I feel alive

Manchmal mag ich meinen Handyanbieter wirklich. Generell sind sie sehr kulant und tun viel, um ihre Kunden glücklich zu machen. Vorgestern hatte ich ein Aufladeproblem. Normalerweise nutze ich die App, drücke auf den Betrag, den ich aufladen mag, gebe mein Passwort ein und habe kurz darauf das gewünschte Guthaben. Vorgestern wollte es nicht so wirklich, erst am nächsten Tag war das Guthaben dann da und zwar doppelt. An sich nicht schlimm, da es sich nur um einen kleinen Betrag und keine 50 Euro handelt, aber seitdem bekomme ich ständig Nachrichten, dass die Aufladung nicht durchgeführt werden konnte. Also habe ich heute mal die Kundenhotline bemüht. Der Mensch meinte, dass es eigentlich automatisch stoppen müsste und konnte mir auch nicht erklären, warum es das nicht tut. Vorgestern gab es scheinbar Probleme mit dem Server und der Internetverbindung, was die Doppelbuchung erklärt. Ich sagte ihm, dass ich eigentlich ja genau deswegen den Betrag auflade den ich haben will, um dann diesen Betrag zu haben und nicht etwas anderes. Zurückbuchen funktioniert nicht, was wie gesagt auch nicht sonderlich schlimm ist. Er schrieb mir dann netterweise 2 Euro gut, 49
Cent für die Anrufkosten und den Rest, falls das Problem weiter besteht und ich nochmal anrufen muss.
Im letzten Sommer gab es Probleme mit der Flatratebuchung, die einfach 5 Tage lang nicht funktionieren wollte, woraufhin die Internetnutzung eben normal abgerechnet wurde. Nachdem ich mich ein wenig aufgeregt habe am Telefon schrieb der Kundenmensch mir tatsächlich über 20 Euro gut. Auch sonst habe ich schon oft Gutschriften bekommen, wenn beispielsweise das Internet nicht funktionierte, meine Flatrate ja aber dennoch bezahlt war.
Mittlerweile habe ich selten Probleme. Seitdem der Konzern immer größer wird und nun mittlerweile auch über die zwei großen Mobilfunkanbieternetze funktioniert, haben sich die technischen Probleme sehr gebessert. Ich bin glücklich mit meinem Anbieter und würde definitiv keinen Vertrag abschließen, wenn ich so günstig alles nutzen kann, was ich benötige.
Mein Festnetz- und Internetanbieter versucht regelmäßig mir einen Handyvertrag anzudrehen, ich rechne ihnen dann immer meine aktuellen Handykosten vor und erkläre, dass ich zu diesem Preis gerne wechsel. Dazu können sie dann nichts mehr sagen und ich habe wieder Ruhe.

Geweckt wurde ich heute morgen von 5,3 Kilo Katerkind, die auf meinem Brustkorb standen und mir liebevoll in die Backe bissen. Eine eindeutige Aufforderung. Dosenöffner! Der Napf ist leer! Aufstehen! Füttern! Ich sterbe!
Also gab es erstmal Raubtierfütterung, welche kurz darauf mit lautem Schnurren, kuscheln und Dosenöffner putzen erwidert wurde.
Die Meeris sind da nicht so dankbar, sie quieken mich nur kurz an und lassen sich dann ins Heu fallen, um an Möhrchen und Gurken zu knabbern.
Kurz darauf hängt das Katerkind schlafend auf meinem Schoß. Mit dem Kopf und den Vorderpfoten nach unten hängend. Er kann wirklich in den unmöglichsten Positionen schlafen, wenn ich manchmal am PC spiele, quetscht er sich zwischen mich und das Laptopkissen auf meinen Beinen und liegt dann dort wie eine lange schlafende Wurst. Bald wird er 1 Jahr alt und ich kann mir ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen.
Weil ich heute irgendwie trotz schmerzendem Knie das Bedürfnis habe raus zu gehen und ein wenig zu laufen bin ich kurzerhand in die Hauptstadt gefahren und dort zum großen Shoppingcenter. Endlich habe ich nun ein ausziehbares Backblech gefunden, dass auch in meinen Backofen passt, habe ein paar leckere Futtersachen gekauft, die ich sonst nirgends kriege und für meinen Drachenbaum endlich mal Pflanzstäbe, bevor Katerkind ihn ganz umgebracht hat, indem er die Äste um 180° biegt.
Zuhause werde ich mir dann erst mal was kochen und in Ruhe essen, vielleicht zieht es mich danach ja noch ein wenig an die Luft. Je nachdem wann ich daheim bin. Und falls mein Tiefpunkt überwunden ist, denn gerade könnte ich einfach nur schlafen und hab das im Zug auch für ein paar Minuten getan, bis der Schaffner mich anstupste zur Fahrkartenkontrolle.
Vielleicht bin ich auch einfach faul und verziehe mich mit einem Buch in meinen Sitzsack. Wenn ich mich hinlegen würde, kann ich sicherlich in der Nacht nicht sonderlich gut schlafen oder bin noch ewig lange wach. Wobei letzteres mich nicht stört, nur, dass ich dann ewig brauche um die Medikamentenreste los zu werden am nächsten Tag und einfach noch lange völlig müde bin. Vielleicht versuche ich es bald mal die zu reduzieren, mein Psychiater hat mir da ja relativ freie Hand gelassen, dass ich es eben so dosiere wie ich es brauche, ihm dann aber Bescheid gebe. Mal sehen.

