Berlin ich trink auf dich

Die Nacht war sehr unruhig. Ständig kam jemand ins Zimmer. An sich nicht schlimm, rumdrehen, weiter schlafen. Allerdings waren nicht alle so leise wie die nette Spanierin. Ein Gast kam gegen 23 Uhr an, schmiss lautstark seinen Kram auf den Boden und bollerte dabei ein paar mal gegen die Metallspints. Dann ging er (Türknallen), kam wieder (Türknallen), ging wieder (Türknallen) und kam mit einer Mitarbeiterin wieder, der er lautstark in gebrochenem Englisch erklärte, dass er ein Schloss für den Spint will. Als sie ihm erklärte, dass man diese selber mitbringen oder an der Rezeption kaufen muss, fiel ihm wohl ein, dass er eins hat. Also begann er den Spint einzuräumen (Geboller), machte dann das Schloss zu und hantierte an eben diesem dann noch zehn Minuten weiter rum (viel Geboller). Dann ging er (Türknallen). Ich war grade wieder eingeschlafen, als er wieder auftauchte (Türknallen) und dann geschlagene 15 Minuten an dem Schloss rumhantierte (viel Geboller). Irgendwann fragte ich ihn genervt auf Englisch, ob er Hilfe bräuchte, ansonsten soll er doch bitte den Schlüssel ins Schloss stecken, aufschließen, seinen Kram erledigen, abschließen und bitte Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen. Plötzlich konnte er das ganze dann relativ leise. Um kurz vor 6 kam dann noch jemand rein, stand kurz unschlüssig im Zimmer, und ging wieder (Türknallen).
Da beschloss ich dann aufzustehen.
Um 7 muss einer meiner Mitbewohner aufstehen, da werde ich dann mal in Klamotten hüpfen (nein, ich sitze nicht nackt in der Lobby, aber ich habe nur eine dünne Jogginghose und einen Pulli an), dann frühstücken gehen. Danach kurz in den Supermarkt fallen und Reiseproviant kaufen. Und dann auschecken. Vielleicht treffe ich mich noch mit Moritz, wenn es ihm nicht zu viel ist nach seiner Schicht, wenn nicht werde ich schon genug zu tun finden. Später will ich auf jeden Fall noch zu wonderwaffel, Checkpoint Charlie ist hier um die Ecke, vielleicht gönne ich mir noch eine gute Berliner Currywurst.
Die letzten Stunden hier brechen also an, während es draußen noch stockdunkel und bitterkalt ist.
Ich freue mich auf Zuhause. Der Tag länger war eine gute Idee und hat mir gut getan, aber nun ist es auch wieder okay nach Hause zu fahren. Ich freue mich darauf mal keine Menschen um mich zu haben, zu schlafen wann ich möchte, ohne dann ständig jemand im Zimmer steht. Ich freue mich auf mein Bett und unglaublich auf meine Tiere.
Die Tage hier waren schön, teilweise manchmal eine Grenzerfahrung, aber Berlin wird definitiv immer eine Reise wert sein. Und es hat mir gezeigt, dass ich eigentlich viel öfter genau das tun sollte, wonach mir gerade ist. Falls mich nicht gerade das Gesetz daran hindert, was ja leider oftmals der Fall ist.
Nun starte ich mit Cappuccino in den Tag, gehe gleich zu Earl Grey über, und genieße die Zeit, die mir bis zur Abfahrt noch bleibt.

Berlin
Wohowohoo
Berlin ich trink auf dich.

Spontanität 2.0

Spontanität ist momentan scheinbar mein zweiter Vorname. Nein, dritter, einen zweiten habe ich schon.
Ich bleibe eine Nacht länger in Berlin. Ich habe diese Idee gestern im Bett noch ewig gewälzt und konnte nur schwer einschlafen. Als ich heute morgen wach würde bin ich dann aus dem Bett gepurzelt und zur Rezeption getapst, habe gefragt ob eine weitere Nacht möglich ist und dann verlängert. Während dem Frühstück habe ich meine Busfahrt dann umgebucht. So hat Berlin mich noch 24 Stunden länger als geplant und ich sitze dauergrinsend vor meinem Earl Grey.
Meine Nacht war wirr. Ich habe geträumt, dass mein Vater mir einen Abschiedsbrief hinterlässt, in dem einfach nur steht „ich habe mich umgebracht“. Ich Traum beginne ich alle möglichen Dinge zu regeln und Personen zu informieren. Aber eigentlich bin ich Schuld an seinem Tod, ich habe ihn ermordet. Das weiß ich im Traum, trotzdem vermischt es sich immer wieder mit seinem Suizid. Meine Schwester wird verfolgt, von irgendwelchen Leuten bedroht. Im Haus meines Vaters, dass eine Mischung ist aus der Wohnung, in der er nun lebt und der Wohnung, in der wir vorher lebten ist, wird eingebrochen. Meine Mama feiert eine Party, trauert aber gleichzeitig um meinen Vater. Und da ist ein Mann, der mir sehr vertraut ist, den ich aber einfach im wachen Zustand nirgends zuordnen kann. Alles in allem war es also eine unruhige Nacht. Dementsprechend lange brauche ich, um wirklich wach zu werden. Da ich gestern möglichst leise ins Bett geschlichen bin und nicht großartig noch Klamotten gesucht habe, muss ich mich erst mal anziehen um vor die Türe zu können. Nach dem vierten Earl Grey und einem Frühstück fühle ich mich nun wieder wie eine Zitrone, wenn auch eine etwas angematschte. Ich werde mir gleich den Kindle schnappen, mich auf eines der Polster in der Lobby werfen und ein wenig lesen, versuchen ruhig im Tag anzukommen und die Reste der Traumfetzen loszuwerden. Und dann geht es wieder raus, raus ins kalte Berlin. Ich freue mich auf die Zeit mehr, die ich nun habe.

