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Vorhin lief ich am Hafen entlang. An den Landungsbrücken, am Fischmarkt, am Strandkai. Begleitet vom Geschrei von Möwen und dem Plätschern des Wassers gegen die Kaimauern und Schiffe. Und ich müsste lächeln, konnte nicht mehr aufhören und hätte am liebsten getanzt vor Glück und Freude. Es war einer dieser Momente, der sich völlig okay angefühlt hat. Nach der richtigen Zeit und dem richtigen Ort, nach Freiheit und einem Stück heil sein. Dieser Moment und der Moment in Berlin, mitten im Schnee auf freiem Feld, ich glaube für diese Momente will ich leben. Für diese kleinen großen Momente und für die ganzen anderen. Für dieses Gefühl von Freiheit und Glück und okay sein. Ja, ich glaube genau diese Momente brauche ich und ich könnte mich darauf einlassen für genau diese Momente weiter zu leben.
Nun liege ich frisch geduscht im Bett, müde und erledigt und glücklich. Ich habe meine kleine Hexe besucht, es war schön sie zu sehen und zu drücken und zu reden. Auch für solche Momente lohnt es sich.
Morgen geht es leider zurück. Aber ich freue mich auch auf zuhause, auf Katerkind und Meeris und mein Bett und Freunde und Heimat.

Denn dein Glück geht tanzen

Moin moin aus Hamburg!
Ich bin nur schwer aus dem Bett gekommen heute. Mein Kopf hatte gefühlt die Größe eines mittelgroßen Kreuzfahrtschiffes, meine Füße tun seit gestern einfach nur weh, mein kaputtes Knie wird sich wohl noch heute von mir verabschieden und seinen Dienst quittieren. Aber: es geht mir gut.
Ich bin durch Hamburg spaziert, durch die Altstadt und die Speicherstadt und am Hafen entlang. Irgendwann war ich so nass, dass ich beschlossen habe mich umziehen zu gehen, habe unterwegs noch eine Tour durch den Supermarkt gemacht und was zu essen gekauft, im Hostel trockene Klamotten angezogen, gegessen und meinen täglichen „Ich lebe noch und wurde nicht entführt“ – Bericht bei Mama erledigt. Nun sitze ich in der S-Bahn und fahre zur kleinen Hexe, werde mit ihr einige Stunden verbringen und dann wieder nach Hamburg. Ich will den Hafen bei Dunkelheit kucken gehen, ein wenig weiter durch die Stadt spazieren und irgendwann ins Bett fallen.
Morgen will Neva noch kurz vorbei schauen, bevor ich mittags zurück fahre nach Hannover, dort noch einen Kaffee mit der kleinen Fee trinke und dann mit D. in Richtung Heimat starten.
Wer übrigens behauptet, dass es in Hamburg nur regnet… Stimmt nicht. Manchmal schneit es auch. Gestern zum Beispiel.
Ich will irgendwann wieder nach Hannover und Hamburg dieses Jahr. Wenn es warm ist. Und dann am See sitzen und hier am Hafen, die Sonne genießen, das Leben genießen. Wieder H. besuchen und den Ösi. Einfach unterwegs sein.

Es ist so einfach und nicht schwer
Is nur so, dass es sich nie so anfühlt
Wenn du lebst und lebst und lebst und lebst
So oder so oder so
So oder so oder so
Aber was Gutes wird passier’n
und wenns gut ist, bleibts bei dir

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Mein „ich habe ein Jahr geschafft“ – Blumenstrauß von Chrissie. Zum Abschied nimmt sie mich in den Arm, hält mich fest und sagt „du hast so unglaublich viel geschafft in diesem Jahr. Von unten am Boden, ganz unten auf dem Fußboden, wieder hoch. Trotz so vieler scheiß Momente.“ Ich lächle und bin ein wenig stolz auf mich.
In ca. 100 Minuten habe ich vor genau 27 Jahren meinen ersten Atemzug auf dieser Welt gemacht. Und ich bin froh, dass es vor einem Jahr nicht mein letzter gewesen ist.

Und sogar an einem Abend, an dem er bloß eine Bohne zählte, war der Tag gelungen, hatte es sich zu leben gelohnt.

Der Achtsamkeitstherapeut packt immer mal wieder die Geschichte von den Bohnen aus. Es gibt sie mit einer Fürstin, einem Bauern, einem Grafen und vermutlich auch sonst noch allen möglichen Protagonisten. Im Prinzip ist sie aber immer gleich.

