Möp. 

Ich fühle mich leer. Ich habe wieder Selbstverletzungsdruck. Und Suizidgedanken. 

Ich habe Angst, dass ich auf dem besten Weg bin wieder in einer depressiven Phase zu landen. Ich habe Angst davor, doch ich schaffe es auch nicht etwas dagegen zu tun. 

Ich habe es immerhin geschafft mich anzuziehen und einzukaufen. 5 Stunden habe ich nach dem Aufstehen gebraucht bis dahin. Dann habe ich tatsächlich noch was gekocht und gegessen. Und das war’s dann auch schon wieder mit produktiv sein. 

Viel zu wenig für meine Ansprüche. Doch ich kann es nicht ändern. Alles schimpfen und toben und wütend auf mich sein bringt nichts. Ich schaffe es nicht irgendwas zu tun. 

Es ist nun der zweite Tag in Folge. Ich versuche mich nicht im Selbsthass zu verlieren, versuche es einfach zu akzeptieren, versuche die Gefühle einfach da sein zu lassen. Versuche einfach zu atmen. 

Morgen wird es besser. Das sage ich mir immer und immer wieder, versuche mich daran festzuhalten, versuche mich damit durch die Stunden zu retten. Ich versuche den Berg an Dingen, der vor mir liegt, einfach zu vergessen, weil ich sonst vermutlich die totale Krise kriege. 

Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen. Minute für Minute, Skill für Skill. Einfach weiter machen. 

Kraftlos 

Vor genau zwei Jahren sah meine Wohnung noch ein wenig anders aus als jetzt. Nämlich so:

Damals waren gerade einige meiner Bücher hier eingezogen. Auch heute stapeln sie sich noch gerne irgendwo auf dem Boden. Ich habe einfach zu wenig Regal und zu wenig Platz für noch mehr Regal. 

Vor zwei Jahren habe ich begonnen umzuziehen. Mittlerweile bin ich definitiv hier angekommen in diesen 4 Wänden und fühle mich wohl. Vor allem auch wegen den 4 flauschigen Mitbewohnern. 

Die Zeit bei meiner Mutter war anstrengend. Nicht zuletzt durch den Besuch meines Großonkels, der sich vier Stunden lang mit unglaublich blödem Gerede in Mamas Wohnung breit machte. Ich habe das Gefühl, dass er mit jedem Lebensjahr mehr noch anstrengender wird. 

Die Zeit bei ihr hat mich eine Menge Kraft gekostet. Vor allem der Herr Großonkel mit seiner Lautstärke, seinen doofen Aussagen und seinem ständig irgendwo berühren und knutschen und Krams. Bäh. Und dementsprechend hänge ich gerade auch rum. Völlig Matsch. Und mit gleichzeitig völligem Unverständnis für mich selbst, weil es mich ankotzt so kraftlos zu sein. Und der Ärger über mich selbst kostet dann die wenige Energie, die ich überhaupt habe. 

Also habe ich mich nun für einen Neustart des Tages entschieden. Einfach nochmal ins Bett und nachher nochmal aufstehen, mit der Hoffnung, dass es dann besser ist. 

Es ist anstrengend, dieses kaputte Leben mit einer kaputten Psyche und viel zu wenig Energie für die alltäglichen Dinge. Ich muss dabei immer an die Löffel-Theorie denken und es bestätigt sich immer wieder, dass ich eben nur eine begrenzte Anzahl Löffel habe. Und wenn ich mehr nutze als eigentlich zur Verfügung stehen, dann fehlen sie in den darauffolgenden Tagen. 

Also einfach reset und reboot. Vielleicht funktioniert es, vielleicht ist der Tag nachher nicht mehr ganz so düster. 

Aufgeben. 

Ich mag aufgeben. Ich will einfach so gerne alles hinschmeißen. 

Am Donnerstag wollte der Supervisor, dass ich ihm und dem Therapeuten die Hand drauf gebe, dass ich am Freitag wieder komme. Heil. Und im Hinterkopf war direkt der Gedanke „Jo. Passt. Aber darüber hinaus, pf!“ Nicht wegen dem Therapeuten, sondern weil der Supervisor mich so angekotzt hat. 

Danach saß ich unten auf dem Sofa. Wütend, angespannt, erledigt. Der Therapeut kam nochmal vorbei. Er streckte mir die Hand hin, hielt meine bis ich ihm in die Augen sah. „Bis Montag.“ sagte er. Und ich erwiderte „Bis Montag.“ während ich ihn anblicke und weiß, dass ich das halten werde, denn dieses unausgesprochene Versprechen ist etwas anderes als die Worte zuvor im Büro des Supervisors. 

Und dennoch. Ich will gerade einfach alles hinwerfen. Es ist mehr als ein „ich will“, denn es gibt einen Plan, es gibt eine Lösung für meine Tiere. 

