Für immer reicht genau bis hier

Gestern war es wirklich schön. Ich musste mir zwar noch eine Tablette genehmigen, weil ich die Menschenmassen sonst nicht ausgehalten hätte und Amok gelaufen wäre, aber sonst ging es. Und dann habe ich einfach das Beste getan, was ich nach dem Start in den Tag tun konnte: mir Gutes getan. Ich habe mich gefreut M. wieder zu sehen und mit ihr unterwegs zu sein, wir haben Glühwein getrunken und Knecht Ruprecht, sind durch die Stadt gelaufen und waren in einem Klamottenladen. Ich bin nun stolze Besitzerin von mehreren neuen Sachen, hauptsächlich mit Minions drauf (hach <3) und eine Krümelmosterhose (hach <3). Bequeme Klamotten für die anstehenden furchtbaren Tage. Je näher diese Tage rücken, desto furchtbarer fühle ich mich. Deswegen habe ich mir für heute einige Sachen vorgenommen, die ich erledigen will. Hauptsächlich aufräumen, ein paar Dinge tun wie Router ans neue Kabel anschließen und mein Kabelwirrwarr sortieren, weil derzeit alles auf meiner Funksteckdose hängt und das nicht soll, kochen sollte ich auch. Einkaufen war ich schon. Dann warte ich noch auf Pakete Nr. 2 und 3, eins für mich mit Tierkram und eins für die Nachbarin, die nicht da ist, Paket Nr. 1 mit den restlichen Geschenken für mein Schwesterherz kam schon an.
Den Tag füllen mit konstruktiven Dingen, damit die destruktiven keinen Platz haben. Ich habe mir die ganzen Einzelpunkte auf einen Zettel geschrieben. Sowas wie Sofa aufräumen, Wohnzimmertisch aufräumen und Wohnzimmer fegen. Das macht es einfacher, weil die Häppchen kleiner sind und ich so immer wieder zwischendurch etwas durchstreichen kann. Wenn da nur "Wohnzimmer" stehen würde, dann würde ich vermutlich ein wenig machen und hätte dann keine Lust mehr. Sich selbst austricksen funktioniert manchmal ganz gut. Und da mir die Motivation fehlt mich mal dranzumachen werde ich mir selbst ein Ultimatum stellen. Wenn ich mal angefangen habe, dann ist es in Ordnung, nur bis zum Anfangen dauert es. Vielleicht klappt es ja mit einer festgelegten Uhrzeit.
Morgen will ich mir dann viel Gutes tun, Kraft tanken für die drei Weihnachtstage. Wenn die rum sind kann ich erst mal durchatmen. Dann habe ich noch 2 Tage Zuhause, die ich irgendwie überleben muss, bevor es in die Klinik geht. Zum Glück schon am 29., jeder Tag mehr wäre ein absoluter Kampf und die zwei Tage werden schon schwer genug. Aber ich will es lebend durchstehen und dem nächsten Jahr die Chance geben besser zu werden als 2015. Ich weiß, dass ich es kann und die Kraft habe es zu schaffen, auch wenn der Selbstverletzungsdruck und die Suizidgedanken enorm werden und ich in den Momenten dann wirklich nur noch schneiden/sterben will, weil für nichts anderes Platz ist.
Und nun gönne ich mir noch ein wenig Zeit zum gammeln, bevor ich durchstarte und konstruktiv bin.

Wir können rennen
wir dürfen stolpern
Man hat’s noch nicht verloren
nur wenn man’s vermisst