In Italien kursiert die Geschichte von einem Grafen, der sehr alt wurde, weil er ein Lebensgenießer par excellence war. Niemals verließ er das Haus, ohne sich zuvor eine Handvoll Bohnen einzustecken. Er tat dies nicht etwa, um die Bohnen zu kauen. Er nahm sie mit, um so die schönen Momente des Tage bewusster wahrnehmen und um sie besser zählen zu können.

Für jede positive Kleinigkeit, die er tagsüber erlebte – zum Beispiel eine nette Konversation auf der Straße, das Lächeln seiner Frau und Lachen seiner Kinder, ein köstliches Mahl, eine feine Zigarre, einen schattigen Platz in der Mittagshitze, ein Glas guten Weines – kurz: für alles, was die Sinne erfreute, ließ er eine Bohne von der rechten in die linke Jackentasche wandern. Manche Begebenheit war ihm gleich zwei oder drei Bohnen wert.

Abends saß er dann zu Hause und zählte die Bohnen aus der linken Tasche. Er zelebrierte diese Minuten. So führte er sich vor Augen, wie viel Schönes ihm an diesem Tag widerfahren war und freute sich des Lebens. Und sogar an einem Abend, an dem er bloß eine Bohne zählte, war der Tag gelungen, hatte es sich zu leben gelohnt.“

Ich finde die Geschichte immer wieder aufs neue schön. Besonders den Schluss.

Und sogar an einem Abend, an dem er bloß eine Bohne zählte, war der Tag gelungen, hatte es sich zu leben gelohnt.

Viel zu oft vergisst man all die schönen Dinge, die einem so passieren oder weiß sie nicht zu würdigen, weil die Momente so klein erscheinen.
Mir geht es auch oft so. Natürlich vor allem an schlechten Tagen. Dann sitze ich abends oft vor der diary card (ich hab schon länger keine mehr geschrieben, ich muss unbedingt wieder anfangen!) und überlege, was ich bei positiven Erlebnissen eigentlich schreiben soll. Und oftmals sind es dann aber genau die Kleinigkeiten, die den Tag schön gemacht haben. Ein liebes Wort, ein guter Tee, Sonnenschein, das Katerkind und die Quietschnasen, ein schönes Lied, ein Lächeln… All diese Momente, die oftmals einfach untergehen. Nun probiere ich es mal mit den Bohnen. Drei Stück sind schon in die linke Hosentasche gewandert. Eine für die Achtsamkeitsstunde, eine für liebe Menschen in der Klinik treffen (einen alten Bekannten, liebes PP und einen Freund) und eine für das glückliche Katerkind, dass sich auf meiner Fußmatte wälzt als ich heimkomme und danach auf meinem Schoß glücklich schnurrt. Mal sehen, wie viele heute Abend in der linken Hosentasche gelandet sind.
Jedenfalls war die Achtsamkeit gut, danach war ich kurz einkaufen, nun bin ich Zuhause und werde mich gleich daran machen das Bad zu putzen. Lust habe ich natürlich wenig (wobei es heute nicht ganz so schlimm ist wie sonst, das muss ich nutzen), vorher werfe ich noch schnell die Waschmaschine an (meine Lieblingskuscheldecke war ja mit in Berlin, die hat es nötig. Fiona, meine Kuschelrobbe, ebenso.), mecker mit meiner Schwester (die mir im fünf-Minuten-Takt unter die Nase reibt, dass sie weiß, was ich zum Geburtstag kriege) und stöpsel meinen Badlautsprecher mal an den Strom (jedes Mal unter der Dusche jammere ich, weil er nun schon seit Wochen leer ist und ich immer vergesse, ihn aufzuladen). Mal sehen, wie groß die Motivation nach dem Bad dann noch ist, vielleicht kriege ich ja noch mehr geschafft.
Mein linker Oberarm hat ein Ei wachsen lassen, die Stelle um den Impfeinstich ist dick, rot, juckt und tut weh. Bäh. Schade, dass der Pfleger Arschkeks heute nicht da war, er muss immer lachen, wenn ich über Wehwehchen jammere. „Aber sich dann den Arm bis fast auf den Knochen aufschneiden…“ sagt er immer. „Und da soll ich Ihnen nun glauben, dass das wehtut?“ Tja, so ist das eben.
Schwester Katrin meinte, dass sie grade über mich gesprochen hätten, als ich kam. „Wir haben überlegt, wann Sie wieder kommen.“ Ich antworte ihr, dass die 5 Wochen eigentlich am 9. vorbei wären, ich aber so, wie es gerade aussieht, auf 6 Wochen gehen werde. „Wenn es so klappt, dass freut mich.“ meint sie. Ich warte mal noch ab bis Mitte nächster Woche und entscheide dann je nach aktueller Lage. Diese Flexibilität tut mir gut, es liegt in meinem Ermessen zu entscheiden, wie lange ich es schaffe. Vorher war es immer blöd, wenn beispielsweise 4 Wochen angepeilt waren, ich nach 3 Wochen aber einfach nicht mehr konnte. Nun kann ich selber schauen, ob 5 oder 6, und es würde sich vermutlich auch nicht nach Versagen anfühlen, wenn ich nur 5 Wochen aushalte. Oder eventuell auch nur 4. Gerade ist es aber okay und ich mag das dann auch probieren, mag meine eigenen Grenzen ein wenig ausloten, will es einfach versuchen. Außerdem macht der Pfleger Arschkeks wieder einen Filmabend, den ich verpassen würde, wenn ich nach 5 Wochen hin ginge. Noch ein Ansporn. 🙂 Es tut gut, einfach selbst entscheiden zu können, mich selbst zu motivieren und dann stolz zu sein, dass es geklappt hat. Es tut gut so wieder ein wenig ein Gefühl dafür zu bekommen, was ich brauche und wie weit ich gehen kann. Und das ganze auf einem konstruktiven Weg, und nicht meine Grenzen auszutesten, indem ich jedes Mal tiefer schneide oder mehr als zuvor.
Und nun mache ich mich ans produktiv sein, belohne mich danach mit Tee (von Teekanne gibt es 3 neue Sorten. Apple Pie, Lemoncake und Blueberry Muffin. Unbedingte Probierempfehlung!) und schaue mal, was ich sonst noch so auf die Reihe kriege heute.