Meine Tiere. Da kann ich nicht mehr weiter denken. Die Schweinchen, klar, sie kennen mich und sind an mich gewöhnt, aber sie kämen auch ohne mich zurecht. Doch der Zitronenkater, dieses bekloppte Fellbündel, das so sehr an mir hängt… Wenn er sich irgendwo hin quetscht, egal wie wenig Platz da ist, nur um dicht an mir zu liegen. Wenn er alle paar Stunden nach Hause kommt vom draußen umherziehen, sich an mir reibt und kurz kraulen lässt und dann wieder verschwindet, als ob er nur nachschauen mag, ob ich noch da bin und auf ihn warte. Wenn er sich auf mir zusammen rollt und lieber in Kauf nimmt geweckt zu werden, wenn ich mich bewege, als irgendwo ohne mich in Ruhe zu schlafen. Wenn ich eine Weile nicht da war und er sich auf den Boden schmeißt, an mir reibt, mich ableckt und schnurrt wie ein Irrer… Nein. Ich kann ihn nicht alleine lassen. Und ich kann auch das unausgesprochene Versprechen nicht brechen und ich kann auch nicht übergehen, dass an meiner Wand ein Blatt mit Worten hängt, dass für mich mehr ist als nur ein Blatt mit Worten. Und ich kann auch nicht übergehen, dass ich der Traumagruppentherapeutin gesagt habe, dass der Lebensvertrag existiert und steht. Und dann ärgere ich mich wieder über meine Psychologin in der DBT, denn sie wusste genau, dass ich irgendwann so hier sitzen werde und mich diese Worte halten, dieses Versprechen mir gegenüber, bezeugt von ihr und der Oberärztin und meiner ambulanten Thera. Und ich sehe ihr Gesicht vor mir, als ich ihr damals schon sagte, dass ich mich irgendwann ärgern werde. Und ich muss lächeln. Denn diese Gedanken machen es gerade ein wenig leichter, weil ich weiß, dass ich nicht aufgeben kann. Egal wie sehr ich es möchte. 

Stattdessen werde ich der Psychologin gleich eine Mail schreiben. Sie sagte, dass ich ihr schreiben kann, wenn ich mich ärgere und dass sie sich darüber freuen wird. Und dann werde ich meine Medis nehmen, mich ins Bett kuscheln und die Wärme des Zitronenkaters auf mir genießen. Am Montag werde ich den Therapeuten wieder sehen. In zehn Tagen werde ich der Traumagruppentherapeutin schreiben, dass ich es geschafft habe. Und Pfleger Arschkeks wird eine Postkarte von mir bekommen. Ich werde wieder einen Termin bei meiner Therapeutin haben, einen der letzten. Es wird Frühling werden und Sommer und Herbst und Winter und wieder Frühling und ich werde weiterhin kämpfen und atmen und leben. Denn Aufgeben ist keine Option. Manchmal leider. Manchmal zum Glück. 

Das leidige Thema Druck. 

Ich habe immer noch unglaublichen Selbstverletzungsdruck. In der Stabigruppe gestern steigt die Anspannung ohne ersichtlichen Grund und ich dissoziiere vor mich hin. Der Therapeut geht mit mir nach der Stunde raus, wir reden. Ich sage ihm, dass ich nicht weiß, woher ich die Kraft noch nehmen soll. Dass ich nicht weiß, wie ich es momentan schaffe weiter zu machen. Er fragt, ob es okay ist zum Supervisor zu gehen. Ich frage zurück, ob ich denn eine Wahl habe. Die habe ich nicht, also sitzen wir ein wenig später beim Supervisor und ich möchte ihn nach kurzer Zeit am liebsten umbringen. Er fragt immer wieder, woher gerade der Druck und die Suizidgedanken kommen. Ich erkläre ihm immer wieder, dass ich es nicht weiß. Und auch immer wieder, dass der Druck und die Gedanken da sind, unabhängig von der Anspannung. Immer und immer wieder und ich will ihm irgendwann einfach nur noch ins Gesicht springen. Er lässt mich ziehen, mit dem Versprechen heute nochmal zu ihm zu kommen. Heil und lebendig. 