Berlin – Hamburg, Hamburg – Berlin

Heute Mittag (gestern Mittag wohl eher) war ich noch ein wenig mit der kleinen Hexe unterwegs in der Stadt. Dort hat uns ihr Taxifahrer dann aufgesammelt, zum Krankenhaus gefahren, ihr Zeug eingeladen und ich bin spontan mitgefahren, da ihr Taxifahrer danach auch wieder direkt zurück nach Berlin musste. So bin ich also auch in Hamburg gewesen, auf dem Rückweg haben wir eine kleine Tour über die große Brücke am Hafen und durch die Stadt gemacht, Hamburg bei Nacht angeschaut.

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Tja. So sieht man dann eben mal spontan einiges von der Welt. Nun bin ich wieder im Hostel, nachdem ich noch ein wenig durch die nächtlichen Straßen Berlins gestreift bin. Und in 21 Stunden geht es schon wieder zurück nach Hause, in meine Hauptstadt. Ich weiß noch nicht ob ich mich freue oder traurig bin. Aber vermutlich einige ich mich mit meinem Kopf und meinen Gefühlen einfach darauf, dass ich mich freue und die schöne Zeit hier in guter Erinnerung behalte. Und darauf, dass ich sowas öfter mache, einfach raus. Nicht jeden Monat, aber ab und an mal weg tut mir so unglaublich gut.
Nun sitze ich noch ein wenig in der Lobby, trinke eine heiße Schokolade und schleiche gleich leise in mein Zimmer, hoffentlich ohne den schlecht gelaunten Russen zu wecken. Ich werde mir zumindest Mühe geben.
Bevor ich morgen um 10 Uhr auschecke will ich noch kurz zu Kaisers, ein wenig Proviant für die Fahrt kaufen. Dann muss ich das nicht durch die ganze Stadt schleppen, da ich mein Gepäck ja hier lasse. Von hier aus kann ich abends dann direkt zum ZOB fahren.
Ein paar Dinge muss ich mir für Zuhause definitiv vornehmen. Zum Beispiel mehr heiße Schokolade trinken. Und öfter mal raus und spazieren, einfach laufen um den Kopf frei zu kriegen.
Und nun falle ich ins Bett, damit ich vielleicht wenigstens noch 6 Stunden Schlaf abbekomme.
Gute Nacht Berlin.

Welcome to Berlin

Texaner kommt gegen 23.30 Uhr etwas angetrunken ins Zimmer und scheitert gnadenlos bei dem Versuch leise zu sein. Russischer Mann mittleren Alters, der weder Hallo sagte als er kam noch sonst was, fängt an zu schimpfen und behält das auch die folgenden 20 Minuten bei, bis er dem Texaner lautstark erklärt, dass er früh aufstehen und fit sein muss für die Arbeit. Texaner versteht kein deutsch, Russe spricht kein englisch. Texaner dreht sich einfach um und kuschelt sich ins Bett, Russe flucht weiter.
Als gegen 1 dann zwei kichernde Japanerinnen auftauchen wird der Russe zum Glück nicht mehr wach, oder vielleicht sagt er auch einfach nichts, aber dafür beschließt der Texaner noch ein Bier trinken zu gehen, hält kurz bei mir an und fragt flüsternd, ob ich auch noch eins will, und schlurft schließlich alleine raus. Als er wieder kommt schlafe ich schon, wache nur gegen 6 Uhr auf als Russe sich fertig macht zur Arbeit. Den Rest meiner ausstehenden Zimmerkollegen verschlafe ich, nur die zwei Japanerinnen schlafen noch tief und fest als ich letztendlich kurz nach 8 aus dem Bett krabbel.
Ich bin gespannt, ob der Russe heute Abend wieder ähnlich schlecht gelaunt ist. Als arbeitender Mensch würde ich nicht in ein Hostel gehen, dass hauptsächlich von Touristen frequentiert wird. Oder mir dann wenn schon ein Zimmer mit weniger Betten nehmen oder explizit ein Hostel extra für Arbeiter, die gibt es hier auch. Genau wie es hier im Hostel auch Zimmer gibt, die nur mit Menschen belegt sind, die morgens früh raus müssen, weil sie hier für eine kurze Zeit, manchmal auch längere Zeit, arbeiten.
Trotz meinem vorhandenen Schlafmangel, schließlich sind ca. 7 Stunden für mich auch echt wenig, bin ich doch relativ fit. Ich habe in Ruhe gefrühstückt und mir ne Menge schwarzen Tee gegönnt, an meinem letzten Tee schlürfe ich gerade noch, dann werde ich mich unter die Dusche werfen und mich danach fertig machen und wieder Richtung Charité ziehen. Die kleine Hexe wird heute nachmittag nach Hause fahren. Ich werde dann noch ein wenig durch Berlin streifen, ich will noch an ein paar Orte, will einfach laufen (aber definitiv nicht mehr so viel wie gestern!!!), mich von der Stadt treiben lassen.
Morgen werde ich ähnlich früh aufstehen, frühstücken, gegen zehn auschecken, mein Gepäck hier lassen und noch ein wenig Berlin genießen, bevor ich um 23 Uhr wieder im Bus nach Hause sitze. Vielleicht föhne ich mir für die Rückfahrt direkt ein paar Seroquel ein, dann kriege ich wenigstens eine Portion Schlaf.
Ich habe das Gefühl, dass ich durchaus noch ein paar Tage mehr hier verbringen könnte. Aber trotzdem werde ich mich auch freuen wieder Zuhause zu sein, mit dem Zitronenkater zu kuscheln und meine Meeris um mich zu haben. In meinem Bett zu schlafen. Meine gewohnte Umgebung zu haben.
Diese Auszeit war absolut nötig und absolut richtig. Ich finde es unglaublich erholsam einfach raus zu kommen, einfach mal weg zu sein. Ich sitze gerne in der Hostellobby und höre den verschiedenen Sprachen zu, fahre gerne mit der U oder S, laufe gerne durch die Straßen.
Und nun entspanne ich mich noch ein wenig, bevor ich mich wieder in die Großstadt werfe.

