange nicht mehr so am richtigen Platz gefühlt.