Druck – Klappe, die trölfzigste

Es war okay, so viele Tage und Wochen. Die Selbstverletzung hat so wenig Raum in meinem Leben eingenommen, dass ich sie an manchen Tagen sogar ganz vergessen habe. Wenn der Druck mal kam, dann war er immer unterschwellig, nie so hoch, dass ich hätte skillen müssen.

Und dann wache ich auf, gerade in dem Moment als ich fertig bin mir im Traum beide Pulsadern aufzuschneiden. Ich sehe meine unverletzten Arme und gleichzeitig das Blut und die Wunden. Es dauert, bis ich sicher bin, dass ich noch lebe, dass es nur ein Traum war.

Was bleibt ist der Druck und die Suizidgedanken. Mit letzteren kann ich umgehen. Sie sind ein leises Hintergrundrauschen, ein geflüstertes „Es wäre so viel leichter“, dem ich aber nichts entgegen setzen muss, weil es okay ist. Die Gedanken dürfen da sein, denn ich bin mir momentan sicher, dass ich sie nicht umsetzen werde und sie sind auch nicht so drängenden, dass ich handeln müsste.

Der Druck hingegen flüstert nicht, er brüllt und tobt. Ich habe seit dem Aufwachen das Gefühl nur noch aus meinen beiden Armen zu bestehen. Alles Körpergefühl sammelt sich dort und ich habe das Gefühl es nur los zu werden, indem ich mir eine Klinge durch die Haut ziehe. Den ganzen Tag über ist der Druck da, manchmal stärker, in manchen Momenten schwächer, aber nie verschwindet der Gedanke an Selbstverletzung aus meinem Kopf. Welle um Welle rollt heute über mich, manchmal sanft und manchmal tosend und brausend. Früher bin ich in solchen Momenten direkt eskaliert. Konnte es nicht aushalten, keinen einzigen Augenblick. In der Klinik waren es die Momente, in denen ich heulend und zitternd am liebsten zusammengebrochen wäre, wenn es keine Möglichkeit gab mich zu verletzen.

Mittlerweile halte ich es aus. Ich halte es aus, weil ich weiß, dass es mich nicht umbringt. Dass ich weder explodieren noch implodieren werde. Und weil ich Mittel und Wege habe es aushalten zu können. Es funktioniert, doch nicht unbegrenzt. Ein Tag dem Druck standhalten kostet unglaublich viel Kraft. Ich will eine Pause, ich will durchatmen können, weil ich momentan eigentlich meine Energie für andere Dinge bräuchte.

Ich weiß nicht warum es nun plötzlich wieder so viel Raum einnimmt. Vielleicht, weil die letzten Wochen stressmäßig ein Balanceakt waren. Vielleicht weil ich die letzten Wochen eh schon angespannt und antriebslos war. Vielleicht weil ich nicht gut schlafe. Vielleicht, weil es einfach wie eine Welle mal mehr, mal weniger ist. Eigentlich ist es auch egal. Wichtig ist gerade durchzuhalten.

Weil ich es schon so lange geschafft habe.

Weil ich meine Postkarte von den Bahamas bei Pfleger Arschkeks abholen will ohne frische Narben.

Weil ich einen Menschen an meiner Seite habe, der mit mir kämpft.

Weil ich Notaufnahmen und Wunden nähen lassen so satt habe.

Weil ich die letzten warmen Sommertage nicht mit Verband verbringen, sondern die Sonne auf meiner Haut spüren will.

Weil es nichts ändert, besser macht oder heilt.

Weil ich es einfach satt habe mein Leben davon so bestimmen zu lassen.

Ich pfeife mir jetzt Bedarf ein, denn für heute ist meine Kraft aufgebraucht. Ich mag nicht mehr kämpfen und stark sein, sondern mich nur noch in meine Decke wickeln, an meinen Schatz kuscheln, das Katerkind auf meinen Füßen liegen haben und mich fallen lassen.

Pflegekräfte – die wahren Helden.

Immer wieder lese ich im Gruppen oder Foren die Frage, wie man eigentlich gesund wird. Wie es besser wird. Und natürlich sind es immer wieder die gleichen Ratschläge. Therapie. Medikamente. Klinik.

Wenn ich gefragt werde, was mir von professioneller Seite am meisten geholfen hat in den letzten Jahren, dann ist das mittlerweile für mich einfach zu beantworten: die Menschen, die mich nicht mit Fachbuchtexten versucht haben zu therapieren, die nicht nur wöchentlich eine Stunde Zeit mit mir verbracht haben.

