Ihr Lieben, wenn das alles geklappt hat, dann dürften die bereits vorhandenen follower nun auch der neuen Seite folgen und benachrichtigen werden. 

Ihr findet mich ab jetzt hier. 🙂 

Liebe J., als ich vor einigen Tagen in den Medien las, dass eine junge Frau an einer Überdosis Drogen starb, da musste ich an dich denken. Du warst schon so oft mit einer Überdosis im Krankenhaus und danach hier in der Klinik. Hier haben wir uns kennen gelernt, haben uns ein paar Mal das Zimmer geteilt, uns auch ab und an außerhalb der Klinik gesehen. Dein Körper war übersät von den Narben, den Spuren deiner Kämpfe, schon lange weiß und verblasst, weil du begonnen hattest deinen Frieden  in den Drogen zu suchen.
Nun hat Schwester Kirsten bestätigt, was wir alle hier befürchtet haben. Du bist es wirklich, du bist die junge Frau, die dort erwähnt wurde.
Seit ich dich kenne hast du versucht zu sterben. Nun hast du es geschafft, ob beabsichtigt oder nicht. Ich wünsche dir einfach nur, dass es dir gut geht dort wo du nun bist, dass du frei bist von all den Dingen, die dich hier so umgetrieben haben.
Mach’s gut. Bis wir uns wiedersehen.

Nachdem ich mittags nochmal für zwei Stunden ins Bett verschwunden bin ist es endlich besser. Die Welt fühlt sich nicht mehr so schrecklich falsch an.
Dafür werde ich die Gedanken an meinen Vater einfach nicht los. Bei Mama habe ich alte Jugendamtsunterlagen gelesen. Er erzählte mir ja immer, dass er mich vor ihr gerettet hat. Sie wollte mich und sich umbringen, deswegen hat er mich mitgenommen und ist mit mir weg gezogen. Wirklich geglaubt habe ich ihm nie. Auch die alten Unterlagen erzählen von anderen Dingen. Von einer einstweiligen Verfügung, weil er mich einfach mitgenommen hat, obwohl das Aufenthaltsbestimmungsrecht bei meiner Mutter lag. Von Anwälten, die nicht wissen, wo er steckt und wo ich bin.
Ich werde es nicht los. Ich will einfach alles, was mit ihm in Zusammenhang steht, aus meinem Kopf haben.
Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen. Weil ich ihn ja alleine gelassen habe. Aber dann kommt die Wut und der Hass. Ich frage mich so oft, wie ich reagieren würde, wenn ich erfahre, dass er nicht mehr lebt. Und dann frage ich mich, ob ich mich nicht mit ihm aussöhnen sollte. Bevor es soweit kommt. Schwester Tina sagte mal zu mir, dass ich keinerlei Verpflichtungen ihm gegenüber habe. Dass er kein Recht auf irgendwas hat. Und dass ich kein schlechtes Gewissen zu haben brauche, wenn ich so handle, dass es mir damit gut geht. Manchmal mag ich ihm schreiben. All die Dinge, die er mir angetan hat, in Worte fassen und ihm schicken. Doch mit welchem Sinn dahinter? Ich habe schon so oft seine Entschuldigungen gehört. Nachdem er mich geschlagen hat. Nie wieder würde es passieren. Und das hielt genau bis zum nächsten Mal. Ich kann nicht mehr daran glauben, schon lange nicht mehr.
Morgen will ich einkaufen, die Dinge, die mein wattiger Kopf heute nicht geschafft hat. Ich muss meinen Kleiderschrank weiter ausmisten, muss mit Mama und Schwesterherz planen, wann wir uns treffen und am Samstag bin ich zum Kino verabredet. Donnerstag wird anstrengend, erst Achtsamkeit und dann Therapie. Und hoffentlich klappt das mit dem Geld diesmal einigermaßen pünktlich, sonst muss ich verzweifeln.
Morgen wird ein besserer Tag. Daran glaube ich fest.

