Geh nach Haus, schlaf dich aus, es ist schon spät…

Ich werde wach. Drehe mich auf die andere Seite. Drehe mich auf den Rücken. Auf die andere Seite. Wickel mich neu in die Decke. Kuschel mich an die Schlafbanane. Drehe mich nochmal um. Irgendwann beschließe ich dann doch mal auf die Uhr zu schauen und bin mir dann sicher, dass mein Körper mich verarschen will. 4.03 Uhr. Ich drehe mich noch mehrmals um, komme aber einfach nicht zur Ruhe. Also stehe ich eben auf. Ich überlege kurz, ob ich mir ein bisschen Quetiapin einwerfen soll um noch ein wenig zu schlafen, dann fällt mir ein, dass ich ja zum Psychiater muss. Und das funktioniert nicht, wenn ich jetzt was nehme und noch 6 Stunden schlafe. Also bleibe ich eben wach, sitze auf dem Sofa und höre Musik, neben mir schlafen die Meeris und das Katerkind friedlich im Meerizuhause. In 2 Stunden werde ich vor die Haustür fallen und Richtung Bushaltestelle tapsen und in die Hauptstadt fahren. Wenn ich danach noch die Augen aufhalten kann werde ich auf dem Rückweg ein paar Kleinigkeiten kaufen für heute und morgen, am Freitag gehe ich mit Mama einkaufen und brauche dafür definitiv noch eine Liste.
Wäre es nun nicht Winter und kalt und nass, dann würde ich raus gehen, dem Tag zusehen wie er beginnt. Ich grusel mich jeden Tag, wenn ich bei dem scheußlichen Wetter einen Fuß vor die Türe setzen muss. Ich bin kein Mensch für Dunkelheit und Kälte. Meine Stimmung ist dann eher im Keller, ich friere ständig und möchte am liebsten ganz tief in die warmen und trockenen Decken in meinem Bett krabbeln und dort bleiben, bis der Frühling beginnt. Die Zeit bis dahin erscheint so endlos.
Gestern Abend im Bett habe ich noch über Skills nachgedacht, bevor mir die Augen zugefallen sind, und prompt von Schwester Sabine geträumt, die mir eine VA aufs Auge drückt. Ich bin mir noch nicht sicher, ob es ein Albtraum war. Nicht wegen Schwester Sabine, sondern wegen der VA. Ein Traum über Verhaltensanalysen kann ja eigentlich nur ein Albtraum sein. Fliegermädchen, was sagst du denn dazu?
Wie beschäftigt man sich 2 Stunden quasi noch mitten in der Nacht? Ich will die Musik laut aufdrehen – geht nicht. Ich überlege die Wäsche zu waschen – meine Waschmaschine wäre ein toller Wecker und würde das ganze Haus wecken. Der Zitronenkater will eher schlafen als spielen, mein Geschirr ist gespült, meine Wohnung aufgeräumt, für lesen bin ich zu müde und für frühstücken ist es mir zu früh. Ich könnte die Wii anwerfen und meine Nachbarn ein wenig mit Gesang quälen oder mit meinem Fluchen, wenn ich meinen dezent vorhandenen Muskelkater bewege. Alles Möglichkeiten, die nicht sonderlich optimal sind. Also weiter Musik hören, im Internet stöbern (warum schlafen die denn noch fast alle?!) und die Augen aufhalten, damit ich nicht vorne über vom Sofa kippe und dort weiter schlafe. Vermutlich würde es nämlich jetzt funktionieren, nachdem ich aufgestanden bin und klar ist, dass ich wach bleiben muss. Ich kenne mich doch. Übernächste Woche muss ich wach und nüchtern und mitten in der Nacht bei meiner Hausärztin auf der Matte stehen, sie will mal wieder Blut. Und ich weiß jetzt schon, dass ich meinen Wecker mindestens 6 Mal weiter drücke, unglaublich müde sein werde und kaum aus dem Bett komme. Wäre ich an so einem Tag doch mal um 4 Uhr hellwach.
Und nicht zum ersten Mal überlege ich, woran es derzeit liegt. Träume ich schlecht und wache auf, erinnere mich aber nicht, dass ich geträumt habe? Wenn ich von meinem Vater träume kriege ich es in 75% der Fälle hin dann irgendwann aufzuwachen, bevor ich noch ewig weiter davon träume. Meistens ist es dann schon zu viel, aber immerhin nicht mehr. Habe ich von ihm geträumt und erinnere mich nicht? Aber in so vielen Nächten mittlerweile und immer gegen 4? Schwester Sabine ist jetzt nicht so furchtbar, dass ich davon aufwache, selbst mit VA nicht.
Es kommt und geht hier auch niemand um 4, sodass ich davon aufwachen könnte. Katerkind pennt um diese Uhrzeit irgendwo auf mir, die Meeris träumen von Gurken und Petersilie, mein Handy macht keinen Mucks und das Telefon klingelt auch nicht. Ich bin ehrlich ratlos. Und nach 5 Stunden Schlaf bin ich definitiv nicht ausgeschlafen, schon gar nicht mit Medis, daran kann es also auch nicht liegen. Ich bin einfach mal optimistisch, dass es sich bald wieder gibt.
Wenn man so früh wach ist und eigentlich alles an einem noch weiter schlafen will, passieren aber lustige Dinge. So saß ich bestimmt zwanzig Minuten auf meinem Sofa und wunderte mich über die Zahnpastatube, die dort lag. Dann fiel mir ein, dass ich damit ein Wii-Spiel bearbeitet habe, um die verkratzte CD wieder zum laufen zu bringen. Später suchte ich überall mein Handy, fand es aber nicht. Dann hatte ich Lust auf einen schwarzen Tee, will die Milch aus dem Kühlschrank holen… Da lag mein Handy drin. Ich hab es wohl beim füttern des Zitronenkaters mit lecker Rindergulasch da rein gelegt. Vielleicht begegnet mir nachher der Schlüssel im Backofen oder der Geldbeutel im Briefkasten. Zuzutrauen wäre es mir.
Und nun schlage ich noch weiter die Zeit tot, bevor ich mich anziehe und in die Dunkelheit und Kälte da raus gehe. Dafür werde ich mich den Rest des Tages in meiner warmen Wohnung verschanzen, je nach Muskelkater ein wenig Wii spielen und nur Dinge tun, die mir gut tun und die Seele heilen. Klingt nach einem guten Plan.

Ich bin der letzte Schatten der noch durch die Gassen irrt
In meiner Hand ein Licht, dass mit der Zeit verblassen wird
lass das Streicholz brennen solang es geht.
Ich nehm die letzte Bahn, wieder diese Strecke fahr’n
Zuhause Decke übern Kopf und an die Decke starr’n

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