Mit all deine Farben und deinen Narben

In den letzten Tagen habe ich mir selbst erlaubt mir ein paar Dinge zu gönnen. Einen neuen Geldbeutel, eine neue Hülle fürs Handy, ein Regalbrett für die Küche, Unterbaulampen für die Küche, ein neues Minions-Poster und ein paar Kleinigkeiten.
Die Lampen habe ich gerade an die Schränke geschraubt, gleich werde ich die Wand durchlöchern um das Regalbrett festzumachen, damit habe ich dann mehr Platz um Mikrowelle, Toaster und Wasserkocher zu verstauen. Vielleicht nutze ich einen Teil der roten Folie, die hoch übrig ist, um die Waschmaschine zu bekleben. Mal sehen. Ansonsten erkläre ich diesen Tag zu einem „in aller Ruhe Zuhause Zeug erledigen“ – Tag. Ich muss mein Papier mal raus bringen und klein machen, sollte mal was essen, mein Geschirr will gespült werden. Mein Bett will ich frisch beziehen und die Wäsche waschen. Haushaltskram eben. Auch wenn ich zwischendurch immer mal wieder enorm durchhänge und es mir schwer fällt mich zum weitermachen zu motivieren habe ich eigentlich genug Antrieb um das alles hinzukriegen. Und meine Schubladen und Kisten will ich sortieren, denn mit der Zeit wandert alles dann doch dort hin, wo es eigentlich nicht sein sollte. Und vielleicht schaffe ich es ja auch noch mein Hängeschlauchregal im Bad aufzuräumen und zu sortieren, denn dort fliegt auch alles wild durcheinander. Handcreme und Labello muss ich in den nächsten Jahren definitiv nicht mehr kaufen, davon hab ich beim Schubladenaufräumen im Bad vor ein paar Wochen genug gefunden.

Nachdem ich in den letzten Tagen relativ viel unterwegs war, tut es jetzt auch mal gut Zuhause zu sein. Vor allem Zuhause zu sein und trotzdem etwas hinzukriegen. Und obwohl ich in letzter Zeit ganz gerne unter Menschen bin und meine Freunde echt mag, bin ich auch mal froh eine Weile meine Ruhe zu haben, abgesehen vom maunzenden Katerkind und den quietschenden Meeris. Einfach ein Tag nur für mich, an dem ich mit Gutes tue indem ich ein paar Dinge erledige.
Und heute Abend werde ich mich mit Tee und Kerzen auf mein Sofa kuscheln und fernsehen.

Ich seh deinen Stolz und deine Wut
dein großes Herz, deinen Löwenmut

Du bist das Recht, du bist das, was jeder verdient

Um kurz nach 7 habe ich die Augen aufgeschlagen, weil das Handy zum dritten Mal vor sich hin brummte und ich nach dem dritten Mal nicht die Möglichkeit habe nochmal auf schlummern zu drücken. Stattdessen muss ich mehrere Rechenaufgaben lösen. Und das funktioniert mit geschlossenen Augen relativ schlecht, also musste ich sie eben öffnen.
Und wenn ich mir nicht ziemlich sicher wäre, dass die Menschen bei der Krankenkasse eine Woche vor Weihnachten aufhören zu arbeiten, zwischen Weihnachten und Neujahr keine Lust haben irgendwas anzufangen und im neuen Jahr bestimmt zwei Wochen brauchen, um ihren Arbeitsplatz wieder zu finden, dann wäre ich einfach liegen geblieben. Aber da ich darauf angewiesen bin, dass spätestens vor dem 1. Januar Geld kommt, damit es dann direkt wieder abgebucht werden kann, bin ich eben aus dem Bett und in die Kleider und habe gefrühstückt (es ist seltsam das zu schreiben…), die Fellnasen gefüttert (Katerkind hat natürlich wieder gemeint, dass man das Futter einatmen kann, deswegen kam es dann nochmal Hallo sagen…) und bin vor die Türe gefallen. Und wie das eben so ist, wenn man eigentlich was vor hat und irgendwo hin will: der Bus kam nicht. Wenn eine Schneeflocke vom Himmel gefallen wäre, dann hätte ich erst gar nicht versucht in die Hauptstadt zu kommen. Wintereinbruch ist hier ja immer eine Sensation, woher soll man denn wissen, dass es im Winter schneien könnte?! Ich muss dann jedes Jahr schmunzeln, wenn Busse, Bahnen, Autos und sonstiges Gefährt einfach nicht mehr voran kommt bei dem Schneechaos aus einer Hand voll Flocken. Wenn man am Rande des Schwarzwalds aufgewachsen ist, dann sind 2 Meter Schnee im Winter keine Seltenheit, dass wegen ein paar Flocken alles stillliegt –  das gibt es nicht.
Aber bei einer Temperatur um die 7 Grad wird es wohl nicht schneien.
Also bin ich wieder heim, habe noch zwanzig Minuten das Katerkind gekrault und bin dann nochmal vor die Türe, da kam dann auch tatsächlich ein Bus.
Hauptstadt – Psychiater – Drogeriemarkt (ich bin an den Rasierklingen vorbei gekommen ohne welche zu kaufen!) – anderer Drogeriemarkt (und nochmal geschafft!) – nach Hause.
Daheim werde ich meine Fellnasen frisch machen, sowohl die quietschenden als auch die miauende, räume ein wenig auf (und die 1200 Puzzleteile in meinem Schlafzimmer zusammen), überlege was ich kochen soll, bringe meinen Krankengeldwisch zur Post, kriege Besuch, will mir Gutes tun. Vielleicht drehe ich mal wieder die Musik laut, das habe ich lange nicht getan. Dann hören meine Nachbarn wenigstens auch mal gute Musik.
Wenn ich Glück habe finde ich beim Aufräumen die 10 verschollene Spielzeugmäuse von Katerkind.