Ich wache auf. Öffne und schließe die Augen, immer wieder, damit ich mir sicher bin, dass ich wirklich wach bin und die Augen auf sind. Und selbst mit offenen Augen fühlt es sich nicht wirklich an. Ich habe mal wieder sinnlosen wirren Kram geträumt. Dafür gibt es ein paar untrügliche Zeichen. Ich bin klatschnass, als käme ich aus der Dusche. Mein Bett ist zerwühlt. Meine Haare stehen in alle Richtungen. Und ich hab Fetzen von merkwürdigen Traumdingen im Kopf.
Ich stehe auf und lande wieder im Bett. Der Kreislauf spielt nicht mit, er steht nicht mit mir auf, sondern bleibt einfach liegen. Ein paar Versuche später stehe ich dann wackelig auf meinen Beinen, gehe in die Küche und trinke erstmal. Dann knabber ich an einem Schokoriegel um meinen Kreislauf irgendwie zu ermutigen. Ich werfe meine Bettwäsche in die Maschine, werfe mich unter die Dusche. Es wird schwarz und ich sitze nass und zitternd auf dem Boden der Dusche. Ich schaffe es mich fertig zu machen, in Kleider zu schlüpfen und die Nummer der Tierärztin zu wählen, weil ich eine Impferinnerung mit einem anderen Datum als dem Termin bekommen habe. Ich mache die Post fertig, ziehe Schuhe an, werfe meine Pfandflaschentüte in die Einkaufstasche, stopfe Schlüssel und Geldbeutel in meine Jacke und gehe aus der Tür. Die Welt schwankt. Sie ist unwirklich, ich gehe wie durch Watte. Ohne Unfall schaffe ich es zum Briefkasten, werfe meine Post ein und gehe weiter zum Supermarkt. Nur noch in Bruchstücken erinnere ich mich an die Dinge, die ich kaufen wollte. Katerfutter. Meerikram. Zitronenessen. Ich kriege schwarze Punkte vor den Augen, mir wird übel, kalt. Also suche ich mir den schnellsten Weg zur Kasse, schnappe mir noch eine Dose Cola. Meine Pin gebe ich erst mal falsch ein. Ich stehe neben mir. Will weg, nur weg. Draußen trinke ich erstmal einen Schluck Cola. Atme tief ein und aus. Die Welt hört nicht auf sich zu drehen. Ich überlege, was ich gestern genommen habe. Und bin mir sicher, dass es nur meine normalen Medis waren. Kein Bedarf. Keine Drogen. Doch genauso fühle ich mich. Wie nach einer großen Flasche Alkohol und einem Joint. Ich laufe den Weg nach Hause und werde fast von dem Klinikmensch überfahren, der immer mit seinem Miniauto rumdüst und sich vom Klinikgelände zur angrenzenden Kita verirrt hat. Ich laufe weiter, den Weg lang, über die Straße, die Stufen hoch, durch den Flur, in meine Wohnung. Zitronenkater maunzt mich laut an. Ich lasse die Tasche fallen und sinke auf meinen Fußboden. Den Kopf in den Händen, die  Augen geschlossen. Ich atme, spüre Katerkind um mich streifen und sich dann auf meinen Schoß quetschen. Und ich sitze einfach nur da, die Augen geschlossen. Minute um Minute. Irgendwann trinke ich den Rest der Cola, räume meinen Einkauf weg, fütter die Meeris mit frischem Salat. Die Welt dreht sich immer noch und schwankt und ist unwirklich. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Kann es mir nicht erklären. Ich suche meine Tropfen gegen zu niedrigen Blutdruck und Kreislaufstörungen. Sie schmecken ein wenig nach Erdnuss. Vielleicht wird es nun bald besser. Vielleicht hört die Welt endlich auf zu schwanken und wird real.

