Dein Atem wird leise

Heute morgen bin ich aufgewacht, weil das Telefon klingelte. Ich habe erst mal ein paar Augenblicke gebraucht um mich zu orientieren, wo genau ich eigentlich bin. Da es im Zimmer schon hell war schien die Möglichkeit recht groß, dass es schon Tag ist. Ich bin also aus dem Bett gekullert, habe meine Weste angezogen (wie habe ich das jahrelang ausgehalten? Es war nun der zweite Tag, den ich langärmlig verbracht habe und es ist mir jetzt schon definitiv zu lange) und bin in die Küche getapst. Am Telefon war der allererste Freund meiner Mutter. Die erste große Liebe, der Typ, den sie eigentlich heiraten wollte, bevor dann da irgendwie mein Vater das ganze querte. Und natürlich begann sie dann von dem zu erzählen. Sowohl von der ersten großen Liebe, als auch von meinem Vater. Perfekter Start in den Tag. Als meine Schwester und ihr Freund dann runter kamen änderte sich das Thema zum Glück auf die Geburt meiner Schwester und wie sie als Baby so war. Uff.
Den Rest des Tages haben wir mit essen, fernsehen, noch mehr essen und noch mehr fernsehen verbracht. Ein absoluter Gammeltag also, was auch ganz schön war. Dennoch bin ich froh morgen nachmittag wieder nach Hause zu fahren, bzw gefahren zu werden, meinen Sitzsack kriege ich schlecht mit Bus und Bahn transportiert.
Ich freue mich auf meine Wohnung, auf meine Meeris und auf mein Katerkind, auf mein Sofa und mein Bett. Darauf, wieder im T-Shirt rumlaufen zu können wenn mir danach ist. Auf so viele kleine Dinge. Ich bin schon zu lange daheim ausgezogen um das alles länger zu ertragen. Und mein ehemaliges Zimmer, dass nun das Zimmer meiner Mutter ist, erinnert mich an zu viele Dinge, auch wenn ich nur einige Monate hier gewohnt habe bevor ich auszog.
Nun werde ich versuchen zu schlafen. Trotz Selbstverletzungsdruck, trotz Suizidgedanken, trotz Bauchschmerzen und Übelkeit von dieser verdammten Anspannung.

Was hat dich so zerrissen?
Was hat dich so verletzt?
Was hat dich und dein Leben
Und dein Herz so zerfetzt?

Kommentar verfassen