Gesten hatte ich übrigens einen sehr schönen Moment, der mir auch heute noch ganz fest im Gefühl hängt.
Ich links eingehängt bei Mama, Schwesterherz rechts, durch die Bahnhofstraße laufend, Weihnachtsmarktgeruch in der Nase und ein unendliches Gefühl von Freiheit.
Freiheit, das ist so eine wichtige Sache für mich. Die Freiheit zu tun wonach mir ist, zu essen was ich will, zu schlafen wann und wo ich will, laut zu singen, zu heulen, zu telefonieren, zu duschen… All das sind Dinge bei denen ich so viele Jahre eingeschränkt war, die ich nicht oder nur dann und dann machen durfte.
Manchmal (und eigentlich bräuchte ich das öfter) muss ich mir das vor Augen halten. Dass damals vorbei ist. Dass es nun so viel anders ist. Dass ich einfach frei bin. Frei von ihm, frei von seinen Einschränkungen, frei von seiner Gewalt. Auch wenn es sich manchmal gar nicht so anfühlt, weil er in meinen Gedanken und Gefühle festklebt wie Kaugummi, weil so viele Dinge eingefahren sind und mich bis heute begleiten, weil ich es eben nie anders gelernt habe. Aber ich bin frei, ich kann selbst bestimmen. Und ich bin mir sicher, dass es irgendwann auch aus Gefühlen, Gedanken und Handlungen verschwinden wird. Vielleicht nie ganz, aber zumindest so weit, dass es mein Leben nicht mehr bestimmt. Vielleicht ist das eine Idee an das „Gutes tun“ ran zu kommen, weil da soooo viele Dinge drunter fallen, die ich nie durfte und mir deswegen auch unbewusst bis heute verbiete und sie nur schlecht aushalten kann. Vielleicht hilft es, ganz bewusst gegen sein Tun, seinen Einfluss, zu handeln, mir das ganz bewusst zu sagen. Graadselääds! „Und nun tue ich das ganz bewusst, weil ich weiß, dass ich es damals nicht gedurft hatte und du ausgeflippt wärst. Ätsch!“

Freiheit kann man nicht eingrenzen, Freiheit muss man ausatmen

Clap along if you feel like a room without a roof

Ich hatte heute einen vollen Tag. Heute morgen bin ich zur Achtsamkeit, obwohl ich vorher überlegt hatte abzusagen, weil ich so rumhibbel. Aber es hat, bis auf ein wenig Gehibbel, doch ganz gut funktioniert und tat gut.
Danach bin ich direkt weiter zu einer Freundin gefahren und habe mich bekochen lassen (war lecker!) und später sind wir mit noch einer Freundin von ihr in die Klinik und haben ein paar liebe Menschen besucht. Und Schwester Tina ist endlich wieder da! Das war auch wirklich schön sie wieder zu sehen. Eigentlich sind wirklich alle, die dort arbeiten, richtig lieb und ich könnte nicht sagen, dass ich jemanden jetzt absolut nicht leiden kann. Klar habe ich auch meine Favoriten, aber das entscheidet sich dann an anderen Dingen, zum Beispiel an der Art oder der fachlichen Kompetenz. Oder weil ich sie eben einfach mag. Oder alles zusammen.
Nun bin ich Zuhause und habe den schnurrenden Kater auf dem Schoß. Und eine schlafende Lili am Telefon. Und versuche die Nebenwirkungen auszuhalten. Wobei es eigentlich ging während ich gemalt/gezeichnet habe. Pfleger Kai meinte heute morgen, dass das vermutlich 4 bis 5 Tage dauert mit den Nebenwirkungen. Juhu. Was ein Spaß. Wenn es in den nächsten Tagen noch so schlimm ist kann ich die Energie aber wenigstens nutzen um was zu tun. Zum Beispiel morgen mal Geschirr spülen. Und ein wenig aufräumen.
Übrigens mein kreativer Erguss der letzten Stunden:

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Das werde ich morgen früh der Schülerin in der Klinik vorbei bringen und hoffen, dass es ihr gefällt.

Und vermutlich kippe ich jetzt gleich einfach in mein Bett, nachdem ich meine Medis für die Nacht genommen habe.
Der Tag war schön und voll. Und ausnahmsweise ist es auch halbwegs zu ertragen, dass es ein guter Tag war. (Vermutlich aber hauptsächlich, weil ich die letzten 5 Stunden mit dem Bild verbracht habe und so gut abgelenkt war. Und mit der Lili, die da noch nicht schlief.)
Plan für morgen ist erstmal unter die Dusche fallen, dann in die Klinik, der Schülerin das Bild bringen. Auf dem Rückweg einkaufen und Zuhause dann Geschirr spülen und aufräumen. Und vielleicht, wenn ich dann noch Energie habe, die Möhrenschweine sauber machen.

Positives:
Achtsamkeit.
Liebe Menschen in der Klinik besuchen mit lieben Menschen.
Schwester Tina wieder sehen.
Schöner Mittag mit lecker Essen.

Here come bad news talking this and that
Yeah, give me all you got, don’t hold back
Yeah, well I should probably warn you I’ll be just fine
Yeah, no offense to you don’t waste your time

I feel alive

Vorhin in der Achtsamkeit zog ich meine Weste aus, schaute meine Arme an und dachte mir nur ach du scheiße. Narben, Narben, Narben. Und sie jucken und tun weh. So oft hab ich meine Arme gesehen und dachte mir eben, tja, so sehen sie jetzt nunmal aus. Aber vorhin, das war eher ein Schock. Ich. Will. Das. Nicht. Mehr. Ich will keine neuen fette und rote Narben. Keine Wunden mehr, die geklammert oder genäht werden müssen. Das muss doch wohl zu schaffen sein. Gut 2 Wochen habe ich nun nicht mehr geschnitten. Heute Abend gibt es Selbstfürsorge statt Selbstverletzung. Eincremen, die Creme schön einmassieren, einwirken lassen.
In letzter Zeit waren meine Arme immer etwas, dass eben einfach so an mir dran hängt. Aber sie waren nicht wirklich ein Teil von mir, irgendwie außenstehend und unwirklich. Und in meinem Kopf sind direkt wieder die Gedanken, dass es mir nicht schlecht gehen darf wenn ich nicht schneide. Dass es ein Zeichen ist, dass doch alles okay ist. Dass alle sagen werden, dass es mir ja gut gehen muss, weil ich nicht schneide. Ich weiß, so rational gesehen, dass es so nicht ist, dass es mir auch schlecht gehen darf ohne die Wunden und das ich es trotzdem wert bin ernstgenommen zu werden. Aber kann mir das bitte mal jemand noch ein paar Mal sagen? Ich glaube das hilft. Und ich glaube ich muss es auch in der Klinik ansprechen und auch dort hören, ich muss es nochmal bei meinem Psychiater ansprechen und dort hören, ich muss es mehrmals noch von mir selbst hören. Soviel zu dem morgendlichen Chaos beim Anblick meiner Arme (die mich mit dem Jucken verdammt noch mal in den Wahnsinn treiben!).