Zuhause muss ich mich erstmal abregen. Ich schimpfe und fluche laut vor mich hin. Kraule dann das Katerkind uns Flöckchen und bleibe eine Weile bei den Meeris stehen und beobachte, wie Caro und Caramell zuerst versuchen sich in Luft aufzulösen aufgrund meiner Anwesenheit und dann doch beschließen, dass ich sie wohl nicht fresse und sich raus trauen. Ich esse was, gammel eine Weile vorm PC und stöbere dann durch meine Bilder, denn die Therapeutin der Traumagruppe fragte, ob ich das tun mag, mir schöne Momente raussuchen, am besten mit Bildern. Schöne Momente habe ich mir schon einige aufgeschrieben, nun kucke ich, was ich so an Fotos habe, die ich mir auch aufs Handy packen und so immer dabei haben kann. Und so hänge ich in Erinnerungen, während ich Fotos von Irland kucke, von der DBT-Zeit, von Hamburg und Berlin und von den Meeris und Chrissies halbem Zoo und Kreta und all den Jahren, die sich auf meiner externen Festplatte tummeln. Ich finde auch Bilder von den letzten Selbstverletzungen, von genähten Wunden und blicke auf meine Arme, auf die mittlerweile immer mehr verblassenden Narben. Und ich finde ein Bild von einem Smiley, den Pfleger Arschkeks mir vor fast einem Jahr auf den Arm malte, damals, als ich noch nicht daran glauben konnte, dass ich es länger schaffe als ein paar Wochen. Und nun sitze ich hier und es trennen mich nur noch 11 Tage vom vollen Jahr. Und ich will es schaffen, denn ich will mit A. feiern, ich will Pfleger Arschkeks stolz davon berichten, ich will es einfach schaffen. Für mich. 

Der Therapeut hat mich verdonnert heute nochmal zur Therapeutin der Traumagruppe zu gehen wegen einem Gespräch, denn er ist freitags nicht da. Für mich absolut okay, denn ich mag sie. Und bei ihr hatte ich auch von Anfang an das Gefühl ich kann reden und muss nicht aufpassen, was ich sage. Genau wie beim Therapeuten. Also spreche ich sie nach dem Frühtreff an und sage ihr auch, dass ich nur zur Traumagruppe komme um mich zu verabschieden, denn es wäre meine letzte Stunde und ich mag mich vorm Wochenende nun in der aktuellen Situation mit Druck und Suizidgedanken wirklich nicht konfrontieren. 

Stattdessen ziehe ich zum Supervisor, mit unendlich viel Begeisterung – nämlich gar keiner. Er vertröstet mich auf später, also nutze ich die Zeit und ziehe mit einer Mitpatientin in Richtung Sonne. 

Die Sonne tut unglaublich gut, am liebsten würde ich stundenlang auf der Bank liegen und die Wärme genießen, doch ich muss zum Supervisor. Dem sage ich dann auch, dass er mich gestern unglaublich auf die Palme gebracht hat, erkläre ihm nochmal, dass ich nicht weiß, woher der Druck und die Gedanken momentan kommen, dass ich natürlich gestern angespannt war (auch dank ihm), der Druck und die Gedanken aber auch unabhängig davon da sind. Er fragt noch, wie ich rückblickend die Traumagruppe sehe (na immer noch gut) und warum ich mit dem Therapeuten gut klar komme (weil es eben so ist?! Weil er gut ist und empathisch und mich nicht tausend mal das gleiche fragt und damit auf die Palme bringt?!). 

Nach dem Essen gehe ich zur Entspannung und in die Körpererfahrung und dann zum Gespräch zur Traumagruppentherapeutin. Wir kucken schöne Momente, es tut gut nochmal auszusprechen, dass ich es schaffen will ohne Selbstverletzung, dass ich mit A. feiern mag, dass ich mich mit einem Tattoo beschenken will, dass diese elf verdammten Tage nun doch wohl noch zu schaffen sind. Dann verabschieden wir uns, denn ich werde sie nicht mehr sehen bis zu meiner Entlassung. Es ist schade, denn ich mochte sie und konnte auch mit ihr gut reden und die zwei Gespräche bei ihr haben mir auch geholfen. 

Danach fahre ich erledigt nach Hause, eine Mitpatientin nimmt mich netterweise mit. Doch ich bin auch ein wenig zuversichtlicher, dass ich es schaffen kann, dass ich das Wochenende überstehe und vielleicht tatsächlich auch diese elf Tage. Und wenn ich es nur tue, um der Traumagruppentherapeutin dann eine Mail zu schreiben und voller Stolz sagen zu können, dass ich es geschafft habe. Wenn momentan schon nicht für mich, dann dafür. Und so dann doch für mich. 

Druck

Die Traumagruppe gestern war unglaublich anstrengend. Dank Selbstverletzungsdruck und Suizidgedanken habe ich in der Nacht zuvor nicht geschlafen, gemindert hat das den Druck und die Gedanken natürlich in keinster Weise. In der Abschlussrunde fragt die Therapeutin, wie es jedem so geht. Ich sage, dass es den Selbstverletzungsdruck nun nicht wirklich gebessert hat. Sie fragt, ob ich versprechen kann, dass ich mich nicht verletze. Von dieser Frage bin ich überrumpelt und kann sie deswegen nicht wirklich beantworten, außerdem finde ich die Gruppe nicht den richtigen Rahmen dafür. Sie bittet mich mittags zu ihr ins Büro zu kommen und ich stimme zu. Mein Therapeut ist leider nicht da, sonst hätte sie mich gebeten zu ihm zu gehen. 

Als ich dann einige Stunden später in ihrem Büro sitze ist sie erleichtert, denn sie hatte Sorge, dass ich nicht komme. Warum auch immer. 

