depressiv 

Am Montag war ich zum ersten Mal bei der Nachsorge in der Reha-Klinik. Es ist eine Gruppe mit allen möglichen Menschen, ich bin mal gespannt was noch so auf mich zukommt dort. Die Therapeutin mag ich auf jeden Fall. 

Heute stand um halb 8 ein Arzttermin auf dem Plan. Vermutlich wird meine Hausärztin ’nen Koller kriegen, wenn sie meine Blutwerte sieht. Essen klappt derzeit nämlich quasi gar nicht. 

Vor 3 Tagen fiel mir dann auf, dass ich die letzte Zeit versehentlich nur die Hälfte meiner Abendmedis genommen habe. Es wäre eine mögliche Erklärung für das aktuelle Loch. Und auch für mich die ‚einfachste‘, denn daran kann ich ja relativ schnell etwas ändern. Beziehungsweise habe ich schon, denn direkt abends habe ich dann wieder die richtige Dosis genommen. 

Neben der Erleichterung, dass es einen so logischen Grund für das Loch geben könnte, sind da auch Selbstvorwürfe. Wie dämlich konnte ich denn sein? Ich weiß, welche Konsequenzen es hat Medis zu vergessen oder falsch zu nehmen und ich bin so froh, dass es mit der aktuellen Medikation so gut funktioniert. Und dann nehm ich die falsche Dosis, Glückwunsch. Ich könnte mir echt selber in den Hintern beißen. 

Und da wären wir dann mal wieder beim leidigen Thema Selbsthass. Momentan könnte ich unendlich viele Dinge aufzählen, die nicht funktionieren. Die ich nicht schaffe, die mich überfordern, die mich an meine Grenzen bringen. Ich kann dies nicht und das nicht, müsste hier und dort, sollte man dieses und jenes. 

Doch ich versuche es nicht zuzulassen. Ich versuche die Dinge zu sehen, die gut funktionieren. Ich bin immer noch selbstverletzungsfrei. Die Suizidgedanken sind relativ leise und gut auszuhalten. Und obwohl es so schwer ist war ich bisher doch irgendwie jeden Tag vor der Türe, ob nun ’nur‘ zum Einkaufen oder um einen Freund in der Klinik zu besuchen. Und ich habe es auch geschafft jeden Tag mindestens ein wenig im Haushalt zu tun. Ich bin also eigentlich nicht völlig unfähig derzeit, auch wenn es sich so anfühlt. 

Morgen bin ich mit Mama verabredet und am Sonntag kriege ich mein Tattoo. Ich freue mich schon total. 

Ich versuche einfach weiter zu machen und zu hoffen, dass es schnell wieder vorbei geht. Auch wenn es sich gerade so endlos anfühlt, ich weiß, dass es wieder vorbei gehen wird. Ich muss nur da durch. Ich muss ’nur‘ den Druck aushalten und die Grütze in meinem Kopf. Es wird besser. Es wird besser. Es wird besser. Nur nicht aufgeben.  

1 Comment

  • Hey, ich weiß soo gut wie es dir in etwa geht. Selbsthass ist unglaublich schwer zu ertragen bzw dagegen zu halten. Den Druck auszuhalten, durch zu halten ABER ich finde es sehr, sehr gut das du daran festhälst das du weißt es wird wieder vorbei gehen, denn das wird es 🙂
    Ich habe einen großen Respekt vor dir, weil du so hart an dem Wissen, der Hoffnung festhälst. Niemals aufgeben 🙂
    Fühle dich gedrückt (im übertragendem Sinne)
    Tina

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