Eingeschlafen bin ich heute morgen gegen halb 7 wieder. Um viertel vor 11 habe ich die Augen aufgeschlagen, dachte mir, dass ich irgendwas vergessen habe, und schoss aus dem Bett, ins Bad, in meine Klamotten und zur Achtsamkeit.
In Wecker überhören bin ich absolute Spitzenklasse. Genau wie im Tabletten vergessen, wobei das mittlerweile definitiv besser klappt als früher. Gerade fiel mir ein, dass ich heute noch keine genommen habe, mein Tablettenkästchen hat sich irgendwo versteckt, und meine Kiste habe ich auch nicht gefunden. Bis mir dann einfiel, dass ich ja schön konstruktiv war und sie direkt am nächsten Tag Zuhause nach dem Gespräch mit Schwester Nathalie auf meinen Küchenschrank gepackt habe. Nun habe ich also wenigstens meine Medis genommen, muss nachher dringend mein Tablettenkästchen suchen und sowieso neu bestücken, und ich will mal sortieren. „Gute“ Medis werde ich in meinen Badschrank packen, sowas wie Ibu und Diclo und meine Migränetabletten. Der Psychokram bleibt schön in der Kiste und auf dem Schrank. Und wenn ich meine Klingen finde (beim letzten Großaufräumen hab ich sie irgendwo hin gepackt…) packe ich die auch dazu. Dann weiß ich, dass welche da sind (ich könnte also wenn ich wollte), hab sie aber nicht ständig vor der Nase.

Draußen ist richtig schönes Wetter und ich will mich gleich nochmal anziehen und raus und in die Stadt laufen. Denn mein Adventskalender sagte gestern

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Gestern hat das nicht mehr geklappt, also heute mal schauen, was ich so an Deko finde.
Die Möhrchen muss ich dann später noch umtopfen, eine Ladung Wäsche waschen, und eben wie schon geschrieben Selbstfürsorge betreiben.
Morgen will ich eine Freundin treffen, Chrissie wollte eventuell vorbei schauen, ich muss mir demnächst neue Medirezepte ausstellen lassen (aber will ich eigentlich erst tun, wenn die Befreiung da ist… Hoffentlich dauert das nicht ewig…), am Samstag will ich Kuchen backen für eine Freundin, ich hab im Prinzip genug zu tun um meine Tage zu füllen.
Manchmal scheitere ich radikal an der Antriebslosigkeit. An anderen Tagen habe ich dann dafür so viel Energie, dass ich trotz den Seroquel so rumhibbel, wie zu den Zeiten bevor ich angefangen habe sie zu nehmen und gar keine Ruhe finde. So wie heute. Deswegen laufe ich auch in die Stadt, ich muss mich bewegen, mich auspowern, raus, raus, raus.
Bisher ist es ein guter Tag. Wenn er so bleibt wäre das wirklich klasse. Und nun: raus!

I’m walking on sunshine oh oh 
I’m walking on sunshine oh oh 
I’m walking on sunshine oh oh oh 
and don’t it feel good hey alright now 
and don’t it feel good I say it I say it I say it again now

Erzählt den Zweiflern, es hat sich gelohnt

Shoppen ist für viele Frauen ja ein Traum. Klamotten, Schuhe, Schmuck, Schminke… Ich komme vom shoppen mit 3 Büchern zurück. Passend dazu die Tasche.

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Ich weiß nicht, wann ich das erste Fantasy-Buch gelesen habe, aber ich glaube, dass es „Die Nebel von Avalon“ waren. Schon früh habe ich mein Taschengeld im Buchladen gelassen. Dann kamen natürlich irgendwann die üblichen Verdächtigen: Harry Potter, die Bücher von Tolkien, um Terry Pratchett kommt man in dem Genre auch nicht wirklich drum rum. Mittlerweile besteht meine Buchsammlung zu einem großen Teil aus Fantasy. Dazwischen findet sich ein wenig Horror, ein paar Klassiker wie die Werke von Hermann Hesse oder die Reclam-Heftchen, die einen in der Schule verfolgt haben, ein bisschen Belletristik und einige „Psycho-Bücher“, Erfahrungsberichte, Biografien oder auch Sachbücher zu Selbstverletzung, Borderline, Drogen usw.
Jedenfalls habe ich nun 3 neue Bücher (wobei ich die ersten beiden Bände schon teilweise kenne, vom gekürzten Hörbuch (bei dem leider sehr viel gekürzt wurde)), ich werde sie aber trotzdem vom ersten Band an lesen. Die Trilogie ist die Folgetrilogie einer Trilogie, die ich gerne mag.