Nachdem ich ihr erst einmal erklärt habe, dass ich definitiv morgen hier erscheinen werde, denn ich habe ja den Lebensvertrag und der steht auch, ist sie nochmal ein wenig beruhigter.

Dann überlegen wir gemeinsam, was ich tun kann gegen den enormen Druck, was ich tun kann, wenn ich wieder nicht schlafe. Sie ist unglaublich nett und ich kann ihr gegenüber offen sein. Zum Ende des Gesprächs fragt sie, ob ich ihr versprechen kann durchzuhalten bis zu meinem Einzel mit dem Psychologen am nächsten Tag, ob ich es schaffe mich nicht zu verletzen. Und ich tue es. 

Und so schlage ich mir dann zuhause eine weitere Nacht um die Ohren. Ich finde wieder keinen Schlaf, ich versuche mich abzulenken, zu skillen, schmiere mir die halbe Tube Finalgon auf den Körper… 

Beim Gespräch mit dem Psychologen dreht sich heute also alles um Selbstverletzung. Wir versuchen herauszufinden, was es momentan wieder so schwer macht, wir sprechen darüber, dass mein Verhältnis zur Selbstverletzung sehr ambivalent ist, es ist anstrengend und ich bin unglaublich angespannt. Einiges ist nun klarer, teilweise sogar gefühlsmäßig. Zum Beispiel der Stolz auf die geschaffte Zeit. Und die Wut auf meinen Vater, dessen Verhalten überhaupt erst dazu führte, dass ich begonnen habe mich zu verletzen. 

Doch der Druck ist immer noch da. Und ich weiß nicht, was ich ihm noch entgegen setzen soll. Ich brauche Schlaf und Erholung und habe einfach keine Kraft mehr stark zu sein. Und ich weiß, dass die Selbstverletzung mir die Entspannung zum Schlafen bringen würde. Ist doch einfach nur scheiße. 

Digging for kryptonite on this one way street

Manchmal frage ich mich wirklich, was zum Teufel mit meiner Stimmung eigentlich kaputt ist. Sie kippt innerhalb von Sekunden und ich stehe daneben und schaue ziemlich verwirrt drein. Ja, es war auch schon mal schlimmer. Früher waren diese Wechsel extremer, häufiger, manchmal sogar wirklich mehrmals in der Stunde. Also kann ich mich quasi nicht beklagen. Tue ich aber trotzdem, denn es nervt. Und noch mehr: es strengt an. Und so fahre ich gut gelaunt von der Klinik nach Hause und komme mit einem Tief zuhause an. Da ist plötzlich Selbstverletzungsdruck, da sind plötzlich Suizidgedanken. Prima. Und natürlich kann ich dann nicht da stehen und sagen „ach, mal wieder, herzlich willkommen Selbstverletzungsdruck, herzlich willkommen Suizidgedanken.“. So gerne ich es auch will. Doch ich kann es nicht, denn ich will weder den Druck, noch die Gedanken haben. Und so kämpfe ich gerade. Druck ohne Anspannung, es macht mich immer wieder aufs Neue wahnsinnig. Ich kann mit der Anspannung umgehen. Meistens, größtenteils. Aber was mache ich gegen den Druck, wenn ich nicht bei der Anspannung ansetzen kann?! 

Es bleibt wenig übrig als aushalten und ablenken. Den Kopf und die Hände beschäftigen, wenigstens für ein Weilchen, bis ich mich ins Bett verkrümel und schlafe. Schlafen kann, hoffentlich. 

Und vielleicht ist es morgen ja wieder einfacher. Vielleicht. Dabei mag ich mir so gerne wehtun, mich so gerne verletzen, ich will den Schmerz und die Erleichterung und all diese Dinge, die mir manchmal so sehr fehlen. 

Verdammt. 

It may sound absurd
But don’t be naive
Even heroes have the right to bleed
I may be disturbed but won’t you concede
Even heroes have the right to dream
And it’s not easy to be me

„Crazy“ is, I believe, the medical term

Meistens fallen mir die Narben an meinen Armen gar nicht mehr auf. Sie gehören einfach zu mir, genau wie die Arme, auf denen sie sich befinden oder die ganzen Bänder an meinen Handgelenken. Ich beachte sie meistens nur, wenn sie anfangen zu jucken, oder der Herr Zitronenkater mir beim Spielen Kratzer an den Armen verpasst hat. Und da sich ziemlich viele Narben auf den Armen befinden ist die Wahrscheinlichkeit welche zu sehen, wenn ich Kratzer versorge, relativ groß. Ansonsten betrachte ich sie manchmal, wenn ich darauf angesprochen werde. Als wirklich „schlimm“ empfinde ich sie äußerst selten und bin völlig irritiert, wenn andere sie so sehen. Eine Mitpatientin in der DBT sagte mir irgendwann, dass sie beim Vorgespräch meine Arme gesehen hat und danach erstmal völlig schockiert und auch davon überzeugt war, dass sie die Therapie nicht braucht. Zwei Mitpatientinnen in der Reha sagten mir, dass sie meine Arme wirklich schlimm finden. Und ich stehe dann da und versteh die Welt nicht mehr, weil die „paar Kratzer“ doch nicht schlimm sind… 

Die Narben am Sprunggelenk hingegen, die ich von den 3 OPs nach dem Bruch habe, stören mich ungemein. Dabei sind sie fast verblasst und größtenteils nicht so breit wie die auf den Armen. Völlig kaputte Wahrnehmung. 

