dass man manchmal einfach nicht mehr weiß wofür

Gestern stürzte das so labile Konstrukt meiner Selbst einfach in sich zusammen. Schon seit nun einem ganzen Haufen von Tagen kämpfe ich, atme, kämpfe, halte aus, skille, atme, kämpfe, skille. Ich bin nicht mehr sicher, woher ich eigentlich die Kraft dafür nehme. 

Gestern dann brach einfach alles zusammen. Die Schwester reichte mir das Tablett bei der Essensausgabe mit den Worten „Da haben Sie immerhin schonmal Ihr Essen, dann können Sie nicht mehr so viel reden.“ Ich stand einfach nur da, perplex, getroffen, kurz vorm Tablett-trifft-Schwester. Ich habe versucht mich zusammen zu reißen, nicht zu eskalieren. „Danke, nun habe ich Anspannung.“ erwiderte ich. Was dann kam war für mich so unerwartet und heftig, dass ich immer noch nicht weiß wie ich es geschafft habe ohne jemanden zu töten. „Die hatten Sie ja vorher eh schon.“ 

Bämm. 

Ich bin gegangen. Raus, schnurstracks, bevor ich eskaliere, im Impuls darauf etwas sage, handgreiflich werde. Ich konnte nur noch daran denken mich zu verletzen. Tief. Viel. 

Zum Glück kam eine Mitpatientin mir nach. Wir setzten uns auf eine Bank, redeten, schwiegen. Ich versuchte mich soweit zu beruhigen, dass ich nochmal auf die Station gehen und skillen konnte, ohne dass ich ausflippe. Habe das dann getan. Ging raus, einfach raus und bewegen, telefonierte mit der kleinen Hexe, rauchte, atmete. 

Wieder auf Station vergrub ich mich erstmal im Klo, weil ich sonst nirgends in Ruhe heulen konnte. Die Schwester kam, klopfte, meinte, dass ich gerne kommen kann wenn ich soweit bin. 

Ich krabbelte einfach erst mal ins Bett. Decke über den Kopf. Bis sie neben mir stand, mit mir redete, mich bat mit ins Stationszimmer zu kommen. 

Sie entschuldigte sich. Ich sagte ihr, dass sie genau die Punkte getroffen hat, die so tief sitzen in mir, genau die Sätze sagte, die ich immer zu hören bekam, die Gefühle auslöste, die meine ganze Kindheit und Jugend bestimmten. 

Sei ruhig. Du bist nicht wichtig. Du darfst nicht reden, nichts sagen. Wie es dir geht ist egal. Sei unsichtbar. Fall nicht auf. Schweige. Wenn es dir schlecht geht, dann ist es dein Problem. Deine Schuld. Du bist falsch, nicht die anderen. 

Und nun muss ich damit klar kommen. Ich saß gestern da und heulte und sie verstand relativ schnell, dass ich ihre Entschuldigung nicht annehmen kann. Und dass ich mich nur noch verletzen will. Verletzen und sterben. Verschwinden. Mich auflösen. Daraufhin rief sie den AvD. Mehr als eine Stunde lang durfte ich auf ihn warten. In der Zeit nicht von Station. Warten und sitzen und sitzen und warten. Der Therapievertrag steht, daran bestand für mich kein Zweifel. Heute morgen kam dann der nächste AvD, abklären wie es gerade ist, ob ich wieder halbwegs okay bin. Naja. Die Suizidalität ist nicht mehr bei 5, aber eine 4 ist nicht besser. Ich mag verschwinden und nicht mehr existieren. Ich kämpfe unglaublich mit den alten Gedanken und Gefühlen in mir. Da ist sehr viel Selbsthass. Das Gefühl keine Unterstützung verdient zu haben. Die Gedanken, dass es mir nicht besser gehen darf. Wozu denn auch? Ich bin doch egal. Und ich fühle mich wie innerlich blockiert. Ich schaffe es nicht mehr hinzugehen und zu sagen, dass es scheiße ist. Es war schon vorher schwer, aber nun funktioniert es irgendwie gar nicht mehr und ich komme nicht dagegen an. Ich schaffe es einfach nicht. Denn wozu auch? Ich bin doch egal. 

Wohin gehen Gedanken, wenn man sie verliert?
Wie klingt ein Lied, wenn es niemand hört?
Muss man für alles irgendwann bezahlen?
Muss bei jedem Sieg auch immer ein Verlierer sein?

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