Ansonsten war der Tag ganz schön. Mit Mama und Schwesterherz war ich im Klamottenladen und habe nun ein neues Oberteil und einen neuen Schal. Bei Schals bin ich wirklich schlimm, ich finde man kann nicht genug davon haben.
Später bin ich dann mit Schwesterherz in die Hauptstadt, durch alle möglichen Läden gestreift (und zu meinem (Un-)glück eben auch der Buchladen).

Und nun kippe ich gleich einfach ins Bett. Auch in der letzten Nacht habe ich wieder ewig wach gelegen, die zweite Nacht in Folge nun. Dementsprechend erledigt bin ich auch, vielleicht funktioniert es ja nun endlich mit dem Schlafen.

Und wenn die Frage jemals fällt
Was ist es, das am Ende zählt?
Dann wird die Antwort immer sein
Dass man nicht solche Fragen stellt
Doch wenn ich ehrlich zu mir bin
Dann macht nur die Erkenntnis Sinn
Das Ende ist nur’n Meilenstein
Und wichtig ist der Weg dahin

Weiter.

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Darf ich vorstellen: der Herr Zitronenkater.
Er ist der Grund dafür, dass ich heute nur widerstrebend zurück in die Klinik bin.
Also bin ich nun offiziell Dosenöffner. Beziehungsweise ab Mittwoch, denn bis dorthin bin ich noch in der Klinik. Am liebsten würde ich direkt wieder nach Hause, mir den Kerl wieder holen und ihn den ganzen Abend knuddeln.
Eigentlich gehört(e) er der Patentochter meiner Nachbarin. Die ist seit einer Woche bei meiner Nachbarin zu Besuch, mitsamt Kater und Kind. Das arme kleine Fellbündel wird von ihrem (Ex-?) Freund getreten, geschlagen und am Schwanz gezogen. Der Freund sagt, er kann sich nicht benehmen, verpinkelt die Wohnung. In den 1 ½ Tagen bei mir hat er nichts dergleichen getan. Er ist eben auch erst 4 Monate alt und dementsprechend verspielt. Er beißt einem in die Zehen, springt auf den Küchentisch, will am liebsten beim kochen in der Pfanne sitzen und braucht eben vor allem eins: unglaublich viel Zuwendung.
So habe ich die Zeit Zuhause hauptsächlich mit spielen, füttern, kraulen und Zitronenkater aus dem Meerizuhause verbracht. Er weiß noch nicht wirklich, was er von Ihnen halten soll. Wenn sie sich bewegen rennt er meistens einfach weg. Aber er hat auch schon versucht sie anzustupsen und geschaut wie sie reagieren. Und er hat auch teilweise einfach nur lange im Heu gelegen und ihnen beim Fressen zugeschaut.
Ich freue mich vor allem einfach unglaublich über den kleinen Fellhaufen. Lange wollte ich wieder einen Kater, eigentlich seit ich bei meiner Pflegefamilie auszog.
Nun hat es sich zufällig ergeben und ich bin furchtbar verliebt in ihn.
Auf der anderen Seite bringt es viel Neues und vor allem auch Anforderungen mit sich. Morgens aufstehen und Dosenöffner spielen, täglich das Katzenklo säubern, Futter und Streu besorgen, spielen, spielen, spielen.
Ansonsten geht es mir ganz gut. Zuhause war es schwer mit dem schlafen und zur Ruhe kommen, aber sonst schön.
Ich fühle mich derzeit so stabil wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Der aktuelle Aufenthalt hat ganz viel Stabilität in mein Chaos gebracht und ich hoffe, dass es eine Weile so bleibt.
Morgen habe ich wieder ein Gespräch mit meinem Psychopeuten. Vielleicht werde ich das mal ansprechen mit diesem nicht zur Ruhe kommen können und wollen. Mit diesem Achtsamkeitsding, dem teilhaben. Nur eine Sache tun, das ist für mich so unglaublich schwer.
Meinen Abend lasse ich nun ohne Katerchen ausklingen, dafür mit Tatort. Eine Sache tun. Nur Tatort schauen. Ich werde es mal versuchen.

