If I wasn’t here tomorrow

Gerade habe ich meinen Arm ausgepackt und neu verarztet. Ich finde es sieht nicht so furchtbar aus wie bei genähten Wunden. Es ist zwar auch dick und blau und grün, aber eben eine an sich geschlossene Wunde. Die fühlt sich zwar eklig an, weil sie steinhart ist (naja, ist ja auch Kleber drin), ansonsten ist es aber ganz okay. Und vor allem tut es nicht so bestialisch weh. Ob ich das nun gut finde oder nicht muss ich mir noch überlegen. Nachher will ich die Musik aufdrehen, ein wenig aufräumen, Wäsche waschen und dieses Zeug. Bisher ist der Tag eigentlich wirklich okay, ich fühle mich nicht ganz so erledigt und nutzlos wie gestern.
Für Morgen steht an, dass ich in den Drogeriemarkt, ich brauche eine neue Kohlensäureflasche für mein Sprudelding, ich brauche neues Verbandszeug.
Schwester Sabine sagte gestern, dass sie mir persönlich den Hals umdrehen kommt wenn ich aufgebe. Aufgeben, es wäre so einfach. Am liebsten würde ich es tun, einfach aufgeben. Weil es so schwer ist zu hoffen, zu kämpfen, zu glauben, dass es besser wird.
Und ich frage mich was sich ändern würde. Nach einer Weile würde alles wieder seinen Gang nehmen. Die Trauer verschwinden, der Gedanke nicht mehr so furchtbar schmerzen. Und dann denke ich an meine Schwester. An die drei Beerdigungen, während denen ich ihre Hand hielt, sie meine Hand hielt, während wir beide leise weinten. Und ich weiß, dass ich ihr das nicht antun kann dort zu sitzen, ohne meine Hand die ihre hält.
Manchmal funktioniert es nicht. Manchmal hilft selbst der Gedanke an sie nicht über den enormen Wunsch zu sterben hinweg. Aber manchmal ist sie mein Halt, mein Hafen, mein Rettungsring.

Nächsten Dienstag geht es wieder in die Klinik.

If I wasn’t here tomorrow
Would anybody care?
Still stuck inside this sorrow
I got nothin‘ and going nowhere
I know I’m a mess and I wanna be someone
Someone that I’d like better

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