Jedenfalls saß ich gestern auf dem Sofa, habe meine Armbänder betrachtet und die am linken Handgelenk nach unten geschoben. Dort finden sich Narben, die nun über 15 Jahre alt sind. Weiß, jedoch nicht so feine Linien wie die anderen Narben aus dieser Zeit. An dieser Stelle war mein „Versteck“. Durch die Armbanduhr, die ich trug, immer verdeckt. Die Stelle, die ich immer und immer wieder nutzte um mich zu verletzen, vor allem im Sommer, damit niemand es sieht. War es doch mal zu wenig Platz, dann wickelte ich mir ein Tuch ums Handgelenk, für viele einfach ein modisches Accessoire, für mich die Möglichkeit meine „Überlebenstrategie“ zu verheimlichen. 

Nur wenige Narben kann ich genau zuordnen. Die beiden am Oberarm zum Beispiel, ich erinnere mich noch an die Verletzung und an den Chirurg in der Ambulanz, der eigentlich Schönheitschirurg war und auf seinen Job in der Ambulanz, und dann auch noch auf so ’ne Irre, die sich selbst verletzt, gar keinen Bock hatte. Dementsprechend sehen die Narben auch aus. Und ich kann die „neueren“ Narben aus den letzten zwei Jahren noch von denen unterscheiden, die aus der Zeit davor stammen. Ich weiß gar nicht mehr wie lange ich frei von Selbstverletzung war. 3 Jahre? Oder 4?Niemals hätte ich gedacht, dass es wieder so abwärts gehen könnte, dass die Selbstverletzung mich nochmal so sehr einnehmen würde. 

Und nun sitze ich hier und es trennt mich nur noch etwas mehr als ein Monat von dem Jahrestag der letzten Selbstverletzungen. Fast ein Jahr. Niemals hätte ich das vor einem Jahr gedacht. Ich erinnere mich noch daran, dass Pfleger Arschkeks mir Smileys auf den Arm malte für die Tage ohne. 5 Smileys für 5 Tage. 10 Smileys für 10 Wochen. Und nun haben sich die Tage summiert und ich zähle nicht mehr in Tagen oder Wochen sondern schon in Monaten. Das war ein großer Halt in den letzten Monaten. Die Erinnerung daran, der Wunsch ihm von dem erreichten Jahr zu erzählen. Und A., mit der ich zusammen feiern will. Und einfach der Wunsch das hinter mir zu lassen, die Erkenntnis, dass ich ein Stück mehr Lebensqualität zurück möchte, die Entscheidung für den neuen Weg, meine Mädels als Unterstützung. 
Die Tage vergehen. Morgen Nachmittag beginnt schon wieder ein Wochenende, ich frage mich, wo die Woche hin ist. Den Montag habe ich größtenteils in Anspannung und Dissoziationen verbracht, den Dienstag zuhause und beim Psychiater, der Mittwoch war ziemlich kurz und heute ist auch schon fast vorbei. Die Gespräche mit dem Therapeuten und die Gruppen tun mir gut, auch das Miteinander mit ein paar tollen Mitpatientinnen. Der Therapeut sagte mir heute, dass ich eine Woche länger bleiben werde, ich finde das gut. Außerdem gab er mir die Kontaktdaten eines Therapeuten, der lange in der Klinik war und sich Traumatherapie macht, mittlerweile hat er eine eigene Praxis. Ich könnte hin, er ist allerdings nicht kassenärztlich zugelassen. Also muss ich mal bei meiner Krankenkasse nachfragen, wie es generell aussieht mit Kostenerstattung. Und dann gegebenenfalls das ganze Prozedere durchziehen und mir zumindest die 5 Probesitzungen dann anschauen. Falls es klappt und mit ihm passt, dann wäre das eine prima Sache für die 2 Jahre, die ich nun bei meiner derzeitigen Therapeutin zwangsläufig pausieren muss. 

Es ist viel und es ist anstrengend, aber es ist auch gut. Und ich freue mich unglaublich auf das Wochenende, auf Ausschlafen und länger wach bleiben. Und außerdem muss ich dringend ein paar Sachen hier machen, vor allem aufräumen und so ’nen Kram. 

