Cause baby, I am ready to be free

Gestern artete das „ein wenig aufräumen“ in eine weitere Umräumaktion im Schlafzimmer aus. Das positive an völligem Chaos ist ja, dass es selbst durch Umräumen nicht chaotischer werden kann. Also wanderte mein Kleiderschrank mal wieder quer durchs Zimmer (natürlich inklusive Katerkind abwechselnd drin und drauf), mein Bett steht woanders, der Schreibtisch auch und all der Rest. Ich glaube, dass es die letzte Umräumaktion meines Kleiderschranks war, nach 10 Jahren und 4 Umzügen ist er nun definitiv an seine Grenzen gekommen. Vielleicht habe ich nun endlich eine Konstellation gefunden, die mal eine Weile so bleiben kann. Ich würde gerne wieder meinen Himmel übers Bett hängen, allerdings hängt dann der Kater drin und holt ihn wieder runter. Aber sehr zur Freude des Terrorkaters habe ich einige Mäuse und Bällchen gefunden, mit denen er nun durch die Gegend flitzt. 

Als ich mich gestern morgen für die Achtsamkeit fertig gemacht habe und vor meinem Kleiderschrank stand, fühlte ich mich ein wenig wie Ende Herbst. Dicke Socken, Pulli übers T-Shirt, eine der etwas dickeren Jogginghosen. Nicht mal 15 Grad draußen. 

Die Achtsamkeit war gut. Ich habe mich von „meiner“ Gruppe verabschiedet und vom Achtsamkeittherapeuten. „Bis nächstes Jahr, falls ich dann nicht die Nase gestrichen voll habe von Achtsamkeit…“ – „Mit Ihrer Krankheit wird Sie das wohl immer begleiten.“-„Na danke. Sehr beruhigend.“ Und  wir müssen beide lachen. 

Danach habe ich einen Besuch auf der Station eingelegt und zu meiner Freude (oder auch zu meinem Bedauern) dort eine handvoll alter Bekannter getroffen. Pfleger Arschkeks hat seine Postkarte erhalten und erzählt mir empört, dass sie einfach auf dem Tisch lag. Für alle. „“Also das ist doch meine Postkarte von der Frau Zitrone!“ hab ich gesagt und sie in meinen Spint gehängt!“ Er fragt, ob wir uns nochmal sehen vor Freiburg, was ich verneine. Ich habe keine Achtsamkeit mehr bis dahin, es wird wohl auch niemand dort sein den ich unbedingt besuchen will, also verabschieden wir uns voneinander und er wünscht mir alles Gute. Ich verspreche ihm ein paar Karten aus Freiburg. 

Mit zwei meiner ehemaligen Mitpatienten ziehe ich noch für eine Weile zu der Terrasse am See, wir sitzen in der Sonne, beobachten die riesigen Karpfen und reden. Wir tauschen Erinnerungen aus und müssen lachen, denn wir haben ganz schön schräge Dinge zusammen erlebt. Das „Glatteis“ auf Station, weil eine Patientin immer Salz streute, eine andere, die sich Oberteile gestrickt hat um darin einen Mitpatienten anzugraben, Flachmänner im Handtuchspender und mit Wodka gefüllte Energydrinkdosen. Es tut gut so frei und unbeschwert dort zu sitzen und zu lachen. 

Als ich anschließend zuhause bin fängt mein Magen an zu spinnen, vielleicht verursacht durch die gefundenen Bakterien im Trinkwasser (was natürlich erst 2 Tage später bekannt gegeben wird…) und meine Stimmung stürzt ab. Ich versuche ein wenig Schlaf zu finden, aber es funktioniert einfach nicht. Und da begann dann meine Umräumaktion. Obwohl der Berg an Dingen danach so riesig erschien (was nun mal passiert wenn man den kompletten Kleiderschrank ausräumt und aufs Bett wirft und dann alle Möbel durch die Gegend schiebt), habe ich es doch geschafft den größten Teil des Chaosberges wieder aufzuräumen und es sieht tatsächlich besser aus als vorher. Nun fehlen noch Kleinigkeiten, beispielsweise die Landkarte zum Rubbeln an die Wand zu hängen, ein wenig Kleinkram aufräumen und vor allem waschen. Und dann sind da noch die Küche und das Bad… 

In der Nacht gegen halb 5 wurde ich wach, weil es im Wohnzimmer danach klang als würde jemand das Meerizuhause auseinander nehmen. Vorgefunden habe ich dann allerdings nur Lilly, die beim Trinken so an der Flasche zog, dass alles wackelte. Fast 2 Stunden lang war ich wach, bevor ich nochmal Schlaf fand. Und heute morgen fiel mir plötzlich ein, dass ich meinen Reha-Antrag beim Amt völlig verschwitzt habe. Innerhalb von Monatsfrist musste ich ihn stellen, vor 2 Tagen war die Frist um. Also schnell das Ding noch ausgefüllt und ab zur Post damit. Ich hoffe sie sind noch kulant bei den paar Tagen. Auf dem Rückweg von der Post habe ich einen Abstecher zum neuen Supermarkt gemacht, natürlich wieder die Hälfte vergessen und dann zuhause erst mal wieder ein wenig Antriebslosigkeit geschoben. Doch ich hab es irgendwie dann tatsächlich geschafft zumindest ein bisschen weiter zu machen im Schlafzimmer. 

N. kam am Nachmittag vorbei und wir waren erst ein wenig bei mir, bis wir zu Chrissie fuhren. Es war unglaublich schön sie mal wieder zu sehen, mit dem Hundemädchen zu kuscheln, meinen Matschkater zu kraulen, die Nase in die Federn des Hahns zu stecken und den Hasen zuzusehen um dann einfach noch ewig vor der Türe zu sitzen, zu quatschen über alles mögliche, ab und an eines der Tiere zu streicheln und einfach nur den Moment zu leben. 

Nun falle ich einfach nur noch ins Bett. Müde von Tag, aber glücklich. 

Now I am invincible
No, I ain’t a scared little girl no more
Yeah, I am invincible
What was I running for
I was hiding from the world
I was so afraid, I felt so unsure
Now I am invincible
Another perfect storm

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