Wie’s niemals war
so wird es sein
Und wenn es sein muss ganz allein
Und wenn ich fall, dann nur bergauf
ich atme ein und ich lauf, lauf immer weiter
Weiter.
Weiter.
Ich geh immer weiter

but still I’ll raise the flag 

Heute ist es schon deutlich besser als gestern. Ich habe zwar immer noch einige Tiefs am Tag, aber es war heute doch ganz erträglich. Ich hab wieder viel Schlaf nachgeholt, war draußen (der Balkon war leider wegen einem Suizidgefährdeten abgesperrt…) und hatte Besuch von meiner Nachbarin. Tag 2 ist geschafft, leider immer noch ohne Therapieplan. Wo der schon wieder verschollen ist weiß niemand. Aber auch so kriege ich mich beschäftigt.
Gestern Abend war ich nach den Medis um 18 Uhr schon so müde, dass ich ins Bett gekippt bin. Und mit kurzer Unterbrechung um kurz vor 22 Uhr, als der Pfleger kam um die Nachtmedis zu bringen, habe ich bis 6 Uhr durchgeschlafen. Den Druck gestern habe ich mit Finalgon dann gut überstanden und aushalten können. Heute ist er bisher noch nicht allzu extrem geworden, auch wenn es Momente gab ich denen ich dachte „gleich kippt es“. Bei der Morgenrunde zum Beispiel, da haben teilweise einfach zu viele Leute durcheinander geredet. Das war mir dann einfach zu anstrengend.
Eine Patientin ist hier, bei der denke ich mir, dass ein paar Einstellungen von ihr mir echt gut tun würden. Sie freut sich so sehr über die kleinen Dinge des Lebens, über Kekse auf dem Tisch, über die Sonne am Himmel, über Joghurt zum Abendessen. Mir würde das auch gut tun, so die kleinen positiven Dinge des Lebens zu sehen. Sowas zum Beispiel.

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Oder der Mitpatient, der vorhin heimlich eine Flasche Wodka getrunken hat und dann ne Stunde hier saß mit Schluckauf. Das war zu lustig.
Mal sehen ob ich es morgen früh wieder so früh aus dem Bett schaffe. Eigentlich wäre das so ein Ding, dass ich gerne wieder lernen/beibehalten/whatever will. Morgens aufstehen. Nicht unbedingt um 6, aber zu einer normalen Uhrzeit. Tagesrhythmus. Und mir dann wirklich auch in den Arsch treten und mich dran halten.
Es fehlt mir zu kochen, mein Bett zu haben, meine Meerchen.
Aber es tut auch gut hier zu sein, Abstand zu haben, an mir zu arbeiten. Vorwärts kommen, auch wenn es nur kleine Schritte sind.
Bis Mittwoch werde ich bleiben, vielleicht können wir es ja wieder so machen, dass ich mich nach 3 Wochen melde und dann entscheiden kann, ob ich noch eine oder doch zwei Wochen schaffe.
Und nun verkrieche ich mich ins Bett, hoffentlich wird die Nacht genauso gut und ruhig wie die letzte.

Maybe I’m in the black, maybe i’m on my knees 
maybe I’m in the gap between the two trapezes 
but my heart is beating and my pulses start 
cathedrals in my heart 