Ich bin wieder zuhause. Zum Glück, denn ich glaube ich hätte es keine einzige Minute länger ausgehalten. Ich habe das Gefühl, dass meine komplette Kraft drauf gegangen ist für die letzten Tage. Ständig Menschen um mich haben, nicht heulend zusammenbrechen. Und dann die ganze Zeit die Gespräche über meinen Vater. Nachdem es am Freitag schon damit anfing hörte meine Mutter einfach nicht mehr auf. Ständig fing sie wieder an mit der Scheidung, mit diesem und jenem und mit der Selbstverletzung. Irgendwann meinte sie, dass ich das ja nur tue, um meiner besten Freundin etwas zu beweisen. Um zu ihr zu gehören. Aber natürlich. Ich verletze mich deswegen. Sie fragte, was mein Vater denn getan hätte. Und dann kam, dass er sie ja auch geschlagen hätte. Ja, das ist schlimm. Nur war ich eben keine Erwachsene, sondern ein Kind, völlig von ihm abhängig, und es waren auch nicht ein paar Mal, sondern so unzählige viele Male. Und so viel mehr. „Ja, bei mir…“. Am Liebsten hätte ich sie angeschrien. Dass es nicht um sie geht. Dass sie nicht vergleichen kann zwischen sich und mir. „Ja wegen sowas musst du doch nicht ritzen…“. Ich kann nicht mehr sagen. Ich kann ihr nicht sagen, was sonst war.
Und nun bin ich eben zuhause. Ich fühle mich unglaublich kraftlos. Leergesaugt. Ich will mich verletzen. Schlimm und heftig. Ich will die Augen schließen und nie mehr öffnen. Ich will den Schmerz los werden. Für immer. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Außer aufgeben. Ich will einfach nur aufgeben. Aufgeben. Aufgeben.

Above all else, we choose to stay.

