In den Straßen von Berlin

Ich bin erledigt. Völlig. Aber positiv erledigt.
Mit jeder Minute mehr hier spüre ich, dass es die richtige Entscheidung war hier her zu fahren.
Ich mag die Selbstverständlichkeit, mit der meine Füße mich vom ZOB zur U-Bahn und von der Haltestelle zum Hostel getragen haben.
Die Selbstverständlichkeit, mit der ich den Weg an den Botschaften und frierenden Polizisten gegangen bin in Richtung Unter den Linden und zum Brandenburger Tor. Und den bekannten Geruch und das Geräusch der U-Bahnen, der Menschen um einen rum.
Nun sitze ich frisch geduscht in bequemen Klamotten in der Lobby rum und schaue Walking Dead und schreibe hier. Gleich werde ich ein letztes Mal für heute vor die Türe gehen und eine rauchen und dann ins Zimmer tapsen und in mein Bett fallen. Bevor ich schlafen kann, muss ich eben dieses allerdings ein wenig frei räumen, da ziemlich viel darauf verstreut liegt.
Bisher habe ich 2 meiner Mitbewohner kennen gelernt. Ein Texaner, der spontan nach Griechenland flog und dort Lust auf Currywurst bekam. Nun wird er ein Semester in Berlin verbringen, bevor er in Texas weiter studiert.
Der andere ist ein Mann im mittleren Alter, der beruflich in Berlin ist. Von ihm bekam ich etwas zu hören, was ich bisher noch nicht gehört habe. „Was hast du da an den Armen? Das sieht ja interessant aus.“ Als interessant würde ich das Muster auf meinen Armen nun nicht bezeichnen.
Bevor ich dann unter meine Decken krabbel werde ich mir ein Wärmepflaster auf den Rücken packen, denn der ist von 11 Stunden Bus, den ganzen Tag rumrennen und die kleine Hexe im Rollstuhl schieben ordentlich erledigt und hat mich die letzten Meter zum Hostel fast umgebracht.
Ich war unglaublich viel unterwegs heute. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich eine quasi schlaflose Nacht hinter mir habe und seit nun fast 40 Stunden auf den Beinen bin.

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Ich mag die Selbstverständlichkeit, mit der meine Füße mich einfach weiter getragen haben, trotz der Schmerzen.
Ich mag es um halb zehn abends in den Supermarkt zu gehen, weil ich noch eine Cola will.
Ich mag es mich mit den Menschen treiben zu lassen.
Und es fühlt sich gut an jetzt zu unglaublich erledigt hier zu sitzen. Unglaublich erledigt, aber unglaublich frei und glücklich.

Hat dein Herz auch Narben
Deine Tür bleibt immer auf
Ob du weißt, wie gut du tust
Bei dir regnet’s auch im Sommer
Und dein Schnee wird so schnell grau
Und du schreist, wenn du fluchst

1 Comment

  • Höchst seltsam, was von Berlin und Krankenhaus zu lesen für mich… Immer noch. Aber es erinnert mich so sehr an meine eigenen Gedanken im Moment, weg hier, raus, Abstand von allem, und endlich rausfinden, was ich will. Am liebsten Koffer packen und morgen nach Neuseeland fliegen.

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