I don’t like pain, but I bring it to life 

I don’t like scars but I am good with a knife 

I don’t like tears when I’m starting to cry 

And then I realize I’m destroying my life

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Doch wo ein König ist wird stets ein Henker sein.

Ich öffne die Augen und schaue, beleuchtet von meinem Nachtlicht, in weit aufgerissen Kateraugen, die Pupillen tief schwarz und so riesig, dass sich die Augenfarbe nicht mehr erkennen lässt. Der Zitronenkater hat seinen Schwanz aufgeplustert, die Haare entlang der Wirbelsäule stehen zu Berge und lassen ihn ein wenig sie einen Stegosaurus aussehen, er faucht mir ins Gesicht und schickt ein tiefes Grollen hinterher. Erst da wird mir bewusst, dass ich von meinem eigenen Schrei erwacht bin und dabei das Katerkind wohl ziemlich erschreckt habe. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass ich nicht mal eine Stunde geschlafen habe. Katerkind miaut mich an, stubst mich mit seiner kleinen kalten Nase an, schiebt seinen Kopf unter meine Hand und lässt sich kraulen. Dann kämpft er einen Moment mit der Decke, bis er den Weg darunter findet und schmiegt sich dicht an meine Brust, sein Gesicht an meine Backe gedrückt. Er mauzt mir leise ins Ohr und wieder einmal bin ich so glücklich über den Fellhaufen, der mir so viel Wärme und Liebe gibt. 

Eingeschlafen bin ich gegen 3 Uhr. Nun ist es kurz nach 4, meine Nacht ist gelaufen. Mein Herzschlag beruhigt sich langsam, mein Atem wird ruhiger. Ich tippe auf den Bildschirm des Tablets und starte eine Folge „Orange is the new black“. Ich schließe die Augen, lausche den Stimmen und Geräuschen. So liege ich 3 Stunden im Bett, das Katerkind schläft mit meiner Hand auf seinem Rücken und zuckt ab und an mit den Pfoten. Dann drehe ich mich zweimal um, bis ich die Bettkante erreiche und stelle meine Füße auf den Boden. Ich weiß nicht, ob ich meinen Beinen vertrauen kann, weiß nicht, ob sie mich tragen. Mit zitternden Beinen schaffe ich es ins Bad, füttere auf dem Rückweg zum Wohnzimmer den Kater und schnappe zwei Äpfel, um sie den Meeris kleimzuschneiden. Flocke kommt wie immer angeflitzt und schnappt sich ein Stück aus meiner Hand, Caramell traut sich nicht so ganz, nimmt aber ein Stück, als ich meine Hand vorsichtig direkt vor ihre Nase halte, Caro versteckt sich ganz hinten in der Ecke und kommt erst hervor, als ich auf dem Sofa sitze. 

Irgendwann mache ich mich fertig, ziehe mich an und fahre zu meiner Ärztin. Ich bin kaputt, müde und mein Kopf dröhnt. Ich tue also heute genau das, was ich seit der dbt immer wieder aufs neue lerne und versuche: meine eigenen Grenzen achten. Ich fühle mich zu kaputt und zu labil, um heute Sport, Traumagruppe und Körpererfahrung zu machen. 

Die Ärztin ist so lieb wie immer und ich bin wieder einmal froh, dass ich bei ihr gelandet bin. Als ich mich auf den Weg zurück nach Hause mache fängt es draußen an zu schneien. 

Ich versuche zu schlafen, doch es funktioniert nicht. Obwohl ich einfach nur müde bin, mein Kopf dröhnt und mein Körper nicht mehr will. Also krieche ich wieder aus dem Bett, N. kommt mit einer Kiste Cola und Leckereien für die Meeris vorbei. 

Danach hänge ich einfach nur kraft- und lustlos auf dem Sofa. Wandere wieder ins Bett, doch Schlaf lässt sich immer noch keiner finden. Meine Augen sind rot, als ich in den Spiegel kucke, der Rest sieht auch nicht besser aus. Trotzdem gehe ich aus der Türe und in Richtung Supermarkt, denn ich habe das Gefühl wenigstens ein paar Minuten lang sowas wie Normalität aufrecht erhalten zu müssen. Versteckt unter meiner Kapuze besorge ich ein paar Dinge, die ich brauche, und ziehe wieder nach Hause zu meinem Sofa. Dort bekuschel ich das Katerkind und merke nicht, wie die Zeit vergeht. Zeit scheint etwas sehr merkwürdiges zu sein im Moment. Einige Minuten ziehen sich bis ins Unendliche, Stunden verfliegen wie Sekunden. Ich mag mich verletzen, einfach nur weil ich weiß, dass ich danach entspannt bin und definitiv schlafen kann. Doch selbst dazu bin ich zu kraftlos. Der Gedanke das Ganze dann versorgen zu müssen, vermutlich sogar versorgen lassen zu müssen, schreckt mich ab. Es ist mir zu viel, zu anstrengend. Außerdem sind es doch nur noch einige Wochen bis zum Jahr. Und das will ich so gerne feiern, feiern mit A. und Pfleger Arschkeks stolz davon berichten und einfach stolz auf mich sein. Das mag ich nicht aufgeben. So sehr ich mich auch nach Ruhe und Schlaf und Entspannung sehne, es ist der falsche Weg. Stattdessen werde ich mir gleich einfach eine Tablette mehr als üblich zum Schlafen einwerfen und darauf zählen, dass der Schlafmangel und die Dosis mich zuverlässig weghauen. Morgen kann ich ausschlafen, ich brauche nicht aufstehen. Und dann habe ich genug Zeit in meiner Wohnung ein paar Dinge zu machen und vielleicht in die Stadt zu fahren und die Fotos entwickeln zu lassen. 