Als ich heute mit I. vor die Klinik tapste, die Ärmel noch hochgekrempelt, weil es drinnen warm war und wir auf die Bank plumsen, fragt eine Frau auf der Bank nebenan „Bist du Borderline?“. Ich antworte, dass ich nicht Borderline bin sondern Borderline habe, will schon ansetzen zu erklären, dass nicht jeder Borderliner sich verletzt und nicht jeder, der sich verletzt, Borderline hat, als sie mich mit „Warum tust du das?“ und einem Blick auf meine Arme unterbricht. Während ich noch überlege, ob ich ehrlich, sarkastisch oder gar nicht antworten soll, erwidert I.: „Um sich zu spüren.“ Und damit hat sie an sich eigentlich gar nicht mal so unrecht.
Im Laufe des Tages habe ich mich immer wieder gefragt, ob es eigentlich eine einfache Erklärung gibt für meine Selbstverletzung. Vermutlich nicht unbedingt. Eigentlich ist die Antwort ziemlich lang und kompliziert.
Denn im Grunde beginnt alles in den frühen Stunden eines Freitags im Februar Ende der 80er. Ich komme als erstes und einziges Kind einer damals schon bröckelnden Ehe auf die Welt. Als Kind einer Mutter Ende Zwanzig und eines Vaters Anfang Dreißig. Beide berufstätig, beide psychisch irgendwie vorbelastet. Weiter geht es drei Jahre später, als die Ehe endgültig auseinander bricht und der Vater mich mitnimmt zu Verwandten, einfach so, ohne die Zustimmung meiner Mutter, die sich seit der Scheidung das Sorgerecht mit ihm teilt. Was folgt ist ein schmutziger Sorgerechtsstreit, der mit unfairen Mitteln gekämpft wird und letztendlich meinen Vater als Sieger hervorgehen lässt. Also wachse ich bei meinem alleinerziehenden Vater auf, der dem Alkohol nicht abgeneigt ist, als Außenseiter unter gleichaltrigen, weil mich nicht die Mutter vom Kindergarten abholt und später dann zur Schule bringt. Weil ich keinen Kindergeburtstag feier und Freunde einlade, weil ich oftmals nicht nachmittags mit den anderen Kindern auf der Straße spiele. Und weil ich schon damals anders bin. Weil ich oft mit blauen Flecken auftauche, oft Bauchschmerzen habe oder mich übergebe.
Mit guten Noten komme ich aufs Gymnasium, bin immer noch ein Außenseiter. Ich vergrabe mich gerne in Buchseiten, träume mich oft in andere Welten, und bin immer noch die ohne Mutter, ohne Geburtstagsfeiern, diejenige, die nicht als Teenie im Jugendzentrum abhängt oder bis spät abends mit den anderen im Schwimmbad sitzt. Stattdessen bin ich irgendwann diejenige, die sich ritzt. Denn damit beginne ich 11 Jahre nach meiner Geburt, weil ich das Gefühl habe den Schmerz und die Angst und Verzweiflung nicht mehr auszuhalten. Und obwohl ich versuche es zu verstecken fällt es auf. Beim Umziehen zum Sport, wenn ich in Ungedanken den Ärmel hochschiebe, weil jemand es gesehen hat und weiter erzählt. Schon früh habe ich mir Wunden immer wieder aufgekratzt, die Fingernägel so weit abgefummelt, bis es blutete. Und irgendwann saß ich an einem Kunstprojekt, das Teppichmesser in der Hand, und fand plötzlich die Idee mir damit in die Haut zu schneiden extrem verlockend. Und plötzlich war da Erleichterung, die mich durchströmt. Ich fühle mich nicht mehr wie ein Ballon, der zuviel aufgepustet wurde, nicht mehr wie ein wandelndes Etwas ohne jegliche Gefühle. Es fühlt sich gut an, erleichternd, lebendig. Und es tut nicht weh. Von da an ist es mein Ventil, mein Weg mit dem Leben klarzukommen. Wenn mein Vater wieder mal getrunken hat, wenn er mich wieder mal geschlagen hat, wenn er mir wieder mal erklärt hat, wie nutzlos und fett und unfähig ich bin. Wenn er mir wieder mal verboten hat meine Mutter und meine mittlerweile geborene Halbschwester zu besuchen. Wenn ich in der Schule mal wieder alleine in der Pause stand. Wenn die anderen mal wieder begeistert von einer Geburtstagsfeier erzählten.
Mit 13 beginne ich zu schreiben, beginne Worte zu finden für das Grauen in mir, für die Angst und die Verzweiflung und die Suizidgedanken. Die Selbstverletzung bleibt. Als ich mit 14 heimlich eine Therapie beginne bleibt das Schreiben ein Weg meine Gefühle auszudrücken. Und so schreibe ich meiner Therapeutin regelmäßig die Dinge, für die mir in der Therapie die Worte fehlen, schreibe Zeile um Zeile auf Papier und bringe ihr das Chaos aus Gedanken und Gefühlen mit. Drei Jahre lang schaffe ich es so zu überleben, schaffe den Alltag und die Schule und die Therapie irgendwie, schaffe es die Schläge und die Worte meines Vaters durchzustehen, schaffe es die Sehnsucht nach meiner Mutter und meiner Schwester auszuhalten. Mit Schreiben und Schneiden, vom Teppichmesser bin ich mittlerweile zu Rasierklingen umgestiegen.
Dann findet mein Vater einen Brief an meine Therapeutin, als er meine Sachen durchsucht. Er wird wütend und trinkt und wird wütender und trinkt mehr. „Ich bringe dich um.“ Diese Worte werde ich nie vergessen. Er sagt sie mir ins Gesicht, dreht sich um und geht ins Wohnzimmer um noch mehr zu trinken. „Wenn ich gleich wieder komme schlage ich dich tot.“ Diese Worte schaffen, was vorher jahrelang unmöglich war. Ich fliehe. Ich klingel Sturm beim Nachbarn und hämmer gegen die Tür. Im Schlafanzug, heulend, zitternd. Jahrelang versuchte meine Therapeutin erfolglos mich dazu zu bewegen endlich dort raus zu gehen. Es blieb immer die Angst vor seiner Reaktion und seine Worte. „Wenn du mich alleine lässt bringe ich mich um.“ Aber ihn zu sehen, ihn sagen zu hören „Ich bringe dich um.“, das fegte alles beiseite und lies nur die pure Angst um mein Leben zurück. Zitternd und heulend sitze ich also beim Nachbarn. Höre meinen Vater aus der Wohnung kommen. Höre ihn klingeln. Ich flehe heulend, dass sie die Türe nicht aufmachen dürfen. Ich höre ihn gehen, höre ihn draußen nach mir suchen. Ich rufe meine Therapeutin auf dem Handy an. Und dann kommt alles ins Rollen. Der Rest der Nacht und auch die folgenden Tage fliegen an mir vorbei. Die Polizei, die vorbei kommt und mit mir redet. Der Polizist, der mich in die Wohnung begleitet, um ein paar Sachen zu packen, mein Vater, der im Wohnzimmer sitzt, umgeben von Polizisten und immer wieder stammelt, dass er nicht wisse was los ist. Die Frau vom Jugendamt, die mich bei meinem damals besten Freund absetzt, mich in den Arm nimmt und mir sagt, dass alles gut wird. Meine Lehrerin in der Schule, der ich erkläre, was passiert ist, und dass ich nicht weiß wie es weitergehen soll. Wieder die Frau vom Jugendamt, die mich zu einer Notpflegefamilie bringt. Mein Gefühlschaos, dass ich auch durch schneiden nicht los werde. Meine Angst vor meinem Vater, meine Wut mir gegenüber, weil ich ihn alleine lasse. Die Worte meiner Therapeutin, die nicht wirklich bei mir ankommen. Der Tag, an dem ich wieder in die Schule gehe und die Blicke der Lehrer und Mitschüler.
Vier Wochen später stehe ich das erste Mal vor einer Psychiatrie. Irgendwann lerne ich meine Pflegefamilie kennen und ziehe nach der Entlassung aus der Psychiatrie dort hin. Es folgen zwei Jahre voller Höhen und Tiefen. Ich verletze mich zum ersten Mal so tief, dass es genäht werden muss. Mit 19 ziehe ich aus diversen Gründen aus. Stürze ab, lande tief in der Depression, in der Selbstverletzung. Ich ziehe zu meiner Mutter. Atme, lebe, kämpfe, schneide. Irgendwann habe ich das Gefühl angekommen zu sein. Ich beginne meine Ausbildung, ziehe mit meiner Freundin zusammen, ziehe die Ausbildung durch und verletze mich insgesamt wenig. Ich mache Therapie und grabe irgendwann aus, dass mein Vater mir noch viel mehr angetan hat. Und vor nun gut einem Jahr brach ich völlig zusammen. Es gab keinen speziellen Grund, es war eher mehr der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Und daran ist nicht dieser einzelne Tropfen Schuld, sondern die ganzen anderen, die das Fass gefüllt haben.
Und warum schneide ich nun? Vielleicht gibt es darauf keine adäquate Antwort. Vielleicht liegt die Antwort ziemlich nah an „Weil ich überlebt habe.“. Vielleicht mit dem Zusatz, dass ich noch immer brauche um zu verstehen, dass weder Gefühle noch Leere mich umbringen. Weil ich vielleicht noch nicht in der Sicherheit angekommen bin, in der ich mich befinde. Weil es schwer ist etwas aufzugeben, dass einem half zu überleben. Weil es manchmal so viel leichter ist als konstruktiv zu sein. Es ist eine Mischung aus all dem und aus meiner Geschichte. Es gibt keine einfache Antwort darauf.
Fakt ist einfach, dass ich noch lebe. Dass ich kämpfe und atme und meinen Weg gehe. Und irgendwann werden die Schnitte weniger werden, irgendwann werde ich sie nicht mehr brauchen, um zu überleben. Daran glaube ich und daran halte ich mich fest. Und auch wenn ich oftmals einfach aufgeben möchte, wenn ich oftmals an allem zweifel und weine und schreie und schneide, so geht es doch weiter. Immer.

