I feel alive

Vorhin in der Achtsamkeit zog ich meine Weste aus, schaute meine Arme an und dachte mir nur ach du scheiße. Narben, Narben, Narben. Und sie jucken und tun weh. So oft hab ich meine Arme gesehen und dachte mir eben, tja, so sehen sie jetzt nunmal aus. Aber vorhin, das war eher ein Schock. Ich. Will. Das. Nicht. Mehr. Ich will keine neuen fette und rote Narben. Keine Wunden mehr, die geklammert oder genäht werden müssen. Das muss doch wohl zu schaffen sein. Gut 2 Wochen habe ich nun nicht mehr geschnitten. Heute Abend gibt es Selbstfürsorge statt Selbstverletzung. Eincremen, die Creme schön einmassieren, einwirken lassen.
In letzter Zeit waren meine Arme immer etwas, dass eben einfach so an mir dran hängt. Aber sie waren nicht wirklich ein Teil von mir, irgendwie außenstehend und unwirklich. Und in meinem Kopf sind direkt wieder die Gedanken, dass es mir nicht schlecht gehen darf wenn ich nicht schneide. Dass es ein Zeichen ist, dass doch alles okay ist. Dass alle sagen werden, dass es mir ja gut gehen muss, weil ich nicht schneide. Ich weiß, so rational gesehen, dass es so nicht ist, dass es mir auch schlecht gehen darf ohne die Wunden und das ich es trotzdem wert bin ernstgenommen zu werden. Aber kann mir das bitte mal jemand noch ein paar Mal sagen? Ich glaube das hilft. Und ich glaube ich muss es auch in der Klinik ansprechen und auch dort hören, ich muss es nochmal bei meinem Psychiater ansprechen und dort hören, ich muss es mehrmals noch von mir selbst hören. Soviel zu dem morgendlichen Chaos beim Anblick meiner Arme (die mich mit dem Jucken verdammt noch mal in den Wahnsinn treiben!).

Eingeschlafen bin ich heute morgen gegen halb 7 wieder. Um viertel vor 11 habe ich die Augen aufgeschlagen, dachte mir, dass ich irgendwas vergessen habe, und schoss aus dem Bett, ins Bad, in meine Klamotten und zur Achtsamkeit.
In Wecker überhören bin ich absolute Spitzenklasse. Genau wie im Tabletten vergessen, wobei das mittlerweile definitiv besser klappt als früher. Gerade fiel mir ein, dass ich heute noch keine genommen habe, mein Tablettenkästchen hat sich irgendwo versteckt, und meine Kiste habe ich auch nicht gefunden. Bis mir dann einfiel, dass ich ja schön konstruktiv war und sie direkt am nächsten Tag Zuhause nach dem Gespräch mit Schwester Nathalie auf meinen Küchenschrank gepackt habe. Nun habe ich also wenigstens meine Medis genommen, muss nachher dringend mein Tablettenkästchen suchen und sowieso neu bestücken, und ich will mal sortieren. „Gute“ Medis werde ich in meinen Badschrank packen, sowas wie Ibu und Diclo und meine Migränetabletten. Der Psychokram bleibt schön in der Kiste und auf dem Schrank. Und wenn ich meine Klingen finde (beim letzten Großaufräumen hab ich sie irgendwo hin gepackt…) packe ich die auch dazu. Dann weiß ich, dass welche da sind (ich könnte also wenn ich wollte), hab sie aber nicht ständig vor der Nase.

Draußen ist richtig schönes Wetter und ich will mich gleich nochmal anziehen und raus und in die Stadt laufen. Denn mein Adventskalender sagte gestern

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Gestern hat das nicht mehr geklappt, also heute mal schauen, was ich so an Deko finde.
Die Möhrchen muss ich dann später noch umtopfen, eine Ladung Wäsche waschen, und eben wie schon geschrieben Selbstfürsorge betreiben.
Morgen will ich eine Freundin treffen, Chrissie wollte eventuell vorbei schauen, ich muss mir demnächst neue Medirezepte ausstellen lassen (aber will ich eigentlich erst tun, wenn die Befreiung da ist… Hoffentlich dauert das nicht ewig…), am Samstag will ich Kuchen backen für eine Freundin, ich hab im Prinzip genug zu tun um meine Tage zu füllen.
Manchmal scheitere ich radikal an der Antriebslosigkeit. An anderen Tagen habe ich dann dafür so viel Energie, dass ich trotz den Seroquel so rumhibbel, wie zu den Zeiten bevor ich angefangen habe sie zu nehmen und gar keine Ruhe finde. So wie heute. Deswegen laufe ich auch in die Stadt, ich muss mich bewegen, mich auspowern, raus, raus, raus.
Bisher ist es ein guter Tag. Wenn er so bleibt wäre das wirklich klasse. Und nun: raus!

I’m walking on sunshine oh oh 
I’m walking on sunshine oh oh 
I’m walking on sunshine oh oh oh 
and don’t it feel good hey alright now 
and don’t it feel good I say it I say it I say it again now

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