In den Straßen von Berlin

Ich bin erledigt. Völlig. Aber positiv erledigt.
Mit jeder Minute mehr hier spüre ich, dass es die richtige Entscheidung war hier her zu fahren.
Ich mag die Selbstverständlichkeit, mit der meine Füße mich vom ZOB zur U-Bahn und von der Haltestelle zum Hostel getragen haben.
Die Selbstverständlichkeit, mit der ich den Weg an den Botschaften und frierenden Polizisten gegangen bin in Richtung Unter den Linden und zum Brandenburger Tor. Und den bekannten Geruch und das Geräusch der U-Bahnen, der Menschen um einen rum.
Nun sitze ich frisch geduscht in bequemen Klamotten in der Lobby rum und schaue Walking Dead und schreibe hier. Gleich werde ich ein letztes Mal für heute vor die Türe gehen und eine rauchen und dann ins Zimmer tapsen und in mein Bett fallen. Bevor ich schlafen kann, muss ich eben dieses allerdings ein wenig frei räumen, da ziemlich viel darauf verstreut liegt.
Bisher habe ich 2 meiner Mitbewohner kennen gelernt. Ein Texaner, der spontan nach Griechenland flog und dort Lust auf Currywurst bekam. Nun wird er ein Semester in Berlin verbringen, bevor er in Texas weiter studiert.
Der andere ist ein Mann im mittleren Alter, der beruflich in Berlin ist. Von ihm bekam ich etwas zu hören, was ich bisher noch nicht gehört habe. „Was hast du da an den Armen? Das sieht ja interessant aus.“ Als interessant würde ich das Muster auf meinen Armen nun nicht bezeichnen.
Bevor ich dann unter meine Decken krabbel werde ich mir ein Wärmepflaster auf den Rücken packen, denn der ist von 11 Stunden Bus, den ganzen Tag rumrennen und die kleine Hexe im Rollstuhl schieben ordentlich erledigt und hat mich die letzten Meter zum Hostel fast umgebracht.
Ich war unglaublich viel unterwegs heute. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich eine quasi schlaflose Nacht hinter mir habe und seit nun fast 40 Stunden auf den Beinen bin.

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Ich mag die Selbstverständlichkeit, mit der meine Füße mich einfach weiter getragen haben, trotz der Schmerzen.
Ich mag es um halb zehn abends in den Supermarkt zu gehen, weil ich noch eine Cola will.
Ich mag es mich mit den Menschen treiben zu lassen.
Und es fühlt sich gut an jetzt zu unglaublich erledigt hier zu sitzen. Unglaublich erledigt, aber unglaublich frei und glücklich.

Hat dein Herz auch Narben
Deine Tür bleibt immer auf
Ob du weißt, wie gut du tust
Bei dir regnet’s auch im Sommer
Und dein Schnee wird so schnell grau
Und du schreist, wenn du fluchst

Spontane 740 Kilometer

19.01.2015 – 11.05 Uhr

Ich kann nicht veröffentlichen, was ich heute und morgen früh schreiben werde. Zumindest jetzt noch nicht. Denn ich fahre nach Berlin, in 8 Stunden werde ich mich auf den Weg machen. Und in Berlin will ich die kleine Hexe überraschen, die dort nach einer OP im Krankenhaus rumhängt. Da sie jeden meiner Einträge liest kann ich es eben erst veröffentlichen, wenn ich bei ihr bin.
Nach Berlin zu fahren war erst ein wirrer Gedanke in meinem Kopf. Als es dann anfing psychisch schlimmer zu werden, wurde der Gedanke, dass ich raus muss, immer stärker. Und so habe ich nun einfach kurz entschlossen Hin- und Rückfahrt gebucht, habe im Hostel für zwei Nächte reserviert und werde morgen früh gegen 7 Uhr in Berlin ankommen.
Es fühlt sich gut an, einfach völlig spontan mal weg zu fahren. Nicht großartig planen, einfach dem Impuls raus zu müssen zu folgen.
Die kranke Keksdame allein zu lassen fällt mir schon schwer, aber ich habe meiner Nachbarin erklärt, wie sie ihr die Schmerzmittel geben muss, habe ihr zwanzig Mal versichert, dass Keks nun nicht in den nächsten 3 Tagen sterben wird, habe ihr gesagt wann ich fahre und wann ich wieder komme, meinen Haustürschlüssel hat sie sowieso seit einiger Zeit.
Und so sitze ich hier und freue mich und kann noch gar nicht richtig glauben, dass ich morgen in Berlin sein werde. Ich habe sie vermisst, die große Stadt. Auch wenn ich dort nicht auf Dauer leben mag, so ist es doch schön durch die Straßen zu streifen, mit der Bahn zu fahren, zu wissen, dass so viele Menschen dort von A nach B unterwegs sind und ein paar davon die gleichen Gedanken im Kopf haben wie man selbst. In München habe ich das schon immer so gern getan. Einfach durch die Stadt laufen, mich treiben lassen. Das hat mir immer unglaublich gut getan und ich glaube auch die Tage in Berlin werden mir gut tun.
Nun bleibe ich noch ein wenig auf dem Sofa hängen, mit Katerkind und Dschungelcamp am PC, schreibe eine Liste mit Dingen, die ich mitnehmen will und nicht vergessen sollte. Medis zum Beispiel, ohne die wäre es ziemlich doof.