Zu 95% waren das die Pflegekräfte. Die Menschen, die meine täglichen Kämpfe gegen mich mit mir ausgefochten haben und durchaus auch meine Kämpfe gegen sie selbst. Die Menschen, die nachts mit mir auf dem Balkon saßen, die Runde um Runde mit mir über die Station liefen, wenn der Druck kaum aushaltbar war, die sich immer und immer wieder die Diskussion mit mir über das für und wieder angetan haben, die mich vom Badboden aufkratzten und für die zerschnittenen Arme und mein Versagen nicht verurteilten, die mir nachgingen, wenn ich versuchte abzuhauen, die stundenlang mit mir Kniffel spielten, mit mir Runden ums Haus drehten wenn ich nicht alleine raus durfte, die mit mir auf den Balkon zum rauchen gingen, die mir abends noch einen Tee kochten, die mir Smileys auf die Arme malten, mich beim Nähen mit geocaching-Geschichten ablenkten. Es gibt so unendlich viele Situationen, so viele Momente, Erinnerungen und Geschichten, gerade aus meiner Zeit in der Akutpsychiatrie.

Ich war sicherlich nicht einfach. Ich kann bockig und stur sein, ich war oft suizidal, anti alles, wollte keine konstruktiven Dinge annehmen. Und doch haben die Pfleger und Schwestern mich als Menschen akzeptiert und auch so behandelt, haben nicht aufgegeben und mir die Möglichkeit gegeben mich an ihnen zu reiben, meine Kämpfe auszufechten und ihre Unterstützung immer angeboten und mir die Zeit gegeben sie dann anzunehmen als ich es konnte. Es waren keine Psychologen oder Ärzte, keine wissenschaftlich fundierte Methoden, sondern Menschlichkeit, der Kontakt und Geduld, Akzeptanz und Grenzen, die mir in dieser Zeit so viel Halt gegeben haben. Es waren „Sie können jederzeit anrufen!“ und „Wir sind hier.“, „Sie schaffen das!“ und „ich glaube an Sie“. An Punkten, an denen ich mich selber aufgegeben hatte, mit mir selbst kein Wort mehr geredet hätte, mich abgrundtief gehasst habe – sie waren da.

Auch heute sind es die Worte der Pflegekräfte, die mir so oft zeigen was ich erreicht habe. Die Momente, in denen ich auf Station am Pflegestützpunkt lehne und erzähle. Vom Studium, vom Leben, von der Zeit ohne Selbstverletzung. Die Geschichten von „damals“, über die wir heute teilweise lachen. Pfleger Arschkeks, der mir einfach so einen Smiley auf den Arm malt. Schwester Nathalie, die immer wieder „Hätten Sie das damals gedacht?!“ fragt, Tina, die mich mit „Gott sei Dank sieht man dich nicht mehr ständig!“ begrüßt, Pfleger Pascal, von dem ich vor ein paar Tagen „Du bist ein Grund warum ich das Gefühl hab, was gutes zu tun. ich freue mich unheimlich für dich. endlich lebst du frei und kannst der wunderbare Mensch sein, der du bist!“ geschrieben kriege. Es sind die Schwestern und Pfleger, die mir in der haltlosen Zeit meinen Halt wieder zurück gegeben haben. Dafür verdienen sie viel mehr Anerkennung, eine viel bessere Bezahlung und vor allem einen unglaublichen Dank. Denn sie sind es, die mir wieder auf die Beine geholfen haben, sie sind es, die tagtäglich mit (oder auch manchmal gegen) die Patienten kämpfen, viel mehr leisten als jeder Psychologe oder Psychiater dort, die für alltägliche Katastrophen und große Dramen ein offenes Ohr haben, die so viel mehr tun als 0815-Arbeit und so großen Anteil am Weg der Patienten haben. Mit ihnen steht und fällt das Gesundheitssystem.

Und wenn alles zuviel wird, dann zieht mein Körper die Notbremse. Mal wieder.

Montag nach der Klausur bin ich zu Mama und wollte von dort aus eigentlich nur kurz nach Hause, das Katerkind und die Quietschnasen füttern, ein paar Sachen holen und wieder zurück. Pustekuchen. Bis in die Hauptstadt schaffe ich es, dann wirft mich die Panik um. Nichts geht mehr, kein Zentimeter vor, kein Zentimeter zurück. Welle um Welle, bis die Übelkeit kommt, sich mit der Panik abwechselt, bis der Kreislauf anfängt zu streiken. Bis ich irgendwann dann doch zu Tavor greife, atme, bis D. mich per WhatsApp begleitet zum Gleis und im Zug und letztendlich bis vor meine Haustür. An nochmal raus gehen oder zu Mama zu fahren ist absolut nicht zu denken. Und zwischen Kotzen und Zittern und Heulen steht irgendwann fest, dass es nicht geht. Dass ich nicht Lernen kann und auch beim besten Willen keine Klausur schreiben. Selbstfürsorge. Auch wenn meine Gefühle eskalieren, mir tausend wenn und aber durch den Kopf schießen, mein Pflichtgefühl mit Leuchtreklame durch die Gegend hüpft – es geht nicht. Die Panik ist zwar irgendwann weg, doch den Abend und die Nacht verbringe ich hauptsächlich auf meinem Badezimmerboden.