Und sogar an einem Abend, an dem er bloß eine Bohne zählte, war der Tag gelungen, hatte es sich zu leben gelohnt.

Heimkommen

Zitronenkind ist wieder Zuhause. Die Fahrt kam mir diesmal nicht so lang vor und ich konnte immerhin ein paar Stunden schlafen. Dennoch bin ich kaputt und erledigt und fühle mich nicht wirklich wie ein Mensch. Ich müsste eigentlich meine Wäsche in die Maschine werfen, müsste Zuhause ein wenig Ordnung schaffen und essen.
Also werde ich in mein Bett gehen. Da war ich eben schon, aber der Zitronenkater fand es viel interessanter durch die Gegend zu toben. Sobald ich aufgestanden bin und mich aufs Sofa gesetzt habe, hat der Herr sich auf meinem Schoß ausgestreckt und schläft nun selig. Prima. Vielleicht kriege ich ihn überredet, das auch weiterhin zu tun, entweder im Bett oder sonst wo. Ich jedenfalls brauche Schlaf. Jeder einzelne Muskel in meinem Körper tut mir weh, mein kaputtes Sprunggelenk hat 3 Wochen Urlaub beantragt und auch mein kaputtes Knie, dass mir nun echt lange schon nicht mehr wehgetan hat, möchte seit gestern seinen Dienst quittieren. Also starte ich einen neuen Versuch meinen Körper zu geben, was er benötigt. Hoffentlich ohne Zitronenkatermiauen oder -tobeanfälle. Ich bin einfach nur schrecklich müde. Und auch froh, wieder in meinen 4 Wänden zu sein, meine Tierchen zu haben. Und froh, dass ich diese Reise unternommen habe.

