Goodbye

Bald ist es vorbei. Das allererste Jahr in dem ich mich kein einziges Mal selbst verletzt habe. Seit gefühltem immer, seit realen Ewigkeiten.

Es ist schwer etwas zu verlieren, dass so lange Teil von mir war. Das habe ich mir schon gedacht als ich die 365 Tage voll hatte, nun das erste Jahr in dem es von Januar bis Dezember nicht passiert ist… und wieder denke ich, dass ich einfach ein Stück von mir verliere.

Ich will es nicht zurück, definitiv nicht, aber auch wenn es einfach nur furchtbar destruktiv war, es war einfach ein Teil von mir. Und es wird auch nie einfach ganz weggehen. In manchen Situationen stehe ich heute noch da und denke „tja, und früher hättest du nun die Klinge gepackt und dich zerschnitten“. Es gibt so viele Momente die mich früher so aus der Bahn geworfen hätten. Noch nicht mal schlimme Dinge, sondern alltägliches. Ein doofer Blick, ein dummer Kommentar, ein schlecht gelaunter Lehrer… wenn ich daran denke wegen was und wie oft ich mich in all den Jahren verletzt habe… uff.

Ich habe das Gefühl es wird leichter. Noch leichter als es schon geworden ist. Die Gedanken sind nicht mehr so oft da und wenn doch dann nicht mehr so stark und intensiv wie früher. Momente in denen ich denke, dass der Druck mich bald umbringt sind so selten geworden, dass ich zwischendrin schon gar nicht mehr weiß wie es sich anfühlt, bis es sich anfühlt als ob ich gegen eine Wand renne. Ich kann mir schon nicht mehr richtig vorstellen wie es war das jeden Tag zu spüren. Vielleicht sollte ich mir dieses Gefühl bewahren, einfach nur, damit es nicht verloren geht.

Es war und ist ein Teil von mir. Ich würde nie im Leben sagen, dass ich mich definitiv nie wieder verletzen werde. Das würde mir selbst einfach viel zu viel Druck machen. Das selbst unter Druck setzen hat mir jedes Mal einen Strich durchs Aufhören gemacht, jedesmal konnte ich meinem eigenen Druck nicht wiederstehen.

Und so krank es auch irgendwie ist, im Hinterkopf zu haben, dass ich es ja doch irgendwann eventuell vielleicht wieder tun kann wenn es gar nicht mehr geht… irgendwie gibt das Sicherheit.

Vielleicht ist das der Knackpunkt an der ganzen Sache. Früher habe ich aufhören wollen mit aller Macht und zwar so, dass es nienienie wieder passieren soll. Heute sage ich, dass es gut ist, dass ich es geschafft habe, dass ich es noch ganz lange schaffen will, aber die Welt würde nicht mehr unter gehen wenn es dennoch passiert.

Ich glaube man muss da vieles loslassen können. 12 Jahre sind eine so lange Zeit, es ist mehr als mein halbes Leben. Es fällt ja schon schwer Dinge loszulassen, die man viel kürzer im Leben hatte.

Es ist schon erstaunlich wie sehr man sich ändern kann, wie sehr sich das Leben ändern kann und wie sehr das Leben einen ändert.

Vor noch 4 Jahren hätte ich niemals gedacht auch nur ein halbes Jahr ohne zu schaffen. Nun sind es schon über 65 Wochen.

 

Und, hier an dieser Stelle, ein Danke an Dich. Weil du mich seit bald 3 1/2 Jahren (er)trägst, unterstützt, liebst, durch alle Höhen und Tiefen. Ich bin so unendlich froh dich an meiner Seite zu haben. Ich liebe dich K. So sehr. 

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