Und so schreibe ich gestern keine Klausur. Stattdessen fahre ich zu meiner Ärztin, die mir sagt, dass ich ziemlich beschissen aussehe. Doch sie strahlt, als ich ihr sage, dass es im Großen und Ganzen seit der dbt wirklich okay ist, dass da keine Selbstverletzung mehr ist, dass ich studiere. Sie freut sich ehrlich und ich muss lächeln, denn ich erinnere mich noch zu gut an die Gespräche in der Praxis, während sie mir Fäden aus dem Arm zieht oder entzündete Wunden versorgt.

Ich hasse es, wenn mein Körper aufhört zu funktionieren. Wenn schon die Psyche ein so völlig labiles Konstrukt ist, dann mag ich wenigstens einen Körper, der tut was er soll.

Heute noch. In 4 ½ Stunden schreibe ich Recht, dann ist es vorbei erstmal. Termin bei der Krisenbetreuung, meine Krankmeldung in den Attestbriefkasten schmeißen, meinen Kram bei Mama einsammeln und heim zum Zitronenkater und den Quietschis. Ausschlafen.

Am Freitag kommt die liebe fylgja zu mir, ich freue mich unglaublich darauf. Ich weiß, dass ich ihr nicht viel erklären muss, dass sie mich und mein Chaos versteht. Einfach fallen lassen können und ich sein, nach dem ganzen Durchhalten und Lächeln und den Schein wahren.

Atmen. Plan und Ziel für heute. Das irgendwie hin kriegen, dann ist es vorbei.

Und jetzt dreh ich mich nochmal ’ne Stunde um und versuche ein wenig Schlaf zu kriegen. Klausuren um 8 Uhr sind echt fürn Popo, da bin ich absolut noch kein Mensch.

weil dir nie jemand erklären konnte, wie man Vergangenheit in „Sonst“ verstaut

Vor einigen Jahren habe ich mit dem Linchen mal Narben angemalt. Es ging um die verquere Selbstwahrnehmung. Und weil sie aktuell mehr als verquer ist, weil ich mich so sehr nach neuen Wunden sehne, weil die Narben doch gar nicht schlimm sind und doch eh nur ein paar wenige, weil ich es so gar nicht sehen kann…

… hab ich mir vorhin Farbe geschnappt.

Und jede Narbe zahlt sich aus,
ist in schlechten Tagen Mahnmal
und in guter Zeit Applaus.

Es löst vieles aus. Es zeigt mir auf eine erschreckende Art und Weise, dass es vielleicht doch nicht so „wenig“ und so „harmlos“ ist. Es gibt mir ein wenig Bestätigung, dass die Vergangenheit wirklich schlimm war. Dass ich wirklich diesen Weg gehen musste um zu überleben. Und es macht mich traurig, weil es nötig war diesen Weg zu gehen um zu überleben. Es zeigt mir aber auch, dass ich stolz sein kann, denn seit langer Zeit sind dort keine frischen Wunden mehr.

Es sind viele Gefühle. Aber es hilft, es tut gut. Es bringt die Realität und meine Wahrnehmung ein wenig mehr in Einklang, es hilft dem Körpergefühl, es lenkt ab.

Im Anschluss schnappe ich mir im Bad die kleine Dose mit dem Peeling, das Frau S. mir damals in der dbt gemixt und in die Hand gedrückt hat. Ich rubbele mir damit und mit einer ordentlich kalten Ladung Wasser die Farbe von den Armen, spüre mich dabei so intensiv wie lange nicht mehr.

Vorhin hat es nicht funktioniert mit dem Schlafen. Aber nun bin ich deutlich weniger angespannt, deutlich mehr im Hier und Jetzt und in meinem Körper. So und mit einer Portion Bedarfsmedis klappt es nun hoffentlich.

Du kommst so selten oben an
und wenn dann nur an schlechten Tagen,
wenn man vom Leben gar nichts sehen kann.
Sind deine Taschen voller Staub,
weil dir nie jemand erklären konnt‘,
wie man Vergangenheit in „Sonst“ verstaut.
Mädchen, selbst wenn du verbrennst,
solang’s noch schimmert.
Bleibt hier alles halb so schlimm,
solang’s noch schimmert.
Nichts ist wichtig, nichts egal,
solang’s noch schimmert.
Solang du schimmerst!

Atmen

Ich komme vom Termin und es ist eigentlich okay. Trotz der schlaflosen Nacht, trotz den dröhnenden Schmerzen in meinem Kopf, trotz dem Wunsch mir einfach im nächsten Drogeriemarkt ein Päckchen Klingen zu kaufen. Es war gut zu reden, darüber, dass es mies ist, über Alltagskram, über Internetquatsch und einfach ich sein zu können. Im Gegensatz zu der Zeit in der Vorlesung kurz davor, wo ich versuche zu folgen, gnadenlos scheitere, Konversation betreibe und lächle, obwohl mir so sehr nach Zusammenbruch und Weinen ist.

