Es gibt ’nen Weg hier raus

Manchmal gibt es Tage, da hat man einen Gedanken im Kopf und wird ihn nicht mehr los. Er beißt sich fest, lässt sich nicht abschütteln, egal was man tut. So ein Tag war heute.

Angefangen hat er reichlich beschissen. Mit Druck und Mist im Kopf. War dann nach einem langen Gespräch mit der Therapeutin halbwegs in Ordnung. Wurde dann durch/wegen/weil Einkaufen mit Mama doch recht gut. Und endet jetzt mit mir in völlig erledigt.

Seit heute morgen war meine Oma in meinem Kopf. War sie in letzter Zeit öfter mal, sowieso all die ganzen Jahre. Aber heute extrem. Und so habe ich mich vorhin auf gut Glück auf den Weg gemacht zu ihr. Mit gemischten Gefühlen, großer Anspannung, viel Chaos im Kopf.

Ich war relativ lange bei ihr. Von einem totalen Gefühl der Distanz wurde es letztendlich zu einem richtig guten Treffen. Nach fast 7 Jahren, in denen wir keinerlei Kontakt hatten, war es wohl für uns beide schwer da wieder einen Anfang zu finden. Für mich besonders, da es eben immer noch die Mutter meines Vaters ist. Aber auch nur biologisch, gefühlsmäßig ist es für sie anders. Genau wie es für mich gefühlsmäßig so anders ist.

Wir haben viel geredet. Über die letzten Jahre. Über meinen Vater. Über früher, über das hier und jetzt. Ich will wieder mehr Kontakt zu ihr. Will sie öfter sehen, will sie in meinem Leben haben. Lange genug war sie kein Teil mehr davon.

Und so bin ich nun einfach erledigt. Psychisch. Es war ein anstrengender Tag. Die Angst, dass sie nicht mit mir reden will, die Ungewissheit ob sie da ist… Und nun einfach die Erleichterung. Viel für einen Tag. Viel für das sowieso etwas matschige Ich. Aber gut viel. Es ist ein gutes erledigt-fühlen. Auch wenn mit dem fertig-sein auch ganz viel Kontrolle flöten geht, so psychisch. Weil einfach keine Kraft mehr da ist. Und ich brauche viel Kontrolle über mich selbst, über all dieses Chaos in meiner Seele. Zumindest kann ich derzeit da nicht gut loslassen. Weil, ja, weil was? Meine Therapeutin sagt, dass ich es eben immer noch nicht wahrhaben will, all dieses Geschehene. Und wenn ich die Kontrolle ein bisschen loslasse, dann überflutet es mich einfach völlig. Vielleicht schaffe ich es das im geschützten Rahmen ein bisschen zu lockern. Was da ist muss raus. Auch wenn die Angst mich beinahe umbringt beim bloßen Gedanken daran. Allein der Gedanke, dass da noch so vieles mehr ist… Dass da so viel Schmerz und Wut und Traurigkeit und Alleinsein und alles ist, die Angst lähmt mich. Vielleicht, vielleicht. Vielleicht schaffe ich es da dran zu kommen. Ich will es eigentlich auch, weil vermutlich nur über diesen Weg ein Heilen und Ganz-werden möglich ist. Aber alleine und in meinem aktuellen Zustand… nein. Da brauche ich Kontrolle. Zumindest ein wenig. Und weil ich nun einfach so kaputt bin packe ich mich ins Bett. Wenn ich mal dort bin, dann wird es schwerer irgend einen Mist zu bauen.

Also wickel ich mich jetzt in ein paar Decken, baue mir ein sicheres Nest, auch äußerlich. Da kann ich mich verkriechen, mich sicher vor der Welt fühlen, beschützt. Genau danach ist mir nun, genau das brauche ich. Und dazu gibt es vielleicht ein wenig Film auf dem Kindle. Und das positive Gefühl von heute. Ein guter Tag.

 

Und ich nenn‘ sie beim Namen.
Und wenn’s so ist für alle Zeiten.
Und ich nenn‘ sie beim Namen,
weil ich es müde bin zu streiten.

Hallo Angst, hier ist der Typ,
den du seit Jahren täglich beißt.
Hier ist der Typ bei dem du wohnst,
ohne zu wissen wie er heißt.

Hallo Angst, du Arschloch!

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