Hinfallen – aufstehen – Krönchen richten – weiter machen 

Ich zerpflücke mich mal wieder selbst. Weil ich heute nicht so produktiv war wie gewollt. Weil ich so viel von mir erwarte und mich das ärgert und ich mich dann ärgere, dass ich mich ärgere. Weil ich dabei bin das alles zu ändern, aber es einfach nicht von jetzt auf gleich funktioniert. 

Geduld. Kleine Schritte. Ich weiß es eigentlich und trotzdem kotzt es mich an. Seit so vielen Jahren kämpfe ich. Ich habe einfach keine Geduld mehr in manchen Momenten. „Mit dem Kopf durch die Wand. Das Gegenteil von innerer Bereitschaft.“ Die Worte meiner Bezugspflegerin hallen in meinem Kopf. 

Ich weiß es. Ich weiß, dass sich nicht alles von heute auf morgen ändert. Ich weiß es und genau deswegen ärgert es mich, dass ich trotzdem einfach nicht geduldig sein kann. Und dann ärgere ich mich wieder, weil ich mich ärgere. 

Es ist anstrengend. Ich habe Druck. Ich habe Suizidgedanken. Und ich schaffe es das ganze durch die Wut auf mich selbst und den dadurch entstehenden Selbsthass immer weiter zu steigern. Trotz Skills. Trotz Ablenkung. Ich komme nicht raus aus der Spirale. 

Irgendwann schreibe ich in unseren Chat. Puff fragt, ob wir telefonieren wollen. Das lenkt mich ab, hilft mir. Währenddessen hänge ich meine Magnetwörter, die Schwesterherz mir zu Weihnachten geschenkt hat, an den Kühlschrank, nachdem ich die beiden Türen ordentlich abgewischt habe. Danach ist es ein wenig besser. Ich versuche mir zu sagen, dass ich heute doch wenigstens einige kleine Dinge geschafft habe. Einkaufen gehen. Meinen Kühlschrank aufräumen und auswischen. Ein wenig den Küchentisch aufräumen. Durchlüften. Kleine Dinge, wenn man bedenkt was ich eigentlich alles noch tun müsste. Aber immerhin. Erfolge sehen anstatt mich selbst zu zerpflücken. 

Es ist anstrengend heute. Furchtbar anstrengend produktiv zu sein. Ich muss an die Entscheidung für den neuen Weg denken. Es ist eine Entscheidung, die man immer und immer und immer wieder treffen muss, das sagte meine Bezugspflegerin damals, als sie mit mir darüber redete. Und das spüre ich gerade deutlich. In jedem Moment muss ich mich momentan entscheiden, ob ich den alten oder den neuen Weg gehen will. Also versuche ich aufzuhören mich selbst zu zerpflücken, zu hassen. Entgegengesetzt handeln. Ganz entgegengesetzt funktioniert es bei Selbsthass nicht, aber es funktioniert eine Art Waffenstillstand mit mir selbst auszuhandeln. Zu akzeptieren, dass es gerade einfach ist wie es ist. Den Körper entspannen. Mir zumindest nicht weiter schaden. 

Also atme ich weiter ein und aus. Minute für Minute. Kraule das schlafende Katerkind. Schaue TV. Schreibe mir einen Plan für die nächsten Tage, unterteilt in kleine und machbare Häppchen. 

Große Probleme macht mir das Thema Essen. Als ob nicht genug anstrengend wäre. Aber ohne Appetit und ohne Hungergefühl fällt es einfach unglaublich schwer. Über Weihnachten ging es. Da gab es eben Essen. Zuhause wäre auch etwas zu essen da, aber ich müsste es machen. Und da ich keinen Appetit habe bin ich auch planlos, was ich mir nun machen soll. 

Also werde ich mir dafür wohl auch einen Plan machen müssen. Jeden Tag wenigstens zwei Mal essen. Kochen, denn das tut mir gut. 

Neuer Weg. Minute für Minute, Schritt für Schritt, Skill für Skill. 

Ich weiß, dass ich es schaffen kann. Auch wenn es gerade einfach so furchtbar schwer ist. Auch wenn so vieles gerade unglaublich anstrengend ist und ein Teil von mir nur nach Selbstzerstörung schreit. 

Manchmal frage ich mich wirklich, woher ich die Kraft und den Mut nehme immer wieder aufzustehen und weiter zu machen. Hoffentlich ist es morgen einfach nur besser. 

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