Es ist okay bis ich den Bahnhof betrete. Dort pralle ich mit der Realität zusammen wie mit einer Wand. Menschen, die sich unterhalten, ein bellender Hund, ein brüllendes Kind, eine Durchsage, ein ejnfahrender Zug, das Quietschen der Räder eines Trolleys, eine quietschende Rolltreppe, Geruch von Zimtwaffeln und Pizza und Brötchen und Kaffee und betrunkenen Menschen und nach nassem Hund. Ohne Schlaf ist es mir kaum noch möglich Reize überhaupt noch zu filtern, noch viel weniger als sonst eh schon, ich will mich einfach nur noch in einer Ecke zusammen rollen und haltlos anfangen zu heulen.

An die Fahrt erinnere ich mich kaum. Vermutlich bin ich irgendwann einfach dissoziiert. So sehr ich diesen Zustand manchmal hasse, so willkommen ist er in anderen Momenten, wenn die Realität einfach unerträglich wird.

Zuhause umarme ich die Kloschüssel, das Katerkind springt mir auf den Rücken und setzt sich schimpfend auf meine Schulter, knabbert an meinem Ohr, miaut in den höchsten Tönen, bis ich endlich aufhöre mein Inneres nach außen zu befördern und ihn kraulen kann. Die Übelkeit begleitet mich nun schon seit dem letzten Abend in 2017 und es triggert Erinnerungen die wiederum Übelkeit triggern und wiederum Erinnerungen und wiederum Übelkeit. Es ist ein anstrengender Kreislauf und mein übermüdeter Körper macht es nicht besser.

Nun liege ich zusammengerollt im Bett mit dem Katerkind auf meinen Beinen, eingekuschelt in zwei Decken, mit Netflix und Wärmflasche. Ich bin müde, unglaublich müde, und will nur noch schlafen. Gleichzeitig brüllt in meinem Kopf eine Stimme immer und immer wieder, dass ich nicht schlafen kann, mich nicht im Bett vergraben, denn die Wohnung ist ein Schlachtfeld, ich müsste anfangen für die Prüfungen zu lernen, ich müsste dies und das und so viele Dinge und kann doch nicht einfach nur kaputt und müde sein. Es ist ein altbekannter Kampf gegen Glaubenssätze, gegen die alten Worte, die mir sagen, dass ich nur etwas wert bin wenn ich etwas leiste, wenn ich alles perfekt mache, wenn ich mir Anerkennung verdiene. Ich stehe mir selbst im Weg, fordere zu viel von mir und verurteile mich somit selbst zum Scheitern. Ich kann nur scheitern an diesen Glaubenssätzen, an diesen Anforderungen, die ich doch nie erfüllen konnte, weil sie unerfüllbar waren, schon immer. Weil ich es nie wert war, weil immer jemand besser, toller, schlauer war.

Ich versuche mir zu erlauben kaputt zu sein. Müde und zerschlagen und gerade einfach unfähig etwas zu leisten. Ich versuche mir selbst zu sagen, dass es okay ist, gegen die Worte meines Vaters im Kopf, gegen das starke Gefühl wertlos zu sein. Ich versuche einfach weiter zu atmen, ein und aus, versuche standhaft zu sein gegen die drängenden Suizidgedanken, versuche dem Selbstverletzungsdruck nicht nachzugeben. Es geht vorbei. Es geht vorbei. Es geht vorbei. Einatmen, ausatmen. Schritt für Schritt, Skill für Skill. Es geht vorbei.

Unglaublich schwer

Mir fehlen die Worte um zu beschreiben wie es gerade ist. Es gibt keine Worte die ausdrücken können was in mir vor sich geht.

Ich will einfach nur noch, dass es vorbei geht. Die Suizidalität. Die Gedanken an die Selbstverletzung. Die Antriebslosigkeit. Die Schlaflosigkeit.

Die vierte Nacht in Folge finde ich nicht in den Schlaf. Keine einzige Nacht in diesem Jahr habe ich bisher einfach nur geschlafen.

Es ist jede Nacht aufs Neue eine Gratwanderung. Die Suizidalität ist bei 5, auf der höchsten Stufe. Es ist kein Platz mehr in meinem Kopf für andere Gedanken. 5, das heißt ich muss entscheiden ob es funktioniert. Jede Minute und jede Minute und jede Minute. Ständig frage ich mich, ob es noch funktioniert. 5 und die Verantwortung tragen können? 5 und es nicht mehr können?

Es gibt Augenblicke in denen ich mir sicher bin, dass ich die Verantwortung gerade nicht tragen kann. In denen ich eigentlich den sicheren Rahmen der Klinik aufsuchen müsste. Doch in diesen Momenten liege ich einfach nur bewegungslos im Bett, atme ein und atme aus und atme ein und atme aus, bis ich den winzigen Schritt zurück geschafft habe in die Verantwortung. Sobald diese Momente länger werden, sobald diese Momente auftauchen, wenn ich nicht gerade erstarrt im Bett liege… Ja, dann muss ich wohl in die Klinik.

Ich will es nicht. Ich will es nicht, weil ich weiß, dass es nicht besser werden wird. Die Klinik wird es nicht besser machen. Ich will es nicht noch schwerer haben durch das Eingesperrtsein, durch die wenigen Möglichkeiten der Ablenkung, durch einfach so vieles.

