Here I go, alright, here I go

Und wieder wache ich gegen 4 Uhr auf. Ich bin hellwach, finde es ziemlich scheiße, tapse ins Bad, tapse ein wenig in der Küche rum, trinke etwas, schaue den Meeris kurz zu und verschwinde wieder ins Bett. Nachdem ich den sleeptimer meines Hörbuchs zwei Mal weiter gedrückt habe schlafe ich irgendwann ein. Also gegen 6. Um kurz nach zehn wache ich wieder auf und beschließe aufzustehen.
Draußen ist es grau und nass. In mir drin ist es auch grau (ha! Ein Fortschritt, mal etwas anderes als schwarz oder weiß!). Ich bin müde und mir ist kalt. Als erstes falle ich mal über eine Kiste im Wohnzimmer. Zitronenkater erschrickt und versteckt sich unterm Küchentisch. Ein paar Minuten später geht die Feuersirene hier im Ort los. Zitronenkater flitzt unters Sofa und mag nicht mehr raus kommen. Nach langem Zureden lässt er sich dann auf meinem Schoß nieder und macht ein Schläfchen. So sitze ich nun auf dem Sofa, mit schlafendem Katerkind auf dem Schoß, einer Zigarette in der Hand und versuche vollständig im Tag anzukommen.
Heute Abend bin ich verabredet zum Kino. Der zweite Teil vom dritten Teil von Panem, endlich mal. Lange haben wir es geplant und immer kam etwas dazwischen. Ich freue mich drauf.
Da fällt mir ein, dass ich gerne „Ich bin dann mal weg“ schauen will (Mama angerufen, sie will auch. Wunderbar.).
Bis ich heute Abend dann losfahre werde ich weiter meine Wohnung entchaotisieren. Es ist faszinierend, wie viel Chaos man anrichten kann, wenn man umräumt. Aber es tut auch gut, denn ich werfe einige Sachen weg, von denen ich mich bisher noch nicht trennen konnte. Dinge, an denen Erinnerungen hängen. Egal ob gute oder schlechte. Ich neige dazu, solche Dinge aufzubewahren. Vielleicht, weil mir so viele Erinnerungen aus Kindheit und Jugend fehlen und solche Gegenstände mir in den letzten Jahren halfen, Erinnerungen zu bewahren. Vielleicht möchte ich das aber gar nicht mehr. Vielleicht ist es besser, sich nicht an alles zu erinnern. Außerdem habe ich ja diesen Blog. Seit einem Jahr schreibe ich nun regelmäßig, seit ich zum ersten Mal nach so vielen Jahren wieder in der Psychiatrie gelandet bin. Vieles ist seitdem anders. Oft fällt es mir schwer das zu sehen. Am deutlichsten sehe ich es am Verletzen. Es ist nicht mehr täglich, noch nicht mal mehr wöchentlich. Im letzten Jahr sind dort so viele Narben entstanden. Rote Linien, die sich deutlich vom Rest der Haut abheben. Irgendwann werden sie verblassen, so wie die alten Narben. Sie werden heller und letztendlich fast weiß, werden nicht mehr so deutlich sichtbar sein. Aber sie werden nie verschwinden. Manchmal gibt der Gedanke mir Trost. Dass, egal was sich alles verändern wird, diese Narben mich für den Rest meines Lebens begleiten werden, immer ein Teil von mir sein werden. Denn in vielen Momenten ist da die Frage, was bleiben wird, wenn es besser ist. Was bleiben wird von mir, wenn diese ganzen Probleme in den Hintergrund rücken. Ich habe furchtbare Angst vor der Zukunft. Davor, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Jeden Tag 8 Stunden arbeiten zu gehen. Mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Es macht Angst, riesige Angst, und doch will ich da hin kommen. An den Punkt, an dem ich gerne arbeite, an dem ich mich nicht quälen muss. Ich habe meinen Job gerne gemacht. Aber das drumrum war einfach zu viel, es war zu viel um die Arbeit zu schaffen. Das weiß ich jetzt. Ich weiß, dass ich mein Bestes gegeben habe, dass ich oft mehr gegeben habe als gesund gewesen wäre. Wie so oft. Mehr geben als ich eigentlich kann und mich selbst dabei vergessen. Immer wieder fällt es mir schwer zu realisieren, dass ich trotz allem die Schule geschafft habe damals, dass ich trotz allem eine Ausbildung abgeschlossen habe. Und zwar nicht einfach so, sondern auch noch gut. Stolz auf mich selbst sein, anerkennen was ich geschafft habe, das ist so oft unmöglich.
Ich werde die Heizung aufdrehen, denn ich friere. Und mich dann daran begeben hier Ordnung zu schaffen. Äußere Ordnung für die innere Ordnung. Einfach machen. Weiter atmen. Schritt für Schritt und Skill für Skill.

Stronger than yesterday
Now it’s nothing but my way

Kommentar verfassen