19.01.2015 – 15.42 Uhr

In zwei Stunden bin ich schon aus der Türe raus und warte auf den Bus. Ich habe extra so geplant, dass ich auch bei Verspätung von Bus und Bahn noch rechtzeitig ankomme. Ich werde noch am Bahnhof etwas kleines zum Knabbern für die Fahrt kaufen und mich dann zum Fernreisebusbahnhof aufmachen. Über Mainz, Frankfurt und Leipzig werde ich dann nach Berlin fahren. Ich bin so hibbelig, mag am Liebsten jetzt direkt schon los. Aber ich habe extra so geplant, dass ich über Nacht fahre. Hoffentlich kann ich ein wenig schlafen, mit Seroquel sollte es eigentlich möglich sein. Ich bin gespannt, wie viele Leute mit mir unterwegs sein werden. Und ob der Busfahrer auch halbwegs anständig fahren kann. Und wie immer finde ich es schade, dass ich beim fahren nicht lesen kann, weil mir sonst furchtbar schlecht wird. (und vorsorglich stopfe ich mir grade mcp in die Tasche…) Also muss ich mir die Zeit mit Hörbuch, Musik, Filmen/Serien oder aus dem Fenster schauen vertreiben. Aber auch das kriege ich hin. Dafür kann ich einfach sitzen bleiben, muss nicht umsteigen und kein Gepäck von Gleis 1 zu Gleis 18 schleppen. Die Strecke vom ZOB zum Hostel kenne ich, vom Hostel zur Charite sind es zu Fuß ca. 20 Minuten. Ich werde morgen früh vermutlich erst mal mein Gepäck im Hostel abladen, einchecken kann ich erst gegen Nachmittag. Aber mein Gepäck bin ich dann los und kann Richtung Charite tapsen und die kleine Hexe überraschen. Ich freue mich unglaublich auf ihr Gesicht!
Gleich mache ich mich daran, den Rest meiner Liste abzuarbeiten, damit ich nachher keine Zeitprobleme kriege, werde Müll, gelben Sack und Meeristreu raus bringen (weil sonst der Zitronenkater das alles bestimmt verteilt), mich langsam anziehen (extra 2 Hosen, denn da oben ist es noch eine Idee kälter als hier…), Katerkind knuddeln und von den Meeris verabschieden, nochmal überlegen, ob ich alles habe und dann losziehen. Voooorfreudeeee!

19.01.2015 – 18.11 Uhr

Ich bin unterwegs. Der Bus hatte Verspätung, die Bahn hatte Verspätung. Aber da ich den ÖPNV hier kenne, bin ich extra eine Stunde früher los. Und so sitze ich nun voller Aufregung im Zug in die Hauptstadt. Vermutlich wird die Aufregung sich erst legen, wenn ich morgen vor der kleinen Hexe stehe. Zuletzt gesehen haben wir uns 2009 gesehen. Das scheint Ewigkeiten her…

19.01.2015 – 23.50 Uhr

Hallo Frankfurt. Die Fahrt war bis hier her eigentlich wirklich angenehm. Ich habe einen Film geschaut, mittlerweile höre ich in die Kuscheldecke gewickelt Hörbuch. Ich fahre mit einem Doppeldecker und habe einen Platz oben in der ersten Reihe ergattert und so eine wunderbare Aussicht. Wenn wir hier wieder starten werde ich versuchen ein wenig zu schlafen, damit ich morgen halbwegs fit bin und nicht den ganzen Tag in den Seilen hänge. Es tut unglaublich gut unterwegs zu sein, zu wissen, dass ich in 7 Stunden in Berlin sein werde. Ich freue mich.

20.01.2015 – 1.51 Uhr

Ich öffne die Augen und alles ist weiß. Schnee, überall Schnee. Beim Blick auf die Autobahnschilder bin ich mir nicht ganz so sicher, ob wir in uns noch in Deutschland befinden (und ich habe nur noch G als Handyverbindung. Ich bin ja relativ 4G verwöhnt und freunde mich auch mit H an, E lässt mich fluchen, aber G?! Das hatte ich seit Jahren nicht mehr). Dann lese ich Eisenach und weiß nun also, dass wir im Osten Deutschlands rumfahren und in der Nähe von Erfurt sind. Das nächste Schild sagt 372 km bis Berlin. An der nächsten Raststätte vertrete ich mir die Beine, rauche und kaufe mir eine heiße Schokolade. Mit der sitze ich nun wieder im Bus und es geht weiter durch verschneite Landschaften. Ganz selten sieht man einen Autofahrer, es sind fast nur Lkws unterwegs. Der Mann auf der anderen Seite des Ganges lässt immer wieder einen lauten Schnarcher von sich hören.
Und ich lächle. Ich sitze hier, fahre durch Schnee und lächle und trinke heiße Schokolade und fühle mich das erste Mal seit langem wieder völlig okay. Es war die richtige Entscheidung.
Nächster Halt: Leipzig. In ca. 2 ½ Stunden.