Es ist so schwer auszuhalten momentan. So unglaublich schwer. Ich kämpfe mich durch jeden einzelnen Augenblick. Ich atme und kämpfe und kämpfe und atme. Einzig und allein der Gedanke daran, dass es vorbei gehen wird, hält mich noch.

Feels like I’m caught in the middle

Irgendwann in diesem ganzen Studiumsanfangschaos sitze ich zwischen vielen Menschen in der Aula. Der Dekan steht da und spricht, heißt uns alle willkommen. „Dass Sie hier sitzen haben Sie nicht dem Glück zu verdanken, naja, ein winzig kleines bisschen vielleicht, sondern Ihrer Leistung.“ Es gab so viele Bewerber und so wenig Plätze wie eh und je, ich sitze dort zwischen all diesen Menschen, die es geschafft haben. Und wie in einer Rückblende im Film erscheint Frau K. vor mir, die Therapeutin aus der dbt, und redet von Stolz und ich kann es kaum aushalten. Und dann Herr H. aus der Traumatherapie und wieder dieses Wort und dieses Gefühl, mit dem ich doch immer noch viel zu wenig anfangen kann. Und dann sitze ich dort und muss die Tränen zurück halten, denn ja verdammt, stolz, das bin ich.

Stolz, weil ich hier sitze, zwischen Kommilitonen, die sich teilweise mehrfach hier beworben haben, teilweise mehrfach woanders. Und stolz, weil ich eben hier sitze, immer noch atme und lebe und weil ich wieder atme und lebe nach den fast 3 Jahren, die hinter mir liegen.

Stolz fühlt sich immer noch neu und fremd an. Merkwürdig und trotzdem nicht mehr ganz so furchtbar, manchmal sogar fast gut.

In meiner Nase ist der Geruch von feuchtem Laub und Spätsommer oder auch schon Herbst, als ich im Dunkeln zum Bus laufe. Vor einem Jahr lag dieser Geruch abends um mich, wenn ich auf der Bank vor der Klapse saß und eine Zigarette rauchte. Damals schien ein Jahr so endlos weit weg. So weit voraus denken, planen wie es weitergeht, sogar unterschreiben, dass ich dann (und sogar noch ein paar Monate länger) immer noch lebe… Und nun frage ich mich, wie so oft in der letzten Zeit, wo dieses Jahr hin ist, vorhin die Tage und Wochen und Monate verschwunden sind.

Und dann sitze ich wenige Momente später auf dem Boden in meinem Bad und heule. Weil ich nicht mitkomme, weil ich da stehe in diesem Leben, das nun weder Scherbenhaufen noch okay noch eine Mischung aus beidem ist, weil es doch irgendwie okay ist und ich stehe da und will laut schreien, will schreien, dass ich nicht gesund bin, dass da in mir immer noch ein Scherbenhaufen ist, dass ich das so nicht kann und das doch so auch nicht funktioniert und dass ich so doch nicht studieren kann und leben und alles. Ich will schreien und zusammenbrechen und krank sein, oder eben gesund, und nicht diese wirre Mischung daraus, die weder was Halbes noch was Ganzes ist. Wann will ich einfach wieder zurück in die Sicherheit aus Zusammenbruch und Selbstverletzung und Suizidgedanken, weil das so gewohnt ist, so sicher.

Und so sitze ich da auf dem Boden in meinem Bad und blicke direkt auf den Badschrank, weiß genau, dass sich dort in dieser mittleren Schublade Rasierklingen befinden und weiß auch genau, dass ich sie nicht benutzen werde, so sehr ich es auch will.

Vielleicht muss ich mich mit diesem seltsamen Zwischending abfinden. Vermutlich bleibt mir wenig anderes übrig. Eine Kranke auf dem Weg zum Gesundsein. Eine Gesunde mit Krankheit irgendwo. Ich, zwischen hier und dort. Vielleicht wird es nie nur das eine oder das andere geben. Vielleicht kann ich irgendwann sagen, dass ich gesund bin. Vielleicht bin ich irgendwann mehr gesund als krank. Ich weiß es nicht, ich weiß nicht was die Zukunft bringt. Ich weiß nur, dass sie kommen wird. Und vielleicht werde ich auch weiterhin in der Mitte bleiben, zwischen den Extremen, zwischen Schwarz und Weiß. Wenn, dann aber nicht grau, sondern bunt.

But if you look at me closely
You will see it in my eyes
This girl will always find
Her way

Der Schädel schmerzt, your heart is beating.

Mir laufen sie Tränen über das Gesicht, während ich die Meerivilla sauber mache. Ich weine und weine, denn nun ist nichts mehr da von Flocke.