Und ich habe wieder twloha-Worte im Kopf.
Hope is real.
Your story is important.
No one else can play your part.

Above all else, we choose to stay. We choose to fight the darkness and the sadness, to fight the questions and the lies and the myth of all that’s missing. There is much not missing. We choose to stay, because we are all stories still going. Because there is still some time for things to turn around, time to be surprised and time for change. We stay because no one else can play your part.

Life is worth living. We’ll see you tomorrow.

 

 

And if you live by the rules of „it’s over“

Ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich werde die ambulante DBT nicht machen. Dafür gibt es einige Gründe, hauptsächlich liegt es daran, dass ich das ganze stationär machen und dafür keine Therapie abbrechen will. Auch meine Therapeutin findet es keine gute Idee, weil quasi sie und der Psychopeut gleichzeitig an mir therapieren und sie denkt nicht, dass das mir gut tut. Und mein Bauchgefühl schreit die ganze Zeit enorm laut dagegen an. Ich werde den Psychopeut am Donnerstag fragen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass es im nächsten Jahr nochmal startet. Ihm sagen, dass ich es dann gerne machen würde. Vielleicht in Verbindung mit einer ambulanten Traumatherapie. Es geht mir deutlich besser mit dieser Entscheidung. Vor allem, weil ich sie ja eigentlich vor Monaten schon einmal gefällt habe. Nun muss ich das nur noch den Klinikmenschen erklären und hoffen, dass sie einfach weiterhin hinter mir stehen und mit mir diesen Weg gehen.
Ich war vorhin in der Klinik und habe eine Freundin besucht. Danach kurz durch den Supermarkt und nach Hause, wo ich dann begonnen habe zu kochen und ein kleines bisschen Ordnung zu machen. Bibi war noch da, Katerkind hat uns beide mit seinem Blödsinn bespaßt. Nun schlummert er friedlich im Körbchen des Kratzbaumes. Früher hat er mal wunderbar dort rein gepasst, mittlerweile ist es eher ein reinquetschen, aber es scheint ihm gut zu gefallen.

