I’m a survivor

Ich mag das Wort „Opfer“ nicht. Spätestens seit es in den letzten Jahren unter Jugendlichen gebräuchlich wurde als Synonym für uncool, aber eigentlich schon immer. Ich muss dabei automatisch an Opfergaben denken, welche Götter besänftigen sollten.

Ich fühle mich nicht als Opfer. Für mich impliziert dieses Wort automatisch Hilflosigkeit, keine Möglichkeit zu handeln. Natürlich war es so. Natürlich war ich hilflos, hatte keine Möglichkeit mich zu wehren. Doch neben diesen Dingen habe ich eins geschafft – zu überleben. Das wiegt für mich so viel mehr. Es zeigt Stärke und Kraft, Resilienz und Lebenswillen. So viel wichtiger, denn diese Dinge kommen von mir. In die Rolle der Hilflosigkeit wurde ich gedrängt. Doch überlebt habe ich aus eigener Kraft.

Ich bin kein Missbrauchsopfer. Ich habe Missbrauch überlebt.

Nicht unbeschadet, nein. Da ist vieles zerstört worden, da gab es viele ungesunde Wege damit umzugehen. Teilweise gibt es die bis heute. Aber, trotz allem, ich lebe. Ich bin hier, ich atme, ich überlebe nicht nur, sondern lebe mein Leben und versuche jeden Tag das Beste daraus zu machen. Trotz oder gerade wegen meiner Vergangenheit.

Man bleibt nicht einfach hilflos zurück. Missbrauch weckt so viel mehr. Wut, Hass, Aggression, nicht nur passive Gefühle. Und natürlich fühle ich mich manchmal grausam, habe manchmal das Gefühl, dass ich das alles verdient habe, zerfließe in Selbstmitleid. Doch da ist so viel mehr. Die Wut und die Stärke, der Drang mein Leben zurück zu gewinnen.

Ich schweige nicht mehr. Ich rede und schreibe über die Dinge die passiert sind. Ich handle, ich kämpfe gegen die Dämonen. Ich kämpfe für mich. Ich bin kein passives Opfer mehr.

Ich habe überlebt.

I’m a survivor, I’m not gon‘ give up
I’m not gon‘ stop, I’m gon‘ work harder
I’m a survivor, I’m gonna make it
I will survive, keep on survivin‘

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