Eine Woche ist vergangen seit ich sie fand. Entspannt auf der Seite liegend, die Augen halb geöffnet, wie so oft, wenn sie vor sich hin döste. Doch dieses eine Mal wacht sie nicht auf, als ich sie anstupse. Der Schmerz wurde zu einem ersticken Schrei, während ich sie an mich drücke, auf dem Boden zusammen sinke und weine, weine, weine. Bis ihr Fell nass ist von meinen Tränen. Wie so oft. Nur leckt sie mir diesmal nicht die Feuchtigkeit von den Wangen, beißt mir nicht auffordernd in den Finger.

Ich habe sie begraben, oben am Waldrand. Mich von ihr verabschiedet und sie auf ihren Weg über die Regenbogenbrücke geschickt. So viele Jahre war sie an meiner Seite, seit dem Tag, an dem sie auf die Welt kam. Sie war die letzte von Rainis Kindern, das letzte übrig gebliebene Schweinchen, dass jahrelange an meiner Seite war.

Nun ist es leerer in der Schweinevilla. Caro und Caramell sind in dem einen Jahr das sie nun bei mir leben zwar zutraulicher geworden, aber immer noch schreckhaft und nicht so lebendig wie Flocke es war. Doch seit ein paar Tagen beginnen auch sie morgens lauthals zu quietschen, wenn ich aufstehe oder kommen nach vorne gerannt, wenn ich zur Haustür rein komme.

Es wird wieder ein Schweinchen hier einziehen. Eins oder mehrere, mal sehen. Vielleicht bald, vielleicht auch erst nach dem (hoffentlich bald funktionierenden) Umzug. Es wird wieder lauter werden in der Schweinevilla und Flocke hat ihren Platz bekommen in meinem Fotorahmen. Den Platz in meinem Herzen wird sie immer behalten.

Das Katerkind ist verwirrt über meine Trauer und mein Weinen. Vor einer Woche und auch heute. Er schmiegt sich an mich und beißt mir sanft in die Arme, klettert auf meinen Schoß und schiebt seinen Kopf unter meine Hand, damit ich ihn kraule. Er gibt mir so viel Wärme und Liebe, dass mein kleines trauriges Herz manchmal überlaufen möchte vor Zuneigung zu ihm. Ich bin so unendlich froh ihn in meinem Leben zu haben, hoffentlich noch viele viele Jahre lang.

Um mich rum dreht die Welt sich weiter, während ich aktuell manchmal das Gefühl habe, dass mein Leben still steht. Es ist so viel derzeit und es fordert so viel Kraft. Die Ämtersachen, die Angst vor dem Neubeginn, der Alltag. Ich sehne mich nach der Selbstverletzung, vermisse die Zeit, in der sie da war und Halt und Kraft gab, mir half solche Phasen durchzustehen. Mir fehlt das positive daran, denn es war nicht immer schlecht, sonst hätte ich mich nicht so viele Jahre verletzt. Und mir fehlt es auch, dass diese Leichtigkeit nicht mehr da ist, mit der ich früher zur Klinge greifen konnte, denn da ist so viel negatives mittlerweile, dass die Selbstverletzung mir nie wieder so helfen würde und könnte wie früher.

Und trotzdem wünsche ich mir, dass es passiert. Ich wünsche mir einen Moment der Unachtsamkeit, einen Moment des Kontrollverlusts, einfach, weil ich mich so sehr nach der Erleichterung sehne.

Und trotzdem mache ich weiter. Skill für Skill, Tag für Tag. Ich halte durch und kämpfe und Schwester Nathalie zog vorhin ihren imaginären Hut, als ich ihr von dem derzeitigen Chaos berichte.

Auch diese Phase wird wieder vorbei gehen. Es wird wieder besser werden, denn das habe ich gelernt aus den ganzen schlimmen Phasen. Es geht vorbei. Immer. Auch wenn es sich nicht so anfühlt und alles in mir nach aufgeben schreit.

Doch statt mir selbst zu schaden sorge ich für mich so gut es geht. Ich vergrabe mich unter der Kuscheldecke, schalte netflix an und genieße die Wärme des Katerkinds, das friedlich auf mir schlummert, den Bauch voller Maus und Futter.

Und das ist ernst gemeint: Es geht bis zum Ende weiter!
Keinen kümmerts was, aber es hält was es verspricht.

Weltbester Psychiater

Mein Wecker klingelt kurz nach 6 zum ersten Mal und ich bin mir sicher, dass irgendwas daran falsch ist. Es kann noch nicht Morgen sein, die Nacht kann noch nicht zuende sein. Zwei Stunden Schlaf liegen hinter mir und ich schäle mich mit viel Mühe aus meiner Decke, bin kurz verwirrt über den Schmerz in meinem Fuß, bis mein Hirn den Zitronenkater, der wild mit meinem Fuß kämpft, mit dem Schmerz assoziieren kann. Dem Herrn scheint es nichts auszumachen, dass die Nacht unruhig und kurz war, er flitzt mir voraus in die Küche, jagt dann meine Füße auf dem Weg ins Bad, wo ich den Wasserhahn aufdrehe, um das Blut von meinen Armen zu waschen.

