Familienwahnsinn

Familie. Anstrengend. Schon mit meiner Mutter alleine komme ich oftmals an meine Grenzen. Als mein Großonkel dann noch auftaucht möchte ich am Liebsten fliehen. Er muss immer stundenlang alle möglichen Familiendinge diskutieren. Das ist neben anstrengend auch teilweise einfach triggernd, da er von meinem Vater anfängt, da er alte Geschichten erzählt. Und weil er mich manchmal an meinen Vater erinnert, auch wenn zwischen ihnen keine Verwandtschaft besteht.
Er redet und redet und redet. Irgendwann zwischendurch schwenkt er um zu der aktuellen Lage in Deutschland. „Ich bin ja kein Nazi, aber…“. Da ist der Punkt erreicht, an dem ich mich auf das Sofa verziehen, mich meinem Kindle widme, ein wenig spiele und versuche mich abzulenken. Ich möchte nach Hause. In meine Sicherheit, zu meinem Katerkind und meinen Meerchen. Ich mag mich verletzen. Ich bin einfach an meinen Grenzen angelangt.
Aber natürlich bleibt es nicht dabei. Irgendwann ziehe ich meine Weste aus, weil ich das Gefühl habe mich in einer Sauna zu befinden. Und natürlich zieht das einen Rattenschwanz hinter sich her. Am Ende davon sitze ich heulend in der Küche, den Kopf voller Erinnerungen an meinen Vater. Meine Mutter versteht nicht, warum ich mir das selbst antue und ich versuche schon gar nicht mehr mich irgendwie zu erklären. Vielleicht schaffe ich es irgendwann ihr klar zu machen, dass sie es einfach akzeptieren soll, weil alles andere mich wahnsinnig macht.
Und nun liege ich im Bett. Fühle mich leer und müde und ausgelaugt. Ich weiß, warum ich so Familienkram nicht mag.
Lang und breit erklärt mir meine Mutter, dass ich verzeihen muss. Dass Fachmenschen in Sachen Psychiatrie einfach niemals helfen können, sondern alles noch schlimmer machen. Ich denke an meine erste Therapeutin, an meine aktuelle, an meinen Psychiater, den Psychopeut aus der Klinik, an das Pflegepersonal. Und schüttel in Gedanken den Kopf. Und dann beginnt in meinem Kopf „Der Tag war gut und er bleibt auch gut.“ immer und immer wieder abzulaufen. Es war schön, bevor es anstrengend wurde, und ich möchte es auch so ausklingen lassen. Also liege ich im Bett, versuche die Gedanken aus meinem Kopf zu vertreiben, atme vor mich hin. Und merke dabei, dass mein Knie weh tut, mit dem ich heute morgen irgendwo dagegen stieß. Und dann muss ich an Pfleger Arschkeks denken, weil er sich immer so köstlich amüsiert, wenn ich über Schmerzen jammer. Morgen nachmittag werde ich wieder in mein kleines Reich fahren. Werde deb Zitronenkater bekuscheln und die Meeris kraulen, werde auf meinem Sofa sitzen und in meinem Bett schlafen. Ich freue mich darauf, auf die kurze Auszeit, bevor der Familienwahnsinn wieder beginnt. Am Montag ist es vorbei. Dann kann ich erst einmal durchatmen und zur Ruhe kommen.
Der Tag war gut und er bleibt auch gut. Und ich werde es hinkriegen mich nicht zu verletzen. Schritt für Schritt und Skill für Skill, bis ich endlich einschlafe.

1 Comment

  • Ich wünsche dir viel Kraft für die Ostertage. Für mich sind die Tage, an denen die ganz Familie beisammen ist immer schwierig. Und gerade wenn du dann getriggert wirst.
    Pass gut auf dich auf.
    Alles Liebe Mariposa

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