Heut’ ist Mittsommernacht bei IKEA

Meine letzte Nacht war sehr kurz. Als ich einschlief war es schon hell, ich bin vorher einfach nicht runter gekommen, konnte nicht im Schlaf ankommen, bin von einer Bettseite auf die andere gewandert, es war sehr anstrengend.
Deswegen wollte ich den Tag eigentlich auf dem Sofa verbringen, den ganzen Tag in Schlafklamotten, nur für 30 Minuten mal schnell einkaufen.
Um kurz nach 2 rief dann Mama an und verkündete, dass sie ins Ikea will. Und da das hier in der Nähe liegt dann doch auch vorbei kommen oder mich am liebsten direkt mitnehmen. Also war ich mit Mama im Ikea. Sie bräuchte Vorhänge meinte sie. Nach sage und schreibe 4 Stunden (ja, VIER!) sind wir endlich wieder draußen gewesen, ich musste erst mal 2 Zigaretten rauchen und mich hinsetzen. Es war anstrengend, aber es war auch schön. Und natürlich gab es nicht nur Vorhänge…
Den Rest des Abends habe ich dann aber tatsächlich mit Schlafklamotten auf dem Sofa verbracht.
Einkaufen fiel natürlich aus, funktioniert schlecht wenn man erst um zehn vor 8 aus dem Ikea kommt. Also werde ich morgen mal den Kopf in den Gefrierschrank stecken, da findet sich bestimmt noch einiges zu essen. Und morgen definitiv vom Sofa nur ins Bad und in die Küche tapsen, und das auch nur im Notfall.
Jetzt liege ich müde und fertig in meinem Bett, mache mir mein Hörbuch an und schlafe hoffentlich schneller ein als letzte Nacht.

Vor einiger Zeit habe ich übrigens mal über Vergangenheit und Zeugs gebloggt und dabei auch geschrieben, dass Borderline nicht vom Himmel fällt, sondern eben seine Gründe hat.
Das Linchen hatte daraufhin mal wieder eine verrückte Idee, das kam dabei raus.

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Nun wissen wir wenigstens auch alle, wie Borderline aussieht.

Regale sind schon weg, ich klau ohne zu fragen einfach schnell ein
„Billy“ aus ’nem fremden Einkaufswagen.
Da greift mich der Besitzer an, ich kann mich grad noch bücken, der
springt mit beiden Füßen ’nem Verkäufer in den Rücken.
Jetzt geht es hier um alles! Die Nerven liegen blank!
Ich entreiße einem Mädchen seinen Puppenkleiderschrank.
Das fängt gleich an zu schrei’n, seine Mutter kommt zu spät.
Das muss das Kind jetzt lernen: Das ist die Realität!

Tell her I’m a waiting for my wings

Heute Morgen um kurz nach 5 hat jemand gebohrt. Ich habe es nicht gehört, sondern geschlafen wie ein Stein. Da ich aber eine Schlafphasen-Wecker-App nutze, die nebenbei auch die nächtlichen Geräusche aufnimmt, weiß ich es nun aber trotzdem. Manchmal ist das sehr interessant. Ab und an höre ich im Nachhinein dann mein Telefon klingeln oder die Türklingel, draußen jemanden rumschreien (letzte Nacht auch, aber das hab ich mitbekommen) oder auch mich selbst während Alpträumen schreien. Das einzige, was mich in letzter Zeit wirklich mit absoluter Sicherheit aus dem Schlaf holt sind zwitschernde Meerschweinchen. Dann  schieße ich immer in absoluter Alarmbereitschaft aus dem Bett und muss kucken, ob alles in Ordnung ist. Zum Glück haben sie es nun schon eine Weile nicht mehr gemacht.

Mein Tag heute war unglaublich produktiv. Ich habe die Wohnung aufgeräumt, geputzt, war einkaufen, hatte Besuch von Lieblingsschwager und Schwesterherz, hab endlich meinen Krankengeldwisch zur Post gebracht, habe gekocht.
Nun bin ich in mein Bettchen gekrochen, habe mich in meine Decken gekuschelt und schaue gleich noch irgendwas auf dem Kindle. Lost ist zum einschlafen momentan nix, da man im Halbschlaf wirklich gar nichts mehr davon versteht. Dann will ich immer wieder die Augen aufmachen und doch noch ein wenig schauen, wirklich einschlafen kann ich so dann nicht.
Mal sehen, was ich mit dem Tag morgen so anfange.
Und im Radio kommt gerade in diesem Moment Joshua Kadison. Und ich muss an das Konzert damals in Stuttgart denken, wie er am Klavier saß und wir auf der Bühne neben ihm, wie er „Begging for grace“ sang und spielte und sich so viel in mir bewegt hat. Die Erinnerung daran trage ich für den Rest meines Lebens auf der  Haut und im Herzen.

I wanna be blues, I wanna be greens
I wanna be flying on dragonfly wings