long way home

Ich sitze im Bus und fahre wieder Richtung Süden.
Heute war ich wieder mal viel unterwegs. Irgendwann zwischen Dunkelheit und hell werden fing es an zu schneien und hörte bis in den Nachmittag auch nicht mehr auf. Ich war im Schneetreiben unterwegs, habe mich zwischendurch beim bummeln durch die verschiedenen Shoppingcenter aufgewärmt. Dann bin ich los Richtung Tempelhof. Und es war einfach der Wahnsinn. Mitten im Schneegestöber stehen, um einen herum nichts als Schnee und Weite und Weite und Schnee. Ich hab mich so unglaublich frei gefühlt, so unglaublich gut. Ich hätte ewig auf den Landebahnen und den Wiesen rumlaufen können. Wenn es nicht so verdammt kalt gewesen wäre… Aber es war einfach wirklich unglaublich.
Gegen Abend bin ich dann los meinen Cousin besuchen. Wirklich gesehen haben wir unsere letzte Mal, als ich ein Kind und er ein Teenager war. Wir sind uns danach ein paar Mal in der Hauptstadt über den Weg gelaufen, aber auch nicht mehr. Es war schön ihn mal wieder zu sehen, über die Familie zu quatschen (und festzustellen, dass wir eigentlich noch relativ normal sind, wenn man sich den irren Haufen unserer Verwandtschaft mal so ansieht) und einfach beisammen zu sein.
Dann bin ich Richtung Hostel, habe meinen Kram geschnappt und los zum ZOB. Das war ziemlich abenteuerlich, denn der gefallene Schnee hat nachmittags begonnen zu tauen und ist am Abend dann gefroren. Ich bin froh, dass ich mit ein paar blauen Flecken davon gekommen bin und mir statt meiner Knochen nur die Flasche Pfeffi zerdeppert habe. Nun riecht meine Tasche samt Inhalt wenigstens schön frisch nach Pfefferminz (ja, man kann sich prinzipiell alles schönreden.).
Wir fahren nun auf Leipzig zu, während über der Autobahn gerade ein Flugzeug im Landeanflug ist. Ein toller Anblick bei Nacht.
Und so werde ich nun weiterhin die Aussicht vom Platz in der ersten Reihe im oberen Deck des Busses genießen, bis mir vielleicht endlich mal die Augen zufallen.
Berlin war ein Träumchen und es war mir, wie immer, ein Fest. Auf Bald, du Haupthauptstadt, ich fahre nun wieder in meine Hauptstadt.

Berlin ich trink auf dich

Die Nacht war sehr unruhig. Ständig kam jemand ins Zimmer. An sich nicht schlimm, rumdrehen, weiter schlafen. Allerdings waren nicht alle so leise wie die nette Spanierin. Ein Gast kam gegen 23 Uhr an, schmiss lautstark seinen Kram auf den Boden und bollerte dabei ein paar mal gegen die Metallspints. Dann ging er (Türknallen), kam wieder (Türknallen), ging wieder (Türknallen) und kam mit einer Mitarbeiterin wieder, der er lautstark in gebrochenem Englisch erklärte, dass er ein Schloss für den Spint will. Als sie ihm erklärte, dass man diese selber mitbringen oder an der Rezeption kaufen muss, fiel ihm wohl ein, dass er eins hat. Also begann er den Spint einzuräumen (Geboller), machte dann das Schloss zu und hantierte an eben diesem dann noch zehn Minuten weiter rum (viel Geboller). Dann ging er (Türknallen). Ich war grade wieder eingeschlafen, als er wieder auftauchte (Türknallen) und dann geschlagene 15 Minuten an dem Schloss rumhantierte (viel Geboller). Irgendwann fragte ich ihn genervt auf Englisch, ob er Hilfe bräuchte, ansonsten soll er doch bitte den Schlüssel ins Schloss stecken, aufschließen, seinen Kram erledigen, abschließen und bitte Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen. Plötzlich konnte er das ganze dann relativ leise. Um kurz vor 6 kam dann noch jemand rein, stand kurz unschlüssig im Zimmer, und ging wieder (Türknallen).
Da beschloss ich dann aufzustehen.
Um 7 muss einer meiner Mitbewohner aufstehen, da werde ich dann mal in Klamotten hüpfen (nein, ich sitze nicht nackt in der Lobby, aber ich habe nur eine dünne Jogginghose und einen Pulli an), dann frühstücken gehen. Danach kurz in den Supermarkt fallen und Reiseproviant kaufen. Und dann auschecken. Vielleicht treffe ich mich noch mit Moritz, wenn es ihm nicht zu viel ist nach seiner Schicht, wenn nicht werde ich schon genug zu tun finden. Später will ich auf jeden Fall noch zu wonderwaffel, Checkpoint Charlie ist hier um die Ecke, vielleicht gönne ich mir noch eine gute Berliner Currywurst.
Die letzten Stunden hier brechen also an, während es draußen noch stockdunkel und bitterkalt ist.
Ich freue mich auf Zuhause. Der Tag länger war eine gute Idee und hat mir gut getan, aber nun ist es auch wieder okay nach Hause zu fahren. Ich freue mich darauf mal keine Menschen um mich zu haben, zu schlafen wann ich möchte, ohne dann ständig jemand im Zimmer steht. Ich freue mich auf mein Bett und unglaublich auf meine Tiere.
Die Tage hier waren schön, teilweise manchmal eine Grenzerfahrung, aber Berlin wird definitiv immer eine Reise wert sein. Und es hat mir gezeigt, dass ich eigentlich viel öfter genau das tun sollte, wonach mir gerade ist. Falls mich nicht gerade das Gesetz daran hindert, was ja leider oftmals der Fall ist.
Nun starte ich mit Cappuccino in den Tag, gehe gleich zu Earl Grey über, und genieße die Zeit, die mir bis zur Abfahrt noch bleibt.