Irgend eine gesunde Mischung aus Gammeln und halbwegs produktiv sein. Weiter machen und weiter atmen. Es wird wieder bessere Tage geben. Tag für Tag, Schritt für Schritt, Skill für Skill sagt die Stimme von Schwester Nathalie in meinem Kopf. Und sie hat verdammt recht. 

Nichts bleibt mehr
Wenn ich jetzt aufgeb‘
Nichts bleibt mehr
Wenn ich diesen Weg nicht geh‘
Und nichts bleibt mehr
Wenn ich weiter vor mir flieh‘
Nichts bleibt mehr
Wenn ich diesen Kampf verlier‘

Mein Start in die neue Woche war ziemlich bescheiden. Kurz vor 4 Uhr wache ich auf, schweißgebadet. Ich muss mich erstmal umziehen und kann dann nicht mehr schlafen. Das einzig gute daran: ich war rechtzeitig wach um in die Klinik zu fahren. 

Der Therapeut drückt mir morgens einen neuen Plan in die Hand, für 16 Uhr hat er mir noch ein Einzel eingetragen. Hmpf. Ich bin eigentlich viel zu müde, um überhaupt die Augen offen zu halten, dann noch bis mindestens 17 Uhr und dann noch heim fahren… Bäh. Doch irgendwie funktioniert es und als ich endlich daheim ankomme bin ich zu wach um zu schlafen. Prima. 

In Einzel haben wir eine Lebenslinie gemacht. Was waren die gravierenden Zeitpunkt, die mich und mein Leben beeinflusst haben? Eigentlich ist es eine Aneinanderreihung von traumatischen Erlebnissen. Die Scheidung meiner Eltern, der Umzug nach BaWü, der Wechsel der Tagesmutter, die erste Selbstverletzung, der Beginn der Therapie, die Inobhutnahme, Suizidversuche, Klinkaufenthalte, der Wegzug in Richtung meiner Hauptstadt, der Absturz vor 2 Jahren, Suizidversuch, Klinkaufenthalte. Und irgendwo dazwischen die ganze Gewalt. Der Therapeut atmet danach erstmal tief durch. Ich tue es ihm gleich. „Wie haben Sie das überlebt?“ fragt er mich und ich frage es mich auch. Er fragt nach Strategien, Haltepunkten. Da ist ganz klar die Selbstverletzung, die jahrelang Halt gab und mich weiter leben ließ. Da ist meine ehemalige Therapeutin und als ich so geballt sehe, was alles passiert ist, wird mir wieder einmal klar wie viel sie getan hat für mich, wie sehr sie mich unterstützt und getragen hat durch die Jahre. Und da ist meine Schwester. Und ich beginne zu weinen, denn wieder einmal überflutet mich die Traurigkeit, dass ich erst in den letzten 8 Jahren so intensiv in ihrem Leben bin, dass mir so viele Momente mit ihr fehlen. Und dann die Wut. „Ich hasse ihn mehr dafür, dass er mir all diese Möglichkeiten genommen hat meine Schwester aufwachsen zu sehen, als für die Dinge, die er mir sonst angetan hat.“ sage ich dem Therapeuten, als er fragt, was gerade passiert. Und es ist so. Und im Rückblick hasse ich ihn auch dafür, dass er damals versuchte mir einzureden, dass meine Mutter nun ein neues Kind hat. Doch das hat nichts daran geändert, dass ich dieses kleine Wesen von Anfang an mehr geliebt habe als alles andere auf der Welt. 

Bevor er mich gehen lässt fragt er, wie es mir geht. Und seltsamerweise ist es okay. Es ist zum ersten Mal okay über all diese Dinge zu reden, sogar in so geballter Form. Es war anstrengend, ich bin völlig erledigt, aber es war okay. 

Die Nacht auf Dienstag ist wieder zu kurz. Ich schlafe erst gegen 2 Uhr ein, werde kurz nach 6 zum ersten Mal vom Wecker angepiepst, quäle mich um 7 endlich unter den Decken hervor, mache mich fertig und auf den Weg zur Klinik. 

