It’s never too late

Ich sitze bei Frau K. in der Einzeltherapie. Thema ist die Achtsamkeit vom Dienstag, in der mich das schmecken so getriggert hat, dass ich von einer Sekunde auf die andere in Flashbacks hing. Ich habe es raus geschafft aus der Hochspannung, aus den Flashbacks und aus der Dissoziation. Ich hab den Tag überstanden ohne mich zu verletzen. 

„Sie kämpfen ganz schön.“ sagt sie zu mir und ich nicke. „Können Sie das auch so sehen?“ fragt sie und wir sind mitten in einem heiklen Thema. Ich erkläre ihr, dass alle anderen das doch auch schaffen. Die „normalen“ Menschen. Die verletzen sich auch nicht, überleben auch den Tag und gehen nicht in die Luft wegen einer Kleinigkeit. Wieso soll ich mich dann belohnen, wenn ich das schaffe? „Ja. Wenn wir jetzt unsere Dienstage vergleichen. Ich habe mich nicht selbst verletzt. Ich dachte nicht mal daran. Und ich hatte auch keine Flashbacks.“ antwortet sie mir. „Aber das war einfach. Sie haben gekämpft, richtig gekämpft.“ Ich nicke wieder. Sie hat Recht. Es ist ein schweres Thema für mich. „Gerade hätte ich Sie noch um eine Belohnung rum kommen lassen… Aber nach diesem Satz…“ sagt sie zu mir und schreibt sich auf, dass sie mich am Montag nochmal danach fragen will. Also darf ich mir übers Wochenende etwas einfallen lassen. 

Wir schwenken zu einem anderen Thema. Dass ich nach außen hin immer so stark wirke. Als ob wenig mich umhauen könnte, als ob alles okay wäre. Und wie es innerlich aussieht. Ich antworte ihr, dass ich da mittlerweile schon meist ran komme, an Gefühle. Und beginne zu weinen. 

Ich erzähle ihr, dass es nötig war um zu überleben. Keine Gefühle haben, kein eigenständig denkendes und atmendes Wesen sein. Bloß nicht auffallen. Sie fragt, was ich fühle. „Traurigkeit. Und ein wenig Wut.“ antworte ich ihr. Sie findet das gut. Und findet auch gut, dass es okay ist für mich das grade zu fühlen und zuzulassen. 

Das Ziel in nächster Zeit wird es sein genauer hinzuspüren. Zu schauen, was ich fühle, besonders in den Momenten in denen ich eigentlich denke, dass da nichts ist. Wenn die Gefühle noch nicht so intensiv sind. Und auch angemessene Gefühle anzuschauen. „Wie ich Sie kenne würden Sie die Gefühlsprotokolle hauptsächlich über Gefühle schreiben, die nicht angemessen oder zu intensiv sind.“ meint sie und ich muss lächeln, weil sie mich schon so gut einschätzen kann. „Und dann stehen Sie hinterher da und denken, dass Sie jedes Gefühl abschwächen müssen.“ Sie hat Recht. Also werde ich in der nächsten Zeit wohl Gefühlsprotokoll um Gefühlsprotokoll schreiben. 

Sie schaut mich auch erstaunt an, als sie erfährt, dass ich gestern schon eins geschrieben habe. Ich hätte die doch gerade erst einen Tag zuvor erklärt bekommen und eigentlich waren die nächsten zwei Einzel dafür gedacht die zu besprechen und zu üben. Tja. Hochbegabung sei Dank, mein Hirn verarbeitet einfach zu schnell zu viel. Besonders wenn es mich interessiert. Das ist vielleicht auch ein großer Vorteil, dass ich auf der kognitiven Ebene sehr vieles sehr schnell klar kriege für mich. Und damit vielleicht auf der Gefühlsebene auch weiter komme und mich so unterstützen kann. 

Nun habe ich für heute alles erledigt an Therapie. Gleich geht es noch ein wenig in die Stadt und dann mal sehen. Morgen fahre ich heim zu meinen Tierchen, ich freue mich unglaublich. Auch auf Mama und Schwesterherz und N. und einfach daheim sein. 

Even if I say

It’ll be alright

Still I hear you say

You want to end your life

Now and again we try

To just stay alive

Maybe we’ll turn it all around

‚Cause it’s not too late

It’s never too late

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