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Gleich werde ich mich ins Bett bewegen und mich in meine Decken wickeln. Morgen will ich definitiv aufräumen, Geschirr spülen und putzen, mal endlich den Meerikäfig ausmessen… Und eigentlich müsste ich nochmal in die Hauptstadt, weil ich für Mamas Topfhandschuhe wohl doch mehr Wolle brauche als gedacht…
Jedenfalls soll morgen ein produktiver Tag werden. Ablenken, meine Wohnung in Ordnung bringen und damit auch das innere Chaos. Beim letzten Mal hat es ja nicht funktioniert, da kam aber auch ziemlicher Herzschmerz dazwischen, ich finde dann darf ich auch mal aus der Bahn fliegen.

I will go down with this ship
And I won’t put my hands up and surrender
There will be no white flag above my door
I’m in love and always will be

Die machen mich irgendwann noch irre in der Klinik. Es hieß irgendwann mal, dass ich da dann eventuell irgendwann mal die ambulante DBT machen kann, nach der stationären oder so. Derzeit sei das ja nicht in Einklang zu bringen mit der Intervalltherapie.
Nun heißt es, dass ich in der ambulanten DBT angemeldet bin, die Intervalltherapie dann wegfällt, nur noch eventuelle Krisen stationär aufgefangen werden. Waaaaaaaah. Na was denn nun? Ich bin nun völlig verwirrt. Vor allem überfordert es mich gerade. Mich entscheiden zu müssen zwischen den beiden Dingen ist nichts, dass grade irgendwie funktioniert. Ich hab mit Schwester Kathrin geredet, die mir ein paar gute Ideen mit auf den Weg gegeben hat. Vor allem das ganze erst mal sacken zu lassen, mir für den Termin am Donnerstag all die Dinge aufschreiben, die das grade mit mir macht, meine Bedenken aufschreiben. Und sie hat mir mehrmals gesagt, dass es nichts damit zu tun hat, dass man mich auf der Station nicht will. Dass ich in Krisensituationen dennoch stationär kommen kann. Ich glaube ich brauche echt einfach mal Zeit um das zu verarbeiten. Und vielleicht Bibi, um mal mit ihr drüber zu sprechen. Und auf jeden Fall das Gespräch am Donnerstag mit dem ehemaligen Psychopeuten. Ein wirres Chaos. Ich weiß nur, dass ich eigentlich nichts beginnen möchte, dass ich nicht beenden kann. Da wehrt sich in mir drin alles. Und ein Jahr ambulant machen und dann stationär? Eigentlich war geplant, dass ich es eventuell mal mache nach einer stationären, wenn ich das Gefühl habe ich brauche es. Zum auffrischen oder vertiefen. Andererseits würde es mich vielleicht aktuell auch schon ein wenig weiter bringen. Ach, ich weiß nicht. Ich will auch grade nicht mehr darüber nachdenken, sondern mich einfach verkriechen und sacken lassen. Damit wäre dann mein Tag auch gelaufen, mit dem wirren Zeug im Kopf kann ich unmöglich einen klaren Gedanken fassen in den nächsten Stunden…

Sie hat es beendet und ich bleibe verwirrt und traurig und ratlos zurück. Ich kann sie verstehen und verstehe es gleichzeitig überhaupt nicht.
Ich war bei ihr und wollte reden, sie aber nicht.
Nun sitze ich zuhause und atme einfach nur, Katerkind auf dem Schoß und Die Nanny auf dem Laptop. Ich bin okay. Soweit man bei/nach/während sowas okay sein kann. Ich schaue was mir jetzt gut tut und versuche einfach das Beste draus zu machen.