Moment. Blut? Erst in diesem Moment wird mir klar, dass meine Arme nicht zerschnitten sind, meine Beine auch nicht. Dabei waren sie es vor wenigen Augenblicken noch. Und wieder dauert es, bis mein Hirn seine Arbeit tut, bis ich begreife, dass es ein Traum war. Und ich beginne zu weinen, weil es mich zerreißt zwischen heilige Scheiße, es war zum Glück nur ein Traum und verdammt, es war nur ein Traum.

Was mir bleibt von der Nacht ist also keine Erholung, kein Ausgeruhtsein, sondern Druck, Anspannung und Sehnsucht, eine solche Sehnsucht nach dem Gefühl, dass so real war und immer noch ist. Ich spüre die nicht vorhandenen Wunden, ich spüre das feine Brennen, ich spüre die Erleichterung und will in diesem Moment nur die Tür des Badschranks öffnen, in dem eine unbenutzte Klinge liegt. Ironischerweise mit dem Namensaufkleber der Psychiatrie drauf, mit dem die persönlichen Dinge und die Akte dort gekennzeichnet werden. Wer damals auf die Idee kam mir die abgegebenen Klingen in den Entlassungsbrief zu stecken ist für mich bis heute ein Rätsel.

Also stehe ich heulend in meinem Bad um kurz nach 6, sehe das Wasser ins Waschbecken laufen und sehe doch eigentlich ganz andere Dinge. Bis der Zitronenkater in die nächsthöhere Oktave wechselt und so laut und erbärmlich jammert, dass ich schon Angst habe meine Nachbarn würden den Tierschutz rufen. Er will Futter und gekrault werden und versteht nicht, was ich da so lange und heulend im Bad mache, beißt mir auffordernd in die Wade und ist schon fast dabei noch eine Tonlage höher zu schreien, als ich den Wasserhahn wieder zudrehe und ihm in der Küche sein Frühstück verpasse, noch eine Gurke vom Tisch angel um die Schweinchen zu füttern und dann auf das Sofa sinke und mir erstmal eine Zigarette anzünde.

Ich nehme mir die Zeit durchzuatmen und dann den nicht mehr ganz so hungrigen Kater auf meinem Schoß zu kraulen, ich nehme mir sogar noch etwas mehr Zeit und lasse Haare ordnen und Schminken ausfallen, vergrabe lieber meine Nase im Fell des Zitronenkaters.

Dann purzel ich aus dem Haus, nehme Bus und Bahn und meine Füße tragen mich fast automatisch zum Drogeriemarkt am Bahnhof, denn ich könnte ja doch eigentlich Klingen kaufen und so ein ganz kleines bisschen verletzten, bevor ich beim Psychiater im Wartezimmer sitze zwischen all den Menschen und den Druck gar nicht mehr aushalte. Doch ich lasse es, vertröste mich selbst mit dem Gedanken, dass ich ja nachher noch kann, nach dem Termin.

Und so sitze ich dann im Wartezimmer. Angespannt, verkrampft, schreibe mit der lieben fylgja und lenke mich so ab.

Wie isses heute? fragt der Psychiater und ich muss mit den Tränen kämpfen. Ich erzähle von der Nacht, von den Träumen, von dem unglaublichen Druck. Und was tun wir nun mit Ihnen fragt er und ich zucke nur hilflos mit den Schultern. Er lehnt sich zurück, blickt mich über den Rand seiner Brille an und hat dann eine Idee. Akupunktur mal probiert? fragt er und ich erzähle ihm von der Akupunktur in der Klinik und das es meistens schon was brachte.

Also piekst er mir Nadeln ins Ohr. Ohne dass ich dafür bezahlen muss, denn die Krankenkasse übernimmt das ja nicht, aber er will mir ja helfen und zwar jetzt. Ich liebeliebeliebe diesen wunderbaren Psychiater!

Er parkt mich im Nebenraum und ich lausche auf die Geräusche in der Praxis und draußen, spüre meinen eigenen Herzschlag und meinen Atem. Und ich spüre, dass die Anspannung nachlässt, dass der Druck nachlässt, dass mein Körper nicht mehr nur aus den Stellen auf meinen Armen besteht, an denen ich mich immer verletzt habe.

20 Minuten später fühle ich mich wie ein anderer Mensch. Es tut so gut die Anspannung verschwinden zu sehen, zu spüren, dass es besser ist, dass ich es schaffen werde der noch übrig gebliebenen Sehnsucht standzuhalten.

Nun gehe ich erstmal wieder ins Bett. Ein wenig Schlaf nachholen, Selbstfürsorge. Und die werde ich auch den Rest vom Tag so gut wie möglich betreiben, denn ich habe es heute wirklich verdient.

This. Is. Worth. Fighting for.