Berlin
Wohowohoo
Berlin ich trink auf dich.

Spontanität 2.0

Spontanität ist momentan scheinbar mein zweiter Vorname. Nein, dritter, einen zweiten habe ich schon.
Ich bleibe eine Nacht länger in Berlin. Ich habe diese Idee gestern im Bett noch ewig gewälzt und konnte nur schwer einschlafen. Als ich heute morgen wach würde bin ich dann aus dem Bett gepurzelt und zur Rezeption getapst, habe gefragt ob eine weitere Nacht möglich ist und dann verlängert. Während dem Frühstück habe ich meine Busfahrt dann umgebucht. So hat Berlin mich noch 24 Stunden länger als geplant und ich sitze dauergrinsend vor meinem Earl Grey.
Meine Nacht war wirr. Ich habe geträumt, dass mein Vater mir einen Abschiedsbrief hinterlässt, in dem einfach nur steht „ich habe mich umgebracht“. Ich Traum beginne ich alle möglichen Dinge zu regeln und Personen zu informieren. Aber eigentlich bin ich Schuld an seinem Tod, ich habe ihn ermordet. Das weiß ich im Traum, trotzdem vermischt es sich immer wieder mit seinem Suizid. Meine Schwester wird verfolgt, von irgendwelchen Leuten bedroht. Im Haus meines Vaters, dass eine Mischung ist aus der Wohnung, in der er nun lebt und der Wohnung, in der wir vorher lebten ist, wird eingebrochen. Meine Mama feiert eine Party, trauert aber gleichzeitig um meinen Vater. Und da ist ein Mann, der mir sehr vertraut ist, den ich aber einfach im wachen Zustand nirgends zuordnen kann. Alles in allem war es also eine unruhige Nacht. Dementsprechend lange brauche ich, um wirklich wach zu werden. Da ich gestern möglichst leise ins Bett geschlichen bin und nicht großartig noch Klamotten gesucht habe, muss ich mich erst mal anziehen um vor die Türe zu können. Nach dem vierten Earl Grey und einem Frühstück fühle ich mich nun wieder wie eine Zitrone, wenn auch eine etwas angematschte. Ich werde mir gleich den Kindle schnappen, mich auf eines der Polster in der Lobby werfen und ein wenig lesen, versuchen ruhig im Tag anzukommen und die Reste der Traumfetzen loszuwerden. Und dann geht es wieder raus, raus ins kalte Berlin. Ich freue mich auf die Zeit mehr, die ich nun habe.

Berlin – Hamburg, Hamburg – Berlin

Heute Mittag (gestern Mittag wohl eher) war ich noch ein wenig mit der kleinen Hexe unterwegs in der Stadt. Dort hat uns ihr Taxifahrer dann aufgesammelt, zum Krankenhaus gefahren, ihr Zeug eingeladen und ich bin spontan mitgefahren, da ihr Taxifahrer danach auch wieder direkt zurück nach Berlin musste. So bin ich also auch in Hamburg gewesen, auf dem Rückweg haben wir eine kleine Tour über die große Brücke am Hafen und durch die Stadt gemacht, Hamburg bei Nacht angeschaut.

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Tja. So sieht man dann eben mal spontan einiges von der Welt. Nun bin ich wieder im Hostel, nachdem ich noch ein wenig durch die nächtlichen Straßen Berlins gestreift bin. Und in 21 Stunden geht es schon wieder zurück nach Hause, in meine Hauptstadt. Ich weiß noch nicht ob ich mich freue oder traurig bin. Aber vermutlich einige ich mich mit meinem Kopf und meinen Gefühlen einfach darauf, dass ich mich freue und die schöne Zeit hier in guter Erinnerung behalte. Und darauf, dass ich sowas öfter mache, einfach raus. Nicht jeden Monat, aber ab und an mal weg tut mir so unglaublich gut.
Nun sitze ich noch ein wenig in der Lobby, trinke eine heiße Schokolade und schleiche gleich leise in mein Zimmer, hoffentlich ohne den schlecht gelaunten Russen zu wecken. Ich werde mir zumindest Mühe geben.
Bevor ich morgen um 10 Uhr auschecke will ich noch kurz zu Kaisers, ein wenig Proviant für die Fahrt kaufen. Dann muss ich das nicht durch die ganze Stadt schleppen, da ich mein Gepäck ja hier lasse. Von hier aus kann ich abends dann direkt zum ZOB fahren.
Ein paar Dinge muss ich mir für Zuhause definitiv vornehmen. Zum Beispiel mehr heiße Schokolade trinken. Und öfter mal raus und spazieren, einfach laufen um den Kopf frei zu kriegen.
Und nun falle ich ins Bett, damit ich vielleicht wenigstens noch 6 Stunden Schlaf abbekomme.
Gute Nacht Berlin.

