Du bist des Wahnsinns eifrigster Verwalter

Meine Mutter erzählte mir gestern, dass sie sich vor einer Weile mit meinem Vater getroffen hat. Er war hier in der Nähe, auf einer Veranstaltung. Und ich wette, dass er nicht ohne Hintergedanken her kam. Mit der Hoffnung doch noch von meiner Mutter zu erfahren wo ich nun wohne. Und ich möchte auch nicht ausschließen, dass er zu meiner alten Adresse gefahren ist. Er weiß ja nicht, ob ich da noch wohne oder nicht. Dass er 250 km durch die Gegend fährt, nur für eine Veranstaltung, mit dem Wissen, dass ich irgendwo in der Nähe bin, und nicht versucht mich zu treffen, dass kann ich mir absolut nicht vorstellen.
Es macht Angst, weil ich eigentlich immer davon ausging, dass die Entfernung groß genug ist um einfach mal hier aufzutauchen. Andererseits macht es mich unglaublich wütend, weil meine Mutter es einfach nicht schafft sich von ihm zu distanzieren, es nicht schafft hinter mir zu stehen in der Hinsicht, es nicht sehen und hören will, was damals lief.
Ich bin froh, dass ich es erst jetzt weiß und nicht zu dem Zeitpunkt als er hier war, ich hätte mich vermutlich miserabel gefühlt und wäre vor lauter Angst durchgedreht.

Mein Kopf fühlt sich furchtbar voll und furchtbar leer gleichzeitig an. Heute ist wieder so ein Tag, an dem ich mich einfach nur vergraben mag, mich furchtbar fühle, am liebsten die ganze Welt aussperren will.
Auf der anderen Seite habe ich Lust dazu meine Wohnung aufzuräumen, die Küchenschränke einzuräumen und meine neue Küche zu bewundern, habe Lust zu kochen und raus zu gehen und zu malen. Es ist ganz schön wirr alles. Vielleicht wird es besser, wenn ich den Schock überwunden habe, dass er hier war. Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Mir fehlt Sicherheit. Sicher sein, sicher fühlen.

Mein Psychiater hat mich heute ziemlich aus der Bahn geworfen. Es ging um das große Thema um sich selbst kümmern, für sich selbst sorgen. Er fragte, was das momentan vorherrschende Gefühl ist und was ich in meinem Job tun würde mit einem Kind, dass vor mir sitzt und sich so fühlt. Und warum ich das dann nicht mit mir selbst tun kann. Das kleine Zitrönchen an der Hand nehmen, ihr sagen, dass die große, starke, erwachsene Zitrone für sie da ist, auf sie aufpasst. Dinge tun, die dem kleinen Zitrönchen gut tun, auf es acht geben, für mich sorgen.
Und damit hat er an einem Punkt gekratzt, der mich irgendwie furchtbar traurig gemacht hat, furchtbar wütend, furchtbar alles. Ich wollte nur noch heim und weinen, mich vor der Welt verstecken. Dann kamen Anspannung und Suizidgedanken. Daheim bin ich erst mal eine Weile völlig neben mir durch die Gegend gewankt, habe irgendwann Bedarf genommen und mich ins Bett verkrümelt. Nun bin ich aufgewacht aus einem Traum von meinem Vater, versuche irgendwie in der Realität anzukommen, sitze auf meinem Sofa mit Katerkind und kucke den Meerchen zu.
Gleich will ich wieder ins Bett, immerhin ist es bald halb 3 nachts, und nachts wach sein endet in letzter Zeit meistens nicht gut. Ich hoffe, dass ich noch ein paar Stunden Schlaf finde, ohne fiese Träume, ohne verwirrt aufzuwachen.

Falls das mit dem Schlafen nicht funktioniert werde ich wohl mal schauen, was ich dem kleinen Zitrönchen Gutes tun kann. Nicht erwachsen sein müssen, nicht funktionieren müssen. Einfach nur Kind sein und Kind sein dürfen.

Und wann bringst du mich nach Hause
Egal wie weit
Egal was immer das auch heißt

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