20.01.2015 – 4.50 Uhr

Guten Morgen Leipzig. Ich überlege, ob ich die Augen einfach auflassen soll. Effektiv geschlafen habe ich vielleicht eine Stunde. Den Rest der Zeit gedöst oder Hörbuch/Musik gehört. 2 Stunden noch. Vielleicht bleibe ich wirklich wach und schaue dabei zu, wie Berlin immer näher rückt.
Vermutlich werde ich dann erst mal ins Backwerk fallen und etwas essen. Nachdem das Rumhibbeln und die Aufregung nun ein wenig besser geworden ist, kann ich vielleicht auch was essen.
Kurz vor Leipzig hat es begonnen zu schneien. Der Wetterbericht sagt, dass es auch in Berlin schneit. Ich bin gespannt.
Vor allem freue ich mich einfach unglaublich darauf wieder in Berlin zu sein.

20.01.2015 – 11.22 Uhr

Ich glaube, dass ich nun endlich da bin wo ich hin wollte. Wenn nicht, dann werfe ich mich hier auf den Boden und schreie.
Ich habe mein Gepäck im Hostel abgeladen und habe in der Charité angerufen. Die haben ja mehrere Gebäude in Berlin verteilt. „Ja, genau, die liegt bei uns im Haupthaus.“ Ich also auf Richtung Mitte. Dort angekommen erklärt mir eine unfreundliche Dame, dass es weder die Patientin noch die Station in ganz Berlin gibt. Ich bitte sie nochmals zu schauen, buchstabiere den Namen und schreibe ihn schließlich auf. Sie sagt mir, dass ich in das Haus in Steglitz muss. Also mache ich mich auf den Weg nach Steglitz. Irgendwann vibriert die fitbit, meine 10000 Schritte habe ich voll. In Steglitz tapse ich an die Info und habe einen netten Pförtner vor mir, der verständnislos den Kopf schüttelt und was von Kollegen murmelt, die keine Lust auf ihren Job haben. Er schreibt mir die Adresse in Wedding auf, zu der ich muss, und ruft sicherheitshalber nochmal dort an. Dann erklärt er mir noch freundlich, wie ich am schnellsten dort hin komme.
Nun sitze ich erst mal hier und schreibe. Die kleine Hexe hat Physio und ich hoffe sie ahnt noch nicht, dass ich wirklich in Berlin bin. Zwischendurch war mir echt nach Heulen und Schreien zumute. Ich bin übermüdet, will endlich meine kleine Hexe drücken, brauche Koffein und Wärme.
Aber trotz allem ist es unglaublich schön hier zu sein, auch wenn ich völlig gestresst bin grade und mich nun erst mal zehn Minuten setze und durchatme und Achtsamkeitsübungen mache. Und wenn ich mich hier mitten in die Eingangshalle stellen muss und Qi Gong mache, mir egal. Herr Achtsamkeitstherapeut fände es bestimmt toll.

Und alles Schlechte lässt man zieh’n

Sobald ich mich irgendwo hinsetze krabbelt der Zitronenkater auf meinen Schoß. Ich schaue ihn an und muss daran denken, dass dieser schnurrende Haufen Fell mal so klein war, dass ich ihn beim spielen mit einer Hand hochheben konnte. Jetzt ist der Herr schon 8 Monate alt, passt nicht mehr in jede kleine Ecke und verursacht blaue Flecken, wenn er von der Fensterbank auf mich springt, während ich im Bett liege. Ich hab mich damals sofort in seine großen Kulleraugen verliebt. Seine Ängstlichkeit ist mittlerweile fast ganz verflogen. Während er früher unter das Bett sprintete, wenn im Flur etwas zu hören war, läuft er mittlerweile zur Tür und freut sich, wenn jemand hier klingelt und er etwas zum beschnuppern hat. Den Hund meiner Nachbarin faucht er mutig an und stellt sich ihm in den Weg, früher hat er sich möglichst weit vor ihm versteckt. Die Meeris findet er immer noch toll, er schläft gerne bei ihnen, klaut ihnen immer noch gerne den Salat und die Gurken und stubst sie manchmal mit der Pfote an und freut sich, wenn sie protestierend quietschen. Er kämpft immer noch liebend gerne mit meinem Drachenbaum und trägt die Blätter wie eine Kriegsbeute durch die Gegend, springt immer noch frech in den Kühlschrank und würde beim kochen am liebsten in den Topf oder die Pfanne springen, er räumt immer noch gerne den gelben Sack aus und verteilt den Inhalt in der ganzen Wohnung. Er ist ein freches, verfressenes und neugieriges Katzenkind. Ich liebe ihn unglaublich. So unerwartet wie er Teil meines Lebens wurde, so wunderbar ist es nun ihn in ebendiesem zu haben. Er bringt mich zum lachen, zum lächeln, zum wütend werden und zur Verzweiflung, wenn er den ganzen Tag in seiner Katzensprache vor sich hin plaudert. Er macht mein Leben bunter, chaotischer und wärmer. Und jedes Mal, wenn er auf meinem Schoß, meinem Bauch oder meinen Beinen einschläft, voller Vertrauen, dass ihm bei mir nichts passiert, weiß ich, dass es die absolut richtige Entscheidung war ihn bei mir aufzunehmen.

