Ein „was immer hier passiert, macht endlich Sinn“

Meine letzte Woche war anstrengend. Für dieses Wochenende habe ich mir vorgenommen mal montags in der Visite nicht mit den Worten „Ich habe gehört Sie hatten ein anstrengendes Wochenende.“ von meiner Therapeutin begrüßt zu werden. 

Bisher klappt das auch gut. Ich versuche mir viel Gutes zu tun, auf meine eigenen Bedürfnisse zu achten (und sie auch ernst zu nehmen) und eine Menge zu schlafen. 

Ich merke jeden Abend, dass das hier kein Spaziergang ist. Dass die Therapie Dinge in mir bewegt, die anstrengend sind und manchmal auch zu dunkel für mich. Jeden Abend bin ich froh, wenn ich in mein Bett kippen kann, wenn der Tag und die Therapien vorbei sind. Besonders die Einzel sind anstrengend. Sowohl mit der Therapeutin, als auch mit der Bezugspflege. Oder die Oberarztvisiten. Oder oder oder. Es ist viel, es ist anstrengend. Aber es ist gut und allein das zählt. Ich komme weiter, habe das Gefühl an Punkten zu arbeiten an denen ich wirklich was ändern kann. Ich beginne mich und mein Verhalten zu verstehen, Gefühle wahrzunehmen wenn ich sonst dachte, dass da keine sind. Ich schreibe Verhaltensanalysen und Gefühlsprotokolle und sehe die Zusammenhänge zwischen Ereignissen und meiner Anspannung, zwischen meinen Gedanken und der Suizidalität, zwischen Gefühlen und Glaubenssätzen. Ich bin froh, dass ich hier bin, dass ich die DBT mache, dass ich hier unterstützt und ernstgenommen werde. Ich fühle mich am richtigen Platz und beim Gedanken, dass die Hälfte der Therapie nun schon vorbei ist, wird mir ein wenig übel. Aber zum ersten Mal seit langem kann ich wieder ein wenig optimistisch in die Zukunft blicken. 

Was, wenn mir die Worte fehl’n
Wenn ich doch nur erklären will
Dass alles gut ist, nah und richtig
Wichtig, selig, endlich still
Es scheint als wär’s tatsächlich so
Das, was Dir am nächsten ist, 
Ist furchtbar schwer zu formulieren
Weil’s hunderttausend Seiten misst

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