Ich habe zum ersten Mal Traumagruppe. Die Therapeutin ist sehr nett und beruhigt, als sie erfährt, dass ich gerade erst die DBT gemacht habe und es meistens hinkriege schwere Situationen zu händeln. Wir sind eine kleine Gruppe, nur 4 Leute und ich halte mich zurück und beobachte, während der Zusammenhang zwischen der aktuellen Situation und den Kriegserlebnissen eines Mitpatienten aufgedröselt werden. Ich fühle mich relativ wohl und sicher dort und ich denke, dass ich sicherlich dort auch in der Lage sein werde von meinen Dingen zu berichten. 

Die letzte Nacht habe ich immerhin 7 Stunden geschlafen. Nach zwei Stunden in der Klinik mache ich mich auch schon wieder auf den Rückweg, mehr steht nicht auf meinem Plan. 

Es ist ein schwerer Tag heute für mich. Vor 2 Jahren fühlte ich mich an diesem Tag einfach nur furchtbar, noch furchtbarer als in den Tagen zuvor. Und in der Nacht griff ich dann zu Alkohol und Tabletten. Ich wollte sterben. Ich erinnere mich nur noch verschwommen an Polizei und Krankenwagen und Notarzt und Intensivstation. Aber umso deutlicher sind die Gefühle präsent. Die tiefe Schwärze in mir, die Hoffnungslosigkeit, der Wunsch es nur noch zu beenden. 

Zwei Jahre liegt es nun zurück. Eine kurze und dennoch lange Zeit. Vieles ist seitdem anders. Vor allem besser anders. Aber dennoch gibt es die dunklen Momente. Und an solchen Tagen, besonders an diesem Tag, holt es mich ein. 

Ich denke darüber nach, dass es so knapp war. „Zehn Minuten später“ sagte der Notarzt damals. Zehn Minuten später und ich hätte es geschafft gehabt. Und ich weiß nicht, ob ich froh sein soll. Meistens bin ich es, doch heute denke ich immer wieder darüber nach, dass es dann endlich vorbei gewesen wäre. Die Gedanken begleiten mich über den Tag, drängen sich immer wieder auf, lassen mich nicht los. 

Irgendwann ziehe ich los und besuche eine Freundin in der Klinik. Und es tut auch mir gut. Pfleger Kai kennt mich seit Anfang an, er kennt all die schlimmen Momente und es tut gut nochmal darüber zu reden und auch zu sehen, wieviel seitdem anders ist. Und auch mit Pfleger Andreas rede ich, ihn kenne ich zwar noch nicht so lange wie die anderen, aber auch er hat viel mitbekommen und sagt, dass ich stolz sein kann auf mich. 

Dann läuft der Psychopeut vorbei. Er lächelte mich an, fragt wie es ist, wie es mir geht, ob ich in die Klinik gegangen bin. „Ich habe es sogar durchgezogen!“ antworte ich ihm. 

Es fühlt sich wie immer merkwürdig an. Fremd und doch vertraut. Aber wie auch bei den letzten Malen bin ich froh, dass ich diesen Rückhalt nicht mehr so intensiv benötige wie früher. Es beruhigt immer noch, dass die Klinik notfalls da ist, aber mehr auch nicht. Ich hoffe es bleibt so. 

Den Rest des Abends verbringe ich mit zocken und Katerkind kraulen. Ich habe den Tag überstanden und ich werde auch die Nacht überstehen. Es ist nicht mehr wie vor 2 Jahren. 

Morgen muss ich Zutaten besorgen für einen Kuchen. Am Samstag kommt Geburtstagsbesuch. Am Freitag werde ich mit Bibi und N. zur Feier des Tages zum Sushi-Mampfen gehen, darauf freue ich mich. Für mehr Feierei habe ich nach der Tagesklinik keine Lust mehr. 

Leere

Ich laufe durch die Gänge wie ein Geist. Manchmal blicke ich mich um und stelle fest, dass ich an einem völlig anderen Ort bin als an dem, zu dem ich eigentlich unterwegs war. Ich vermeide Menschen. Vermeide Gespräche. 

Ich versinke. Blicke auf die Uhr und stelle fest, dass eine Stunde vergangen ist, ohne dass ich etwas getan habe, zumindest erinnere ich mich nicht daran. 

Ich verkrieche mich tiefer in der Ecke des Sofas, genieße die Ruhe, als alle zum Essen verschwinden. Ich will nicht essen. Und ich will nicht unter so viele Menschen. 

Ich will nach Hause. Will mir Medis einwerfen, unter die Decken kriechen und schlafen. Doch es dauert noch. Es dauert noch viel zu lange. 

Ich löse mich in meine Bestandteile auf und habe nicht die Kraft mich zusammen zu halten. Ich hoffe einfach, dass nichts passieren wird heute. Ich kann nicht auf mich achtgeben. Nicht heute. Denn die Hülle, die durch die Gänge läuft, ist leer.