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Ich habe mal wieder eine unruhige Nacht hinter mir. Mein Bett sieht aus, als ob darin ein Kampf stattgefunden hätte. Das Bettlaken ist halb von der Matratze unten, die Kissen sind verstreut, genauso wie die Kuscheltiere, die Schlafbanane hat beschlossen außerhalb des Bettes zu wohnen und ich wache müde, mit Rückenschmerzen und völlig verstrubbelt auf. Mein Schlafphasenwecker erzählt mir, dass ich fast gar nicht im Tiefschlaf war, fitbit sieht es nicht anders und Katerkind sitzt auch mit vorwurfsvollem Blick neben meinem Kopfkissen. Ich weiß nicht was das ist, das mich derzeit zu solch unruhigen Nächten bringt. Ich weiß auch nicht, ob ich es wissen will. Seit ich die Quetiapin nehme, vorallem seit die Dosis erhöht wurde, habe ich eigentlich meistens tief geschlafen und bin kaum aufgewacht. Davor war ich nachts mindestens einmal wach. Problematisch war meist eher das einschlafen, aber wenn ich mal geschlafen habe dann schlief ich auch. Nun könnte ich vermutlich genauso gut einfach wach bleiben und wäre dann genauso erholt. Nämlich gar nicht. Dafür bin ich dann gegen 18 Uhr so müde, dass ich die Augen kaum noch aufhalten kann. Morgen muss ich in die Hauptstadt, ich brauche eine Überweisung vom Psychiater. Vielleicht versuche ich heute Abend länger durchzuhalten, morgen muss ich dann früh aufstehen und wenn ich dann wach bleibe bis mindestens 22 Uhr, vielleicht schlafe ich dann mal tiefer und ruhiger.
Wenn ich träume, dann verfolgt mich in den letzten Nächten immer der selbe Traum. Ich fahre an meinem Geburtstag zu Mama und da steht mein Vater im Wohnzimmer. Immer und immer wieder träume ich das und überlege mittlerweile, ob ich wirklich zu Mama fahre oder ihr nicht einfach erkläre, dass sie hier her kommen soll. Er hat weder meine neue Adresse, noch meine neue Telefonnummer, auf dem Handy ist er blockiert. Wenn meine Mutter nicht so wäre wie sie ist, dann würde ich mir keine Sorgen machen. „Ach C., ich will ihr doch nur was kleines schicken.“ Ich kenne meinen Vater und ich kenne meine Mutter. Bisher hat die Drohung, dass ich dann nicht mehr mit ihr rede, sie davon abgehalten etwas Preis zu geben. Ich glaube ich würde vor Wut alles erreichbare durch die Gegend pfeffern, wenn sie ihm wirklich meine Adresse geben sollte. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto größer wird meine Angst, und das will ich nicht.
Stattdessen verkrümel ich mich noch ein wenig auf mein Sofa, räume dann ein wenig auf und kehre (die Meerchen könnten ihren Dreck echt mal selbst weg machen), spüle mein Geschirr und beschenke mich gegen Abend dann mit einer Wii, die ich super günstig bei den eBay Kleinanzeigen entdeckt habe. Juhu.

Es sind die guten Zeiten
Die uns am Ende noch erhalten bleiben
Und zusammen schweißen für ein Leben lang
Es sind die guten Tage
Und nur die Besten der Momente bleiben dir und mir am Ende

2015. Ein Rückblick.

In „meinem“ Forum gibt es seit Jahren die Tradition des Jahresrückblicks. Ich habe diese Tradition liebgewonnen, habe eigentlich jedes Jahr einen Jahresrückblick geschrieben, manchmal im Forum, manchmal im Blog, manchmal nur für mich.
Lange habe ich überlegt, ob ich einen für dieses Jahr schreiben möchte. Vor Silvester war es mir zu heikel, weil es ja doch ein wenig von melancholisch werden hat. Doch nun habe ich Lust darauf, mag zurückblicken und schreiben.

Was hast du in diesem Jahr gelernt? Woran bist du gewachsen?
Das Wichtigste, was ich gelernt habe, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Es geht immer weiter.
Ich habe viel über mich selbst gelernt. Viele Grundlagen, um mit mir und der Selbstverletzung und den Suizidgedanken umzugehen. Ich habe gelernt, dass es Menschen gibt, denen ich vertrauen kann und die mich so akzeptieren, wie ich bin. Ich habe gelernt offener durchs Leben zu gehen, mich auf fremde Situationen eher einzulassen. Ein wenig auch mehr auf mich stolz zu sein und auf mich zu achten. Und auch mir Gutes zu tun.

Womit hast du angefangen?
Damit mir Hilfe zu suchen, die Weichen zu stellen für eine DBT. Damit, alleine zu leben und mein Leben alleine zu gestalten. Ich habe angefangen, aktiv etwas gegen die Dämonen der Vergangenheit zu tun und mich nicht mehr nur davor zu verstecken. Damit, mir Gutes zu tun, egal wie schwer es fällt.

Worauf bist du stolz?
Ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe mir Hilfe zu suchen und diesen Weg auch gehe, so schwer es manchmal ist. Ich bin stolz auf die Entwicklung, die ich im letzten Jahr gemacht habe. Ich bin stolz auf jeden Moment ohne Selbstverletzung, auf jeden Moment, der nicht von der Vergangenheit bestimmt wurde. Stolz auf jede Minute, die ich völlig unter Hochspannung ausgehalten habe. Stolz darauf, dass ich jeden Tag aufs neue atme und lebe.