Welcome to Berlin

Texaner kommt gegen 23.30 Uhr etwas angetrunken ins Zimmer und scheitert gnadenlos bei dem Versuch leise zu sein. Russischer Mann mittleren Alters, der weder Hallo sagte als er kam noch sonst was, fängt an zu schimpfen und behält das auch die folgenden 20 Minuten bei, bis er dem Texaner lautstark erklärt, dass er früh aufstehen und fit sein muss für die Arbeit. Texaner versteht kein deutsch, Russe spricht kein englisch. Texaner dreht sich einfach um und kuschelt sich ins Bett, Russe flucht weiter.
Als gegen 1 dann zwei kichernde Japanerinnen auftauchen wird der Russe zum Glück nicht mehr wach, oder vielleicht sagt er auch einfach nichts, aber dafür beschließt der Texaner noch ein Bier trinken zu gehen, hält kurz bei mir an und fragt flüsternd, ob ich auch noch eins will, und schlurft schließlich alleine raus. Als er wieder kommt schlafe ich schon, wache nur gegen 6 Uhr auf als Russe sich fertig macht zur Arbeit. Den Rest meiner ausstehenden Zimmerkollegen verschlafe ich, nur die zwei Japanerinnen schlafen noch tief und fest als ich letztendlich kurz nach 8 aus dem Bett krabbel.
Ich bin gespannt, ob der Russe heute Abend wieder ähnlich schlecht gelaunt ist. Als arbeitender Mensch würde ich nicht in ein Hostel gehen, dass hauptsächlich von Touristen frequentiert wird. Oder mir dann wenn schon ein Zimmer mit weniger Betten nehmen oder explizit ein Hostel extra für Arbeiter, die gibt es hier auch. Genau wie es hier im Hostel auch Zimmer gibt, die nur mit Menschen belegt sind, die morgens früh raus müssen, weil sie hier für eine kurze Zeit, manchmal auch längere Zeit, arbeiten.
Trotz meinem vorhandenen Schlafmangel, schließlich sind ca. 7 Stunden für mich auch echt wenig, bin ich doch relativ fit. Ich habe in Ruhe gefrühstückt und mir ne Menge schwarzen Tee gegönnt, an meinem letzten Tee schlürfe ich gerade noch, dann werde ich mich unter die Dusche werfen und mich danach fertig machen und wieder Richtung Charité ziehen. Die kleine Hexe wird heute nachmittag nach Hause fahren. Ich werde dann noch ein wenig durch Berlin streifen, ich will noch an ein paar Orte, will einfach laufen (aber definitiv nicht mehr so viel wie gestern!!!), mich von der Stadt treiben lassen.
Morgen werde ich ähnlich früh aufstehen, frühstücken, gegen zehn auschecken, mein Gepäck hier lassen und noch ein wenig Berlin genießen, bevor ich um 23 Uhr wieder im Bus nach Hause sitze. Vielleicht föhne ich mir für die Rückfahrt direkt ein paar Seroquel ein, dann kriege ich wenigstens eine Portion Schlaf.
Ich habe das Gefühl, dass ich durchaus noch ein paar Tage mehr hier verbringen könnte. Aber trotzdem werde ich mich auch freuen wieder Zuhause zu sein, mit dem Zitronenkater zu kuscheln und meine Meeris um mich zu haben. In meinem Bett zu schlafen. Meine gewohnte Umgebung zu haben.
Diese Auszeit war absolut nötig und absolut richtig. Ich finde es unglaublich erholsam einfach raus zu kommen, einfach mal weg zu sein. Ich sitze gerne in der Hostellobby und höre den verschiedenen Sprachen zu, fahre gerne mit der U oder S, laufe gerne durch die Straßen.
Und nun entspanne ich mich noch ein wenig, bevor ich mich wieder in die Großstadt werfe.