Hope is so much stronger than fear.

Am Samstag habe ich erst mal verschlafen. Mein Handy wollte mich nicht wecken, in letzter Zeit hat es leider öfter solche Anwandlungen. Also begann mein Tag schon wunderbar. Bus verpasst, noch 4 Stunden warten bis zum nächsten. Ich war innerlich unglaublich geladen und hätte am liebsten die Station zerlegt. Oder mich. Neuer Weg: ich habe es nicht getan. Ich habe mir gesagt, dass es nichts bringt, dass der Bus davon auch nicht schneller kommt oder die Uhr sich zurückdreht. „Früher“ wäre mein kompletter Tag gelaufen gewesen, ich wäre unglaublich schlecht gelaunt durch die Gegend gelaufen und hätte definitiv irgendwas (vorzugsweise mich) zerstört. 

Aber natürlich hat es seine Spuren hinterlassen, ich war verwundbarer. So saß ich mit Gefühlsprotokoll im Bus, damit ich den Busfahrer nicht ermorde, der trotz Verspätung einfach mal in Seelenruhe noch Kaffee trinken ging. 

Zuhause habe ich dann vor dem Einkauf einen kleinen Umweg zur Klinik gemacht. Und dort zu meiner Freude Nathalie angetroffen und Pfleger Manuel. Es war einerseits merkwürdig nach so vielen Wochen wieder diesen Weg zu gehen, durch die Klinik und auf die Station. Andererseits war es einfach schön zu sehen, dass dort alles immernoch den gewohnten Gang nimmt, dass die Klinik immer noch da ist als Rettung im Hintergrund. Es war schön von der DBT zu erzählen, einfach zu reden und zu lachen. 

Als ich wieder zuhause ankam machte ich mich an die Post. Und schwupps hing ich abspannungsmäßig unter der Decke, denn da war ein Brief von der Rentenversicherung, der mir verkündete dass ich einen Platz in irgend einer Klinik in Hessen zur Reha habe und von der Klinik bald einen Termin zur Aufnahme kriege. Waaaaaaah! Hilfe! Bedrohung! Flucht! Aaaaaaah! Ich rief dann erst mal in der Klinik hier an („Machen Sie erst mal Stresstoleranzskills und melden Sie sich dann nochmal!), skillte und rief nochmal an. Herr E. beruhigte mich, verwies mich auf die Sozialarbeiterin, die ich montags um einen Termin bitten könnte und fragte, wie ich mich nun noch weiter runter kriege. „Und übrigens ist das doch eine super Möglichkeit um morgen mal ein Gefühlsprotokoll zu schreiben…“ – „Ich hab Wochenende! Ich schreibe kein Gefühlsprotokoll!!!“ – „Moooooment mal! Patienten haben kein Wochenende!“. Und so schrieb ich dann am Sonntag eins, brachte nochmals ein wenig Abstand rein, war am Montag bei der Sozialarbeiterin und werde mit ihr zusammen nun Anfang November einen Widerspruch schreiben, dass ich derzeit in Akutbehandlung bin und gerne in einer anderen Klinik bei mir in der Nähe (eventuell) tagesklinisch in die Reha möchte. Erstmal gewaltige Erleichterung. 

Aber mein Wochenende war damit eben ganz und gar nicht entspannt, dabei hätte ich es so dringend nötig gehabt. Dementsprechend erledigt kam ich dann sonntags auch wieder hier an, denn obwohl ich halbwegs gut umgehen konnte mit der Situation hat es eben doch Kraft und Nerven gekostet. 
Heute ist es besser. Das Gefühlsprotokoll gestern hat da einiges gelöst und auch wenn es super merkwürdig war sich während einer Phase des Selbsthasses dann etwas Gutes zu tun, Waffenstillstand mit mir zu schließen und entgegengesetzt zu denken, so hat es doch geholfen und ich bin heute wieder größtenteils auf den Beinen. Wa fühlt sich neu und merkwürdig an sowas zu tun statt in alte Verhaltensweisen zu rutschen, aber es fühlt sich eben auch gut an. Schon gestern sagte Herr N., dass ich mich belohnen soll und das werde ich dann heute auch tun. Genau auf der gleichen Schiene wie gestern, mir eben was Gutes tun. Ich werde mich in die Wanne legen, ganz bewusst genießen, das Leben atmen. 

Gleich habe ich noch Basisgruppe und ein Körpereinzel im Anschluss. Dann ist mein Tag für heute größtenteils vorbei und ich werde nicht mehr allzu viel tun. Morgen mittag muss ich dann dafür zu drei Terminen hintereinander, ohne Pause dazwischen. Aber das kriege ich auch hin, wenn es so bleibt mit meiner Stimmung und Energie. 

This is worth fighting for,
You know we’ve all got battle scars.
You’ve had enough,
But just don’t give up.
Stick to your guns,
You are worth fighting for.
You know we’ve all got battle scars.
Keep marching on.

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