Womit aufgehört/abgeschlossen?
Mit vielen Freundschaften habe ich abgeschlossen, weil ich eingesehen habe, dass es manchmal an der Zeit ist alleine weiter zu gehen. Ich habe aufgehört mich selbst zu vernachlässigen bei dem Versuch möglichst normal zu sein und zu funktionieren. Abgeschlossen mit der Beziehung und dem dazugehörigen Liebeskummer, der sich noch durch das Jahr zog. Und endgültig damit aufgehört, meine Vergangenheit nicht akzeptieren zu wollen, denn es ändert nichts daran, dass es geschehen ist.

Schönster Moment des Jahres?
Einen schönsten Moment gab es nicht, eher mehrere kleine, für mich aber unglaublich schöne Momente.
Der Einzug in meine vier Wände. Als das kleine Fellbündel bei mir einzog. Neue Menschen kennen lernen und in meinem Leben haben. „Alte“ Menschen wieder in meinem Leben haben. Und noch so viele mehr…

Schlimmster Moment? (Und evtl. Erkenntnisse daraus?)
Der 2. Februar, als ich voller Schläuche und Kabel auf der Intensivstation vollends zu mir kam. Der Moment, in dem die Erinnerungen an die Stunden davor wieder kamen, an das, was ich getan habe. Meine Schwester danach zu sehen, ihre Augen voller Angst und Sorge. Chrissie danach zu sehen, zu hören welche Angst sie in dieser Nacht um mich hatte. Schwester Nathalie und Schwester Sabine danach zu sehen, die in dieser Nacht Dienst hatten und mich zu erklären.
Die Erkenntnis daraus ist, dass ich an diesen Punkt nicht mehr kommen möchte. Dass ich nie wieder so sehr die Kontrolle über mich verlieren will, nie wieder in eine Situation kommen mag, in der ich völlig der Kontrolle anderer unterworfen bin. Und auch die Erkenntnis, dass ich wahnsinnig verständnisvolle Menschen um mich habe. Meine Schwester, die mir verzeiht, Chrissie, die einfach nur froh ist, und Nathalie und Sabine, die mir zwar mehrmals eindringlich erzählen, was hätte schief gehen können, mir aber keine Vorwürfe machen.

Wem sagst du danke – und wofür?
Chrissie. Wie eigentlich in jedem Jahr. Du bist und bleibst die beste beste Freundin, die man sich vorstellen kann. Danke für all diese Momente mit dir. Danke für diese eine Nacht. Danke für ein weiteres Jahr mit dir an meiner Seite.
Kat. Danke, dass wir immer noch Kontakt haben und normal miteinander umgehen können, danke für viele lustige Momente, danke, dass du immer noch ein Teil meines Lebens bist.
Meiner Schwester. Dafür, dass sie einfach da ist, dass sie mich nach dieser Nacht im Februar so oft besuchen kam. Für ihr Verständnis, dass ich unserer Mutter nicht alles erzählen möchte. Für ihr stillschweigendes Mitwissen über neue Narben und Klinikaufenthalte. Für die unerschütterliche Liebe zwischen uns.
J. dafür, dass du ein weiteres Jahr da warst, mir liebe Worte und manchmal auch Arschtritte geschickt hast, für Tee und Filmabende und Besuche und einfach dafür, dass du du bist.
Lili. Für unzählige Stunden am Telefon, fürs Dasein in schönen und schlechten Momenten, dafür, dass unsere Freundschaft auch nach langer Zeit der Stille immer noch so wunderbar und tief ist.
M. fürs shishen und essen gehen und trinken und Borderline-Witze machen und für die ganzen schönen Treffen im letzten Jahr.
J. & K. für die letzten Wochen und die Momente, dafür, dass ihr da seid und es sich anfühlt, als ob wir uns schon Jahre kennen würden.
Dem ganzen Team der Station , dafür, dass sie immer an mich glauben, auch wenn ich es manchmal nicht tue. Für Telefonate mitten in der Nacht, fürs mich in Hochspannung aushalten und mit mir gemeinsam durchhalten, für viele lustige Momente und viele Tiefs, dafür, dass sie Tag für Tag (und manchmal auch Nacht für Nacht) so viel mehr machen als nur einen Job, sondern mit so viel Verständnis, Geduld und Spaß da sind, auch wenn es manchmal richtig turbulent und anstrengend ist auf Station. (Das dürfen Sie auch gerne weitergeben Nathalie. 😉 )
Und sonst allen Menschen, die mich im letzten Jahr unterstützt und begleitet haben, hier im Blog liebe Worte hinterlassen haben oder mir aufmunternde Nachrichten schickten. Danke.

Was bringt 2016/ Was wünschst du dir für 2016?
Weitergehen. Ein Stück mehr in meinem Leben ankommen. Ein Stück gesunder werden. Kämpfen, atmen, weitermachen, weniger selbst verletzen. Tag für Tag, Schritt für Schritt.

Unvergessenswertes?
Der Sommer im Garten, mit Meeris und Katerkind.
Die erste Nacht in meiner Wohnung.
Einige Teedates.
Die Telefonate mit Lili.
Der Besuch vom kleinen Bruder.
Die Frankfurter Buchmesse mit P.
Das erste Mal den Zitronenkater sehen und mich sofort verlieben.
Nevas Besuche.
Und noch so viele Momente mehr…

 

Insgesamt gesehen war 2015 ein sehr turbulentes Jahr, ein Jahr mit vielen Tiefpunkten, aber auch wunderbaren Momenten, die mir gezeigt haben wie lebenswert das alles ist. Ich war ganz unten und bin da wieder raus gekommen, habe vieles erreicht und bin nun an einem Punkt, der vor genau einem Jahr noch unvorstellbar gewesen wäre.
Es geht weiter. Auch wenn ich manchmal zweifle und falle und aufgeben mag. Es geht weiter. Es geht immer weiter. Schritt für Schritt und Tag für Tag.