Auch heute ist es mit dem Selbstverletzungsdruck wieder in Ordnung. Bis auf zeitweise zwischendurch, weil einfach so viele Menschen überall waren, war es den ganzen Tag kaum in meinem Kopf. Es fühlt sich ungewohnt an, nicht ständig mit Anspannung durch die Gegend zu laufen. Auch wenn es mir sonst relativ gut ging war doch ständig eine gewisse Grundanspannung da, unter 30 fiel die Anspannung nur selten und wenn dann nur kurz. Ich muss mich erst noch daran gewöhnen, dass es auch so sein kann, denn das hatte ich schon lange nicht mehr. Und wie bei allen ungewohnten Dingen macht es mir auch ein wenig Angst, weil es altbekannte Fragen aufwirft. Was bleibt von mir, wenn diese Anspannung weg ist? Was bleibt von mir, wenn die Selbstverletzung wegfällt? Was bleibt von mir, wenn die Krankheit immer weniger Raum einnimmt? Und ich weiß die Antworten, ich weiß, dass mich viel mehr Dinge ausmachen als das Schneiden und die Anspannung. Aber dennoch fühlt es sich neu und ungewohnt an und ist damit einfach erst mal seltsam. Es ist vermutlich utopisch zu sagen, dass das nun so weitergehen wird. Aber es ist ein Anfang von etwas, dass längst überfällig war, es zeigt mir, dass es auch anders gehen kann und da so viel mehr ist im Leben. Es geht weiter, Schritt für Schritt. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt, da ist kein Stillstand. Und das gibt mir Mut und Hoffnung. Und vielleicht schaffe ich es den Mut und die Hoffnung auch durch weitere Tiefs hindurch nicht zu verlieren und mich an solche Momente zu erinnern, die mir zeigen, dass es besser sein kann.
Für Morgen bin ich mit N. zum spazieren verabredet. Ich freue mich drauf, auf hoffentlich viel Sonne und laufen (trotz Arschlochknie) und über alles mögliche reden.
Am Montag muss ich zum Psychiater und dann auch langsam aber sicher anfangen meine Sachen für die Klinik zusammen zu kramen. Mal sehen wie es bis dahin ist, ob ich immernoch im Mix aus Frühling und Sonne und niedriger Anspannung und kaum Gedanken an Selbstverletzung schwebe. Es wäre schön, wenn das ganze noch eine Weile anhält, mir eine Pause zum durchatmen gibt. Sonst sind meine Hochs nach spätestens einem Tag wieder verschwunden, nun ist es quasi schon der zweite Tag. Vielleicht male ich mir im Kalender die Tage rot an, damit ich sie nicht vergesse, auch wenn sie vorbei sein sollten.

I’m walking on sunshine oh oh 
I’m walking on sunshine oh oh 
I’m walking on sunshine oh oh oh 
and don’t it feel good hey alright now 
and don’t it feel good yea oh yea yea 
and don’t it feel good

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