Doch Scheiße passiert eben doch in Sekunden 

Aus dem „Vielleicht haben Sie ja auch nur Rückenschmerzen.“ des Arztes vom Notdienst ist nun eine Nierenbeckenentzündung geworden. Meine Hausärztin verzichtet darauf mir auch noch auf die zweite Niere zu drücken, nachdem ich bei der ersten schon kurz davor war ihr gegen das Schienbein zu treten vor Schmerz. Sie schüttelt nur den Kopf über den Notdienstarzt, verschreibt mir ein Antibiotikum, schaut mich böse an und meint „Machen Sie nie wieder so einen Überdosiskram!“, freut sich mit mit mir, als ich von Freiburg berichte und entlässt mich mit einem neuen Termin für nächste Woche. Also werde ich in den nächsten Tagen viel Zeit im Bett verbringen, abgesehen von der Abschlussfeier meiner Schwester morgen und dem Altstadtfest am Wochenende. Denn es tut sowieso jede Bewegung weh, Unterwegssein ist eine Qual und ich versuche mich möglichst wenig zu bewegen, auch wenn die Schmerzen trotzdem immer da sind. 

In der Nacht kam ich wieder nicht an. Ich lag wach bis gegen 3, ruhe- und rastlos. Nächste Woche habe ich einen Termin bei meinem Psychiater und werde das mal ansprechen, falls es sich nicht bessert. Ich dachte eigentlich es wäre vorbei nach dem Termin beim Arzt vom Amt, weil ich dachte das treibt mich so um. Den Termin habe ich gestern aber hinter mich gebracht. Eigentlich war es nicht mal halb so schlimm wie befürchtet. Ein paar allgemeine Fragen beantworten („Welchen Schulabschluss haben Sie? Hauptschule?“-„Ähm… Fachhochschulreife und abgeschlossene Berufsausbildung…“ und ein darauf folgender sehr irritierter Blick. Psychisch krank gleich doof oder wie?), dann eine kurze Untersuchung („Ich sage Ihnen gleich, ich kriege vermutlich die Krise wenn wir das nun so machen“ und dann eine verkürzte Untersuchung, bei der ich angezogen bleiben darf) und dann die Feststellung, dass ich ja noch in Behandlung bin und die definitiv Vorrang hat und ich war schon wieder aus der Tür. Gut, also werde ich in den nächsten Tagen wohl einen Reha- bzw. Rentenantrag stellen müssen. Bis dann eine Entscheidung gefallen ist bekomme ich auf jeden Fall mein alg1. 

Danach war ich kurz in der Klinik, habe Unterlagen für die Sozialarbeiterin abgegeben, I. besucht und Pfleger Jan vom Temin  berichtet, denn er wollte gerne wissen wie es lief, nachdem ich ihn vor ein paar Tagen damit im Nachtdienst vollgejammert hatte. Auf meine Erzählung hin und meine Aussage „also ich bin scheinbar nicht arbeitsfähig“ musste er lachen und erwiderte „wie, echt nicht? Was ein Wunder.“ und ich musste mit ihm lachen. Schwester Laura quittierte meine Erzählungen von den Nierenschmerzen mit einem „Noch ein Grund so eine Scheiße nicht mehr zu machen.“, in Bezug auf den Suizidversuch letztes Jahr. Und es trifft mich härter als gewollt, denn es zeigt mir wieder, was ich mir und meinem Körper damit eigentlich angetan habe. In dem Moment habe ich natürlich nicht an solche Dinge  gedacht. Eigentlich habe ich überhaupt nicht an das Danach gedacht, denn das sollte es ja nicht mehr geben, aber an die Folgen, die es haben könnte körperlich, da denkt man absolut gar nicht. Schwester Sabine brachte mich erst darauf, nachdem sie mich ordentlich zurechtgestutzt hatte, dass es auch hätte ganz anders enden können. Und auch wenn die Folgen nun natürlich nicht ganz so gravierend sind, so denke ich zum ersten Mal darüber nach. Klar weiß ich seit damals, dass meine Nieren ein wenig im Eimer sind und meine Blutwerte nie ganz okay waren. Aber so wirklich Gedanken habe ich mir nie großartig gemacht. Bis jetzt eben, denn die erneute Entzündung zeigt wie sehr meine Nieren eigentlich geschädigt sind. Wenn ich Pech habe, dann darf ich mich nun öfters damit rumschlagen. 

Und nun kippe ich einfach nur noch ins Bett und versuche zu schlafen. Eigentlich sollte das nach dem wenigen Schlaf letzte Nacht und mit einem Antibiotikum-Tramadol-Seroquel-Mix ganz gut klappen. 

So viele Jahre, so viele Stunden 
Doch Scheiße passiert eben doch in Sekunden

So viele Jahre, so viele Stunden 
Zu wenig Zeit, für zu viele Wunden

2 Comments

  • Kann deine Gedanken nachvollziehen. Bei mir steht gerade eine mögliche physische Diagnose im Raum, die auf mein eigenes destruktives Verhalten zurück zu führen wäre. An die möglichen Konsequenzen habe ich damals natürlich nicht gedacht, da alles für mich egal war. Wie geht es dir nach dieser Erkenntnis?

    • Es geht. Ich denke ich kann einigermaßen damit leben, dass meine Nieren nicht mehr so fit sind. Wenn ich nun allerdings regelmäßig eine Entzündung ausbrüte, dann wird das wohl anders sein. Ich weiß noch nicht, einfach mal schauen wie es nun weiter geht.

Kommentar verfassen