 

Das ist bloß ’ne Geschichte, eine von 10 Millionen

Mein Bett. Meine Decken, meine Kopfkissen, meine Schlafbanane, mein Katerkind. Ich liege im Bett, denn ich bin immer noch furchtbar müde. Schlafen vorhin hat nicht funktioniert, vielleicht funktioniert es ja jetzt. Auf dem Sofa sind mir jedenfalls in den letzten Minuten ständig die Augen zugefallen.
Es tut gut wieder hier zu sein. Ich habe ein wenig Ordnung und mein Sofa sauber gemacht, habe mir die eingefrorene Portion meiner Käse-Lauch-Suppe aufgetaut und warm gemacht und gefuttert, habe ein wenig fern gesehen und ein wenig am PC gehongen. Alles in allem nicht so außerordentlich produktiv, aber ich finde es okay. Und es ist gerade auch okay, dass ich es okay finde.
Der Psychopeut sagte heute im Gespräch auch, dass es doch verständlich sei. Wenn man so viele Jahre so viel schlimmes erlebt hat, dann hält man es oft kaum aus wenn es scheiße ist. Aber eben auch nicht, wenn es gut ist. Vielleicht hat das ein bisschen dieses „ich bin doch total bekloppt“ gemildert. Denn im Prinzip ist es einfach paradox, ich kämpfe dafür, dass es mir gut geht und wenn es dann so ist, dann ist es auch scheiße.
Heute habe ich übrigens zwei Zeitschriften durchgeblättert und dort die jährlich auftauchenden Jahreshoroskope gelesen. Prinzipiell lese ich Horoskope gerne, gebe dem Ganzen aber nicht wirklich Bedeutung. Heute musste ich dann aber doch schmunzeln. In beiden Zeitschriften stand, dass mein Thema dieses Jahr „Abgrenzung“ sein wird. Vielleicht ist ja doch was dran.
M. meinte als ich ging dann, dass ich mich doch mal melden soll oder zu Besuch in der Klinik vorbei kommen. Und ich antworte nur, dass ich A. am Donnerstag nach der Achtsamkeit besuchen werde und frage mich, ob sie vergessen hat, was in den letzten Tagen geschehen ist, ob sie es so sehr anders sieht oder ob sie so einfach versucht wieder einen Zugang zu mir und unserer Freundschaft zu finden. Und dann denke ich mir, dass es mir im Moment einfach egal ist. Und ich bin zufrieden mit dieser Einstellung, denn alles andere tut mir derzeit nicht gut.

Hier geht’s um dich allein, hier geht’s darum zum ersten Mal so richtig stark zu sein, hier geht’s um dich allein, nicht um die andern, nicht um die andern mein Freund.

There were times in my life I was down on my knees, now it’s over

Ich bin wieder daheim. Juhu! Auch wenn es hier aussieht wie Kraut und Rüben (Arschkeks von Zitronenkater!).
Aber Zuhause. Katerkind und Meeris, mein Bett, mein Sitzsack, mein Sofa und WLAN.
Gleich werfe ich mich erst mal ins Bett. Ich habe seit gestern unterschwellig Kopfschmerzen (kein Wunder bei der Heulerei) und bin seit dem Mittagessen auch furchtbar müde. Da hatte ich auf Station allerdings schon kein Bett mehr…
Übrigens: niemals Nathalie von Neujahrsvorsätzen erzählen. Sie streckte mir direkt die Hand hin, als ich gestern erzählte, dass ich weniger Energydrinks trinken will. „Und das Zeug lassen Sie auch weg!“ Tja, nun habe ich ihr also die Hand drauf gegeben.
Der Herr Psychopeut hat heute noch mit mir gesprochen und ich habe ihm auch von der Angst erzählt, die ich habe vor dem „danach“. Vor dem, was nach der DBT kommt. Er hat mir nochmals versichert, dass ich auch danach jederzeit kommen kann und die Türen für mich offen stehen, ich habe gesagt, dass ich eventuell eine Traumatherapie anhängen möchte und er meinte, dass man im Team und im Gespräch ja auch kucken kann, ob ich nach der DBT weiterhin Intervalltherapie machen kann bis eventuell zu einer Traumatherapie, dann mit größeren Abständen als derzeit, wenn es passt.
Ich werde diesmal versuchen 6 Wochen daheim anzustreben. Wenn es nicht klappt, dann ist es auch okay, ich werde mich da selbst nicht total unter Druck setzen, weil ich dann letztendlich zwar 6 Wochen schaffe, aber das ganze vermutlich mit zerschnittenen Armen und völlig am Ende. Und das ist ja nicht der Sinn der Sache.
Und nun kuschel ich mich erst mal in mein Bett, bevor ich dann das Zitronenkaterchaos beseitige. Einkaufen und Meeris mache ich morgen, dafür habe ich heute gar keinen Nerv und das Wetter ist mir auch viel zu schlecht um nochmal vor die Türe zu gehen. Es läuft ja nicht weg. Heute ist ankommen angesagt, Gutes tun und das aushalten. „Chakka, Sie schaffen das!“ sagt Nathalie zum Abschied.

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