Seit gestern nehme ich wieder meine „normale“ Dosis Medis. Und bisher ist es in Ordnung. Die Übelkeit ist nicht mehr oder weniger geworden, sie hält sich nun seit 1 ½ Wochen auf einem konstanten Level. Es strengt an, weil Übelkeit immer noch triggert, aber ich habe in den letzten Tagen gelernt halbwegs damit umzugehen, weil ich weiß, dass die Medis grade dieses Chaos veranstalten. Ich schlafe trotz allem gut, in der Nacht bei Muddi und in den Nächten bei A. und auch in den zwei Nächten bisher zuhause. Zwar viel, aber gut, daheim ab und an mal unterbrochen durch ein paar Sekunden aufwachen, weil das Katerkind über mich tapst oder mir laut ins Ohr schnurrt.

Und ich wache auch tatsächlich morgens auf wenn ich muss, zwar knatschig und zerknautscht und muffig, aber ich wache auf. So bin ich am Montag schon vor 8 Uhr unterwegs zur Klinik um mich von I. zu verabschieden, die nicht in Deutschland lebt und nur alle 3 Monate mal hier ist wegen Klinik. Gestern bin ich schon früh unterwegs, weil meine Gefühle mich an den Rand der Explosion bringen und ich gegensteuern muss, also ziehe ich über die Felder und bringe den Schweinchen Maisblätter mit.

Und heute purzel ich auch vor 8 aus dem Bett, weil ich zur arge muss. Ich hoffe, dass ich die unzähligen Unterlagen habe (bis auf die Vermieterbescheinigung, dafür brauche ich ein Formular, dass sie mir natürlich nicht mitgegeben haben…), ich hoffe, dass ich einen netten Menschen erwische, ich hoffe, dass ich nicht weiter geschickt werde, weil ich momentan keine Arbeit suche. Und ich hoffe, dass es nicht ewig dauert, denn ich muss weiter zur Therapie in die Hauptstadt.

Ich weiß gar nicht, auf welchem Stand meine Therapeutin ist. Sie war in Urlaub und wie immer, wenn zwischen den Stunden bei ihr eine längere Pause entsteht, passiert irgendwas. Meine Welt geht unter oder ich lande mal wieder in der Klapse oder oder oder. Irgendwas passiert immer und vielleicht sollte ich ihr einfach verbieten länger als 2 Wochen weg zu sein, weil die Termine mein Rahmen sind und ohne Rahmen alles aus dem Bild kippt.

Seit so vielen Jahren gehe ich nun zu ihr und sie kennt mich manchmal besser als ich mich selber. Ich weiß nicht, ob ich ansprechen soll, dass momentan so vieles in mir danach drängt nicht in der Realität zu sein. Aber nicht, weil ich vor der Realität fliehen möchte (doch, eigentlich schon, aber das ist wieder eine andere Baustelle), sondern dass ich diese Momente genieße in denen ich dann wieder in der Realität ankomme, diese Momente in denen ich sicher weiß, dass ich da bin und existiere und lebe. Das Gegenteil von weg eben, das Gegenteil von betrunken, einfach hier und lebendig. Es ist eine Flucht in Möglichkeiten mich lebendig zu fühlen ohne Selbstverletzung. Aber nicht besser oder schlechter, sondern genau so ein Problemverhalten wie mich zu verletzen.

Ich habe mit Schwester Sabine am Telefon gesprochen, weil ich weiß, dass sie es versteht. Sie oder Nathalie. Sie war da und ich war froh darüber. Skills sagt sie. Wie bei Anspannung, wie bei Selbstverletzung, wenn der Wunsch auftaucht nicht mehr in der Realität zu sein, um sie danach nur intensiver zu spüren.

Noch habe ich es unter Kontrolle. Noch. Ich bemühe mich nicht zu fliehen wenn es grade schwierig ist, sondern nur in den guten Momenten mal ein wenig Kontrollverlust zu genießen. Denn sonst wird es ganz schnell zum Ersatz der Selbstverletzung.

Das ganze zeigt mir, dass etwas fehlt. Dass ich Dinge brauche um mich lebendig zu fühlen, mich zu spüren. In der dbt-Stadt stand ich im Regen. Nass bis auf die Unterwäsche, die dicken Tropfen auf meiner Haut, die Kälte langsam in meinem Körper. Es gibt ein Bild davon und dieses Bild fängt genau das ein, was ich unter lebendig verstehe. Dieser Moment, in dem ich einfach nur da war, atmend, lebendig, da. Einfach da.

Nur kann ich eben nicht ständig im Regen stehen, erstens weil das Wetter mich da im Stich lässt, zweitens würde es irgendwann wohl die Wirkung verlieren, drittens brauche ich einfach etwas zuverlässiges, etwas, dass jederzeit verfügbar ist. Oder hat jemand eine Regenwolke zum mitnehmen im Angebot?

Also geht es in den nächsten Tagen wohl darum Dinge zu finden, die mich lebendig sein lassen. Raus aus dieser Watte, in der ich gefühlt seit Wochen klebe, die meine Realität unwirklich werden lässt. Spüren, mich und das Leben. Das wird das Ziel.

You’ve had enough… But just don’t give up… Stick to your guns, You. Are. Worth. Fighting for. You know we’ve all got battle scars. Keep marching on.