Diagnosekram

Es ist ja ziemlich langweilig in eine Klinik zu gehen und mit den gleichen Diagnosen wieder entlassen zu werden. So wird sich nun neben den anderen wohl eine neue in die Liste einreihen: ad(h)s. Meine Psychologin kam heute in unserem Einzel darauf. Und dann haben wir eben einen kurzen Diagnostiktest gemacht. „Also da nehmen Sie ja ganz schön viele Punkte mit.“ meinte sie am Ende zu mir. Und ich muss an Frau S. und ihre Reaktion damals auf meine BPS-Diagnostik denken. „Wenn schon, dann richtig. Du lebst nach dem Motto: entweder ganz oder gar nicht!“ 

Insgesamt war es ein gutes Einzel. Und ich bin froh, dass ich bei ihr bleiben kann und nicht wieder wechseln muss, wenn die Ärztin nächste Woche aus dem Urlaub zurück kommt. Ich werde zwar von ärztlicher Seite dann wieder von ihr betreut und auch die morgendliche Visite mit ihr machen, psychologisch aber bei der Psychologin bleiben. 

Gestern habe ich dann tatsächlich auch meine Teamvorstellung überlebt. Es war schwer für mich vor so vielen Menschen über meine intimsten Gefühle und Gedanken zu sprechen (denn nichts anderes sind die Gefühle und Gedanken vor, während und nach einem Suizidversuch), aber ich habe es überstanden und bin nun in Stufe 2. Zur Belohnung gab es dann heute erst mal einen neuen Stapel Blätter, die ich dann nun ab heute ausfüllen muss. Ab nächster Woche werden dann auch 5 neue Termine in meinem Plan stehen und ich vermisse nun schon die freie Zeit, die ich die ganze Zeit immer zwischendurch mal hatte. 

In der Oberarztvisite ist die Oberärztin alles andere als begeistert, dass ich morgen zu Frau S. fahren will. Sie würde es mir am liebsten ausreden, doch ich bin eben nun mal trotzig und stur und habe auch meinen Plan für die Fahrt und alles, weil mir durchaus bewusst ist, dass das ganze kein Spaziergang werden wird. Meine Gedanken und Pläne bespreche ich mit der Psychologin im Einzel und ich glaube dass wir beide uns nun besser fühlen bei dem Gedanken an morgen. 

Also steht nun wieder ein Wochenende vor der Tür. Die Zeit vergeht wahnsinnig schnell. Ich weiß gar nicht wohin die Tage verschwinden, weiß gar nicht wie so schnell aus den Tagen nun schon mehrere Wochen werden konnten. Aber erst mal ist nun Wochenende, therapiefreie Zeit, Zeit für mich und für Schönes. 

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