Don’t let go.

Als ich gerade in der Obst- und Gemüseabteilung stand, zwischen den ganzen Karotten, dem Salat und den Kürbisse und nach einer Gurke griff, musste ich einfach anfangen zu weinen. Nun sind da nur noch 2 Fellnasen, die sich über die ganzen Leckereien freuen.
Aber ich will in den nächsten Tagen rumtelefonieren, bei Tierheimen und ähnlichem anrufen, und nach Schweinchen fragen. Nur noch drei war für mich ja schon hart, aber jetzt nur noch zwei? Die Schweinevilla ist so leer. Kein munteres Geplapper mehr, kein vielstimmiges Quietschen. Und auch Flocke und Lilly wirken irgendwie verloren, als ob sie gar nicht wüssten was nun auf einmal los ist. Ich will wieder eine ganze Schweinebande, will neuen Fellnasen ein liebevolles Zuhause voller Salat und Möhren und Wiese im Sommer geben.

Ansonsten war ich gestern und heute enorm produktiv. Ich habe endlich das Chaos nach dem Umräumen im Schlafzimmer fast vollständig beseitigt (ein paar Dinge brauchen einfach noch einen festen Platz, damit ich sie nicht jedes Mal von A nach B räume), die ganze Bude gekehrt, mal sehen ob ich nachher noch Lust habe das Geschirr zu spülen.
Etwas tun muss ich auf jeden Fall, ich muss mich aus dieser Mischung aus Trauer und alten Erinnerungen holen und ablenken.
In der Klinik war ich M. besuchen, kurz zuvor wurde sie von einem Mitpatient sexuell belästigt. An den Stellen, an denen er sie gepackt hatte, waren immer noch die Spuren davon zu sehen.
Die ganze Kompanie aus Pflegern der anderen Stationen, Ärzten und Sozialarbeitern trat an um ihn zu fixieren und ihm Medikamente zu verpassen.
Als wir im Tagesraum saßen und uns unterhielten stand er plötzlich wieder vor uns, ich bin aufgestanden und habe nach dem Personal gerufen. Und schwupps mischen sich alte Erinnerungen mit dem Bild, bringen es zum verschwimmen und lassen die Realität schwinden.
Selbst nun, Zuhause in meinen sicheren 4 Wänden, mit dem schnurrenden Fellmonster auf dem Schoß, fällt es mir schwer nicht in die Vergangenheit zu gleiten, im Hier und Jetzt zu bleiben, mir zu sagen, dass es vorbei ist und ich sicher bin.
Ich frage mich so oft, ob das jemals besser werden wird. Ob irgendwann diese ganzen Situationen, die mich an früher erinnern, leichter zu ertragen sind. Ob irgendwann nicht mehr so viele Situationen, Gerüche und Geräusche triggern.

Vielleicht mache ich mich gleich mal auf die Suche nach meiner großen Häkelnadel. Ich will eine Hängematte für meine Tonnen von Kuscheltieren häkeln, damit ich ein paar davon dort hin setzen kann und so vielleicht auch wieder ein wenig Platz im Bett habe.
Und ich bin beschäftigt, das ist gerade wohl einfach das Beste. Etwas tun, den Kopf beschäftigen, den Abend rum kriegen. Und das ganze möglichst heil.

She says, „Don’t let go 
Never give up, it’s such a wonderful life 
Don’t let go 
Never give up, it’s such a wonderful life“ 

5 Comments

  • ganz bestimmt wird es besser … wenn wir es lernen

    aber nun drücke ich die Däumchen, dass du Schweinchen findest, die ein paar Jahre in deinem Paradies leben dürfen

    so armen Seelen eine tolle Zeit zu ermöglichen, ist doch einfach wunderschön 🙂

  • Eine gute Bekannte von mir sucht ein neues Zuhause für ihre drei Meerschweinchen-Jungs. Ich weiß nicht, ob das vielleicht eine Option wäre? Wollte ich mal so in den Raum stellen.

    Es tut mir leid, was da neulich passiert ist.
    Ich weiß, dass du stark bist, liebes Zitrönchen.

    ~best wishes~

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